[1] Franz Borkenau, Richard Löwenthal und Ossip Flechtheim sind drei Gründerfiguren der westdeutschen Kommunismusforschung, wobei Löwenthal und Flechtheim nicht in der Bundesrepublik im staatsrechtlichen Sinn, sondern in West-Berlin wirkten. Diese Differenz war keineswegs nur formaler Natur, denn einerseits verlieh der Frontstadtstatus von West-Berlin, einer der wichtigsten Stätten der neuen Disziplin, den Auseinandersetzungen mit kommunistischem Ideengut jene gnadenlose Diktion, die sich zum Teil auch auf die ursprüngliche Ausrichtung des Fachs auswirkte. Andererseits wirkten durch die direkte Einflussnahme der US-Besatzungsmacht bei der Gründung der Freien Universität innovative, gerade auch antifaschistische Tendenzen der amerikanischen political science direkt auf die Forschung, Lehre und öffentliche Vermittlung der Kommunismusforschung als neuer Teildisziplin zwischen Zeitgeschichte und Politischer Wissenschaft ein. Diese Art der Kommunismusforschung unterschied sich in den ersten Nachkriegsjahren deutlich von der Ost-Forschung der westdeutschen Bundesländer, die sich trotz aller Bemühungen noch längere Zeit nicht von Überresten der nationalsozialistischen Ostkunde lösen konnte.
Doch auch in den Westzonen und der späteren Bundesrepublik wurde die methodisch oft im Beschreiben von Sachverhalten stehengebliebene Ost-Forschung schließlich durch eine ideologiekritisch und sozialhistorisch ausgerichtete Analyse kommunistischer Ideologie und Herrschaftspraxis überwunden, was die Untersuchung innerkommunistischer Reformbemühungen einschloss. Diese neue Ausrichtung der Wissenschaft wurde im akademischen Bereich (damals ausschließlich) von Männern geprägt, die interne Kenntnis über kommunistische Parteien besaßen; die nicht nur wussten, wie der Kommunismus funktionierte, sondern auch wussten, wie er sozusagen »roch«.[2] So entsprang die Kritik mancher Begründer der Kommunismusforschung als Wissenschaftsdisziplin ihrem einstigen Engagement in der Arbeiterbewegung. Sie hatten im erzwungenen Exil verschiedene Arbeitsweisen und Denkansätze kennengelernt, die sie nach ihrer Rückkehr in wissenschaftliche Erkenntnisse fassten, wie die Biografien von Borkenau, Löwenthal und Flechtheim zeigen.
Im Folgenden seien drei weitere wichtige Persönlichkeiten der deutschen Kommunismusforschung anhand ihrer Hauptwerke kurz vorgestellt, die jene ideologiekritische und sozialhistorische Ausrichtung entscheidend weiter vorantrieben: Wolfgang Abendroth (Sozialgeschichte der europäischen Arbeiterbewegung), Wolfgang Leonhard (Die Dreispaltung des Marxismus) sowie Hermann Weber (Die Wandlung des deutschen Kommunismus).
Sie alle waren ehemalige Kommunisten, die sich jedoch teilweise in unterschiedliche Richtungen entwickelten. Ihre Hauptwerke erschienen in den 1960er-Jahren bzw. 1970 – einer Zeit politischer Umbrüche. Abendroth, Leonhard und Weber gehörten als junge Erwachsene der KPD (Leonhard auch der KPdSU) an. In gewisser Weise sind sie Grenzgänger des Kommunismus: Leonhard und Weber blieben gegenüber dem Gedanken einer inneren Reformierung dieser Bewegung skeptischer als Abendroth. Keiner von ihnen aber verleugnete die Beweggründe, die sie einst zum Eintritt in die Kommunistische Partei bewogen hatten.
Der Begriff des Grenzgängers liegt quer zu zwei anderen Beschreibungen für ehemalige Kommunisten, obgleich er Berührungspunkte mit beiden aufweist: den Ketzern im Kommunismus und den Renegaten des Kommunismus. Laut Isaac Deutscher lehnte sich der Ketzer gegen die Parteidiktatur auf, hielt aber jeweils auf unterschiedliche Weise an den Zielen fest, um derentwillen er einst der Partei beigetreten war. Er verließ die Partei oder wurde ausgeschlossen, weil er dem diktatorischen Parteiregime den Gehorsam aufkündigte, doch hoffte er weiterhin auf eine Reform durch die innerhalb der Partei wirkenden Kräfte. Der Renegat brandmarkte nach seinem Bruch mit der Partei hingegen all das, was er bis dahin angebetet hatte. Für seine neue Passion, den Antikommunismus, brauchte er lediglich das Vorzeichen auszutauschen: Er verharrte darin, die Welt in Schwarz und Weiß zu sehen, nur waren die Farben jetzt anders verteilt, so Deutscher.[3]
I. Wolfgang Abendroth: Der »Partisanenprofessor«
Wolfgang Abendroth, 1906 in Wuppertal-Elberfeld geboren, entstammte einer sozialistischen Familie, schloss sich früh der KPD und dann der antistalinistischen KPD-Opposition (KPDO) an. Zugleich arbeitete er in der antifaschistischen Widerstandsgruppe Neu Beginnen mit. 1936 wurde er in Bern zum Dr. jur. promoviert, ging aber nach Berlin zurück zur illegalen Arbeit. Bis zu Abendroths Verhaftung im Februar 1937 bestand seine Hauptaufgabe in der Herausgabe eines antifaschistischen Pressedienstes, wobei er mit illegalen Kadern der KPD, der KPDO und von Neu Beginnen zusammenarbeitete.[4] Darauf folgten Zuchthaus mit Folter, Strafbataillon und die Desertion zu den griechischen Partisanen. 1946 ging Abendroth in die Sowjetische Besatzungszone, aus der er Ende 1948 in den Westen floh.[5]
Dort gelang ihm mit viel Glück, mächtigen Fürsprechern der hessischen Sozialdemokratie und gegen den Willen der Fakultät die Berufung auf eine Professur für wissenschaftliche Politik an der Philosophischen Fakultät der Universität Marburg, wo er lange Jahre als einziger marxistischer Professor in der ganzen Bundesrepublik amtierte – auch angesichts seiner antifaschistischen Biografie ein »Partisanenprofessor« und »von entwaffnender Unerschrockenheit gegenüber institutioneller Autorität«, so Jürgen Habermas.[6] In Marburg blieb der gelernte Jurist Abendroth vor allem den Rechtswissenschaftlern suspekt, da er früh eine Aufarbeitung der Vergangenheit des Fachs anmahnte. 1985 starb er im Alter von 79 Jahren.
Ab 1951/52 arbeitete Abendroth mit dem später von ihm kritisch beurteilten Ostbüro der SPD zusammen. In seinen Veröffentlichungen und sogar seinen Privatbriefen vermied Abendroth während der gesamten 1950er-Jahre den Begriff DDR, sondern schrieb stets von der »Ostzone«. Abendroth ordnete sich damit durchaus in die herrschende politische Doktrin der frühen Bundesrepublik ein, die auch die SPD voll mittrug.[7] Doch rückte er in den 1960er-Jahren deutlich davon ab. Sein SPD-Ausschluss 1961 bildete dabei die Wegscheide – Abendroth hatte sich zwischen seiner Parteimitgliedschaft und der Unterstützung für den Sozialistischen Deutschen Studentenbund zu entscheiden.
Mit Beharrlichkeit und taktischem Geschick gelang Abendroth in den folgenden Jahren in Marburg die Etablierung einer mit seinem Namen verknüpften Schule, deren Theoriebezug kein politikwissenschaftliches Modell, sondern ein Ensemble marxistischer Grundpositionen zu Problemen der Geschichte und Soziologie der Arbeiterbewegung war. Hierzu gehört auch eine umfangreiche Publikationstätigkeit Abendroths, deren Kernstück mehrere Bücher zur Geschichte der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung waren. Zu nennen sind vor allem: Aufstieg und Krise der deutschen Sozialdemokratie (1964), Sozialgeschichte der europäischen Arbeiterbewegung (1965), Arbeiterklasse, Staat und Verfassung (1975), Ein Leben in der Arbeiterbewegung (1976) sowie Die Aktualität der Arbeiterbewegung (1985).
Für das Anliegen dieses Aufsatzes ist Wolfgang Abendroths Sozialgeschichte der europäischen Arbeiterbewegung das zentrale Werk.[8] Es wurde sein bekanntestes Buch. Die Sozialgeschichte setzte mit den Vorläufern der Arbeiterbewegung in Frankreich und England im frühen 19. Jahrhundert ein, untersuchte die frühkommunistischen konspirativen Gruppen, die die eigenständige Aktivität und den Klassenkampf der Proletarier fördern wollten, und behandelte die sozialistischen Theoretiker, die soziale Veränderungen der entstehenden Industriegesellschaft politisch deuteten. Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Rückständigkeit Deutschlands und mit den Erfahrungen der Klassenkämpfe in den fortgeschrittenen Ländern Westeuropas gelang es Marx und Engels, so Abendroth, »für alle europäischen Arbeiter die Theorie der Entwicklung ihres Selbstbewußtseins, ihrer Ideen und ihres Zieles, der übernationalen klassenlosen Gesellschaft, zu formulieren«.[9]
Abendroth analysierte die Kämpfe der Arbeiter, die in den europäischen Revolutionen von 1848 und 1849 sämtlich mit Niederlagen endeten, darüber hinaus aber auch die folgenden Jahrzehnte der Entstehung sozialistischer Massenparteien, besonders nach der Pariser Kommune von 1871. Er bemühte sich um den Nachweis, dass der Kampf um Demokratie und das sozialistisch-kommunistische Fernziel miteinander zusammenhingen. Dies zeigte seiner Meinung nach eindrücklich die Dreyfus-Affäre 1894 in Frankreich: Dort machte, nach anfänglichem Zögern, die von Jean Jaurès geführte sozialistische Bewegung die Sache des zu Unrecht angeklagten Dreyfus zu der ihren. Lasse man der Reaktion freie Hand, so Jaurès eindringlich, seien die Emanzipation der Juden, aber ebenso die Demokratie und die legale Existenz der Arbeiterparteien bedroht. Nicht anders war es in Deutschland: Die Arbeiterbewegung entwickelte sich, wie Abendroth nicht müde wurde zu betonen, zur Vorkämpferin gegen Nationalismus, Militarismus und kolonialen Expansionismus (allerdings nicht immer entschieden genug gegen Antisemitismus, wie ergänzt werden darf).
Der Erste Weltkrieg führte zum Zerfall der Zweiten Internationale und zur folgenschweren Spaltung der Arbeiterbewegung, deren Auswirkungen Abendroths Buch prägnant sichtbar macht. Eine der Folgen war die Einparteiherrschaft in Sowjetrussland nur wenige Jahre nach der russischen Revolution. Hierfür aber machte Abendroth, und darin unterschied er sich von anderen bürgerlichen wie sozialdemokratischen Autoren, auch die Boykottpolitik gegenüber der Sowjetunion verantwortlich, die große Teile der internationalen Sozialdemokratie mittrugen. Analog dazu entstand der kommunistische Mythos um die Sowjetunion, ohne den der Aufstieg des Stalinismus, vor allem aber seine Herrschaft über die Kommunistische Internationale nicht möglich gewesen wäre.
Laut Abendroth stand die europäische Arbeiterbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg weiterhin vor der doppelten Herausforderung, Demokratie und Sozialismus zu einer Synthese zu vereinen, die einer modernen Industriegesellschaft entsprach. Der Sozialstaat in Westeuropa war für ihn sowohl ein Ergebnis der Klassenkämpfe wie auch eine demokratisch-kapitalistische Reaktion auf die Herausforderung des Sowjetblocks. Dieser habe den Lebensstandard – und vor allem den Bildungsstandard – deutlich gehoben, doch auf autoritäre Weise und ohne demokratische Mitwirkung breiter Teile der Bevölkerung. Dennoch sah Abendroth im 1965 abgeschlossenen Buch – vorsichtig optimistisch – die Sowjetunion und ihre Verbündeten auf dem Weg zu einer allmählichen Reformpolitik, die auch die innerstaatliche und innerparteiliche Demokratie erweitern werde.
Daran hielt Abendroth auch im 1971/72 geschriebenen Nachtrag fest, obgleich die reformkommunistische Politik in der ČSSR inzwischen gewaltsam beendet worden war. Doch zeige gerade die innerkommunistische Kritik an der Invasion – von Belgrad und Bukarest über Rom bis Paris –, dass die Demokratisierungsprozesse nicht aufzuhalten seien, dass die alten Ziele der Arbeiterbewegung in Ost und West aktueller seien denn je. Abendroth begründete dies mit der Notwendigkeit – und auch der Möglichkeit – präsozialistischer »Umorganisierung der Gesellschaft und Wirtschaft« westeuropäischer Staaten nach der Eroberung der politischen Kommandogewalt durch Bündnisse sozialistisch-kommunistischer Parteien, deren Ergebnisse auch in Osteuropa Entwicklungsprozesse in Richtung einer sozialistischen Demokratie in Gang setzen könnten.[10]
Mit dem Abstand von sechs bzw. fünf Jahrzehnten und der Erfahrung der Weltenwende von 1989 erhebt sich die Frage nach der Relevanz von Abendroths Darstellung. Die ersten Jahre eines neuen Jahrhunderts zeigten und zeigen die immensen Probleme der kapitalistischen Gesellschaft. Damit ist auch der Blick auf die Geschichte der kapitalistischen Wirtschaft und Gesellschaft wieder ebenso notwendig wie die Lehren, die aus anderthalb Jahrhunderten des Kampfes der Arbeiterbewegung zu gewinnen sind. Bei der Aneignung und Vermittlung dieser Lehren für neue soziale Bewegungen aber ist Abendroths Sozialgeschichte, die damals sehr positiv aufgenommen und in viele Sprachen übersetzt wurde, im deutschsprachigen Raum weiterhin unverzichtbar, solange nicht eine neue Sozial- und Kulturgeschichte der europäischen Arbeiterbewegung erschienen ist, die es an Übersichtlichkeit und vor allem an Prägnanz der Darstellung mit Abendroths Buch aufnehmen kann.
In der Sozialgeschichte der europäischen Arbeiterbewegung führt Abendroth den historischen Nachweis, dass nur die demokratische Republik die Grundlage für erfolgreiche politische Aktionen der Arbeiterbewegung sein kann. Die Verteidigung demokratischer Grundrechte war für ihn aufgrund seiner Erfahrungen mit dem Faschismus ein zentraler Punkt bei der Beurteilung von Strategie und Taktik der verschiedenen Flügel der Arbeiterbewegung.
II. Wolfgang Leonhard: Ein Zeugnis aus der Wirklichkeit des Stalinismus
Um solche Lehren ging es auch dem zunächst nach Lenin Wladimir genannten Wolfgang Leonhard. Er wurde 1921 in Wien geboren. Dort arbeitete seine deutsche Mutter Susanne für die Presseabteilung der Komintern, die kurz mit Mieczysław Broński, dem damaligen Sowjetbotschafter in Österreich und Vater Leonhards, verheiratet gewesen war. Dieser wuchs jedoch in der Annahme auf, sein Vater sei der expressionistische Lyriker und Dramatiker Rudolf Leonhard.[11]
In Berlin im linken Umfeld aufgewachsen, emigrierte Wolfgang Leonhard – als Kind einer Kommunistin und als sogenannter Halbjude doppelt gefährdet – mit seiner Mutter im März 1935 über Schweden nach Moskau. An der dortigen Karl-Liebknecht-Schule erhielt er eine gediegene Ausbildung und parallel auch eine strikte Schulung in stalinistischer Ideologie. In der Folge akzeptierte er sogar die Tatsache, dass seine Mutter als angebliche Volksfeindin 1936 verhaftet wurde. Nach mehreren Durchgangslagern gelangte sie über Workuta im Nordural ins Petschora-Gebiet in Westsibirien und lebte ab 1946 als Verbannte im Altai-Gebiet südlich von Nowosibirsk. Ihr Sohn besuchte Fremdspracheninstitute in Moskau und Karaganda. Zunächst bei der Komintern tätig, arbeitete er nach deren Auflösung ab 1943 für den Rundfunksender des Nationalkomitees Freies Deutschland.
Seine überaus rasche Auffassungsgabe blieb nicht unbemerkt. Als politisch zuverlässig geltend, kam er im Mai 1945 mit der Gruppe Ulbricht als einer der ersten kommunistischen Kader ins befreite, doch kriegszerstörte Berlin. Walter Ulbricht riet ihm, den russischen Namen Wladimir abzulegen. Von nun an hieß er Wolfgang. Nach verschiedenen Funktionen lehrte er ab 1947 an der SED-Parteischule in Kleinmachnow. Dort traf er seine Mutter wieder, die nach Intervention Wilhelm Piecks bei Stalin im August 1948 aus der Verbannung entlassen worden war.
Der sich abzeichnenden steilen Parteikarriere setzte Wolfgang Leonhard 1949 selbst ein Ende. Er entschloss sich zur Flucht nach Titos Jugoslawien. Am Sender Belgrad vermittelte er in deutschsprachigen Programmen die grundlegenden Unterschiede zwischen Stalins brutaler Diktatur und Titos Suche nach einem Sozialismus, der auf der Arbeiterselbstverwaltung beruhte. 1950 ging er in die Bundesrepublik, wo inzwischen auch seine Mutter lebte. Sein Bestreben, mittels der Unabhängigen Arbeiterpartei, einer kurzlebigen Linkspartei, im Sinne eines »titoistischen« Sozialismus politisch zu wirken, blieb ohne Erfolg.
Mehr Glück hatte er hingegen als politischer Publizist und Wissenschaftler. 1955 erschien sein Lebensbericht Die Revolution entlässt ihre Kinder. Darin schildert er sachlich das Leben in der Sowjetunion, u. a. auch, wie er und viele andere Jungkommunisten so erzogen wurden, dass sie bei allen Verbrechen zunächst nicht an der »großen Sache« zweifelten. Das Buch war einer der ersten authentischen Berichte aus der Lebenswirklichkeit der vom Westen noch immer abgeschotteten Sowjetunion. Es wurde in viele Sprachen übersetzt und ermöglichte seinem Autor eine postgraduale Ausbildung am St. Anthony’s College in Oxford. Dies war der Einstieg in die akademische Welt, der Wolfgang Leonhard schließlich zu einer Professur für Sowjetstudien an der Yale University in den USA verhalf.
Es war und blieb aufgrund Leonhards eigener Entscheidung jedoch eine »halbe« Professur, denn er wollte stets das andere halbe Jahr in Europa leben, wo er sich dem Zeitgeschehen der kommunistischen Welt näher fühlte. In Manderscheid in der Eifel bauten er und seine Frau Elke, Bundestagsabgeordnete der SPD, ihr Haus zum Archiv für Kommunismusforschung aus. Leonhard wurde fester Kolumnist der Wochenzeitung Die Zeit und trat regelmäßig im Fernsehen auf.
In der Bundesrepublik verstand sich Leonhard nicht mehr als Kommunist, vielmehr als unabhängiger Linker, der der SPD nahestand. Seine genaue Kenntnis der Sowjetunion und der entstehenden DDR schützte ihn sowohl vor Blauäugigkeit als auch vor der Rolle als Kalter Krieger. Indes ist unübersehbar, dass Leonhards Kommentare nach der Entmachtung Nikita Chruschtschows 1964 schärfer und bissiger wurden. Er unterstützte die neue Ostpolitik der SPD unter Willy Brandt, warnte aber vor der Illusion, politische Zugeständnisse würden den diktatorischen Charakter der Sowjetunion ändern. Eine Änderung könne nur von innen und nur durch aufgeklärte Kommunisten erfolgen, die allerdings an der Vorherrschaft der Partei festzuhalten suchten, wie er 1959 in seinem Buch Kreml ohne Stalin darlegte.[12] Leonhard weigerte sich entschieden, der populären Lesart zu huldigen, nach der alle Kommunisten grundsätzlich verdammenswert seien. Diese mit Verve und einer Batterie an Fakten vorgetragene Erkenntnis untermauerte er in einer Vielzahl weiterer Bücher. So folgte dem schon erwähnten Werk und einer Chruschtschow-Biografie 1965 fünf Jahre später sein wohl wichtigstes zeithistorisches Werk über Die Dreispaltung des Marxismus. Die Sowjetunion, China und die westeuropäischen kommunistischen Parteien seien auf lange Sicht nicht mehr unter einem ideologischen Dach zusammenzuhalten, schrieb er dort.
Der Hauptgedanke dieses Buches war, dass es, anders als die Ideologen der Partei behaupteten und auch anders als es dem Selbstverständnis der kommunistischen Bewegung entsprach, keinen Marxismus-Leninismus gebe, sondern entweder Marxismus oder Leninismus. Der Leninismus, so Leonhard, »stellt eine widerspruchsvolle Weiterentwicklung des Marxismus dar. Einerseits können manche Theorien und Konzeptionen Lenins als legitime Fortsetzung und Ergänzung des Marxismus angesehen werden; andererseits vollzog sich im Leninismus eine Anpassung marxistischer Vorstellungen an die Verhältnisse Russlands und eine ideologische Verallgemeinerung der Erfahrungen der russischen Revolution.«[13] Das theoretische Gerüst des wissenschaftlichen Kommunismus – wie er in den 1960er-Jahren von der Sowjetunion repräsentiert wurde – hielt Leonhard für ein Mittel zur Aufrechterhaltung der Parteiherrschaft, aber kaum für eine ernsthafte Weiterentwicklung marxistischen Denkens. Es sei Produkt der unbewältigten Vergangenheit des Stalinismus. Der Stalinismus selbst sei »zwar aus dem Leninismus hervorgegangen«, stelle jedoch »keineswegs die logische Fortsetzung und Konsequenz des Leninismus dar, sondern entwickelte sich zu einer Rechtfertigungsideologie eines bürokratisch-zentralistisch-diktatorischen Systems«.[14] Denkbar und sogar praktikabel seien indes auch andere Entwicklungen. Die aus genuinen Revolutionen hervorgegangenen Regimes von China und Jugoslawien, wie immer man sie bewerte, suchten in ihrer Politik, Gesellschaftsorganisation und Ideologie nach alternativen kommunistischen Modellen. Qualitativ verschieden vom diktatorischen Parteikommunismus sowjetischer oder chinesischer Prägung aber sei die innere Entwicklung nicht herrschender kommunistischer Parteien in Westeuropa und einigen außereuropäischen Ländern, wie in Japan, weshalb die proklamierte Einheit der kommunistischen Weltbewegung letztlich Fiktion sei.
Der im östlichen Mitteleuropa in teilweise engem Dialog mit westlichen Kommunisten entstandene Reformkommunismus wolle, so Leonhard, »den Marxismus von späteren Deformationen befreien, das humanistische Anliegen von Marx wieder in den Mittelpunkt [rücken], um damit in Theorie und Praxis der Verwirklichung eines freiheitlichen Modells des menschlichen Sozialismus« zum Durchbruch zu verhelfen.[15] Mit ihrer Forderung nach einem Ende der Parteivormundschaft über die Gesellschaft und nach Gewaltenteilung kämen die Reformkommunisten, so Leonhard, dem demokratisch-freiheitlichen Sozialismus des besten Teils der westlichen Arbeiterbewegung nahe und seien mögliche Partner in einem Kampf für ein zukunftsfähiges Gesellschaftsmodell. Diese Art des Reformkommunismus könnte auch Marxisten in der Dritten Welt dazu bringen, stärker über den Zusammenhang von Demokratie und Sozialismus nachzudenken, als es gegenwärtig (um 1970) der Fall sei, wo der von der Sowjetunion und China adaptierte Marxismus (oder Versatzstücke davon) zu einer Art nationalistischer Befreiungsideologie ohne demokratische Elemente umgeformt werde.
Der Eurokommunismus, dem Leonhard 1978 gleichfalls eine Monografie widmete,[16] bestärkte ihn in dieser Haltung ebenso wie der Aufstieg Michail Gorbatschows. Dass Gorbatschow aber politisch wie wirtschaftlich scheitern könne, sah der Russland-Kenner Leonhard früher als viele Zeitgenossen voraus. Der scharfe Kritiker der DDR wurde deshalb von ihrem Zusammenbruch weniger überrascht als andere. Er warnte aber stets vor jedweder Überheblichkeit im Westen. Die »Abwicklung« von Industrie und Wissenschaft der Ex-DDR sah er ebenso als Katastrophe an wie die politische Ausgrenzung der PDS. Als andere sich von der Paria-Partei abwandten, wurde der rhetorisch ungemein begabte Zeitzeuge zum oft gesehenen Gast auf ihren politischen Veranstaltungen.
Bis fast zuletzt analysierte und kommentierte er die Entwicklung im postsowjetischen Raum – stets in packender Diktion. Er sah in Wladimir Putins anfänglicher »gelenkter Demokratie« sowohl einen möglichen Weg zur politischen Stabilisierung Russlands wie zur gefährlichen Renaissance eines autoritären Regimes. Bis ihn infolge schwerer Krankheiten die Kräfte verließen, warnte er leidenschaftlich vor einer schleichenden und gar offenen Rehabilitierung Stalins. 2014 verstarb Wolfgang Leonhard mit 93 Jahren in einer Klinik in Daun in der Eifel.
III. Hermann Weber: Der KPD auf den Grund gegangen
Hermann Weber prägte wie wohl kein Zweiter die westdeutsche, schließlich auch die gesamtdeutsche Forschung zur Geschichte des deutschen Kommunismus und speziell der DDR. Das Interesse an der Arbeiterbewegung war auch familiär bedingt: 1928 in Mannheim geboren, wuchs Weber in einem kommunistischen Elternhaus auf, das ihn gegen die Naziideologie immunisierte, aber auch nach dem Krieg zunächst seine Hinwendung zur westdeutschen KPD bestimmte. Diese delegierte den Nachwuchskader in den Osten, zur SED-Parteihochschule nach Kleinmachnow.[17]
Doch aus der Funktionärslaufbahn wurde nichts. Im Kältesten Krieg in Westdeutschland wegen sogenannter Geheimbündelei verhaftet, erfuhr Hermann Weber, in dem schon der ideologische Zweifel nagte, vom Juni-Aufstand in der DDR. Dies führte zum inneren Bruch mit dem Parteikommunismus, den Weber jedoch erst 1955, längere Zeit nach der Haftentlassung, auch nach außen sichtbar vollzog. Er wollte nicht als Kapitulant erscheinen.
Die westdeutsche bürgerliche Gesellschaft nahm ihn nicht mit offenen Armen auf. Gemeinsam mit seiner Frau Gerda, die eine ähnliche politische Entwicklung durchlaufen hatte, musste er harte Jahre als schlecht bezahlter Journalist und kaum besser entlohnter Volkshochschuldozent durchstehen, ehe er über den zweiten Bildungsweg Geschichte und Politische Wissenschaften studieren konnte. Bis dahin hatte er sich jedoch schon einen Namen als politischer Publizist gemacht; später gehörte er zum Urgestein der ernsthaft betriebenen DDR-Forschung in der Bundesrepublik. In fast jeder Ausgabe des DeutschlandArchivs, des einzigen Monatsmagazins, das sich ernsthaft mit Fragen der DDR befasste, erschien ein Beitrag von ihm. Es folgten Bücher im Auftrag der Bundeszentrale und der Landeszentralen für politische Bildung.
Den wissenschaftlichen Durchbruch schaffte Hermann Weber mit der Publikation der 1968 an der Reformuniversität seiner Heimatstadt Mannheim eingereichten Dissertation, die im folgenden Jahr unter dem Titel Die Wandlung des deutschen Kommunismus: Die Stalinisierung der KPD in der Weimarer Republik erschien.[18] In diesem stark von Arthur Rosenberg und Ossip Flechtheim beeinflussten Standardwerk wies er nach, dass die KPD keineswegs als antidemokratische, verschwörerische Sekte begonnen hatte, sondern als radikal-demokratische Alternative zur restaurativen Ordnung nach 1918. Doch der Ausgrenzung durch die bürgerliche Gesellschaft und die rechte Sozialdemokratie sei die fatale Selbstausgrenzung der KPD gefolgt. Sie wurde von der bürgerlichen Ordnung in ein gesellschaftliches »Getto« gedrängt, suchte aus der Not aber eine Tugend zu machen, indem sie sich die Sowjetunion als »leuchtendes Idol« erkor.[19] Der realpolitische Flügel wurde durch die ultralinke Parteiführung um Ruth Fischer und Arkadij Maslow immer mehr an den politischen Rand gedrängt, bevor diese schließlich selbst durch die stalintreuen Kräfte um Ernst Thälmann entmachtet wurden. Weber führte den Nachweis des durch die Stalin-Führung und den ihr dienstbaren Komintern-Apparat vollzogenen Wandels von einer Partei mit einem relativ hohen Maß innerer Demokratie zu einer disziplinierten Partei mit zentralisierter Befehlsgewalt. Am Ende der Weimarer Republik hatte die KPD personell wie ideologisch nur noch wenig mit jener Partei gemein, die um die Jahreswende 1918/19 von Rosa Luxemburg und anderen gegründet worden war. Diese Wandlung des deutschen Parteikommunismus belegte Weber anhand von mehr als 500 Biografien des KPD-Funktionärskorps im zweiten Band seiner Untersuchung.[20] Dabei erwies sich das monolithische Parteimodell nicht als praxistauglich: »Es gab weiterhin Auseinandersetzungen; Querelen, Intrigen, aber sie wurden im Rahmen der stalinistischen Partei, hinter den Kulissen und ohne Wissen der Mitgliedschaft ausgetragen. Die innerparteiliche Demokratie der KPD war zerstört, ohne daß eine wirklich monolithische Partei entstanden wäre.«[21] Die Partei flüchtete sich ins Sektierertum, war unwillig und unfähig, die Gefahr des Faschismus zu erkennen und die – unvollkommene – demokratische Ordnung der Weimarer Republik verteidigen zu helfen.
Eine solche Lesart musste natürlich auf erbitterte Gegenwehr vonseiten der DDR stoßen. In deren Publikationen wurde in Erinnerung an Webers KPD-Vergangenheit so oft vom Renegaten Weber geschrieben, dass der Begriff fast zum Bestandteil des Namens zu werden schien. Diese Attacken, die das gängige Totschweigen bisweilen durchbrachen, stießen sich an einer Haltung, die jedoch zur doppelten Herausforderung für Ost und West wurde. In seinem programmatisch Demokratischer Kommunismus? – wenn auch mit Fragezeichen – betitelten Folgeband schrieb Weber noch 1969, dass die bislang als »absurd« bezeichnete Fragestellung einer Verbindung von Kommunismus und Demokratie nun Gegenstand einer ernsthaften Debatte geworden sei. »Im Westen traten immanente antidemokratische Tendenzen zutage, im Osten zeichnete sich eine Auflockerung einst starrer Strukturen ab, die schwarz-weiß-Malerei [sic] vergangener Tage erwies sich offensichtlich als falsch. Die Wandlungen innerhalb des Kommunismus haben erkennen lassen, wie brüchig die Totalitarismus-Doktrin ist. Spätestens die Entwicklung der ČSSR zwischen Januar und August 1968 hat bewiesen, daß eine kommunistische Herrschaft nicht zwangsläufig und unter allen Umständen eine diktatorische Form haben muss; seither sind die Realisierungschancen eines demokratischen Kommunismus mehr als bloße Utopie.«[22]
In der Bundesrepublik war es die geistige Öffnung nach 1968, die einer solch differenzierten Interpretation der Geschichte akademische Chancen einbrachte. Mit Unterstützung unter anderem von Arkadij Gurland und Flechtheim übernahm Weber nach der Habilitation 1973 eine Professur für Politische Wissenschaft in Mannheim. Er schrieb und edierte eine große Zahl an Büchern, von einer Lenin-Biografie bis zur Gewerkschaftsgeschichte und zum Arbeiterwiderstand nach 1933. Seine zuerst 1985 erschienene, auf zahlreichen Vorarbeiten beruhende Geschichte der DDR gilt als sein zweites Standardwerk.[23] Politisch engagierte er sich ab 1955 in der SPD, der er bis zu seinem Tod angehörte.
Der Zusammenbruch der DDR bestärkte Weber zunächst in der Meinung, mit seiner Kritik grundsätzlich recht gehabt zu haben. Dementsprechend hart fiel seine Kritik an der offiziellen DDR-Geschichtsschreibung aus, auch in den »Evaluationen«, denen sich die um den Verbleib in der Wissenschaft bemühten ostdeutschen Forscher zu unterziehen hatten. Mit der Zeit kamen ihm jedoch ernste Zweifel an der Richtigkeit der Massenabwicklung ostdeutscher Forschungseinrichtungen. Zudem machte Weber den Rechtsschwenk der SPD nicht mit, und, ohne seine politische Position zu revidieren, fand er sich nun am linken Rand des deutschen intellektuellen Establishments wieder. Kritik von verbohrten Rechten wie von gewendeten Ex- oder Pseudolinken focht ihn nicht an. Er beteiligte sich vielmehr federführend am Biographischen Handbuch des deutschen Kommunismus, das er gemeinsam mit Andreas Herbst in mehreren Auflagen im Karl Dietz Verlag edierte.[24]
Der persönlich offene, an Kontakten stets interessierte Hermann Weber reiste, ebenso wie sein Freund Wolfgang Leonhard, gleich nach der Grenzöffnung in die DDR. Lernfähige Ex-DDR-Bürger, die Selbstkritik übten, aber dem politisch rechten Zeitgeist widerstanden, waren ihm alsbald die willkommensten Diskussionspartner. Ihnen bot, so sie wissenschaftliche Ergebnisse vorlegten, das von ihm 1993 initiierte Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung ein Forum intellektueller Debatten.
So ist es kein Zufall, dass die von ihm und seiner Frau Gerda gemeinsam verfassten Erinnerungen den Titel Leben nach dem »Prinzip Links« trugen. Die Kritik an den vormals herrschenden kommunistischen Regimes dürfe, schrieb er darin, nicht den Blick auf den Kommunismus »als Teil der sozialen Bewegung, die eine bessere Welt schaffen will«, versperren.[25] Bis zuletzt politisch und bildkünstlerisch hochinteressiert – er ließ sich kaum je eine Kunstausstellung entgehen –, verstarb Hermann Weber Ende 2014 in Mannheim.
IV. Ein Fazit
Die hier vorgestellten Wolfgang Abendroth, Wolfgang Leonhard und Hermann Weber bekannten sich zu ihren politischen Wandlungen, die aber jedes Renegatentum ausschlossen. Ihre öffentliche Wirksamkeit war durch die Erfahrung einer doppelten Katastrophe geprägt: durch die kampflose Kapitulation der deutschen Arbeiterbewegung vor Hitler und den Aufstieg des Stalinismus, im Falle Wolfgang Leonhards auch durch den Holocaust, worüber er erst spät im Leben sprach. Sie fanden als entschiedene Marxisten (Abendroth) oder als am Ende linke Sozialdemokraten (Leonhard und Weber) in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft schließlich Anerkennung, wenngleich der Argwohn gegenüber Menschen, die in ihrer Jugend vom Kommunismus als Ideologie und Bewegung geprägt waren, mitunter auch fortdauerte. Ihre Erfahrungen führten sie in unterschiedlichem, letztlich aber sie alle im prägenden Maße zum kritischen Engagement für eine Demokratie westlichen Musters. Deren historische Belastungsfaktoren wie deren Defizite blieben ihnen, zumal in Deutschland, aber bewusst. Sie bemaßen deshalb die Entwicklung der kommunistischen Welt zunehmend am politischen Standard der liberalen Demokratien, doch weiterhin und stets auch am sozialen Auftrag der Arbeiterbewegung und deren sozialistischer Perspektive, die vor allem Abendroth auch für den Westen anmahnte. Alle drei Protagonisten gehörten damit durchaus zu den Grenzgängern des Kommunismus: Leonhard und Weber entfernten sich dabei weiter als Abendroth von der Partei wie vom Kommunismus als Ideologie und Glaubensgemeinschaft. Dennoch wurde auch ihnen das Schicksal und Scheitern dieser Bewegung, auf deren Reform sie trotz aller Kritik lange hofften, nie gleichgültig. Diese durchaus dialektische Haltung macht diese drei Wegbereiter einer kritischen Geschichts- und Politikwissenschaft auch für die Nachgeborenen zu einer steten intellektuellen und politischen Herausforderung.
[1] Diese Bemerkungen knüpfen an einen Aufsatz an, den der Verfasser dieser Zeilen 2013 im »Jahrbuch für Kommunismusforschung« veröffentlicht hat: Mario Keßler: Wissenschaft und biografische Erfahrung: Franz Borkenau, Richard Löwenthal und Ossip K. Flechtheim – Mitbegründer der westdeutschen Kommunismus-Forschung, in: Ulrich Mählert u. a. (Hg.): Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2013, Berlin 2013, S. 169–182.
[2] Im Bereich der außeruniversitären Forschung und Publizistik sind jedoch Susanne Leonhard (Wolfgang Leonhards Mutter), Wanda Brońska-Pampuch (seine Halbschwester) sowie Carola Stern zu nennen.
[3] Mario Keßler: Grenzgänger des Kommunismus. Zwölf Porträts aus dem Jahrhundert der Katastrophen, Berlin 2015; zu Deutscher ebd., S. 185–204.
[4] Andreas Diers: Arbeiterbewegung – Demokratie – Staat. Wolfgang Abendroth: Leben und Werk, Hamburg 2006, S. 317 ff. (Das Buch behandelt Abendroths Biografie für die Zeit bis 1948.)
[5] Siehe neben der soeben genannten Arbeit von Diers auch Richard Heigl: Oppositionspolitik. Wolfgang Abendroth und die Entstehung der Neuen Linken (1950–1968), Hamburg 2008. Siehe weiterhin Wolfgang Abendroth: Ein Leben in der Arbeiterbewegung. Gespräche, aufgezeichnet von Barbara Dietrich und Joachim Perels, Frankfurt a. M. 1976.
[6] Jürgen Habermas: Philosophisch-politische Profile, erweiterte Aufl., Frankfurt a. M. 1998, S. 249.
[7] Uli Schöler: Die DDR und Wolfgang Abendroth – Wolfgang Abendroth und die DDR, Hannover 2008. Neu bearbeitet und ergänzt als: Wolfgang Abendroth und der »reale Sozialismus«: Ein Balanceakt, Berlin 2012.
[8] Siehe für das Folgende auch Mario Keßler: Kein Ende der Geschichte: Die europäische Arbeiterbewegung aus der Sicht eines westlichen Marxisten, in: Jürgen Danyel u. a. (Hg.): 50 Klassiker der Zeitgeschichte, Göttingen 2007, S. 84–87.
[9] Wolfgang Abendroth: Sozialgeschichte der europäischen Arbeiterbewegung, Frankfurt a. M. 1965, erw. Ausgabe 1972, S. 29.
[10] Wolfgang Abendroth: Sozialgeschichte der europäischen Arbeiterbewegung, erw. Neuaufl., Frankfurt a. M. 1972, S. 242.
[11] Weder über Wolfgang noch über Susanne Leonhard existieren bislang wissenschaftliche Gesamtbiografien. In den autobiografischen Schriften beider findet sich jedoch reichhaltiges Material. Wolfgang Leonhard: Die Revolution entlässt ihre Kinder, Köln 1955 (zahlreiche Übersetzungen und Neuauflagen, zuletzt Köln 2010); ders.: Spurensuche. 40 Jahre nach »Die Revolution entlässt ihre Kinder«, Köln 1992 u. 1994; Susanne Leonhard: Gestohlenes Leben. Schicksal einer politischen Emigrantin in der Sowjetunion, Frankfurt a. M. 1956. Siehe auch das Kapitel zu Susanne Leonhard in: Keßler: Grenzgänger (Anm. 3), S. 89–110.
[12] Wolfgang Leonhard: Kreml ohne Stalin, 2. Aufl., Köln 1960, hier insbesondere auch die Schlussthesen, S. 504.
[13] Wolfgang Leonhard: Die Dreispaltung des Marxismus. Ursprung und Entwicklung des Sowjetmarxismus, Maoismus und Reformkommunismus, Düsseldorf/Wien 1970, S. 460.
[14] Ebd., S. 463.
[15] Ebd., S. 471.
[16] Wolfgang Leonhard: Eurokommunismus. Herausforderung für Ost und West, München 1978.
[17] Auch zu Hermann Weber fehlt noch eine wissenschaftliche Biografie. Siehe aber seine beiden Erinnerungsbände: »Damals, als ich Wunderlich hieß.« Vom Parteihochschüler zum kritischen Sozialisten. Die SED-Parteihochschule »Karl Marx« bis 1949, Berlin 2002; und ders./Gerda Weber: Leben nach dem »Prinzip Links«. Erinnerungen aus fünf Jahrzehnten, Berlin 2006. Siehe weiterhin Marcel Bois: Hermann Weber und die Stalinisierung des deutschen Kommunismus. Eine Rezeptionsgeschichte, in: Ulrich Mählert u. a. (Hg.): Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2018, Berlin 2018, S. 143–162.
[18] Hermann Weber: Die Wandlung des deutschen Kommunismus. Die Stalinisierung der KPD in der Weimarer Republik, 2 Bde., Frankfurt a. M. 1969. Eine gekürzte Ausgabe von Bd. 1 erschien ebd. 1971.
[19] Ebd., Bd. 1, S. 12. »Getto« bei Weber in Anführungszeichen.
[20] Ebd., Bd. 2: Das Führungskorps/Biographien von 504 Funktionären des Führungskorps.
[21] Ebd., Bd. 1, S. 238.
[22] Hermann Weber: Demokratischer Kommunismus? Zur Theorie, Geschichte und Politik der kommunistischen Bewegung, Hannover 1969, S. VII.
[23] Ders.: Geschichte der DDR, München 1985 (erw. Neuausgabe 1999).
[24] Ders./Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918–1945, Berlin 2004; 2., überarb. und stark erw. Aufl. 2008. Supplement ebd. 2013. Die Gesamtzahl der in diesen Bänden versammelten Biografien beträgt 1.869.
[25] Weber/Weber: Leben nach dem »Prinzip Links« (Anm. 17), S. 449.