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JHK - JHK 2019

Exportmodell »Sozialistische Bauernnation«?

Der Bulgarische Volksbauernbund (BZNS) in der Afrika- und Lateinamerikapolitik der Volksrepublik Bulgarien und ihrer Kommunistischen Partei

JHK 2019 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 159-171 | Metropol Verlag

Autor/in: Stefan Troebst

1. Spezifika eines Pro-forma-Zweiparteiensystems

Das politische System der 1946 gegründeten Volksrepublik Bulgarien (VRB) bestand von 1948 bis 1989 aus zwei Parteien, aus der Bulgarischen Kommunistischen Partei (Bălgarska komunističeska partija – BKP) und dem Bulgarischen Volksbauernbund (Bălgarski zemedelski naroden săjuz – BZNS). Bulgarien unterschied sich damit sowohl von der UdSSR mit ihrem Einparteiensystem als auch von anderen Volksdemokratien wie etwa Polen, aber auch der DDR, wo es neben der tonangebenden kommunistischen Partei jeweils mehrere sogenannte Blockparteien, darunter ebenfalls Bauernparteien, gab. Das binäre Parteiensystem des staatssozialistischen Bulgarien war zum einen eine Spätfolge der kleinbäuerlichen Prägung des Landes samt Dominanz des 1899 gegründeten BZNS in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, als die Partei unter ihrem charismatischen Führer Aleksandăr Stamboliijski (1879–1923) von 1919 bis 1923 sogar allein regierte.[1] Zum anderen war der linke Flügel des Bauernbundes wichtigster Partner der Kommunisten in der 1942 als Widerstandsbewegung gegen die mit dem nationalsozialistischen Deutschland paktierende Regierung gegründeten Vaterländischen Front (Otečestven front), die mithilfe der Roten Armee am 9. September 1944 einen erfolgreichen Staatsstreich durchführte.[2]

Nachdem der selbstbewusste Führer des antikommunistischen BZNS-Flügels, Nikola Petkov (1893–1947), 1947 in einem Schauprozess zum Tode verurteilt und gehenkt worden war, schritt die Gleichschaltung der Bauernpartei mit ihren 160 000 Mitgliedern unter ihrem 25 Jahre lang herrschenden pro-kommunistischen Führer Georgi Trajkov (1898–1975) zügig voran. Sichtbarer Beleg war der Beschluss des Obersten Bundesrates des BZNS vom 30. Oktober 1948, auf ein eigenes Parteiprogramm zu verzichten und stattdessen dasjenige der BKP zu übernehmen.[3] Während die neue kommunistische Staatsmacht unter dem Ministerpräsidenten und Ex-Komintern-Chef Georgi Dimitrov (1882–1949) alle anderen politischen Parteien verbot, konnte eine mit der BKP eng verbundene Splittergruppe des Bauernbundes in den kommenden 40 Jahren als formal unabhängige Partei, de facto aber als »Agrarabteilung« der BKP weiter existieren. Dies, obwohl der »bulgarische Stalin« Vălko Červenkov (1900–1980) den BZNS gleichfalls zur Auflösung vorgesehen hatte. Die von 1956 bis 1989 amtierende Nummer eins jedoch, der sich als gütiger Landesvater gerierende Todor Živkov (1911–1998), sah für den BZNS eine neue Rolle vor: Im Innern sollte er die Loyalität der ruralen Bevölkerungsmehrheit im Prozess der forcierten Modernisierung der Landwirtschaft sichern. Dieses Ziel sollte zunächst durch Kollektivierung und Mechanisierung, sodann durch die Einrichtung sogenannter Agro-Industrieller Komplexe erreicht werden. Und in der Außenpolitik wurde dem BZNS von Živkov die Aufgabe übertragen, das Land in der Dritten Welt, aber auch im Westen, als (a) Propagandist friedlicher Koexistenz, (b) innovativ in Sachen Landwirtschaftstechnologie und (c) als Modell für einen sozialen Ausgleich von »Land« und »Stadt« zu repräsentieren. Dabei wurde auf die BZNS-Tradition eines kapitalismuskritischen genossenschaftlichen Kooperativismus und die Ideologie des Stambolijski’schen Agrarismus zurückgegriffen.

Von 1966 bis 1989 stellte der BZNS nicht nur jeweils den Landwirtschafts- und Forstminister, sondern auch den Justizminister, desgleichen periodisch auch die Minister für Bergbau, für öffentliche Bauten, für Kommunikation und für Volksgesundheit. Der von 1975 bis 1989 amtierende Vorsitzende des Ständigen Ausschusses des BZNS, Petăr Tančev (1920–1992), nahm als enger Vertrauter von Partei- und Staatschef Živkov regelmäßig an den Sitzungen des Politbüros des ZK der BKP teil. Überdies war er Erster Stellvertreter Živkovs in dessen Eigenschaft als Staatsratsvorsitzender.[4] Tančevs Sohn Evgeni Tančev (*1952), ein Jurist, stieg mit der Protektion seines Vater zum Chefideologen des BZNS auf.[5]

Der BZNS hatte kontinuierlich ein Viertel der Parlamentssitze sowie ein Fünftel der höheren Verwaltungspositionen inne, allerdings mit Ausnahme von Armee, Miliz und Staatssicherheit. Die Mitgliederzahl blieb ab den 1970er-Jahren auf 120 000 begrenzt, da eine Ratio von 1:10 zur BKP-Mitgliedschaft eingehalten werden sollte. Personen unter 28 Jahren sowie Stadtbewohner hatten so gut wie keine Chance auf Annahme ihrer Aufnahmegesuche. Entsprechend verfügte der BZNS auch über keine eigene Jugendorganisation.[6] In Bezirken, Kreisen, Städten und Dörfern besaß der BZNS Untergliederungen, desgleichen eigene Publikationsorgane, darunter die landesweite Tageszeitung Zemedelsko zname (Landwirt-Banner), das Mitgliederblatt Săjuzen život (Bündisches Leben) und das theoretische Organ Zemja i progres (Land und Fortschritt), einen eigenen Verlag (Izdatelstvo na BZNS), eine Historikerkommission zur Erforschung der Parteigeschichte (Naučna grupa po istorija na BZNS), vor allem aber in Sofia und andernorts eigene Appartmentblocks für seine Funktionäre, Ferienobjekte am Schwarzen Meer, privilegierte medizinische Versorgung u. a. All dies sowie die internationalen Aktivitäten des BZNS mit der Möglichkeit zu Auslandsaufenthalten sowie weitere vom BZNS zu vergebene Privilegien, wie Arbeitsstellen oder Studienplätze, steigerten dessen Attraktivität vor allem bei solchen karrierebewussten Bulgaren, die eine Mitgliedschaft in der BKP ablehnten oder denen eine solche verweigert wurde.

1971 wurde die Steigbügelhalterfunktion des BZNS für die BKP sogar in der neuen Verfassung der VRB festgeschrieben. Im § 1 heißt es: »Die Bulgarische Kommunistische Partei leitet den Aufbau der entwickelten sozialistischen Gesellschaft in der Volksrepublik Bulgarien in enger brüderlicher Zusammenarbeit mit dem Bulgarischen Volksbauernbund.«

Der BZNS seinerseits proklamierte auf seinem 32. Parteikongress im selben Jahr vier grundlegende Prinzipien, nämlich (1) »den Aufbau der entwickelten sozialistischen Gesellschaft«, (2) »die führende Rolle der BKP in sämtlichen Lebensbereichen«, (3) »die bulgarisch-sowjetische Freundschaft« und (4) »friedliebende Außenpolitik«.[7] Der BKP gegenüber war und blieb der BZNS allerdings strikt weisungsgebunden und stand unter der flächendeckenden Kontrolle durch das Komitee für Staatssicherheit im Innenministerium.

Das Vasallenverhältnis des BZNS zur BKP ist augenfällig an den Titeln etlicher Bücher des BZNS-Chefs Tančev ablesbar: »Der BZNS ist der [Bulgarischen Kommunistischen] Partei, dem Volk, dem Sozialismus immerdar treu«, »Der BZNS und der Aufbau der entwickelten sozialistischen Gesellschaft«, »Für das Zusammenwirken zwischen BKP und BZNS« und »Der BZNS – ein treuer Verbündeter im Kampf für Sozialismus und Frieden«.[8] In seiner langen (und auf langen Strecken sykophantischen) Rede als Gast auf dem XI. BKP-Kongress im Frühjahr 1976 unterstrich Tančev die Rolle des BZNS in der »antiimperialistischen« Außenpolitik des Landes vor allem in der Dritten Welt: »Heute, wo die Millionen zählende bäuerliche Masse in Lateinamerika, in den neu befreiten Ländern in Asien und Afrika und in der kapitalistischen Welt einen Ausweg aus ihrer schweren ökonomischen und sozialen Lage sucht, wo in einer Reihe von Weltregionen gewaltige demografische Veränderungen stattfinden und die Frage der Ernährung der Bevölkerung außerordentliche Schärfe erreicht, fragen sich die bäuerlichen Massen mit Recht: Wer kann die Agrarfrage erfolgreich lösen – der Imperialismus, der Maoismus oder der Sozialismus? Die gesellschaftliche Praxis in den Ländern der sozialistischen Gemeinschaft und unsere eigene Erfahrung zeigen, dass nur der Sozialismus in der Lage ist, dieses schwere und komplizierte Agrarproblem zu lösen. Und die bulgarische Erfahrung zeigt, dass der natürliche und wichtigste Verbündete der Arbeiterklasse bei der Lösung dieses Problems die werktätigen Bauern und ihre demokratischen Parteien und Organisationen sind. Weil nur eine wirkliche Volksmacht die Bauern zu Herren des Landes machen und ihre Anliegen von sozialen und kulturellen Umwälzungen in ihrem Leben verwirklichen kann. (Anhaltender Applaus.)«[9]

Und weiter: »Mit seiner aktiven internationalen Tätigkeit trägt der Bulgarische Volksbauernbund zur Realisierung der konstruktiven Außenpolitik Bulgariens bei, in deren Namen er Verbindungen und Kontakte zu ungefähr 60 Bauernparteien und ähnlichen Organisationen in der ganzen Welt unterhält. Mit seiner internationalen Tätigkeit trägt der Bulgarische Volksbauernbund dazu bei, dass die progressiven Bauernparteien und Organisationen ihre Reihen in der gemeinsamen antiimperialistischen Front schließen. Er nimmt aktiv am Kampf gegen die Versuche der Imperialisten, die Einheit der demokratischen Kräfte zu zerstören, und der Maoisten, vor allem in den Ländern der ›dritten Welt‹ in die Bauernbewegungen einzudringen, deren Einheit zu zerschlagen und sie vom richtigen Weg des gemeinsamen Handelns mit allen progressiven und demokratischen Kräften abzubringen, teil.«[10]

Die von Tančev genannten Beziehungen des BZNS zu anderen Bauern- und Nicht-Bauernparteien bezogen sich in den 1950er- und 1960er-Jahren auf den Bereich des Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW), hier vor allem auf die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD) in der DDR und die Vereinigte Volkspartei (Zjednoczone Stronnictwo Ludowe) in der Volksrepublik Polen. Hinzu kamen von den 1970er-Jahren an intensive Kontakte zu Bauernparteien und -organisationen im »Westen«, hier in Japan, Finnland und Italien sowie vor allem zum Deutschen Bauernverband der »alten« Bundesrepublik mit dem CDU-Politiker Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck (1931–2017) an der Spitze. Nicht zuletzt deswegen erschienen zahlreiche Publikationen des BZNS nicht nur auf Russisch, Französisch, Spanisch und Englisch, sondern auch und gerade auf Deutsch, darunter eine hagiografische illustrierte Darstellung seiner »internationalen Tätigkeit […] im Dienste des Friedens und des sozialen Fortschritts«.[11]

Von 1971 an kamen Kontakte des BZNS zu zahlreichen weiteren Parteien unterschiedlicher Couleur in Afrika, Lateinamerika und Asien hinzu, die in bulgarischer Perspektive am »Kampf für den Frieden« beteiligt waren. Insofern kann die Existenz des BZNS und seine Funktion für die bulgarische Landwirtschaftspolitik, vor allem aber seine Bedeutung für die Außen- und Entwicklungspolitik Sofias als Alleinstellungsmerkmal der Volksrepublik Bulgarien gelten. Ein westlicher Bulgarien-Experte hat dies 1990 wie folgt formuliert: »Von anderen noch bestehenden Agrarparteien in den sozialistischen Ländern unterscheidet sich der BZNS durch eine deutlich größere internationale Aktivität, die auf der Zusammenarbeit mit den Schwesterparteien der sozialistischen Länder, den Genossenschaftsorganisationen vor allem in der Dritten Welt, aber auch auf nicht-kommunistische Parteien des Westens, von liberalen Parteien bis hin zu ›grünen‹ Gruppierungen, beruht.«[12]

Die Dekade 1971–1981 war im bulgarischen Fall von einer deutlichen Öffnung nach außen geprägt, was sowohl für Westeuropa als auch für Afrika, Lateinamerika und Asien galt. Maßgeblichen Anteil daran hatte die in diesem Jahrzehnt die Selbstdarstellung des Landes in liberalem Sinne prägende Kulturministerin und Živkov-Tochter Ljudmila Živkova (1942–1981). Ihre auswärtige Kulturpolitik zielte auf eine verstärkte bulgarische Präsenz in den Untergliederungen der Vereinten Nationen und hatte eine dramatische Erhöhung der Zahlen ausländischer Studierender, vor allem solcher aus Afrika und Asien, an den Hochschulen des Landes zur Folge.

Der Umstand, dass der BZNS zum einen sein nahezu totales Abhängigkeitsverhältnis von der BKP, nicht nur in politischer und ideologischer, sondern gerade auch in finanzieller wie personalpolitischer Hinsicht, nie infrage stellte und er zum anderen Karrieristen und Opportunisten gleichsam magnetisch anzog, ist einer der Gründe dafür, dass diese Partei von der bulgarischen Geschichtswissenschaft der Nach-»Wende«-Zeit nahezu gänzlich ignoriert wird.[13] Rumen Avramov, ein seinerzeit regimeferner Ökonom und heute einer der führenden Zeithistoriker des Landes, hat auf eine Anfrage des Autors, warum dieser »weiße Fleck« bislang nicht gefüllt ist, geantwortet: »I do not consider the communist-era BZNS as a subject of meaningful interest for historians. The relative prominence of this political body was a fact of life, but – in my view – to overstate its role is a misleading temptation. In a sense, BZNS was the chef-d’oeuvre of the opportunistic networking and of the grotesque clientelism built by the regime. The Agrarian party lacked the slightest degree of political autonomy.«[14]

Ein weiterer Grund ist der Umstand, dass die archivalische Hinterlassenschaft des BZNS (a) unvollständig, (b) verstreut, (c) mehrheitlich derzeit nicht zugänglich, da archivalisch nicht aufbereitet, (d) partiell wohl vernichtet und (e) zu Teilen im Privatbesitz ehemaliger Mitarbeiter ist. Der Bestand Nr. 75: PP na BZNS (Ständiger Ausschuss des BZNS), der sich seit 2005 im Zentralen Staatsarchiv in Sofia befindet, deckt lediglich den Zeitraum zwischen 1944 und 1950 ab. Der dortige Bestand Nr. 176: Ministerstvo na vănšnite raboti (Ministerium für äußere Angelegenheiten) enthält Dokumente zur internationalen Tätigkeit des BZNS zwischen 1975 und 1989, desgleichen der Bestand Nr. 1B: CK na BKP (ZK der BKP). Ob die laufenden Archive des Ständigen Ausschusses des BZNS und seiner Internationalen Abteilung erhalten sind – und falls ja, wo –, ist unbekannt.[15] Als einziger BZNS-Funktionär hat Angel Dimitrov, der letzte Leiter der Internationalen Abteilung sowie Sekretär des Ständigen Ausschusses, nach 1989 autobiografische Veröffentlichungen mit gewissem Informationswert vorgelegt.[16]

 

2. Afrika in der Außenpolitik der Volksrepublik Bulgarien

Von Ägypten abgesehen, mit dem die 1925 aufgenommenen diplomatischen Beziehungen 1947 erneuert wurden,[17] unterhielt die Volksrepublik Bulgarien anfänglich keine ständigen Vertretungen in Afrika. Dies änderte sich mit dem Amtsantritt von Todor Živkov deutlich: 1956 wurden Beziehungen zum Sudan, zu Äthiopien und Tunesien aufgenommen, bevor dann im Zuge der Entkolonialisierung in den 1960er-Jahren in rascher Folge Handelsvertreter, Konsuln, Chargés d’Affaires, Gesandte und Botschafter mit mehr als zwanzig afrikanischen Staaten, darunter sogar mit dem Apartheid-Regime in Südafrika, ausgetauscht wurden.

Leitlinien Sofiaer Afrikapolitik waren die politische Unterstützung antikolonialer Bewegungen, die materielle – finanzielle und rüstungstechnische – Hilfe an nationale Befreiungsorganisationen, Waffenhilfe an ideologisch »verwandte« postkoloniale Staaten sowie die Herstellung wirtschaftlicher Kontakte zur Gewinnung von Rohstoffen. Entsprechend beauftragte das Politbüro auf Vorschlag der Zentralen Planungskommission 1960 das Außenministerium zu prüfen, wie die neuen diplomatischen Verbindungen zum Export von Rüstungsgütern aus bulgarischer Produktion nach Ägypten, Tunesien, Marokko, Guinea, Ghana genutzt werden könnten, um die Devisenknappheit des Landes zu lindern.[18]

In den 1970er- und 1980er-Jahren wurden mit einem weiteren Dutzend afrikanischer Staaten diplomatische Beziehungen aufgenommen.[19] Die 1974 begonnene und 1976 per Politbürobeschluss fortgesetzte bulgarische Unterstützung der mosambikanischen FRELIMO (Frente de Libertação de Moçambique) und der angolanischen MPLA (Movimento Popular de Libertação de Angola) mit Waffen[20] resultierte 1978 nach deren Machtübernahmen in bilateralen Verträgen über Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen Sofia einerseits und Maputo und Luanda andererseits. 1980 folgte ein ähnlicher Vertrag mit Addis Abeba.[21] Wie aus einer Einschätzung der Afrikaexperten im bulgarischen Außenministerium vom Oktober 1978 hervorgeht, sah man dort die drei Länder Mosambik, Angola und Äthiopien auf einem Entwicklungspfad hin zu einer Volksdemokratie sowjetischen Typs mit marxistisch-leninistischer Staatsideologie. Zugleich wurden die für die bulgarische Ökonomie günstigen Möglichkeiten hervorgehoben.[22] Der Freundschafts- und Kooperationsvertrag mit Libyen von 1983 hatte die Entsendung mehrerer tausend bulgarischer Spezialisten – darunter 2000 Ärzte und Krankenschwestern, aber auch Ingenieure, Architekten, Facharbeiter u. a. – zur Folge.[23] Živkovs Reisediplomatie führte ihn 1972 erstmals auf den afrikanischen Kontinent, nach Ägypten, bevor er 1978 nach Mosambik und Angola[24], 1983 dann nach Nigeria reiste. In der angolanischen Hauptstadt Luanda traf er sich 1978 mit Robert Mugabe (*1924), einem der Protagonisten im Rhodesien-Konflikt, der 1979 nach Sofia kam, um bulgarische Waffenhilfe zu erbitten.[25] Ebenfalls in Bulgarien empfing Živkov die Staatschefs von Mosambik, Äthiopien, Sambia, Guinea, Kongo und Algerien.[26] Ein besonders geschätzter Gast war ungeachtet seines Antikommunismus und seiner Kritik an der UdSSR 1978 und 1983 der libysche Diktator Muammar al-Gaddafi (1942–2011), den Živkov 1976 und erneut 1980 in Tripolis besucht hatte.[27]

Der bulgarische Zeit- und Militärhistoriker Jordan Baev, der bulgarische Waffenlieferungen in die Dritte Welt im Zeitraum von 1950 bis 1989 untersucht hat, differenziert zwischen der diesbezüglichen Unterstützung nationaler Befreiungsbewegungen einerseits und derjenigen von Staaten andererseits. In den 1950er-Jahren waren Nordkorea und Nordvietnam sowie die Algerische Nationale Befreiungsfront (Front de Libération Nationale, FLN) die wichtigsten Empfänger. In den 1960er-Jahren kamen dann Laos, Jemen, Sansibar, die Vereinigte Arabische Republik (Ägypten und Syrien) und Irak sowie jetzt die Befreiungsbewegungen in Mosambik und Angola hinzu. Von der Mitte der 1970er-Jahre an fand eine beträchtliche Ausweitung statt, vor allem nach Afrika, wo Somalia, Äthiopien, Sambia, Benin, Nigeria, Libyen, Tansania und Burkina Faso zusätzliche Zielländer wurden.[28]

Flankiert wurde die Afrikapolitik Živkovs zum einen durch den BZNS, zum anderen durch das Komitee der Bewegung der bulgarischen Frauen (Komitetăt na Dviženieto na Bălgarskite Ženi).[29] Im Zuge einer ungewöhnlich intensiven Reisediplomatie Tančevs und anderer Mitglieder des Ständigen Ausschusses des BZNS wurde neben der »Friedenspolitik« Sofias der Bezug auf das »Bauerntum« samt Anklängen an den Stambolijski’schen kapitalismuskritischen Agrarismus mit seiner Betonung auf landwirtschaftliche Kooperativen in den Vordergrund gerückt. Auch wurde implizit der nicht-kommunistische Charakter des Bundes hervorgehoben, und dies ungeachtet der Tatsache, dass dieser satzungsgemäß aktiv am »Aufbau des Sozialismus in Bulgarien« mitwirkte. Das Bild des mit 100 000 km2 und acht Millionen Einwohnern relativ kleinen RGW-Staates Bulgarien, das die beiden Hauptbestandteile »Hochtechnologie« und »Bauerntradition« aufwies, wurde in etlichen Gesellschaften Afrikas primär vom BZNS geformt.

Bulgarische Expertinnen und Experten, darunter etliche BZNS-Mitglieder, wirkten nicht nur bei der Durchführung von Bauprojekten wie Staudämmen, Brücken, Straßen, Flugplätzen, Minen, Industrieanlagen u. a. mit, sondern auch bei architektonisch anspruchsvollen Repräsentativbauten durch bulgarische Architekten und Baukombinate wie dem Rathaus der simbabwischen Hauptstadt Harare, dem El Menzah-Stadion in Tunis und dem Ohene-Djan-Stadion im ghanaischen Accra, dem Nationaltheater in Lagos, der größten Stadt Nigerias, Letzteres eine Kopie des Kultur- und Sportpalastes im bulgarischen Varna, oder der Hauptmoschee in Azare, ebenfalls in Nigeria. Bauträger war in der Regel der Staatskonzern Technoeksportstroj.[30]

Aufgrund mangelhafter Koordinierung waren Konflikte vor Ort zwischen den BZNS-Beratern und -Ausbildern einerseits sowie bulgarischen Kombinaten, die Großbauvorhaben realisierten, und teils offen, teils verdeckt tätigen bulgarischen Militärberatern und -ausbildern an der Tagesordnung. Appellationsinstanz in solchen Fällen war nicht das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten, sondern die Internationale Abteilung des ZK der BKP.

Ob der BZNS an dem von der BKP gesteuerten Netz mehrerer hundert bulgarischer Joint-Venture-Firmen mit ausländischen Partnern in der Dritten und Ersten Welt beteiligt war, ist unbekannt. Diese Firmen fungierten zum einen als Devisenbeschaffer für den chronisch defizitären Staatshaushalt sowie – mit wechselndem Erfolg – als Importeure bei der Versorgung mit Mangelwaren wie Kaffee, Kakao, Kautschuk, Erze und seltene Erden und als Exporteure von Maschinen und Pharmazeutika. Zum anderen handelte es sich dabei partiell um Tarnfirmen, wie etwa das 1966 von der Staatssicherheit gegründete und weltweit tätige Unternehmen Kintex (Kinteks), das den legalen wie vor allem illegalen Export bulgarischer Rüstungsgüter und wohl auch von Drogen organisierte. Aktionsschwerpunkte all dieser Firmen in Afrika waren an erster Stelle Nigeria, dann Marokko und Libyen, das zugleich der wichtigste Handelspartner Bulgariens auf diesem Kontinent (und gegenüber Sofia hochverschuldet) war. Allein in Nigeria gab es 22 solcher Firmen mit Namen wie Afrocommerce (Afrokomers) oder Afroleasing (Afrolizing). Auch in Angola, Benin, Guinea, Äthiopien, Simbabwe, Kongo, Liberia, Sudan, Togo, Algerien, Tunesien sowie Südafrika unterhielt Bulgarien Joint Ventures dieses Typs.[31]

 

3. Der BZNS in der bulgarischen Lateinamerika-Politik

1922 brach das BZNS-Führungsmitglied und Bildungsminister im Kabinett Stambolijski, Stojan Omarčevski, zu einer ungewöhnlichen Auslandsreise auf. Ziel war Brasilien, Anlass die Feier des 100. Jahrestages der Erlangung staatlicher Unabhängigkeit des südamerikanischen Landes.[32] Dies war der erste Staatsbesuch eines bulgarischen Politikers in Brasilien, und es sollte 38 Jahre bis zum nächsten Besuch eines BZNS-Politikers dauern. Allerdings fand bereits 1959 ein solcher in Argentinien statt. Von 1972 an entwickelte der BZNS unter Tančev eine intensive Reisediplomatie – zunächst nach Chile, dann nach Venezuela, Argentinien, Kolumbien, Mexiko, Guyana und Costa Rica, und in den 1980er-Jahren auch nach Brasilien, Nicaragua, Ecuador, Jamaika, Honduras, Panama, Peru und Uruguay. Ziel war es, vordergründig »Entspannung, Frieden und internationalen Dialog« im Sinne der außenpolitischen Doktrin der Volksrepublik Bulgarien (und der UdSSR) zu propagieren. Dahinter stand das Streben nach Reduzierung des US-amerikanischen Einflusses in der Region, wie im BKP-Politbüro-Beschluss Nr. 351 »Über die Intensivierung der Beziehungen der VR Bulgarien mit den Ländern Lateinamerikas« vom Juni 1970 festgelegt. Mittels »gemeinsamen Kampfes gegen den amerikanischen Imperialismus« sollten »diese Länder allmählich für unsere Sache und ihre Völker als unsere Freunde gewonnen werden«.[33]

Die Lateinamerika-Strategie Sofias bestand dabei aus zwei Komponenten: Zum einen wurde der bereits in der Mitte der 1950er-Jahre einsetzende Prozess der Herstellung diplomatischer Beziehungen mit Staaten der Region intensiviert, sodass Bulgarien bis 1971 in 16 lateinamerikanischen Ländern Botschaften bzw. Handelsmissionen besaß.[34] Zum anderen wurde zu Beginn der 1970er-Jahre der BZNS beauftragt, Kooperationsbeziehungen zu möglichst vielen nicht-kommunistischen Parteien Lateinamerikas, darunter sozialdemokratische, liberale, christlich-demokratische, radikale und natürlich Bauernparteien, herzustellen. Besagtes BZNS-Führungsmitglied und stellvertretender Ministerpräsident Tančev nutzte eine Reise in zwölf Staaten der Region im Juni 1971, um neben Handels- und Wirtschaftsabkommen Gespräche mit zahlreichen Politikern zu führen. Besonders eng gestalteten sich 1972 die Beziehungen zu Chile unter Salvador Allende, 1974 zu Venezuela und Mexiko, 1976 zu Argentinien, 1979 zu Kolumbien und in den 1980er-Jahren zu Parteien in fast allen anderen lateinamerikanischen Staaten. Tančev, seit 1974 BZNS-Chef, unternahm jährlich mehrere Reisen dorthin, teils in seiner Parteifunktion, teils in seiner staatlichen; desgleichen andere BZNS-Führungsmitglieder, darunter der besonders aktive Leiter der Internationalen Abteilung, Angel Dimitrov, und sein Stellvertreter Viktor Vălkov. Zugleich gelang es der BZNS-Führung, die Beteiligung lateinamerikanischer Delegationen an den im Fünfjahresrhythmus stattfindenden Parteikongressen deutlich zu steigern. Waren beim 30. BZNS-Kongress 1962 zwei und beim 32. 1971 acht lateinamerikanische Parteien mit Gaststatus vertreten, so kamen in den Jahren 1976, 1981 und 1986 jeweils über 20.[35] Allen Delegationen wurde die Gelegenheit zu, in der Regel, ausführlichen Grußworten gegeben. Im Anschluss an die mehrtägigen Parteikongresse des BZNS genossen die Gäste aus Übersee zum einen ein umfangreiches Besichtigungsprogramm mit Reisen durch das Land. Zum anderen organisierte die Internationale Abteilung des BZNS unter dem Motto »Für Entspannung, für Sicherheit und Zusammenarbeit« aufwendige Konferenzen mit den ausländischen Gästen und veröffentlichte die Beiträge in separaten Tagungsbänden auf Spanisch, Englisch, Russisch, Deutsch, Französisch und Bulgarisch. In Lateinamerika war der BZNS also der Türöffner zum nicht-kommunistischen politischen Spektrum. Auch hier war das Echo auf die Sofiaer Propagandaoffensive mehrheitlich positiv.

 

4. Resümee

Die Symbiose des BZNS sowohl mit seiner kommunistischen Führungspartei BKP als auch mit dem Staatsapparat der VRB war RGW-weit einmalig. Dasselbe gilt für die Sichtbarkeit des BZNS im Rahmen der Außenpolitik des Landes sowie in den nicht-staatlichen Außenbeziehungen. Zwar hatte die Bauernpartei keine wirkliche Gestaltungsmacht, sondern war durchgängig weisungsabhängig vom ZK der BKP, doch prägte sie das Image der Volksdemokratie im »Westen« wie in der Dritten Welt entscheidend mit. Insofern könnte man von einer gewissen Janusköpfigkeit in der Außenwahrnehmung des Landes sprechen: Die BKP stand für einen ultraorthodoxen Kommunismus leninistischer Prägung, gar für eine »16. Sowjetrepublik«, der BZNS hingegen für eine Stambolijski’sche Bauerndemokratie bei Offenheit auch gegenüber entspannungswilligen Nicht-Sozialisten weltweit. Dass es sich dabei um ein Verwirrspiel für die Außenwelt handelte, Trajkov und Tančev zweifelsohne Marionetten Živkovs waren, steht außer Frage. Dennoch ist Jordan Baev zuzustimmen, wenn er resümiert: »Looking closely at the BANU [Bulgarian Agrarian National Union] international activity one can definitely say that this Bulgarian party showed far more intensive and much wider activities in comparison with similar parties and organizations in the other East European countries.«[36]

Es ist zum einen dieses blockweite Alleinstellungsmerkmal mit globaler Wirkung, das eine bislang nicht erfolgte intensivere Erforschung des BZNS im Staatssozialismus angezeigt sein lässt – und dies ungeachtet der wohl eher persönlichen denn inhaltlichen Aversionen der bulgarischen Historikerzunft. Zum anderen aber ist es die von außen noch immer kaum einsehbare Seite des Innenlebens des BZNS, das die Lebenswirklichkeit Zehntausender Bulgaren mehrere Jahrzehnte lang geprägt hat.

 


[1] John D. Bell: Peasants in Power. Alexander Stamboliski and the Bulgarian Agrarian National Union, 1899–1923, Princeton 1977; Iwan Rankoff: Bauerndemokratie in Bulgarien, in: Heinz Gollwitzer (Hg.): Europäische Bauernparteien im 20. Jahrhundert, Stuttgart/New York 1977, S. 466–503.

[2] Aleksandăr Vezenkov: 9 septemvri 1944 g. [9. September 1944], Sofija: Institut za izsledvane na blizkoto minalo/Institut für das Studium der jüngeren Vergangenheit Siela Norma AD, 2014.

[3] Ljubomir Ognjanov: Političeska sistema na Bălgarija 1944–1947 [Das politische System Bulgariens 1944–1947], Sofija 1966, S. 199–200.

[5] Vgl. Evgeni Tančev: Dăržavno-pravnite văzgledi na Aleksandăr Stambolijski [Die staatsrechtlichen Ansichten Aleksandăr Stambolijskis], Sofija 1984. Evgeni Tančev, der heute zwei juristische Lehrstühle an Sofiaer Universitäten innehat, ist bulgarisches Mitglied sowohl des Gerichtshofs der Europäischen Union (https://curia.europa.eu/jcms/jcms/p1_226573/, ges. am 6.11.2018) als auch der Venedig-Kommission für Demokratie durch Recht des Europarats (http://www.venice.coe.int/WebForms/pages/?p=cv_710, ges. am 6.11.2018).

[6] Aleksandăr Vezenkov: Ednopartijnata sistema: BKP i upravlenieto na stranata [Das Einparteiensystem: Die BKP und die Regierung des Landes], in: Ivajlo Znepolski (Hg.): Narodna republika Bălgarija. Režimăt i obštestvoto [Geschichte der Volksrepublik Bulgarien. Das Regime und die Gesellschaft], Sofija 2009, S. 180–215, hier S. 199–200; Michail Gruev: Kazionnijat BZNS [Der regimetreue BZNS], ebd., S. 150–153; Wolfgang Höpken: Politisches System, in: Klaus-Detlev Grothusen (Hg.): Bulgarien (= Südosteuropa-Handbuch, Bd. VI), Göttingen 1990, S. 173–223, hier S. 191–201; John D. Bell: Domestic Politics, ebd., S. 56–83, hier S. 79.

[7] Georgi Trajkov: Izbranni proizvedenija 1944–1973 [Ausgewählte Werke 1944–1973], Sofija 1980, S. 445 f.

[8] Petăr Tančev: BZNS vinagi veren na Partijata, na naroda, na socializma [Der BZNS ist der (Bulgarischen Kommunistischen) Partei, dem Volk, dem Sozialismus immerdar treu], 2 Bde., Sofija 1981; ders.: BZNS i izgraždaneto na razvito socialističesko obštestvo [Der BZNS und der Aufbau der entwickelten sozialistischen Gesellschaft], Sofija 1983; ders.: Za edinodejstvieto meždu BKP i BZNS [Für das Zusammenwirken zwischen BKP und BZNS], Sofija 1983; ders.: BZNS – veren săjuznik v borbata za socializma i mir [Der BZNS – ein treuer Verbündeter im Kampf für Sozialismus und Frieden], Sofija 1986. Vgl. auch ders.: Petăr Tančev: Meždunarodnata dejnost na BZNS v služba na mira [Die internationale Tätigkeit des BZNS im Dienste des Friedens], in: Meždunarodni otnošenija 11 (1982), H. 5, S. 40–49.

[9] Privetstvie na Petăr Tančev, sekretar na Bălgarskija zemedelski naroden săjuz [Grußwort von Petăr Tančev, Sekretär des Bulgarischen Volksbauernbundes], in: Edinadeseti kongres na Bălgarskata komunističeska partija. 29 mart – 2 april 1976 g. Stenografski protokol [Elfter Kongress der Bulgarischen Kommunistischen Partei. 29. März – 2. April 1976 g. Stenografisches Protokoll], Sofija 1976, S. 230–238, hier S. 236.

[10] Ebd., S. 237.

[11] Todor Kujumdshiew [Kujumdžiev] (Hg.): Für Entspannung, für Sicherheit und Zusammenarbeit. Die internationale Tätigkeit der Bulgarischen Bauernpartei im Dienste des Friedens und des sozialen Fortschritts, Sofia 1983; Wiktor Walkow [Viktor Vălkov] (Hg.): Für Entspannung, für Sicherheit und Zusammenarbeit. Die internationale Tätigkeit der Bulgarischen Bauernpartei im Dienste des Friedens und des sozialen Fortschritts, Sofia 1986. Siehe auch Petyr Tantschew [Petăr Tančev]: Bulgarische Bauernpartei und Bulgarische Kommunistische Partei – Aktionseinheit in der revolutionären Vergangenheit und im sozialistischen Aufbau, Sofia 1975.

[12] Höpken: Politisches System (Anm. 6), S. 197. Ähnlich ein US-amerikanischer Autor in derselben Publikation: »The BZNS has been useful to the regime […] in maintaining contacts with noncommunist agrarian parties around the world.« So Bell: Domestic Politics (Anm. 6), S. 79. Siehe auch Jordan Zarčev: Meždunarodnata dejnost na Bălgarskija zemedelski naroden săjuz (1956–1967 g.) [Die internationale Tätigkeit des Bulgarischen Volksbauernbundes (1956–1967)], in: Izvestija na Instituta po istorija na Bălgarskata komunističeska partija 24 (1970), S. 69–107.

[13] Eine Ausnahme stellt lediglich eine allerdings sehr kurze Darstellung aus dem Jahr 2009 dar: Gruev: Kazionnijat BZNS (Anm. 6). Selbst die westliche Vor-»Wende«-Historiografie ist diesbezüglich detaillierter. Siehe den Abschnitt »Die Bulgarische Nationale Agrarunion (BZNS)« bei Höpken: Politisches System (Anm. 6), S. 191–201. Überwiegend hagiografisch sind die vor 1989 in Sofia und Moskau erschienenen Darstellungen: Jordan Zarčev: Bălgarskijat Zemedelski Naroden Săjuz i socializmăt (1944–1971 g.) [Der Bulgarische Volksbauernbund und der Sozialismus (1944–1971)], in: Istoričeski pregled 35 (1979), H. 4–5, S. 65–72; ders.: BZNS i izgraždaneto na socializma v Bălgarija 1944/62 [Der BZNS und der Aufbau des Sozialismus in Bulgarien 1944–1962], Sofija 1984; Lyuben Bozhkov/Stoyan Ninov: The Historical Path of the Bulgarian Agrarian Party, Sofia 1982; Christo Iv. Christov: BZNS i razvitieto na socialističeskoto obštestvo v NRB 1971–1981 [Der BZNS und die Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft in der VRB 1971–1981], Sofija 1989; und G. A. Černejko: BZNS – vernyj sojuznik bolgarskich kommunistov [Der BZNS – ein treuer Verbündeter der bulgarischen Kommunisten], Moskva 1979.

[14] E-Mail von Rumen Avramov an Stefan Troebst, Sofia, 17. August 2017, 21:53 Uhr (Re: Recenzija).

[15] Nikolaj Poppetrov: BZNS i Afrika. Iztočnici i izsledvanija po temata [Der BZNS und Afrika. Quellen und Forschungen zum Thema], Ms., Sofia, 23. August 2017. Siehe auch ders.: Bălgarskijat zemedelski naroden săjuz i Afrika: aspekti na meždunarodnata dejnost [Der Bulgarische Volksbauernbund und Afrika: Aspekte der internationalen Tätigkeit], Ms., Sofia, 26. August 2017.

[16] Z. B, dass er und Tančev im Dezember 1973 mit Zustimmung des ZK der BKP in Moskau Gespräche mit Boris Ponomarev, Sekretär des ZK der KPdSU, führten, in denen Letzterer sein lebhaftes Interesse daran bekundete, vom BZNS Informationen über die Führungen sozialdemokratischer und agrarischer Parteien Westeuropas zu erhalten. So Angel Dimitrov: Ravnosmetka (spomeni) [Abrechnung (Erinnerungen)], Sofija 1998, S. 163–165. Vgl. auch ders.: Preodoleni mălčanija. Č. 1: Pisana 1995–1998 g. [Überwundenes Verschweigen. Teil 1: Geschrieben 1995–1998], Sofija 2001.

[17] Das 1971 gegründete Sofiaer Institut für ausländische Studierende wurde nach dem im Jahr zuvor verstorbenen ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser benannt: Institut za čuždestranni studenti »G. A. Naser«.

[18] Protokol »B« No. 5 na zasedanieto na Politbjuro na CK na BKP ot 12 maj 1960 g. [Protokoll »B« Nr. 5 der Sitzung des Politbüros des ZK der BKP vom 12. Mai 1960], in: Todor Zhivkov Collection. Wilson Center Digital Archive (http://digitalarchive.wilsoncenter.org/document/112733, ges. am 6.11.2018).

[19] Chronologičeska spravka, za ustanovjavaneto na diplomatičeski otnošenija na Bălgarija [Chronologische Information zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen Bulgariens], in: Marija Mateeva/Christo Tepavičarov: Diplomatičeski otnošenija na Bălgarija 1878–1988, Sofija 1989, S. 351–353.

[20] Rešenie »B« No. 15 na Politbjuro na CK na BKP ot 16. VII. 1976 g. [Beschluss »B« Nr. 15 des Politbüros des ZK der BKP vom 16. Juli 1976], in: Todor Zhivkov Collection. Wilson Center Digital Archive (http://digitalarchive.wilsoncenter.org/document/112234, ges. am 6.11.2018). Zum Stand der bilateralen Beziehungen Bulgariens zu Angola siehe auch einen Sachstandsbericht der Abteilung für den Nahen Osten und Afrika im bulgarischen Außenministerium: Otdel »Sedmi«: Spravka za dvustrannite otnošenija meždu Narodna republika Bălgarija i Narodna republika Angola [Abteilung »Sieben«: Information über die bilateralen Beziehungen zwischen der Volksrepublik Bulgarien und der Volksrepublik Angola], o. D. [1. Oktober 1976], in: Todor Zhivkov Collection. Wilson Center Digital Archive (http://digitalarchive.wilsoncenter.org/document/112238, ges. am 6.11.2018). Vertreter von MPLA und FRELIMO traten auch auf dem XI. Kongress der BKP im Frühjahr 1976 auf. Siehe Edinadeseti kongres (Anm. 9), S. 298–301 und 429–432. Im Erscheinen befindlich ist Jordan Baevs Kapitel über die bulgarischen Kontakte mit MPLA, FRELIMO, ANC (Südafrika), ZAPU-ZANU (Simbabwe) und anderen afrikanischen Unabhängigkeitsbewegungen: Bulgaria and the Warsaw Pact Policy in the Developing World, in: Philip Muehlenbeck/Natalia Telepneva (Hg.): Warsaw Pact Intervention in the Third World: Aid and Influence in the Cold War, London 2018.

[21] Christa Jessel-Holst: Verträge, in: Bulgarien (Anm. 6), S. 718–727, hier S. 722.

[22] Njakoi obšti săobraženija [Einige allgemeine Überlegungen], o. D. [1. Oktober 1978], in: Todor Zhivkov Collection. Wilson Center Digital Archive (http://digitalarchive.wilsoncenter.org/document/113582, ges. 6.11.2018).

[23] Richard J. Crampton: Bulgaria, Oxford 2007, S. 365.

[24] Siehe dazu eine Aufzeichnung des bulgarischen Außenministeriums: Agostino Neto, Samora Mašel i Mengistu Chajle Mariam za borbata na naroda [na] Zimbabve i za položenieto v Patriotičnija Front (Săobraženija, izloženi na poseštenieto na dr. T. ŽIVKOV v Tropičeska Afrika – 16.–19. X. 1978 godina) [Agostinho Neto, Samora Machel und Mengistu Haile Mariam über den Kampf des Volkes (von) Simbabwe und über die Lage in der Patriotischen Front (Überlegungen, vorgetragen beim Besuch von Gen. T. ŽIVKOV im subsaharischen Afrika – 16.–19. X. 1978)], o. D. [Oktober 1978], in: Todor Zhivkov Collection. Wilson Center Digital Archive (http://digitalarchive.wilsoncenter.org/document/113583, ges. am 6.11.2018).

[25] Sue Onslow: Robert Mugabe and Todor Zhivkov, in: Cold War International History Project, May 29, 2012 (https://www.wilsoncenter.org/publication/robert-mugabe-and-todor-zhivkov, ges. am 6.11.2018). Vgl. auch Beležki ot sreštata na dr. Todor Živkov s R. Mugabe [Aufzeichnungen des Treffens von Genosse Todor Živkov mit R. Mugabe], Sofija, 29. Juli 1979, in: Todor Zhivkov Collection. Wilson Center Digital Archive (http://digitalarchive.wilsoncenter.org/document/111111, ges. 6.11.2018).

[26] Crampton: Bulgaria (Anm. 23), S. 365. Siehe auch Oficialni razgovori meždu Todor Živkov […] i Samora Mašel, predsedatel na FRELIMO i prezident na Narodna republika Mozambik. Sofija, 10 septemvri 1980 g. Rezidencija »Bojana« [Offizielle Gespräche zwischen Todor Živkov (…) und Samora Machel, Vorsitzender der FRELIMO und Präsident der Volksrepublik Mosambik. Sofia, 10. September 1980. Residenz »Bojana«], in: Todor Zhivkov Collection. Wilson Center Digital Archive (http://digitalarchive.wilsoncenter.org/document/113421, ges. 6.11.2018).

[27] Pametna zapiska [Aide-Mémoire], Sofija, 11. März 1980, in: Todor Zhivkov Collection. Wilson Center Digital Archive (http://digitalarchive.wilsoncenter.org/document/111114, ges. am 6.11.2018); Srešta meždu dr. Todor Živkov i Muamar Al-Kaddafi [Treffen zwischen Genossen Todor Živkov und Muammar al-Gaddafi], Tripolis, 25. Dezember 1976, in: Todor Zhivkov Collection. Wilson Center Digital Archive (http://digitalarchive.wilsoncenter.org/document/112239, ges. am 6.11.2018); Todorov, Nikolaj: Dnevnik 1966–1998 [Tagebuch 1966–1998], Bd. 1: 1966–1983, Sofija 2007, S. 1141; Marietta Stankova: A Socialist Foreign Policy: Bulgaria’s Relations with the Mediterranean Arab States in the 1970s and 1980s, in: Les cahiers Irice 2013, H. 10, S. 107–121, hier S. 115–120 (http://www.cairn.info/revue-les-cahiers-irice-2013-1-page-107.htm, ges. am 6.11.2018); Veselin Angelov: Pametni beležki za bălgaro-libijskite otnošenija 1967–2007 g. [Aide-Mémoire zu den bulgarisch-libyschen Beziehungen 1967–2007], Sofija 2007.

[28] Jordan Baev: Bulgarian Arms Delivery to Third World Countries, 1950–1989, in: Parallel History Project on Cooperative Security (PHP) (http://www.php.isn.ethz.ch/lory1.ethz.ch/collections/coll_armstrade/introduction4f28.html?navinfo=23065, ges. am 6.11.2018). Siehe auch die Dokumentensammlung von Jordan Baev (Hg.): East-East Arms Trade: Bulgarian Arms Delivery to Third World Countries, 18 September 2006, ebd. (http://www.php.isn.ethz.ch/lory1.ethz.ch/collections/colltopicb50a.html?lng=en&id=23065, ges. am 6.11.2018), sowie ders.: Bălgarskata voenna pomošt za Tretija svjat [Die bulgarische Militärhilfe für die Dritte Welt], in: Voenen žurnal (1992), H. 6, S. 101–109; (1993), H. 1, S. 121–128.

[29] Kristen R. Ghodsee: As Mulheres de Vermelho: O Comite do Movimento Das Mulheres Bulgaras e o Desenvolvimento dos Movimentos de Mulheres Progressistas na Africa e na Asia, 1980–1985 [Die roten Frauen: Das Komitee für die Bewegung der bulgarischen Frauen und die Entwicklung der Bewegungen progressiver Frauen in Afrika und Asien, 1980–1985], in: Perseu 7 (2013), H. 9; dies.: Internationalisme socialiste et féminisme d’État pendant la Guerre froide. Les relations entre Bulgarie et Zambie [Sozialistischer Internationalismus und Staatsfeminismus während des Kalten Krieges. Beziehungen zwischen Bulgarien und Sambia], in: Clio. Femmes, genre, histoire 41 (2015), S. 115–137; dies.: Pressuring the Politburo: The Committee of the Bulgarian Women’s Movement and State Socialist Feminism, in: Slavic Review 73 (2014), S. 538–562.

[30] Siehe dazu die informative Facebook-Seite Bălgarska architektura zad granica [Bulgarische Architektur im Ausland] (https://bg-bg.facebook.com/BGarchitectureabroad/, ges. am 6.11.2018).

[31] Spisăk na zadgraničnite družestva v perioda 1962–1995 g. [Liste der Auslandsgesellschaften im Zeitraum 1962–1995], in: Christo Christov: Imperijata na zadgraničnite firmi. Săzdavane, dejnost i iztočvane na družestvata s bălgarsko učastie za granica 1961–2007 [Das Imperium der Auslandsfirmen. Gründung, Aktivität und Abwicklung der Gesellschaften mit bulgarischer Beteiligung 1961–2007], Sofija 2009, S. 325–345.

[32] Jordan Baev: Anti-Americanism as a Ground for East European-Latin American Political Contacts during the Cold War Years. A Case Study: Bulgarian Agrarian National Union Party’s Relations with Liberal, Christian-Democratic, Social-Democratic, and Radical Parties in Latin America (1960s–1980s), in: Bulgarian Journal of American and Transatlantic Studies (2007), H. 3, S. 1–24, hier S. 2.

[33] Ebd., S. 7. Siehe auch Jordan Baev: Bulgaria and Latin America in the Cold War Years: A Case Study for Soviet Bloc Political Relations with Latin American Countries, in: OPSIS. Catalão-GO 14 (2014), S. 305–338 (https://www.revistas.ufg.br/Opsis/article/viewFile/30774/18244, ges. am 6.11.2018).

[34] Spisăk na dăržavite, s koito Bălgarija poddărža diplomatičeski otnošenija kăm 1 januari 1989 g., po kontinenti [Liste der Staaten, mit denen Bulgarien am 1. Januar 1989 diplomatische Beziehungen unterhält, nach Kontinenten], in: Mateeva/Tepavičarov: Diplomatičeski otnošenija na Bălgarija (Anm. 19), S. 353 f.

[35] Baev: Anti-Americanism (Anm. 32), S. 3 f.

[36] Ebd., S. 3.

Kurzbiografie

Abstract

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