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In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Glatzer, Helene

* 8.2.1902 – ✝ 26.1.1935

Geboren am 8. Februar 1902 in Weinböhla/ Sachsen. Die Eltern waren seit 1905 Mitglied der SPD. Da der Vater früh verstarb, mußte die Mutter zwei Töchter allein erziehen. In Not aufgewachsen, schloß sich Helene Glatzer 1921 der Kommunistischen Jugend Deutschlands an. Sie arbeitete als Kontoristin in Dresden und war die Ernährerin der Familie. Funktionärin des KJVD in Ostsachsen, 1922 Eintritt in die KPD, 1925 verantwortlich für Frauenarbeit in der Bezirksleitung der KPD Ostsachsen (Dresden) und aktiv im Roten Frauen- und Mädchenbund. Von 1929 bis 1930 Abgeordnete des Sächsischen Landtags, setzte sie sich vor allem ein für die Gleichberechtigung und soziale Sicherung der proletarischen Frauen. 1930 in die UdSSR delegiert, arbeitete Helene Glatzer zunächst im Büro der Komintern und studierte dann über drei Jahre an der Internationalen Leninschule in Moskau. Sie heiratete dort den Arzt Max Tschalewitschow, wurde Anfang 1935 zur illegalen Arbeit nach Deutschland geschickt. Es gelang der Gestapo, sie am 26.Januar 1935 in Halle zu verhaften. Wenige Tage nach der Festnahme wurde Helene Glatzer am 31. Januar 1935 im Polizeigefängnis von Halle ermordet und am 6.Februar 1935 in Halle beigesetzt.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Glienke, Franz Richard Hugo

* 25.2.1900 – ✝ 24.10.1979

(* 1900 – † 1979) Geboren am 25. Februar 1900 in Hamburg; Zimmermann, Soldat im Ersten Weltkrieg. Er desertierte, kam in Haft und schloß sich während der Revolution Heinrich Laufenberg an. Später war er unter dem Decknamen Moise Grimberg in Frankreich bei den Anarchisten aktiv. Danach Eintritt in die Fremdenlegion und Einsatz in Marokko. Nach Desertion wurde er durch ein Kriegsgericht verurteilt, 1924 amnestiert. Glienke kam nach Deutschland zurück, veröffentlichte den vielbeachteten Erlebnisbericht »Ein Proletarier in der Fremdenlegion«. Arbeiterkorrespondent für die kommunistische Presse, trat 1929 in die KPD ein, Redakteur bei der »Hamburger Volkszeitung« und Mitarbeiter der BL Wasserkante. Seit 1930 Mitarbeiter des Nachrichtendienstes der Komintern. Nach einigen Wochen »Schutzhaft« im KZ Fuhlsbüttel soll Glienke 1933 angeblich für die Gestapo gearbeitet haben und in deren Auftrag nach Moskau gereist sein. Hier offenbarte er sich der sowjetischen Geheimpolizei und trat in die Dienste der GPU. Nach Deutschland zurückgekehrt, kam er in Konflikte mit der Gestapo, die ihm nun mißtraute. Er flüchtete nach Schweden und unterstützte die KP Schwedens, bekam keine Einreisepapiere für die Sowjetunion. In Exilzeitungen wurde vor Glienke als Gestapospitzel gewarnt, daraufhin begab er sich in die Obhut der deutschen Botschaft in Paris, erhielt von dieser Geld und Rückreisepapiere. Dann in Deutschland festgenommen, kam er in das KZ Sachsenhausen, konnte nach Dänemark fliehen. Durch Vermittlung des Matteotti-Komitees und Kontakten zur dänischen SP veröffentlichte er die Broschüre »Im Dienste der GPU und der Gestapo«. Anfang September 1940 in Dänemark interniert, wurde er im August 1941 nach Hamburg überführt und am 5.Februar 1943 vom OLG Hamburg zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, ab Juni 1944 im Ausländergefängnis in Köslin/Pommern. Nach 1945 Mitarbeit in der VVN Hamburg, ab 1950 im Vorstand des BVN Hamburg, später engagierte er sich bei der Erstellung des Totenbuches des KZ Neuengamme. Franz Glienke starb am 24. Oktober 1979 in Hamburg.

Wer war wer in der DDR

Glöckner, Herbert

* 8.1.1909 – ✝ 6.1.1990

Geb. in Dresden; Vater Brauer; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Fleischer; 1930 KPD; ab 1933 illeg. Arbeit; verhaftet u. wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« zu zwei Jahren u. drei Monaten Haft verurteilt, Haft im Zuchthaus Waldheim u. im KZ Sachsenburg; 1937 – 41 Bauarb.; 1941 erneut festgenommen u. zu 15 Jahren Haft verurteilt, Haft im Zuchthaus Waldheim, anschl. im KZ Mauthausen. 1945 Mitarb. der KPD-KL Dresden; 1946 SED; 1946 – 48 Mitarb. der SED-LL Sachsen; 1948 – 50 2. Sekr. der…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Glückauf, Erich

* 12.9.1903 – ✝ 23.4.1977

Geb. in Wittlich (Eifel); Vater Buchdrucker, Mutter Verkäuferin; Volks- u. Realschule; 1919 – 22 Berg-, Land- u. Bauarb.; ADGB; 1921 KJVD, Rote Ruhrarmee; 1922 KPD; 1923 Mitgl. der KPD-UBL Bielefeld; 1924 – 27 Volontär beim KPD-Organ »Schlesische Arbeiterztg.«; 1927 – 32 Ltr. der Presseabt. der KPD-Reichstagsfraktion, 1930 pol. Red. im Pressedienst des ZK der KPD; 1932/33 Mitgl. der KPD-BL Niederrhein u. Chefred. der »Freiheit«; 1933 – 35 illeg. pol. Arbeit als Pol.-Ltr. des KPD-Bez. Niederrhein… Geboren am 12. September 1903 in Wittlich/ Mosel, Sohn eines Buchdruckers; von 1919 bis 1922 Berg-, Land- und Bauarbeiter. 1919 Mitglied der AAU. Während des Kapp-Putsches Angehöriger der Roten Ruhrarmee und Mitglied der KPD. Von 1924 bis 1927 Redaktionsvolontär bzw. Lokalredakteur an der »Arbeiterzeitung« in Breslau und an der »Niedersächsischen Arbeiterzeitung« in Hannover. Von 1927 bis 1932 leitete Glückauf den Pressedienst, war Sekretär der Reichstagsfraktion und Redakteur des Mitteilungsblattes »Rote Wähler«. Ende 1932 Chefredakteur der »Freiheit« in Düsseldorf, gehörte er bis Anfang März 1933 dem Sekretariat der BL Niederrhein an. Im Mai 1933 illegal Polleiter dieses KPD-Bezirks, emigrierte er Ende 1933 nach Moskau, war dort 1934 zunächst Referent im Mitteleuropäischen Sekretariat der Komintern. Danach Chefredakteur der Saarbrücker »Arbeiterzeitung«. Anfang 1935 arbeitete Glückauf mit Wienand Kaasch als illegaler ZK-Instrukteur in Berlin, anschließend in der âSR und Belgien. 1936 Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien und Lektor an Partei- und Offiziersschulen sowie Redakteur des Deutschen Freiheitssenders 29,8 in Valencia. Ab 1939 ZK-Instrukteur in den Niederlanden, dort verhaftet und nach dreimonatiger Haft von Amsterdam nach Belgien ausgewiesen, er hielt sich in Frankreich auf. Von August 1939 bis 1945 lebte Glückauf in Schweden, war 1940/41 in Langmora interniert und arbeitete von 1942 bis 1945 als Dreher in Stockholm. Er gehörte zur Leitung der deutschen Kommunisten in Schweden und war Verbindungsmann zum sowjetischen Nachrichtendienst, redigierte die deutschsprachige antifaschistische Zeitschrift »Politische Information«. Ende 1945 nach Deutschland zurückgekehrt, wurde Glückauf Chefredakteur der »Volkszei- tung« bzw. der »Landeszeitung« in Schwerin. 1948/49 stellvertretender Vorsitzender des SED-LV Mecklenburg. Im Juni 1949 gemeinsam mit Karl Schirdewan zum Leiter der Abteilung Agitation und Propaganda in der Westkommission der SED berufen, er gehörte zu den wichtigsten Funktionären, die von Ost-Berlin aus die westdeutsche KPD anleiteten. Von 1959 bis 1971 Mitglied des Politbüros der verbotenen KPD, schied dann aus der Westarbeit aus und kam 1971 ins Redaktionskollegium der Zeitschrift »Probleme des Friedens und des Sozialismus« in Prag. Seit 1975 wissenschaftlicher Mitarbeiter am IML, veröffentlichte 1976 seine Erinnerungen unter dem Titel: »Begegnungen und Signale«, die auf Veranlassung von Karl Mewis zurückgezogen wurden. Er erhielt 1970 den Karl-Marx-Orden. Erich Glückauf starb am 23. April 1977 in Ost-Berlin.Michael F. Scholz

Wer war wer in der DDR

Gniffke, Erich Walter

* 14.2.1895 – ✝ 4.9.1964

Geb. in Elbing (Westpr./Elbląg, Polen); Vater Fabrikarb. u. Gewerkschaftsfunktionär; Volksschule in Köln-Mülheim u. Elbing; Handelsschule; 1909 – 12 Ausbildung zum Kfm. in Elbing; 1913 SAJ, SPD; 1913 – 20 Korrespondent, Reisevertr., kfm. Ltr. in Danzig-Schellmühl; Militärdienst; 1914 SPD; 1920 – 24 Vorstandsmitgl. der Westbank AG in Danzig, Prokurist der Firma Krajkemann; 1924 AfA; 1924 – 26 Mitinhaber einer Firma für Export u. Import von Stahlwaren; 1926 – Juni 1933 hauptamtl. Funktionär der…

Wer war wer in der DDR

Goeres, Heinrich

* 17.5.1912 – ✝ 30.9.1978

Geb. in Berlin; Vater Setzer u. Journalist; Volksschule, Realgymn.; Ausbildung zum Graphiker; ab 1930 Volontär im Zentralbüro der dt. Presse; 1933 entlassen; ab 1934 selbständig als Zeichner u. Retuscheur; 1931 KPD, nach 1933 illeg. Arbeit; 1939 – 44 Gebrauchsgraphiker in einer Werbefirma; April – Juni 1941 Wehrmacht; 1944 Dienstverpflichtung als sog. »Halbarier« in einem Arbeitslager der Organisation Todt. 1945 Mitarb. im Bezirksamt Berlin-Wilmersdorf; 1945 / 46 Mitarb. an der Ztg. »Der…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gohr, Theodor

* 23.3.1881 – ✝ 2.1.1950

Geboren am 23. März 1881 in Osche/Krs. Schwetz in Westpreußen, kam in jungen Jahren nach Niedersachsen. Im Weltkrieg Soldat, nach dem Krieg Maschinenarbeiter in Hannover. Mitglied und Funktionär der USPD. 1920 mit der linken USPD zur KPD übergetreten, Anhänger des linken KPD-Flügels. Von 1921 bis 1923 Mitglied des ZA für Niedersachsen, 1924 Delegierter des IX. Parteitages in Frankfurt, wandte sich Gohr besonders radikal gegen die von der Komintern geforderte Gewerkschaftslinie und trat für selbständige kommunistische Gewerkschaften ein. Im Mai 1924 als Kandidat der KPD zur Reichstagswahl aufgestellt (Platz hinter Iwan Katz im Wahlbezirk Südhannover-Braunschweig), aber nicht gewählt. Zum Vorsitzenden der KPD Hannover berufen, war er von Mitte 1924 an auch Sekretär der BL Niedersachsen. Ende 1924 für einige Monate Orgleiter von Niedersachsen. Gohr war Ultralinker und aktiver Anhänger von Iwan Katz. Im Frühjahr 1925 deswegen aus der BL entfernt, konnte er aber seine Position in der KPD Hannover halten. Er organisierte im Januar 1926 den Sturm der Ultralinken auf das Büro der BL Niedersachsen in Hannover und wurde deshalb zusammen mit Katz aus der KPD ausgeschlossen. Gohr wurde Mitbegründer des Spartakusbundes II. Ende 1926 legte er – gemeinsam mit Berthold Karwahne – sein Stadtverordnetenmandat nieder. Da Katz jedoch sein Mandat behielt, schied Gohr, der nun auch den Parlamentarismus ablehnte, aus dem Spartakusbund aus. Er näherte sich der KAP an, trat aber politisch nicht mehr hervor. Während der Hitler-Zeit wegen seiner Vergangenheit überwacht, war er bis zur Rente 1946 als Arbeiter beschäftigt. Theodor Gohr starb am 2.Januar 1950 in Hannover.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Goldberg, Willi

* 15.5.1900

Geboren am 15. Mai 1900 in Königsberg/Ostpreußen; Hafenarbeiter, seit 1916 in der Arbeiterjugend, 1920 in der USPD, ab 1926 Mitglied der KPD, 1928 der RGO, 1931 Instrukteur der RGO im Bezirk Wasserkante. Von Ende 1932 bis Mai 1934 in der Sowjetunion, war u. a. Kursant an der M-Schule der Komintern in Moskau. Anschließend Praktikant im Zentraleuropäischen Büro der MOPR. Ende 1934 Rückkehr zur illegalen Arbeit nach Deutschland, unter dem Decknamen Richard Oberberater der illegalen Landesleitung Bezirk Wasserkante. Goldberg wurde am 2. Februar 1935 in Hamburg festgenommen, legte bei der Gestapo ein umfassendes Geständnis ab und fuhr als Lockspitzel zu einem Treffen mit dem Oberberater des KJVD nach Berlin. Dort nahm die Gestapo den Oberberater fest. Sie konnte aber die Flucht des KPD-»Sicherungsmannes« nicht verhindern. Um sich nicht zu verraten, schloß sich Goldberg dem Fliehenden an. Der AM-Apparat schöpfte Verdacht und beschloß, daß Goldberg »zur weiteren Klärung der Vorkommnisse in Hamburg und Berlin nach Prag gebracht wird«. Willi Goldberg flüchtete im April 1935 in die âSR, weigerte sich aber in die Sowjetunion weiterzureisen. Deshalb 1935 wegen Zusammenarbeit mit der Gestapo Ausschluß aus der KPD. Nach der deutschen Besetzung der Tschechoslowakei im August 1939 verhaftet, ein Jahr später aber wieder freigelassen. Anfang 1942 erneut Festnahme, im Oktober 1942 Verurteilung zu vier Jahren Gefängnis. Anfang 1945 in Königsberg von der Roten Armee gefangengenommen, kam Goldberg in ein Kriegsgefangenenlager nach Swerdlowsk. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Goldhammer, Bruno

* 10.2.1905 – ✝ 7.8.1971

Geb. in Dresden in einer jüd. Fam.; Vater Textilkfm. u. Kinobesitzer, Mutter Schneiderin; Bürgerschule, Realgymnasium in Dresden, mittl. Reife; Mitgl. der jüd. Jugendgr. »Morgenröte«; 1922/23 Volontär im Osterag Verlag Berlin; Ausbildung zum Buchhändler u. Bibliothekar; 1922 Mitgl. des KJV u. der KPD; 1923 Pol.-Ltr. des KPD-UB Dresden; 1924 Austritt aus Jüd. Gemeinde; 1924 – 30 Mitgl. KPD-BL Ostsachsen; 1925 Red., ab 1929 Chefred. der KPD-Ztg. »Arbeiterstimme« (Dresden); 1930 Chefred. »Kämpfer«… Geboren am 10. Februar 1905 in Dresden, Sohn eines Textilkaufmanns; Besuch eines Gymnasiums in Dresden, Ausbildung im Buchhandel, dann Volontär und Redakteur. 1920 Mitglied der Kommunistischen Jugend, 1923 der KPD. 1927 wurde er Redakteur bei der Dresdener KPD-Zeitung »Sächsische Arbeiterstimme«. In den Auseinandersetzungen mit den Rechten in Sachsen radikaler Anhänger des stalinistischen Flügels, 1929 übernahm Goldhammer (als Nachfolger Rudolf Renners, seinem ehemaligen Mentor) die Chefredaktion der Zeitung. Im Januar 1930 zu einem Jahr Festung verurteilt, von 1931 bis 1933 Redakteur in Chemnitz und journalistischer Parlamentsberichterstatter im Sächsischen Landtag. Im Februar 1933 – als Jude besonders gefährdet – emigrierte er nach Prag, gehörte hier der Emigrationsleitung an. 1935 unter dem Pseudonym Brenner Redakteur an der Kominternzeitschrift »Rundschau«, 1936 wurde er Funktionär der KPD-AL Süd und Chefredakteur der illegalen »Süddeutschen Information«, dann der »Süddeutschen Volksstimme«. Ab Juli 1940 längere Zeit interniert. Goldhammer hatte in der Schweiz enge Kontakte zu Noel H. Field, der deutsche kommunistische Emigranten finanziell unterstützte. 1945 kehrte Goldhammer nach Deutschland zurück und wurde KPD-Sekretär in München. Im Juni 1946 wegen Kritik an der Besatzungsmacht kurze Zeit inhaftiert. 1947 nach Berlin geholt, Mitarbeiter der Deutschen Verwaltung für Volksbildung. 1947/48 Chefredakteur des Nachrichtendienstes ADN, dann 1948/49 Chefredakteur des Berliner Rundfunks, 1949 zeitweilig auch stellvertretender Intendant und 1950 im Amt für Information. Am 24. August 1950 aus der SED ausgeschlossen und in der ZK-»Erklärung über Verbindungen deutscher Emigranten mit Noel H. Field« als der »Hauptschuldige für das Eindringen Noel H. Fields in die deutsche Emigration in der Schweiz« bezeichnet. Vor allem wurde ihm vorgeworfen, »nicht behilflich« zu sein bei der »Klärung« und »unaufrichtig gegenüber der Partei«. Noch am gleichen Tag verhaftet, saß er dreieinhalb Jahre in Untersuchungshaft. Alle Anstrengungen seiner MfS-Vernehmer konnten Goldhammer nicht zu einem falschen »Geständnis« bringen. Auch vor dem Obersten Gericht der DDR, das ihn am 28.April 1954 wegen »Verbrechens gegen Kontrollratsgesetz Nr. 10 und Kontrollratsdirektive Nr. 38« zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilte, blieb er standhaft. Erst nach dem XX. Parteitag der KPdSU und den Enthüllungen in Ungarn und Polen über die Field-Affäre als stalinistische Fälschung wurde Goldhammer im April 1956 aus dem Zuchthaus Brandenburg entlassen und im Oktober 1956 öffentlich rehabilitiert. Er blieb in der DDR, kam wieder in die SED und wurde 1956 Redakteur der Zeitschrift »Zeit im Bild« in Dresden. Im Juni 1957 sollte Goldhammer Chefredakteur der SED-Bezirkszeitung »Freiheit« in Halle werden, doch am Tag seines Arbeitsbeginns erlitt er einen Schlaganfall und mußte für längere Zeit in ärztliche Behandlung. Nach der Genesung arbeitete er wieder an der Zeitschrift »Zeit im Bild«, 1970 erhielt er den VVO in Gold. Bruno Goldhammer starb am 7.August 1971 in Dresden.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Goldstein, Arthur

* 18.3.1887 – ✝ 25.6.1943

Geboren am 18. März 1887 in Lipine/Oberschlesien; Journalist, 1914 Mitglied der SPD, 1917 der USPD, gehörte zur kommunistischen Opposition in Berlin. 1920 Gründungsmitglied der KAPD, zeitweilig verantwortlicher Redakteur der »Kommunistischen Arbeiterzeitung«. Goldstein wandte sich in seiner Broschüre »Nation und Internationale« (1920) scharf gegen den Nationalbolschewismus der Hamburger KAPD-Führer Heinrich Laufenberg und Fritz Wolffheim. Ende 1920 noch als erster Vertreter der KAPD in das EKKI nach Moskau delegiert, wurde er im März 1922 mit Karl Schröder u. a. aus der KAPD ausgeschlossen. Danach Mitarbeiter an Paul Levis Zeitschrift »Unser Weg«, Ende 1923 trat er in die SPD ein. Ab 1928 war Goldstein in der Sozialwissenschaftlichen Vereinigung, er beteiligte sich 1929 angesichts von Wirtschaftskrise und wachsender Gefahr einer Rechts-Diktatur am Aufbau konspirativer Zirkel wie der »Roten Kämpfer« innerhalb der SPD. Goldstein schrieb in den »RK-Rundbriefen« vor allem über wirtschaftliche Fragen, gleichzeitig arbeitete er an sozialdemokratischen Blättern, etwa dem »Vorwärts«, mit. 1933 Emigration nach Paris, stand in Verbindung zu sozialistischen Splittergruppen im Exil und bemühte sich vergeblich, eine Auslandsorganisation für die »Roten Kämpfer« zu organisieren. Goldstein schloss sich der trotzkistischen IKD an, in deren Exilleitung er zeitweise Mitglied war. Nach der deutschen Besetzung Frankreichs wurde Arthur Goldstein von der SS verhaftet und nach den in Auschwitz vorliegenden Unterlagen am 23. Juni 1943 in einem Massentransport von 1018 Juden von dem Sammellager Drancy (Frankreich) nach Auschwitz deportiert. Dort wurde er sofort nach der Ankunft am 25. Juni 1943 mit weiteren 517 Juden selektiert und in der Gaskammer von der SS ermordet.

Wer war wer in der DDR

Gollasch, Günter

* 8.3.1923 – ✝ 10.3.2011

Geb. in Burg (Spreewald); Vater Landwirt u. Gemüsehändler; ab 1938 Ausbildung an der Orchesterschule »Friedrich Schreiber« Cottbus (Violine u. Klarinette); erste prakt. Erfahrungen im Orchester des Stadttheaters Cottbus (»Die Stadtpfeifer«); 1941 RAD; ab 1942 – 45 Soldat, amerikan. Kriegsgef. 1947 / 48 Tanz- u. Unterhaltungsorchester Heinz Butz Erfurt, erste Rundfunkarbeit beim Sender Weimar; ab 1948 Studium am Konservatorium Scharwenka (Klarinette); Engagements bei versch. Tanzkapellen u. beim…

dissidenten.eu

Goma, Paul

* 1935 – ✝ 2020

Paul Goma wurde 1935 in dem Dorf Mana in Bessarabien in einer Intellektuellenfamilie geboren, die sich nach dem Krieg in Rumänien niederließ. 1951 wurde er unter dem Vorwurf, in Kontakt zur in den Karpaten agierenden antikommunistischen Partisanenbewegung zu stehen, festgenommen. Nach seiner Freilassung trat er 1954 dem Kommunistischen Jugendverband bei und nahm an der von Parteiideologen geförderten Schule für Literatur und Literaturkritik in Bukarest ein Studium auf. Als sich das Regime 1965…

Wer war wer in der DDR

Glauche, Hans

* 7.2.1928 – ✝ 9.8.1981

Geb. in Freital; Ausbildung zum Rechtspfleger; daneben Amateurauftritte als Kabarettist, u. a. beim Wismutkabarett »Die Funken«; 1959 in Berlin bei der »Berliner Spottgemeinschaft«; ging nach deren (Neu-)Gründung 1961 zur Dresdner »Herkuleskeule«; Mitw. in allen Programmen, besonders bekannt mit Standardszenen »Einzelfahrscheine« u. »Gustav u. Erich« (mit Fritz Ehlert), daneben Fernsehrollen u. Rundfunkarbeit; verfaßte zahlr. Kabarettexte, u. a. die »Gustav u. Erich«-Dialoge u. als erstes…

Wer war wer in der DDR

Glißmeyer, Hans

* 20.6.1936 – ✝ 6.7.2008

Geb. in Wethau (Krs. Naumburg); 1959 Abschluß als Dipl.-Ing. f. Eisenbahnbetrieb an der HS f. Verkehrswesen Dresden, 1965 dort Dr.-Ing.; 1971 Lehrbefähigung f. Straßenverkehrstechnik; Sekretär des DDR-Forschungsrats; Mitgl. versch. ministerieller Arbeits- u. Forschungskreise; 1972 Prof. für Verkehrsplanung; 1977 – 83 Prorektor der HAB Weimar, 1983 – 89 Rektor, 1991 aus der HAB ausgeschieden; ab 1985 kandidierendes Mitgl. der Bauakad. der DDR. Nach 1990 in Berlin Teilnehmer an Projekten zur…

Wer war wer in der DDR

Glöckner, Hermann

* 21.1.1889 – ✝ 10.5.1987

Geb. in Cotta (b. Dresden), aufgew. in Dresden u. Niederneukirch (Lausitz); Vater Schlosser u. Justierer; Volks- u. 1903 Gewerbeschule Leipzig; 1904 – 07 Ausbildung zum Textilmusterzeichner in Dresden; 1909 – 13 freiberufl. Tätigkeit als Künstler; 1915 – 18 Ausbildung als Infanterist in Breslau; Militärdienst; 1919 Zivilangest. in Zittau u. Dresden; 1919 – 22 freiberufl.; 1923/24 Studium an der Dresdener Akad. der bildenden Künste bei Otto Gußmann; 1927 Mitgl. des Dt. Künstlerbundes; erste…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gmeiner, Paul

* 26.8.1892 – ✝ 18.4.1944

Geboren am 26. August 1892 in Afferde/Westfalen; lernte Dreher und siedelte nach Braunschweig über, wo er 1912 der SPD beitrat und 1917 zur USPD wechselte. Aktiver Funktionär der USPD, Gewerkschaftssekretär, Delegierter auf dem USPD-Parteitag im März 1919. Mitglied des Beirates der USPD, nahm im April 1919 am 2. Reichsrätekongreß der Arbeiter- und Soldatenräte in Berlin und am Vereinigungsparteitag von linker USPD und KPD 1920 teil. Dann führender Funktionär der KPD in Braunschweig, wo Gmeiner 1923 vor allem mit dem Aufbau der militärischen Organisation und dem Kauf von Waffen für die BL Niedersachsen beauftragt war. Deswegen im November 1923 verhaftet und im September 1924 zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Inzwischen aber zum Abgeordneten des Landtags von Braunschweig gewählt und 1926 aus dem Gefängnis entlassen. Von 1926 bis 1929 Leiter der KPD in Braunschweig, blieb Gmeiner bis 1933 Abgeordneter des Braunschweiger Landtags und war dort bis 1928 auch für den RFB verantwortlich. 1933 als Führer der illegalen Arbeit der KPD in Braunschweig von der Polizei gesucht, bei seiner Verhaftung Ende 1933 wurde er schwer mißhandelt. Nach Überführung ins KZ Sachsenhausen war er dort als Blockältester der Baracke 3 von seinen Mitgefangenen aller Richtungen geachtet. Paul Gmeiner kam am 18.April 1944 bei einem Bombenangriff auf das Außenkommando Heinkel des KZ Sachsenhausen ums Leben.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Göbel, Jakob

* 31.1.1899 – ✝ 1937

Geboren am 31. Januar 1899 in Frankfurt/M.; Bergarbeiter und Schlosser. 1913 Mitglied der Arbeiterjugend, 1919 der SPD, 1920 der USPD bzw. der VKPD. Göbel wurde 1927 UB-Sekretär in Dortmund und 1928 Gauführer des RFB Ruhr. Im April 1932 wurde er in den Preußischen Landtag gewählt, auch am 5. März 1933 erneut Abgeordneter. 1933 zunächst für die KPD illegal tätig, emigrierte er im September 1933 über die Tschechoslowakei in die Sowjetunion. Dort wurde er im November 1937 vom NKWD verhaftet und in einem Prozeß 1937 vor dem Militärtribunal als »Spion« angeklagt und verurteilt, kurz danach ist Jakob Göbel erschossen worden. 1962 von Sowjetbehörden »rehabilitiert«.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Gohl, Max Paul

* 18.4.1886 – ✝ 25.1.1951

Geboren am 18. April 1886 in Rixdorf bei Berlin. Vier Jahre Metalldrückerlehre, von 1906 bis 1908 Militärdienst. 1910 Mitglied der SPD. Im August 1914 eingezogen, 1917 an der Westfront verschüttet und als Kriegsbeschädigter entlassen. 1917 Mitglied der USPD. 1919 Eisendreher, 1920 hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär im DMV Berlin. Mit der linken USPD 1920 zur KPD. Gohl verlor 1923 seine Gewerkschaftsposition. Zeitweise Funktionär der KPD in Württemberg, wo er seine spätere Frau Maria Reischmann (* 4. 3. 1905 – † 13. 3. 1989) kennenlernte, mit der er bis 1932 verheiratet war. 1924 wurde er Mitglied der BL Berlin-Brandenburg der KPD. Nach der Absetzung Ruth Fischers wählte ihn der Berliner Bezirksparteitag 1925 (zusammen mit Wilhelm Kasper) gegen die vom ZK vorgeschlagenen Kandidaten Max Frenzel und Otto Kühne zum Sekretär für Gewerkschaftsfragen bei der BL. Gohl hielt sich bei den Fraktionsauseinandersetzungen zurück. Er schied wegen Krankheit im April 1928 aus der BL Berlin-Brandenburg aus und wurde im Juni 1930 Angestellter der »Inprekorr«, 1931 Redakteur dieser kommunistischen Pressekorrespondenz. Im März 1932 zu acht Monaten Festungshaft verurteilt. Ab 1933 illegal für die KPD aktiv, wurde Gohl verhaftet und fast zehn Jahre in verschiedenen KZs festgehalten. 1945 schloß er sich der KPD und 1946 der SED an, übte verschiedene kleine Funktionen aus und war von 1948 an in der staatlichen Handelsorganisation HO tätig. Max Paul Gohl wohnte in West-Berlin (Zehlendorf), er starb am 25. Januar 1951 nach kurzer Krankheit in einem Ostberliner Krankenhaus.

Wer war wer in der DDR

Gold, Franz

* 10.10.1913 – ✝ 8.5.1977

Geb. in Botenwald (Krs. Neu-Titschein, Mähren/Butowice, Tschechien); Vater Schmied; Bürgerschule; 1927 – 32 Ausbildung zum u. Arbeit als Fleischer; 1927 Mitgl. der BL des KJV; 1932 – 35 Gelegenheitsarb.; 1932 KPČ; 1933/34 mehrf. verhaftet; 1935 – 37 Soldat in der tschech. Armee; 1937 Schleifer; 1938 erneut Soldat; nach dem Anschluß des Sudetenlandes von Gestapo verhaftet, nach einem Mon. entlassen; 1939 Zollgrenzdienst, dann Fleischer; 1940 Wehrmacht; 1941 sowj. Kriegsgefangenschaft, Besuch der…

Wer war wer in der DDR

Golde, Gert

* 20.6.1937

Geb. in Dresden; Vater Maschinenbauer, Filmvorführer, Elektromonteur, Mutter Kindermädchen u. Verkäuferin; 1943 – 51 Grundschule, 1951 – 55 OS, Abitur in Dresden; 1955 – 59 Studium an der Dt. Hochschule für Filmkunst, Fachrichtung Prod., 1959 Dipl.-Filmökonom; 1959 – 63 Praktikant, dann Aufnahmeltr. im VEB DEFA-Studio für Spielfilme, u. a. Filme: »Das Leben beginnt« (R.:  Heiner Carow), »Der Fall Gleiwitz« (R.:  Gerhard Klein), »Gewissen in Aufruhr« (Teil 5, R.:  Günter Reisch); 1963 – 66…

Wer war wer in der DDR

Goldmann, Friedrich

* 27.4.1941 – ✝ 24.7.2009

Geb. in Chemnitz; 1951 – 59 Mitgl. des Dresdener Kreuzchors; 1959 Abitur; Teiln. am Darmstädter Spezialkurs für Komposition bei Karlheinz Stockhausen; 1959 – 62 Kompositionsstudium an der HS für Musik Dresden, vorzeitiges St.-Ex.; 1962 – 64 Mstr.-Schüler an der DAK bei  Rudolf Wagner-Régeny; 1964 – 68 Studium der Musikwiss. an der HU Berlin; seit 1968 freischaff.; 1973 Hanns-Eisler-Preis; 1977 Kunstpreis der DDR; 1978 AdK, 1980 – 91 dort Ausbildung von Mstr.-Schülern; 1986 NP; ab 1988 ständ.…

Wer war wer in der DDR

Golke, Martha (Kramer)

* 3.7.1913 – ✝ 23.11.1993

Geb. in Berlin; Vater Dreher, KPD-Funktionär; Ausbildung zur u. Arbeit als Stenotypistin; Sept. 1929 KPD; 1929 – 32 Stenotypistin bei der Darmstädter Nationalbank; 1932 – 34 arbeitslos; 1934 – 36 Stenotypistin bei der Adam-Schneider-AG; illeg. pol. Tätigkeit; 1936 Emigr. nach Frankreich u. dann in die UdSSR; ab 1936 Mitarb. des EKKI; Vater Arthur G. wurde vom NKWD verhaftet u. am 2.11.1937 zum Tode verurteilt; 1937 aus org. Gründen Entlassung aus dem Verbindungsdienst des Sekr. des EKKI; Mitarb.…

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Gollmick, Walter

* 4.10.1900 – ✝ 15.2.1945

Geboren am 4. Oktober 1900 in Berlin-Schöneberg; kaufmännische Lehre, anschließend kaufmännischer Angestellter. Nach der Revolution Mitglied der Kommunistischen Jugend, seit 1920 der KPD. Als Vertreter der Reichszentrale der Kommunistischen Jugend unterschrieb er im Dezember 1921 einen Protest gegen die feindliche Haltung der KPD-Zentrale zur KAG, blieb aber in der KJD und übernahm hauptamtliche Funktionen. Seit 1921 Stadtverordneter in Berlin. Längere Zeit für Agitproparbeit in der Zentrale des KJVD verantwortlich. 1926 unter dem Pseudonym Kanzai Redakteur in Suhl. Gollmicks Versuch, den Einfluß Guido Heyms am linksoppositionellen Suhler »Volkswillen« einzudämmen, mißlang. Er war 1928 Agitpropsekretär der BL Ruhr in Essen, Anfang 1929 ins ZK nach Berlin geholt, um in der Agitpropabteilung eine verantwortliche Tätigkeit zu übernehmen. Bis 1933 übte Gollmick im ZK verschiedene wichtige Funktionen aus, 1933 enger Mitarbeiter von John Schehr bis zu dessen Verhaftung. 1934 Emigration, Grenzarbeit in Dänemark, in Kopenhagen Redakteur der Abschnittsleitung Nord. Gollmick redigierte die von der AL herausgegebene Zeitschrift »Norddeutsche Tribüne«. Er wurde nach der deutschen Besetzung verhaftet. Ende 1941 befand sich Gollmick in »Schutzhaft« in Hamburg, dort 1944 entlassen, stand aber unter Polizeiaufsicht. Die Ehefrau Gollmicks wandte sich Mitte 1946 von Niedersachsen aus an Wilhelm Pieck und bat um Unterstützung ihrer Anerkennung als OdF. Am 7. September 1946 teilte das Büro Pieck mit, daß Gollmick in der Tat bis zum Jahre 1933 Mitarbeiter der Agitpropabteilung des ZK war und in der Illegalität in Berlin diese Funktion noch weiter ausübte. Widersprochen wurde jedoch den Angaben der Ehefrau, Gollmick sei 1937 in Hamburg zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Vielmehr sei er 1940 bzw. 1941 in Kopenhagen von der Gestapo verhaftet und nach Hamburg gebracht worden, wo er »umfiel« und zu einem »Agenten der Gestapo« wurde. Wörtlich hieß es in dem Schreiben: »Er ist nach uns hier vorliegenden Mitteilungen im Jahre 1945 nicht von der SS in Hamburg ermordet worden, sondern hat nach dem Zusammenbruch des Naziregimes Selbstmord begangen, da er nach dem von ihm verübten Verrat keinen anderen Ausweg gesehen hat.« Nach amtlicher Feststellung soll Walter Gollmick am 15. Februar 1945 in Hamburg verstorben sein.

Wer war wer in der DDR

Gomolka, Alfred

* 21.7.1942 – ✝ 24.3.2020

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); 1960 Abitur in Eisenach; 1960 – 68 u. seit 1972 CDU; 1960 – 64 Studium der Geogr. u. Germanistik an der EMAU Greifswald; 1964/65 Lehrer in Sollstedt (Krs. Nordhausen); 1965 Dipl.-Lehrer; 1965 Assistent am Geograph. Inst. der EMAU; 1966/67 NVA; Forschungsassistent, 1971 Prom.; 1974 – 84 Mitgl. des Sekr. des CDU-KV Greifswald; 1979 – 84 Stadtrat für Umweltschutz u. Wasserwirtschaft in Greifswald; 1984 Mitgl. des CDU-Hauptvorst.; 1984 an der Sektion Geogr. der EMAU…

Wer war wer in der DDR

Glende, Gisela

* 30.10.1925 – ✝ 3.2.2016

Geb. in Lengefeld (Erzgeb.); Vater Metalldrücker; Volksschule; kfm. Ausbildung an der Höheren Handelsschule u. Arbeit als Angest. u. Kontoristin in der Kunstharzpresserei Lengefeld. 1945/46 KPD/SED; 1945 – 48 Stenotypistin bzw. Ltr. der Personalabt. der SED-KL Marienberg, zul. Sekr. für Agit.-Prop. der SED-KL Marienberg; 1949/50 u. 1955 – 60 Lehrgang bzw. Fernstudium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; Jan. 1951 – 68 stellv. Ltr. des Büros des Sekr. des ZK bzw. des PB der SED; 1959 VVO; ab…

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Globig, Fritz

* 25.1.1892 – ✝ 24.2.1970

Als Sohn eines Schneidermeisters, der elf Kinder hatte, am 25. Januar 1892 in Leipzig geboren. Globig verlebte eine harte Kindheit, als Vierjährigem wurde ihm von einer Straßenbahn der rechte Unterarm abgefahren. Obwohl streng christlich erzogen, kam er über die Gewerkschaft bald zur sozialistischen Jugendbewegung. Von April 1906 bis 1910 Lehre als Chemigraph. Auf Wanderschaft fand Globig 1911 Arbeit in Stuttgart, dann in Dresden und Genf. Bei Kriegsausbruch nach Berlin, hier in der sozialistischen Jugendorganisation für die Spartakusgruppe aktiv. Als Vertreter der oppositionellen sozialistischen Jugend Berlins Teilnehmer der Gründungskonferenz der Spartakusgruppe im Januar 1916 und der Reichskonferenz im Oktober 1918. Auf dem Gründungsparteitag der KPD als Jugenddelegierter in die Programmkommission gewählt. Im Verlag der Jungen Garde erschien 1919 Globigs Schrift: »Was wir wollen«. Gemeinsam mit Leo Flieg und Fritz Heilmann im August 1919 als Vertreter der Freien Sozialistischen Jugend zur internationalen Jugendkonferenz delegiert. Er gehörte zur Leitung der FSJ, die sich im September 1920 in Kommunistische Jugend Deutschlands umbenannte, Redakteur ihres Organs »Junge Garde«. Vom Herbst 1919 bis Frühjahr 1921 wirkte Globig auch als Sekretär und Referent der KPD-Zentrale in Berlin. Er war von März bis November 1921 politischer Redakteur an der »Hamburger Volkszeitung«, anschließend Redakteur und Sekretär. 1922 arbeitete er bei der diplomatischen Vertretung der RSFSR in Berlin, dann von März 1923 bis Mai 1926 als Redakteur bzw. Chefredakteur der »Arbeiterzeitung« in Bremen. Globig war ab 1923 Abgeordneter und von 1924 bis 1926 Fraktionsvorsitzender der KPD in der Bremer Bürgerschaft. Auf dem Bezirksparteitag 1924 in Bremen stimmte Globig für die Brandler-Richtung, ging dann aber im Mai 1924 zu den Linken über und blieb unter Polleiter Eugen Eppstein als einziger aus der früheren Bremer BL deren Mitglied und Chefredakteur. Er war von Mai 1926 bis Juni 1930 politischer Redakteur bzw. ab 1929 Chefredakteur der »Sächsischen Arbeiterzeitung« in Leipzig. Im Juni 1930 reiste Globig in die Sowjetunion, dort gehörte er von Juni 1930 bis 1931 als Mitglied zur Zentrale der IAH und fuhr als Leiter der Abteilung Presse und Propaganda mehrmals nach Deutschland. Am 22. April 1932 wurde er in die KPdSU übernommen. 1934 erhielt Globig wegen »mangelnder Wachsamkeit« eine Rüge, weil er in seiner Moskauer Wohnung zusammen mit Heinrich Kurella und Friedrich Heilmann Gespräche mit den »Trotzkisten« Lasar Schatzkin und Voja Vujovic geführt hatte. Zunächst wurde sein erster Parteiausschluß 1935 noch in eine »strenge Rüge« umgewandelt, aber am 25.November 1937 wurde Globig vom NKWD verhaftet und am 29. Dezember 1937 zu zehn Jahren Arbeitslager »wegen konterrevolutionärer Tätigkeit« verurteilt. In verschiedenen Zwangsarbeitslagern festgehalten, erkrankte Globig im Mai 1943 an doppelter Lungenentzündung und Tbc. 1943 trennte sich seine Frau Marta Globig von ihm. Seine Entlassung und Überweisung in ein Krankenhaus erfolgte erst am 12. Dezember 1947. Danach mußte er von März 1948 bis Mai 1955 als Schlosser im Schacht 36 in Karaganda arbeiten. Am 1. Juni 1955 kam Fritz Globig in die DDR. Er gehörte von 1957 bis Anfang 1961 als politischer Mitarbeiter der SED-BL Leipzig an und war vor allem in der Bezirkskommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung tätig. 1958 veröffentlichte er das Erinnerungsbuch über seine Jugend: »... aber verbunden sind wir mächtig«. 1962 erhielt er den Karl-Marx-Orden (dabei bestätigte ihm die BL der SED, »unter zum Teil schwierigsten persönlichen Bedingungen« gekämpft zu haben). Er gehörte zum Autoren-Kollektiv der achtbändigen »Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung«. Fritz Globig starb am 24. Februar 1970 in Leipzig.

Wer war wer in der DDR

Glöckner, Rudi

* 20.3.1929 – ✝ 25.1.1999

Geb. in Markranstädt (b. Leipzig); 1939 – 51 Fußballspieler bei Sportfreunde bzw. Glückauf Markranstädt, 1951 – 53 bei Rotation NO Leipzig; 1953 – 77 Schiedsrichter in 1.165 Spielen (davon 251 Oberliga, 24 A-Länder- bzw. 39 Europacupspiele), Höhepunkt: WM-Endrundenfinale 1970 in Mexiko-Stadt Brasilien-Italien 4:1; Schiedsrichter bei der EM-Endrunde 1972 sowie bei je einem Weltpokal- bzw. Supercup-Finale; 1965 – 90 Geschäftsf. des Bez.-Fachaussch. Fußball in Leipzig; ab 1978 Mitgl. der…

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Gnadt, Wilhelm

* 31.10.1889

Geboren am 31. Oktober 1889 in Berlin; Stukkateur. Seit 1910 Mitglied der SPD, nach dem Ersten Weltkrieg trat er der KPD bei. 1921 wurde er beim Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter angestellt. Von 1925 bis 1929 Abgeordneter in der Berliner Stadtverordnetenversammlung und Mitglied der KPD-BL. Gnadt kritisierte die offizielle Politik der KPD-Führung, deren Sozialfaschismus-These und den Aufbau der RGO. Im Februar 1930 unterschrieb er den oppositionellen »Brief der 60« mit Erich Raddatz, Frieda Rosenthal u. a. Er wurde aus der KPD ausgeschlossen und erklärte 1931 den Übertritt zur SPD. 1933 arbeitslos, mußte Gnadt aus seinem Haus in Zehlendorf, das einer gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft gehörte, ausziehen. Danach eröffnete er in Berlin-Weißensee ein Lebensmittelgeschäft. In den Jahren 1936 und 1937 stand er unter Beobachtung der Gestapo. Weitere Lebensdaten von Wilhelm Gnadt waren nicht zu ermitteln.

Wer war wer in der DDR

Gödicke, Fritz

* 21.10.1919 – ✝ 28.4.2009

Geb. in Zeitz; 1931 – 33 ATSB, Freie Turnerschaft Zeitz; 1933 – 45 SV 1899 Leipzig bzw. TURA 1899 Leipzig; 1934 – 38 Lehre als Dreher in der Maschinenfabrik Zeitz; 1938 – 47 Dreher u. Gewindeschleifer in der Maschinenfabrik Gebr. Brehmer in Leipzig (mit Kriegsbeginn u.k.-Stellung als Spitzendreher); 1939 / 40 Mitgl. der Sachsen-Auswahl; Mitgl. in der illeg. KPD-Jugendgr. »Klampfenchor Leipzig«; Juli 1943 Wehrmacht, Ukraine, 1944 / 45 Ardennen-Offensive, Mai / Juni 1945 amerikan. Kriegsgef.…

Wer war wer in der DDR

Gohr, Arnold

* 12.10.1896 – ✝ 23.1.1983

Geb. in Wottnogge (Krs. Stolp, Hinterpomm./ Otnoga, Polen); Vater Kleinbauer; Dorfschule in Saviat, Gymnasium in Lauenburg u. Schlawe, mittlere Reife; 1913/14 Ausbildung zum Handlungsgehilfen; 1914 – 16 Buchhalter u. Disponent; 1916 – 20 Militärdienst u. Gefangenschaft; 1920 – 33 Mitgl. des Gewerkschaftsbundes der Angest., des Kriegsbeschädigtenverb. u. (1920) der DDP bzw. der Dt. Staatspartei; bis 1945 im Stickstoffsyndikat Berlin als Abt.-Ltr. u. Prokurist tätig. 1945 Mitbegr. der CDU…

Wer war wer in der DDR

Goldbach, Joachim

* 8.12.1929 – ✝ 29.9.2008

Geb. in Cossebaude (b. Dresden); Vater kfm. Angest.; OS; Volkssturm. 1945 – 49 Ausbildung zum Zimmermann, dann im Beruf tätig; Mitgl. eines antifa. Jugendaussch.; 1946 FDJ; zeitw. Wirtschaftsltr. in einem Pionierlager; 1949/50 VP-Anwärter, kasernierte Polizeibereitschaft Großenhain; 1950 SED; 1950/51 Panzeroffz.-Schule der HV für Ausbildung, Unterkommissar; 1952 Zugführer u. Fachlehrer an dieser Schule der KVP; 1952 – 56 sowj. Militärakad., Major; 1956 – 64 1. Stellv. des Kdr., dann Stabschef…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Goldenbaum, Ernst

* 15.12.1898 – ✝ 13.3.1990

Geb. in Parchim; Vater Arbeiter; Volksschule; 1913 – 17 Landarb.; 1917/18 Militärdienst, verwundet, Teiln. an der Novemberrev. in Schwerin; 1919 – 27 Industriearb., Gewerkschaftsmitgl.; 1919 USPD u. Übertritt zur KPD; 1921 Mitgl. der erweiterten, ab 1923 der engeren BL Mecklenb. der KPD; 1923 – 25 Stadtverordneter in Parchim; 1924 – 26 u. 1929 – 32 Abg. des Landtags Mecklenb.-Schwerin; Beauftr. für landw. Fragen in der KPD-Fraktion; 1927 – 32 Red. der KPD-Ztg. »Volkswacht«; nach 1933 Landwirt in… Geboren als Sohn eines Arbeiters am 15.Dezember 1898 in Parchim/Mecklenburg; landwirtschaftliche Lehre, dann 1917 Soldat. 1919 Mitglied der USPD, kam mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. 1921 in die BL der KPD Mecklenburg gewählt, seit dieser Zeit hauptamtlich tätig. 1924 zog er als KPD-Abgeordneter in den Landtag von Mecklenburg-Schwerin ein, dem er bis 1926 und dann wieder von 1929 bis 1932 angehörte. 1927 UB-Sekretär in Rostock und Redakteur des Mecklenburger KP-Organs »Volkswacht«. Von 1929 bis 1932 Sekretär der KPD, dann verhaftet und 1933 erneut festgenommen. Nach der Freilassung 1934 Landwirt, dazwischen mehrmals in Haft, 1936 und 1944/45 im KZ Neuengamme. Goldenbaum war einer der wenigen, die sich im Mai 1945 von dem mit KZ-Häftlingen überfüllten und bombardierten Schiff »Cap Arcona« retten konnten. 1945 wurde er Bürgermeister in Parchim, 1945/46 Geschäftsführer der Landeskommission für die Bodenreform in Mecklenburg, dann Ministerialdirektor im Landwirtschaftsministerium Mecklenburg. Schließlich wurde er von der KPD/SED für die Arbeit in anderen Organisationen »abgestellt«. Zunächst Abgeordneter der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) im Mecklenburger Landtag. Im März 1948 wurde er Vorsitzender des Landesgründungsausschusses der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands (DBD) und war von 1948 bis 1982 Vorsitzender dieser DDR-»Block«-Partei, ab Mai 1982 Ehrenvorsitzender. Er saß von 1949 bis März 1990 als deren Abgeordneter in der Volkskammer, war 1949/50 Minister für Land- und Forstwirtschaft der DDR. Stellvertretender Ministerpräsident und von Oktober 1976 bis Juli 1982 einer der Stellvertreter des Vorsitzenden des Staatsrates der DDR. Er erhielt 1973 den Karl-Marx-Orden. Ernst Goldenbaum starb am 13. März 1990. Sein Sohn Klaus Goldenbaum (*1928) war von 1980 bis 1984 DDR-Botschafter in der Schweiz.Siegfried Kuntsche /

Wer war wer in der DDR

Goldschmidt, Harry

* 17.6.1910 – ✝ 19.11.1986

Geb. in Basel in einer jüd. Fam.; Vater Kfm., Bankdir., Mutter Lehrerin; Grund- u. Mittelschule, Gymnasium; 1928 Musikstudium am Baseler Konservatorium, 1929 bei Hermann Scherchen in Königsberg, 1930/31 an der Staatl. Musik-HS Berlin, 1932/33 am Baseler Konservatorium; ab Anf. der 1930er Jahre als Musikkritiker tätig, u. a. in Paris und London, 1934 – 39 bei der »Nationalztg.« (Basel), gleichz. Studium der Musikwiss., Ethnol. u. Psychol. an der Univ. Basel; Zusammenarb. mit der illeg. KP der…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Golke, Arthur

* 14.10.1886 – ✝ 9.8.1938

Geboren am 14. Oktober 1886 in Danzig, Sohn einer Arbeiterfamilie; Arbeitsbursche, anschließend Dreherlehre auf der Schiffswerft Schichau/ Danzig. 1905 übersiedelte er nach Berlin und arbeitete hier u. a. bei der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik. Golke trat 1908 der SPD bei, zu deren linkem Flügel er gehörte. Von 1914 bis 1916 Soldat im Weltkrieg, von 1917 bis 1920 Dreher in einer Türschließerfabrik. Während des Krieges schloß er sich der Spartakusgruppe an und war seit Gründung der KPD deren Mitglied. Von 1919 bis 1933 gehörte Golke der BL der KPD Berlin-Brandenburg an, er war ab 1920 Sekretär und Kassierer dieser BL. Delegierter auf dem III. Parteitag 1920, wurde dort in die Mandatsprüfungskommission gewählt. Golke spielte zusammen mit seinen Brüdern ( Gustav Golke) in der Berliner Parteiorganisation eine beachtliche Rolle. Im Dezember 1924 als Abgeordneter in den Preußischen Landtag gewählt, dem er bis 1933 angehörte. 1925 wurde er als Nachfolger Arthur Königs Hauptkassierer des ZK sowie Mitglied des ZK. Auf dem XI. Parteitag 1927 erneut ins ZK gewählt, in das er auch 1929 wieder aufgenommen wurde. In der Eröffnungssitzung des Preußischen Landtags im Juni 1928 schlug der robuste Golke den Landtagsabgeordneten Dr. Ponsick von der Christlich-Nationalen Bauern- und Landvolkpartei zusammen, das deshalb gegen ihn eingeleitete Verfahren wurde später eingestellt. Seit 1930 war Golke auch Mitglied des ZK der IAH und Vorsitzender der Internationalen Revisionskommission. Bis März 1933 blieb er Hauptkassierer des ZK der KPD, sein Nachfolger wurde Walter Beling. Am 12.März 1933 auch in die Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt, das Mandat konnte er aber wegen der drohenden Verfolgung durch die Nazis nicht wahrnehmen. Golke lebte einige Zeit illegal unter dem Namen Artur Arden, emigrierte 1934 über Prag und Paris in die Sowjetunion, wohin ihm seine Frau mit zwei Töchtern folgte. Er arbeitete in der Komintern-Zentrale in Moskau. Dort wurde Golke Anfang 1937 mehrfach von der IKK verhört und anschließend verhaftet. Arthur Golke wurde nach einem Prozeß vor dem sowjetischen Militärtribunal zum Tode verurteilt und am 9.August 1938 erschossen. Seine Frau Hedwig, geborene Hoffmann (* 7. 2. 1890 – † 24. 10. 1955), mit der er seit 1910 verheiratet war und die seit 1919 der KPD angehörte, durfte im April 1947 nach Deutschland zurückkehren, ebenso die zwei Töchter Gerda (*14. 5. 1911) und Marta Golke (* 3. 7. 1913 – †23. 11. 1993). Marta, seit 1929 in der KPD, war 1936 Mitarbeiterin der Komintern, von 1938 bis 1941 Lohnbuchhalterin. 1941 Evakuierung nach Ufa. Später Mitarbeiterin am Deutschen Volkssender. 1947 Mitglied der SED, Sekretärin des Leiters der Kaderabteilung Philipp Daub. Von 1949 bis 1972 war Marta Golke Leiterin der Allgemeinen Abteilung des ZK der SED. Die SED »rehabilitierte« Arthur Golke 1956 »nach mutmaßlichem Tode«.

Wer war wer in der DDR

Gollomb, Eugen

* 19.1.1917 – ✝ 10.1.1988

Geb. in Łódź; Vater Textilverleger; poln. Militärdienst; Juli 1943 Deportation ins KZ Auschwitz, dort wurden fast alle Verwandten (70 Personen), seine Frau u. sein Kind umgebracht; 1944 Flucht aus dem KZ u. Beteiligung am Partisanenkampf. 1947 Demobilisierung u. Umzug nach Leip- zig; Anerkennung als OdF; Aufbau eines privatwirtsch. Dienstleistungsunternehmens (Gebäude-, Sanitär-Reinigung); 1959 Eintritt in den Vorst. der Jüd. Gemeinde Leipzig, 1967 – 88 ihr Vors.; während seiner Amtszeit…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Goppelt, Franz

* 26.11.1894 – ✝ 7.1.1975

Geboren am 26. November 1894 in Staßfurt, Sohn eines Kellners; Lehre und Arbeit als Motorenschlosser. 1912 Mitglied des DMV, 1913 der SPD. 1914/15 Soldat im Weltkrieg, von 1915 bis 1918 Arbeiter bei Krupp in Oberhausen. 1917 Mitglied der USPD und der Spartakusgruppe, Vorsitzender der USPD-Ortsgruppe in Oberhausen. Im November 1918 wurde Goppelt dort Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates, im Dezember 1918 nahm er als Delegierter am Gründungsparteitag der KPD in Berlin teil. Bis 1923 war er Mitglied des Bezirksausschusses der KPD Rheinland-Westfalen. Im Januar 1920 verurteilte ihn das Militärgericht in Wesel zu eineinhalb Jahren Gefängnis. Während des Kapp-Putsches wurde er im April 1920 aus dem Gefängnis in Bochum befreit, er flüchtete nach Moers, ins belgisch besetzte Gebiet. Hier vertrat er zeitweilig den UB-Sekretär Arthur König. Im Oktober 1923 von der Zentrale beauftragt, Waffen zu beschaffen und zu lagern, lebte Goppelt bis Mai/Juni 1924 illegal. Anschließend arbeitete er als Taxifahrer und bei der Berliner Verkehrsgesellschaft. 1933 für die illegale KPD in Berlin tätig und hier ab 1936 Schweißer. Im März 1945 Umsiedlung nach Calau, im Juni 1945 trat er in den Polizeidienst und wurde Kriminalrat in Calau. 1946 nach Potsdam versetzt, stellvertretender Leiter des LKA Brandenburg. 1950/51 war Goppelt Kommandeur der MfS-Landesbehörde Mekklenburg, 1953 Offizier der KVP, von 1956 bis 1958 der NVA, zuletzt Stellvertreter des Chefs des Wehrbezirkskommandos Schwerin. Als Major d. R. 1958 ausgeschieden, 1974 erhielt er den VVO in Gold. Franz Goppelt starb am 7.Januar 1975 in Krakow am See/Krs. Güstrow.

Wer war wer in der DDR

Glende, Günter

* 9.1.1918 – ✝ 23.7.2004

Geb. in Stolp (Hinterpomm./Słupsk, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; Ausbildung zum u. Arbeit als Elektriker u. Landmaschinenschlosser; 1938 RAD; 1940/41 Studium an der Höheren Flugtechn. Schule in Berlin u. Jüterbog; 1941 – 45 Wehrmacht. 1945 Neubauer auf dem Gut Moltow (Krs. Wismar); 1945/46 KPD/SED; 1946 – 48 Landmaschinenschlosser u. Bürgermstr. auf dem Gut Moltow; 1946 – 49 Krs.-Maschinenbeauftr. des VdgB-Krs.-Aussch. Wismar; 1949 – 51 Techn. Ltr. der MAS bzw. MTS-Krs.-Verw. Dorf…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Globig, Marta

* 9.7.1901 – ✝ 21.3.1991

Als Marta Jogsch am 9. Juli 1901 in Kiel-Gaarden geboren. Stenotypistin, Mitbegründerin der FSJ bzw. der KJD. 1919 gehörte sie der Zentrale der FSJ an und war bis 1921 für das Ressort Kinder- und Mädchenarbeit verantwortlich. Von 1922 bis 1924 Angestellte der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin, wurde 1925 Mitarbeiterin des ZK der KPD. Von 1928 bis 1930 war Marta Globig Mitglied der KPD-BL Westsachsen, Leiterin des RFMB Westsachsen. 1930/31 erneut Angestellte im ZK, Abteilung Information. 1931 folgte sie ihrem Mann Fritz Globig in die UdSSR und war dort von August 1931 bis August 1933 Mitarbeiterin der OMS, anschließend bis März 1935 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Institut der Kommunistischen Akademie. Ab Juni 1936 sowjetische Staatsbürgerin, 1937 Redakteurin im Verlag ausländischer Arbeiter. Am 30. November 1937 vom NKWD verhaftet und am 28.Dezember 1937 durch die Sonderkommission zu zehn Jahren Freiheitsentzug wegen »konterrevolutionärer Tätigkeit« verurteilt. In ein Arbeitslager nach Karaganda verbannt, trennte sie sich 1943 von ihrem Mann. Ab November 1947 noch Zwangsansiedlung in Karaganda, wo sie Arbeiterin in einer Schuhfabrik war. Der Sohn Hans Globig (geb. 1921) kam 1941 in die berüchtigte »Arbeitsarmee« und verschwand. Mehrere Bittgesuche des PV der SED an das ZK der KPdSU um Rückkehr von Marta Globig blieben ergebnislos. Erst im Februar 1956 vom Moskauer Stadtgericht rehabilitiert, durfte sie im April 1956 in die DDR übersiedeln und war bis 1963 wissenschaftliche Mitarbeiterin am IML. Marta Globig starb am 21. März 1991 in Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Glombitza, Ewald

* 16.11.1878 – ✝ 15.12.1969

Geboren am 16. November 1878 in Halbau/ Schlesien, Sohn eines Webers; nach der Weberlehre Arbeit in einer englischen Weberei in Grünberg in Schlesien. 1902 Mitglied des Textilarbeiterverbandes, 1904 der SPD. 1913 zog Glombitza nach Limbach/Sachsen und war dort in der Folgezeit Vorsitzender des Textilarbeiterverbandes. 1913 Delegierter zum SPD-Parteitag in Jena. Von 1914 bis zu seiner Verwundung 1917 Soldat im Weltkrieg. Glombitza trat 1917 der USPD und 1918 dem Spartakusbund bei. Während der Novemberrevolution Mitglied des Limbacher Arbeiter- und Soldatenrates. Bis 1925 arbeitete er hauptamtlich im ADGB, war von 1925 bis 1930 Geschäftsführer des als »roter Konsum« bekannten Konsumvereins Limbach. Im April 1925 kam er als Nachfolgekandidat für den ausscheidenden Paul Bertz in den Sächsischen Landtag, dem er bis zum Ende der Legislaturperiode 1926 angehörte. 1925 zum Bürgermeister von Kändler bei Limbach-Oberfrohna gewählt, übte er dieses Amt bis 1931 aus. Glombitza wurde 1928 wegen »Disziplinbruchs« von der BL Erzgebirge-Vogtland aus der KPD ausgeschlossen, weil er sich als Bürgermeister nicht an den Beschluß der BL gehalten hatte, gegen die von der Sächsischen Landesregierung geplante Erhöhung der Grundsteuer zu kämpfen. Er arbeitete von 1931 bis zum Rentenalter in einer Gießerei bei Chemnitz, wohnte dann, politisch zurückgezogen, in Kändler. Ewald Glombitza starb am 15. Dezember 1969.

Wer war wer in der DDR

Gnauck, Maxi

* 10.10.1964

Geb. in Berlin; Vater Dipl.-Ing.; POS, KJS, 1986 Abitur; 1970 – 85 sportl. aktiv als Turnerin beim SC Dynamo Berlin; dreimal Teiln. an Europameisterschaften: 1979 2. Platz beim Sprung, 3. am Stufenbarren, 6. im Mehrkampf, 1981 EM im Mehrkampf, am Stufenbarren, Schwebebalken u. am Boden, 2. Platz im Sprung, 1985 EM am Stufenbarren, 2. Platz im Mehrkampf, 4. Platz im Sprung, am Schwebebalken u. am Boden; dreimal Teiln. an Weltmeisterschaften: 1979 WM am Stufenbarren, 2. Platz im Mehrkampf, 3. mit…

Wer war wer in der DDR

Goede, Arno

* 7.10.1925

Geb. in Dessau; Mutter Köchin; Volks- u. Handelsschule; Ausb. zum Buchdrucker; im Beruf tätig; 1943 RAD; Wehrmacht, Marine. 1945/46 KPD/SED; 1945/46 Arbeit als Metallhobler in Dessau; 1946 FDJ; 1946 Abt.-Ltr. im FDGB-KV Dessau; 1947 – 49 Jugendsekr., Abt.-Ltr. u. 2. Sekr. der SED-KL Dessau; 1950 Lehrgang an der PHS; 1951/52 Sekr. für Kader der FDJ-Landesltg. Sachsen-Anh.; 1952 – 55 1. Sekr. der FDJ-Gebietsltg. Wismut (Nachf. von Karl Böhm); 1954 – 58 Abg. des Bez.-Tags Karl-Marx-Stadt; 1953 – 63…

Wer war wer in der DDR

Göhr, Marlies

* 21.3.1958

Geb. in Gera; aufgew. in Triptis; OS; 1971 KJS Bad Blankenburg, Abitur; Studium der Psychol., Dipl. Psychol.; 1970 – 89 aktiv in der Leichtathletik (Sprint), SC Motor Jena (Trainer: Dieter Lehner, Horst-Dieter Hille); Siegerin mit der 4 x 100-m-Staffel bei der Junioren-Europameisterschaft; 1975/76 fünfmal Junioren-ER; dreimal Teiln. an Olymp. Spielen: 1976 Siegerin mit der 4 x 100-m-Staffel u. 8. Platz über 100 m; 1980 Siegerin mit der 4 x 100-m-Staffel u. 2. Platz über 100 m; 1988 2. Platz mit…

Wer war wer in der DDR

Goldbeck, Walter

* 12.2.1945

Geb. in Bresch (Krs. Perleberg); 1959 – 63 EOS Perleberg, Abitur; 1963/64 Ausb. zum Schlosser in Malchin; 1964/65 Studium der Landtechnik an der Univ. Rostock; 1965 – 67 Maschinenschlosser auf der Warnowwerft Warnemünde; 1967 LDPD; 1967 – 71 Studium der Germanistik u. Slawistik an der PH Erfurt, Dipl.-Lehrer; 1971 – 78 Lehrer an der POS »Friedrich Engels« in Lübz; 1978 – 90 Referent für Kulturpolitik beim LDPD-BV Schwerin; Juni – Dez. 1990 Abt.-Ltr. Kultur in der Regionalverwaltungsbehörde…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Goldenberg, Boris

* 7.8.1905 – ✝ 1980

(* 1905 – † 1980) Geboren am 7. August 1905 in St. Petersburg als Sohn eines Rechtsanwalts; besuchte ab 1920 ein Gymnasium in Berlin, studierte Geschichte in Berlin und Heidelberg und promovierte 1930. Er war von 1924 bis 1926 (Ausschluß) in der SPD, ab 1927 in der KPD. Zusammen mit Franz Borkenau und Richard Löwenthal leitete er die Kostufra, die kommunistische Studentenorganisation. 1929 aus der KPD ausgeschlossen, Mitglied der KPO, ab 1932 der SAP. Seine Dissertation »Beiträge zur deutschen Vorkriegssozialdemokratie« (Heidelberg 1930) machte ihn bekannt. Im März 1933 in Berlin verhaftet und mißhandelt, konnte Goldenberg im April 1933 über Brüssel nach Paris emigrieren, dort war er in der Auslandsleitung der SAP (Pseudonym R. Frey). Von 1935 bis 1937 bei Verwandten in Palästina, danach kehrte Goldenberg nach Paris zurück und gehörte zu den Unterzeichnern des Volksfrontaufrufs vom Januar 1937. Bei Kriegsausbruch konnte er nach Südfrankreich fliehen und gelangte im September 1941 nach Kuba. Er lebte bis 1960 in Havanna als Lehrer und zuletzt Gastprofessor, kam dann als Gegner Castros über London 1964 nach Deutschland. Hier war Goldenberg von 1964 bis zum Ruhestand Leiter der Lateinamerika-Redaktion der Deutschen Welle in Köln. Neben einer Karl-Marx-Auswahl veröffentlichte er mehrere Bücher zu Kuba und zum Kommunismus in Lateinamerika. Boris Goldenberg starb 1980 in Köln.

Wer war wer in der DDR

Goldstein, Kurt Julius

* 3.11.1914 – ✝ 24.9.2007

Geb. in Scharnhorst (b. Dortmund) in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Kaufhausbesitzer (1919 verst.), Mutter Kauffrau; Volksschule; 1922 Umzug nach Hamm; ab 1926 Mitgl. im Dt.-jüd. Wanderbund Kameraden; 1928 Mitgl. der SAJ, dann des KJVD; Nov. 1930 Mitgl. der KPD u. Pol.-Ltr. des KJVD Hamm (»Kurt Berger«), aus pol. Gründen Schulwechsel; Oberrealschule in Münster, dort 1932 Abitur; Apr. 1933 verhaftet, geflohen, Mai 1933 Emigr. zu Verwandten nach Luxemburg, dann nach Frankreich; dort im KP-Auftrag…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Golke, Gustav

* 1889 – ✝ 2.11.1937

Geboren 1889 in Berlin; lernte Schlosser. Er trat 1920 der KPD bei und wurde 1925 hauptamtlicher Mitarbeiter der Kaderabteilung des ZK. Im Januar 1923 schloß er mit Ruth Fischer eine Scheinheirat, damit diese die deutsche Staatsangehörigkeit erhielt. 1927 wurde Gustav Golke (Bruder des ZK-Kassierers Arthur Golke) nach Moskau delegiert, um dort die Leitung des Sektors Kader des Verbindungsdienstes der Komintern zu übernehmen. Unter dem Pseudonym Rosenfeld hat er zehn Jahre lang wichtige Funktionen in der Kaderabteilung der Komintern ausgeübt. Im April 1937 in Moskau verhaftet, wurde Gustav Golke am 2.November 1937 vom Militärkollegium des Obersten Gerichtes der UdSSR zum Tode verurteilt und erschossen. Die Behörden der Sowjetunion »rehabilitierten« Gustav Golke 1956.

Wer war wer in der DDR

Goltzsche, Dieter

* 28.12.1934

Geb. in Dresden; Volksschule; 1949 – 52 Ausbildung zum Textilmusterzeichner; 1952 – 57 Studium an der HS für bildende Künste in Dresden ( Max Schwimmer,  Hans Theo Richter); 1958/59 Mstr.-Schüler an der DAK (Max Schwimmer); 1960 freischaff. in Berlin; 1978 Kollwitz-Preis der AdK; 1978 Lehrauftrag, 1980 Doz. für Grafik an der Kunst-HS Berlin-Weißensee. 1990 AdK; 1992 – 2000 Prof. an der Kunst-HS Berlin; 1998 Hannah-Höch-Preis der Stadt Berlin u. Ausst. im Neuen Berliner Kunstverein; Aug. 2004…

dissidenten.eu

Gorbanewskaja, Natalja

* 1936 – ✝ 2013

Валерий Фёдорович Абрамкин Valerij Fëdorovič Abramkin Natalja Gorbanewskaja wurde am 26. Mai 1936 in Moskau geboren. 1953 nahm sie ein Studium an der Philologischen Fakultät der Universität Moskau auf, wurde jedoch im Herbst 1957 wegen Verbreitung „antisowjetischer Propaganda“ der Hochschule verwiesen. Bereits im März 1957 hatte der KGB sie als Zeugin vorgeladen, da Freunde von ihr Flugblätter verteilt hatten, in denen sie gegen die sowjetische Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstands von…