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In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rasch (Enderle), Irmgard

* 28.4.1895 – ✝ 20.9.1985

(* 1895 – † 1985) Geboren am 28. April 1895 in Frankfurt/M. als Tochter des Gymnasiallehrers Otto Rasch; legte 1917 ein Lehrerinnenexamen ab und studierte mehrere Semester Pädagogik und Volkswirtschaft an der Universität Berlin. Sie kam über die Freideutsche Jugend und eine sozialistische Studentengruppe an der Berliner Universität im November 1918 zum Spartakusbund. Von Mitte 1919 bis Anfang 1929 im zentralen Apparat der KPD, zuerst in der Abteilung Land, dann als Instrukteurin in der Gewerkschaftsabteilung. Nachdem die Gewerkschaftsabteilung 1924 durch die Linke unter Ruth Fischer aufgelöst und neu besetzt wurde, ging Irmgard Rasch als Gewerkschaftsredakteurin zum »Klassenkampf« nach Halle. Mitte 1927 Gewerkschaftsredakteurin der »Roten Fahne« in Berlin. Anfang 1929 als Mitglied der rechten Brandler-Gruppe aus der Partei ausgeschlossen. Sie war nun aktiv in der KPO, seit 1932 in der SAP. Irmgard Rasch heiratete August Enderle, kam dadurch nach Breslau, wo sie bald Mitglied der dortigen Ortsleitung der SAP war. Im Juni 1933 von der Gestapo verhaftet, konnte sie zwei Monate später entkommen und lebte in Holland, Belgien und ab 1934 in Schweden in der Emigration. Hier bildete sie mit ihrem Mann August Enderle eine SAPD-Auslandsstelle, die den Widerstand in Norddeutschland unterstützte. Rasch-Enderle engagierte sich in der Volksfontbewegung, trennte sich aber mit anderen SAPD-Mitglieder nach den Moskauer Schauprozessen davon. Sie schrieb unter dem Pseudonym J. Reele für die schwedische Gewerkschaftspresse und die Züricher »Rote Revue«. Anfang April 1941 wurden August und Irmgard Rasch-Enderle von den Nazibehörden ausgebürgert. Beide kehrten im Sommer 1945 nach Deutschland zurück. Sie wurde im September 1945 Mitbegründerin und Redakteurin am »Weser-Kurier« in Bremen und 1947 am »Bund« in Köln, zuletzt von 1949 bis 1951 Redakteurin der »Welt der Arbeit«, danach freie Journalistin. Seit 1945 Mitglied der SPD, war sie führend am Wiederaufbau der SPD und der Gewerkschaften in Bremen beteiligt, zeitweise auch Vorsitzende der Deutschen Journalisten-Union. Irmgard Enderle starb am 20. September 1985 in Köln.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rast, Gertrud

* 25.5.1897 – ✝ 24.9.1993

Geboren am 25. Mai 1897 in Hamburg als Gertrud Graeser, Tochter eines Tischlers; besuchte die Handelsschule, wurde kaufmännische Angestellte und Buchhalterin in Hamburg. 1912 Mitglied der Arbeiterjugend, 1915 der Gewerkschaft. Bereits 1917 wegen Antikriegspropaganda inhaftiert, schloß sie sich der Spartakusgruppe an. Sie war während der Novemberrevolution Sekretärin des Arbeiter- und Soldatenrates in Hamburg, Anfang 1919 Gründungsmitglied der Hamburger KPD, arbeitete in der FSJ. Auf dem 7. Reichsjugendkongreß der KJD Ende März 1923 in Chemnitz wurde sie in die Reichszentrale gewählt und war zeitweise verantwortliche Redakteurin der Zeitschrift »Junge Garde«. Während der Illegalität 1923/24 gehörte Gertrud Graeser mit Heinrich Pütz u. a. zum »Direktorium«, dem Führungskopf der kommunistischen Jugend. Sie emigrierte danach in die Sowjetunion und war dort politische Mitarbeiterin der KJI, anschließend in der Internationale der Seeleute und Hafenarbeiter. Zurückgekehrt nach Deutschland, arbeitete sie hauptamtlich in der KPD-BL Wasserkante in Hamburg, aber 1930 als Versöhnlerin angegriffen. So hieß es über sie in einem Schreiben der BL Wasserkante an das ZK: »Man kann von dieser Genossin wirklich sagen, daß sie bei dem Ausschluß der Versöhnler s. Zt. vergessen wurde. Sie gehört eigentlich gar nicht mehr in die Partei.« 1933 emigrierte sie ins Ausland, im September 1939 in Paris inhaftiert und in ein Internierungslager gebracht. Sie wurde 1943 nach Deutschland ausgeliefert und zunächst in das KZ Fuhlsbüttel und anschließend in ein Zwangsarbeitslager gesperrt. Ihr Mann Richard Rast kam wenige Tage vor Kriegsende als Häftling im KZ Neuengamme ums Leben. Ab 1945 gehörte sie zu den führenden Funktionären der KPD in Schleswig-Holstein, war von 1946 bis 1948 als Mitglied der KPD auch im SED-Parteivorstand. Bis 1956 politische Mitarbeiterin des KPD-PV, nach Gründung 1969 Mitglied der DKP. Gertrud Rast starb am 24. September 1993.

Wer war wer in der DDR

Rathmann, Lothar

* 16.2.1927 – ✝ 25.5.2022

Geb. in Werdau (Sachsen); Kfm.-Lehre; 1944 Wehrmacht; NSDAP, Kriegsgefangenschaft. Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft Neulehrer; SED; 1948 Beginn eines Studiums an der Pädagog. Fak. der Univ. Leipzig; 1956 Prom. mit einer Arbeit über die Getreidezollpol. im frühen Kaiserreich unter Berücksichtigung der nordamerik. Agrarkonkurrenz; 1961 Habil. über die wirtschaftspol. Komponenten der dt. Bagdadbahnpol. vor 1914; 1963 Prof. mit Lehrauftrag; 1964 Dir. des Oriental. Inst. der KMU Leipzig; 1966…

Wer war wer in der DDR

Rau, Heinrich

* 2.4.1899 – ✝ 23.3.1961

Geb. in Feuerbach (Stuttgart); Vater Landwirt u. Fabrikarb.; Volks- u. Fortbildungsschule; Ausbildung zum Stanzer u. Metallpresser; 1913 Gewerkschaftsmitgl. u. SAJ; 1913 – 33 Mitgl. der Arbeitersportbew.; 1915 – 17 u. 1919/20 Metallpresser bei den Boschwerken in Stuttgart-Feuerbach; dort 1916 SAJ-Gruppenfunktionär u. Gewerkschaftsfunktionär; 1916 Spartakusgr.; 1917 USPD; 1917/18 Kriegsdienst; Nov. 1918 Teiln. an der Rev. in Stuttgart u. Ernennung zum Ltr. der Militärpolizei in… Geboren am 2. April 1899 in Feuerbach bei Stuttgart, Sohn eines Fuhrwerkbesitzers und Landwirts; Arbeiter (Stanzer und Metallpresser bei Bosch). 1913 Mitglied der Arbeiterjugend, 1916 Anschluß an die Spartakusgruppe, 1917 kam er zur USPD. 1917/18 Soldat an der Westfront. Seit Gründung der KPD 1919 in Stuttgart Mitglied und Funktionär der Partei, zeitweise Vorsitzender der Stuttgarter Ortsgruppe. Im November 1920 kam Rau als hauptamtlicher Mitarbeiter der KPD in die Zentrale nach Berlin, zunächst Sekretär der Abteilung Land, Mitherausgeber verschiedener KPD-Zeitungen für die Bauernschaft (»Land- und Forstarbeiter«, »Der Pflug«). Er blieb als einer der wenigen Apparat-Funktionäre bis 1932 ununterbrochen Sekretär bzw. Leiter dieser Abteilung des ZK und war außerdem in zahlreichen internationalen Organisationen (vom 1923 bis 1933 Mitglied des internationalen Komitees der Land- und Forstarbeiter). Rau wurde 1928 in den Preußischen Landtag gewählt, dem er bis 1933 angehörte. Er war der typische Spezialist im ZK-Apparat, der sich aus allen internen Auseinandersetzungen heraushielt und versuchte, nur in seinem Ressort zu arbeiten. Rau heiratete 1923 Helene Heß, geschiedene Hoernle (*14. 11. 1886 – † 24. 10. 1956), von der er sich aber später wieder trennte. Von Januar bis Mai 1933 illegal ZK-Instrukteur für Süddeutschland, wurde am 23.Mai 1933 verhaftet, am 11.Dezember 1934 vom VGH zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Luckau verbüßte. Im August 1935 emigrierte er in die Tschechoslowakei, drei Monate später in die Sowjetunion und arbeitete bis Februar 1937 als stellvertretender Leiter des internationalen Agrarinstituts in Moskau. Von März 1937 bis Mai 1938 kämpfte Heinrich Rau in den Internationalen Brigaden, war Politkommissar, Stabschef und Kommandeur der XI. Internationalen Brigade. Er kam im Mai 1938 verwundet nach Frankreich, leitete vom Herbst 1938 bis zum Kriegsausbruch das Hilfskomitee der deutschen und österreichischen Spanienkämpfer und gehörte zur KPD-Landesleitung in Paris. Dann in Vernet interniert, wurde ihm im März 1941 die sowjetische Staatsbürgerschaft verliehen, doch die Regierung Petain-Laval verhinderte seine Ausreise und lieferte ihn im Juni 1942 an Deutschland aus. Rau kam zunächst in das Berliner Gestapogefängnis Prinz-Albrecht-Straße und im März 1943 ins KZ Mauthausen, aus dem er im Mai 1945 befreit wurde. Über Wien gelangte er Mitte Juli 1945 nach Berlin und wurde im August 1945 2. Vizepräsident der Provinzialverwaltung Brandenburg, ab Herbst 1946 Minister für Wirtschaft der Landesregierung Brandenburg. Im Februar 1948 übernahm er den Vorsitz der Deutschen Wirtschaftskommission der SBZ. Ab Juli 1949 Mitglied des Parteivorstands bzw. des ZK der SED und auch des Politbüros, 1949 Minister für Wirtschaftsplanung in der ersten DDR-Regierung, von 1950 bis 1961 Stellvertretender Ministerpräsident, von 1950 bis 1952 Vorsitzender der Staatlichen Plankommission. Rau gehörte als Spezialist für Wirtschaftsfragen stets zur Spitzenführung der SED, er hielt sich aus den innerparteilichen Kämpfen heraus, rieb sich im Dienst seiner »Sache« auf, führte letztlich jedoch immer den Willen der Parteileitung bzw. der UdSSR aus. Er erhielt 1954 den VVO in Gold. In der Weimarer Republik veröffentlichte Rau eine Reihe Broschüren, in denen er die kommunistische Bauernpolitik erläuterte, darunter 1925: »Zur Vierhundertjahrfeier des deutschen Bauernkrieges« und 1936: »Hitler, Hunger, Krieg«. Heinrich Rau starb am 23. März 1961 an einem Herzinfarkt.Elke Reuter /

Wer war wer in der DDR

Rauls, Wolfgang

* 17.6.1948

Geb. in Rohrsheim (Aue-Fallstein, b. Halberstadt); Vater Transportarb.; Abitur (nach Vorkurs) an der TH Magdeburg; 1967 – 69 Ausbildung zum Elektromonteur, danach im Beruf tätig; 1968 NDPD; 1969 – 73 hauptamtl. Arbeit in der NDPD auf Stadtbez.- u. Krs.-Ebene; 1974 – 79 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1974 – 79 Stadtbez.-Sekr. in Magdeburg u. Mitgl. des Krs.-Vorst. der NDPD; 1979 – 87 Stadtbez.-Rat für Kultur in Magdeburg-Mitte; 1987/88 Sekr. des Bez.-Vorst. Magdeburg, 1989/90…

Wer war wer in der DDR

Reck, Karl-Heinz

* 14.2.1949

Geb. in Magdeburg; 1955 – 65 POS; 1965 – 68 Berufsausbildung zum Landmaschinen-Traktoren-Schlosser, Abitur; 1968 – 72 Studium der Math. u. Physik an der MLU Halle-Wittenberg, Dipl.-Lehrer; 1972 – 91 Lehrer an POS u. EOS in Salzwedel; seit 1985 Fachberater Physik; Jan. 1990 SPD; Mitgl. der Stadtverordnetenvers. Salzwedel; seit 1990 Abg. des Kreistagstags Salzwedel, Vors. der SPD-Frakt. Okt. 1990 – 2006 MdL Sachsen-Anh.; ab 1991 Lehrer am Käthe-Kollwitz-Gymnasium Salzwedel; seit 1993 stellv.…

Wer war wer in der DDR

Reed, Dean (Cyril)

* 22.9.1938 – ✝ 12.6.1986

Geb. in Denver, Colorado (USA); Vater Lehrer; OS, Kadettenschule; mit 16 Jahren erste Kompositionen u. Auftritte als Sänger; Studium der Meteorol.; 1958 Schallplattenverträge in Hollywood; 1959 Schauspielunterricht bei Paton Price; 1961 erster Erfolg mit dem Song »Our Summer Romance«; Auftritte in Chile; 1962 offener Brief an eine chilen. Ztg. zur Einstellung der Kernwaffentests (erste pol. Aktivität); 1965 Übersiedl. nach Argentinien; Teiln. am Weltfriedenskongreß in Helsinki, Repressalien u.…

Wer war wer in der DDR

Rehahn, Rosemarie

* 22.1.1923 – ✝ 11.7.2010

Geb. in Ortelsburg (Ostpr./Szczytno, Polen); Vater Hotelier; OS, Abitur; 1942 – 44 Studium der Germanistik, Geschichte, Kunstgeschichte u. Journalistik an den Univ. Breslau, Straßburg u. Prag. 1945 – 46 Mitarb. der »Dt. Volksztg.« (Zentralorgan der KPD); danach kurzz. Red. bei der Wochenztschr. »Frau von heute«; 1946 Mitbegr. u. bis 1949 stellv. Chefred. der Jugendztg. »Start«; ab 1950 Kulturred. »Neues Dtl.«; 1951 SED; verheiratet mit  Arne R.; 1953 im Kontext der Repressalien gegen Chefred. …

Wer war wer in der DDR

Rehbein, Gerhard

* 19.5.1926 – ✝ 12.9.2013

Geb. in Osterfeld (Thür.); Vater Arbeiter; Volks- u. OS, Lehre bei der Dt. Reichspost; 1944 Wehrmacht, Kriegsgefangenschaft. 1946 Tätigkeit bei der Dt. Post; 1947 SED; Abitur an der ABF Leipzig, 1949 – 51 Studium der Wirtschaftswiss. an der Univ. Leipzig, Dipl.-Wirtsch.; 1951/52 wiss. Assistent bzw. Oberassistent, 1952 Doz. u. Prorektor der DVA »Walter Ulbricht« in Forst-Zinna; Prom. zum Dr. rer. oec., 1955 Wahrnehmungsprof. an HS für Verkehrswesen Dresden, 1956 dort Dir. des Inst. für Ökonomik…

Wer war wer in der DDR

Rehhahn, Helmut

* 29.8.1947

Geb. in Dabrun (Krs. Wittenberg); Vater u. Mutter Landwirte; 1953 – 61 Grundschule u. POS in Dabrun; 1961 – 65 EOS in Wittenberg, Abitur; Ausb. zum Landwirt in Globig (Krs. Wittenberg); 1966 – 70 Studium der Landw. in Halle u. Leipzig, Dipl.-Agraring.; 1970 – 73 WPU in Rostock, 1973 Prom. in Rostock; 1973 – 79 Prod.-Ltr. in der Jungrinderanlage Seegrehna (Krs. Wittenberg); 1980 – 85 Ltr. der Zentralen Bullenprüfstation Bietegast (Krs. Wittenberg); 1986 – 89 Abt.-Ltr. im VEG Seegrehna; Jan. 1990…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reich, Jakob (Thomas)

* 23.5.1886 – ✝ 15.3.1955

Geboren am 23. Mai 1886 in Lemberg. Schon während der Schulzeit gehörte er einer sozialistischen Schülervereinigung an, übersiedelte mit 19 Jahren nach Warschau und war in einer illegalen sozialistischen Kampforganisation. Reich beteiligte sich am Aufbau illegaler Druckereien, angeblich auch an Attentaten, u. a. auf den Warschauer Gouverneur. Nach der Niederlage der Revolution von 1905 über Deutschland in die Schweiz emigriert, leitete er in Zürich ein chemisches Labor und experimentierte auch mit Sprengstoff. Von 1906 bis 1912 Pädagogikstudium und Mitarbeiter mehrerer sozialistischer Blätter sowie Mitbegründer der Zeitschrift »Wolna Szko?a« (»Die Freie Schule«). Mitglied der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz, 1914/15 Angehöriger der österreichischen Armee, aus Gesundheitsgründen (Herzkrankheit) entlassen, ging zurück nach Zürich und wurde Lehrer. Unter den Parteinamen James Gordon, James Reich und Thomas (unter letzterem am bekanntesten) arbeitete er in internationalen sozialistischen Jugendorganisationen und hatte enge Kontakte zu russischen Emigranten u. a. zu Grigori Sinowjew. Er stand auf Seiten der Bolschewiki, war Mitarbeiter und faktischer Pressesprecher der diplomatischen Vertretung Sowjetrußlands in der Schweiz. Wegen seines aktives Engagements für die Bolschewiki – er war u. a. Gründer eines Verlages, der die Schriften Wladimir I. Lenins, Karl Radeks und Leo Trotzkis in deutsch herausgab – von der Schweizer Regierung vorübergehend verhaftet, verließ Reich im Januar 1919 die Schweiz und ging nach Moskau. Hier war er mitbeteiligt am Gründungskongreß der Komintern. Unter seinem Parteinamen James Gordon bzw. Thomas reiste er anschließend im Auftrag von Sinowjew nach Berlin und baute das Westeuropäische Sekretariat (WES) der KI auf. Mitglieder des WES waren u. a. Paul Levi, August Thalheimer, Willi Münzenberg und als Kassierer Eduard Fuchs. Reichs Sekretärin, Ruth Österreich-Jensen, war seine zeitweilige Lebensgefährtin (* 6. 6. 1894). Sie war seit 1912 in der SPD und seit Gründung in der KPD. Sie heirateten und bekamen eine Tochter. Ab 1925 arbeitete Ruth Österreich in der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin. Da sie den ultralinken Kurs der KPD und der Komintern ablehnte, wurde sie im Mai 1929 aus der KPD ausgeschlossen und verlor ihre Stellung in der sowjetischen Handelsvertretung. Sie ging zur KPO, wurde 1931 Mitglied der SAPD, emigrierte 1933 nach Prag und schloß sich der sozialistischen Gruppe »Neu Beginnen« an. Ruth Österreich, die Kontakte zu Karl Retzlaw (Gröhl), einem ehemaligen Mitarbeiter des Nachrichtendienstes der KPD hatte, sammelte wichtige, vor allem militärische Nachrichten aus Deutschland und leitete sie weiter. Seit Dezember 1939 in Brüssel, bemühte sie sich, weitere militärische Informationen über die Kriegsvorbereitungen aus Deutschland zu bekommen. Am 24. April 1941 wurde Ruth Österreich in Brüssel verhaftet, am 18. Februar 1943 vom VGH wegen »Vorbereitung zum Hochverrat, Feindbegünstigung und Wehrkraftzersetzung« zum Tode verurteilt und am 25.Juni 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. 2011 veröffentlichte Birgit Schmidt eine biografische Skizze über Ruth Oesterreich. Über Jakob Reich (Genosse Thomas) wurden 1919/20 nicht nur immense Komintern-Gelder an die kommunistischen Parteien in Westeuropa transferiert, sondern die Komintern-Spitze auch mit Literatur, Zeitschriften und Zeitungen in zwei eigens gecharterten Flugzeugen versorgt. Er organisierte den Aufbau des KI-Verlages Carl Hoym und eröffnete ein legales Büro in Hamburg und ein illegales in Berlin. Hier waren Ruth Österreich und Werner Rakow (Felix Wolf) beschäftigt. Als »rechte Hand« von Reich-Thomas galt die Russin »Genossin Fritzmann«, die unter dem Namen Hertha Sturm wirkte, tatsächlich handelte es sich um Jelena Stassowa. Da Reich-Thomas eine Art Geheimberichterstattung über die Lage in der KPD durchführte, gab es ständige Konflikte zwischen ihm und der KPD-Zentrale. Formal wurde das WES 1920 aufgelöst, er führte es aber weiter, und die KPD-Spitze beschwerte sich darüber bei allen Instanzen in Moskau. Zusätzlich kam es zwischen Reich-Thomas und dem Leiter der Budget-Kommission der Komintern, Ossip Pjatnitzki, zum Streit über die Verwendung der Gelder. Dies veranlaßte die IKK, gegen Thomas ein Verfahren einzuleiten. Er mußte sich 1925 in Moskau verteidigen und durfte durch Fürsprache von Radek und Sinowjew wieder nach Deutschland. Reich lebte dann legal unter dem Namen Rubinstein in Berlin-Reinickendorf, publizierte 1928 als Herausgeber unter seinem Parteinamen J. Thomas mit anderen bekannten kommunistischen Intellektuellen die »Illustrierte Geschichte der Russischen Revolution« und ein Jahr später die »Illustrierte Geschichte des Bürgerkrieges in Rußland«. Reich-Thomas verließ 1931 die KPD und schloß sich der SAP an. Nach 1933 emigrierte er – als Jude und Kommunist doppelt gefährdet – nach Prag, später in die USA. Er hielt Verbindung zu ehemaligen Mitkämpfern, z. B. besuchte er noch 1951 Franz Pfemfert in Mexiko. Jakob Reich-Rubinstein, der zuletzt mit der Psychoanalytikerin Annie Reich, geborene Pink (* 9. 4. 1902 - † 5. 1. 1971) verheiratet war, starb am 15. März 1955 in New York City. Alexander Watlin und Markus Wehner veröffentlichten 1993 in der IWK über Jakob Reich einen biographischen Aufsatz. Jakob Reich war in erster Ehe mit Berta Reich, geborene Brutzkus (* 1. 5. 1887 – † 12. 8. 1965), verheiratet. Die in Polzangen bei Memel geborene Tochter einer jüdischen Familie studierte ab 1904 in der Schweiz Medizin und promovierte 1912. In Zürich wurde ihre gemeinsame Tochter Hanna (* 8. 4. 1914 – † 17. 3. 1992) geboren. Bis 1915 Kinderärztin an der Universitätsklinik Zürich, von 1915 bis 1918 Ärztin in einem Flüchtlingslager in Österreich. Von 1920 bis 1931 Ärztin in Berlin, ab 1924 bei der sowjetischen Handelsvertretung. 1929 trat sie in die KPD ein und ging 1931 als Spezialistin in die Sowjetunion, arbeitete bis 1943 im Ministerium für Gesundheitswesen. 1949 Rückkehr nach Deutschland.

Wer war wer in der DDR

Reichardt, Hans

* 2.4.1908 – ✝ 4.4.1991

Geb. in Altenburg; 1926 – 34 Studium der Mathematik u. Physik in Jena, Königsberg, Berlin (u. a. bei Issai Schur), Hamburg u. Marburg; 1932 Prom. mit einer Arbeit auf dem Gebiet der Algebra bei Helmut Hasse in Marburg, hier 1934 St.-Ex.; Assistent an der Univ. Frankfurt (Main), 1935 an der Univ. Jena, 1937 an der Univ. Leipzig; 1939 hier Habil. u. Doz.; ab 1943 wiss. Mitarb. bei der Telefunken AG in Berlin. Als Spezialist nach dem Krieg zu Reparationsarbeiten herangezogen; 1946 – 52 in der…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Raschke, Felix (Fritz)

* 9.5.1884 – ✝ 5.7.1957

Geboren am 9. Mai 1884 in Danzig, Sohn eines Bernsteindrechslers; Tischler. Von 1906 bis 1908 leistete er seinen Militärdienst, trat 1908 in den Deutschen Holzarbeiterverband ein, Funktionär des DHV in Danzig. 1912 Mitglied der SPD. Von 1914 bis 1918 Soldat im Krieg; 1920 ging Raschke zur KPD. Von 1923 bis 1934 war er Abgeordneter des Volkstages Danzig und gehörte auch dem engeren Führungskreis der Danziger KPD an, außerdem Redakteur an der Danziger KP-Zeitung »Das freie Volk«. Am 3. Mai 1934 wurde Felix Raschke verhaftet und im Juni 1934 durch die Große Danziger Strafkammer wegen der »Herausgabe illegaler Zeitschriften bzw. Zeitungen« zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Im November 1937 entlassen, danach Tischler bei der AEG in Danzig. Raschke, der auch nach Kriegsbeginn illegal für die KPD tätig war, wurde am 22.August 1944 erneut festgenommen und in das KZ Stutthof bei Danzig gebracht. Im August 1945 kam er mit einem »Antifa-Umsiedler-Transport« nach Dammgarten im Kreis Stralsund, arbeitete bis 1947 als Personalreferent beim KPD- bzw. beim SED-Landesvorstand Mecklenburg. Von 1947 bis 1949 war er Kreisrat für Inneres im Kreis Rügen und leitete ab August 1949 die Strafanstalt Dreibergen. Felix Raschke starb am 5. Juli 1957.

Wer war wer in der DDR

Rataizick, Siegfried

* 29.5.1931 – ✝ 10.7.2023

Geb. in Halle, Pflegevater Lokführer; Volksschule; 1945 Ausbildung zum Klempner, dann Geselle; 1950 Kraftfahrer; 1951 SED; Einstellung beim MfS, Wachmann in der Verw. Sachsen-Anh.; 1950 Versetzung zum MfS Berlin, Abt. XIV (U-Haft/Strafvollzug); 1957/58 SED-BPS Bad Blankenburg; 1962 stellv. Abt.-Ltr., 1963 Abt.-Ltr. der Abt. XIV; 1964 – 68 Fernstudium Kriminalistik an der HU Berlin, Dipl.-Kriminologe; 1975 Oberst; 1984 Prom. zum Dr. jur. an der JHS Potsdam-Eiche; 1990 Entlassung. Grimmer, R. u.…

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Rattai, Karl

* 1.6.1901 – ✝ 30.10.1953

Geboren am 1. Juni 1901 in Bochum, Sohn eines Bergmanns; Erd- und Holzarbeiter. 1919 Mitglied der SPD, ab 1920 der KPD. Einem Verfahren wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« entzog er sich durch Flucht, später amnestiert. Er wurde Expedient beim »Ruhr-Echo«, arbeitete vor allem für den AM-Apparat der BL Ruhrgebiet. Von September 1930 bis April 1931 Kursant an der M-Schule der Komintern in Bakowka bei Moskau (Deckname Felix Burg). Nach Rückkehr offiziell wieder beim »Ruhr-Echo« angestellt, übernahm er die Leitung der AM-Arbeit der BL Ruhrgebiet. Von November 1932 bis April 1933 erneut Kursant an der M-Schule. Mitte Juni 1933 über Prag Rückkehr zur illegalen Arbeit nach Deutschland, Einsatz in Hamburg (Leiter des AM-Apparates). Am 14. September 1933 in Hamburg festgenommen und am 21.Februar 1935 vom VGH zu viereinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Bis November 1939 in Haft, zuletzt im KZ Sachsenhausen. Ab 1940 Lagerist und Monteur bei einer Essener Großhandelsfirma. Karl Rattai starb am 30.Oktober 1953 in Essen-Rüttenscheid. Wilhelm Mensing ging 2004 im Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung (»Vertrauensleute kommunistischer Herkunft bei der Gestapo und NS-Nachrichtendiensten«) im Zusammenhang mit dessen Frau Margarethe, geborene Finkenstein (* 1904 – † 1942), auch auf Karl Rattai ein. Rattais jüngerer Bruder Willi (* 1913 – † 1996) war 1928 Mitglied des KJVD und der KPD, bis März 1933 Jugendsekretär der RGO und Orgleiter des KJVD im Ruhrgebiet. Im August 1933 Festnahme, 1934 vom OLG Hamm zu zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt, von September bis Dezember 1939 im KZ Sachsenhausen, später zur Wehrmacht eingezogen. 1945 KPD-Mitglied, ab 1968 Mitglied der DKP. Anna Hennig veröffentlichte 2002 einen biographischen Artikel über Willi Rattai.

Wer war wer in der DDR

Rauch, Heinz

* 23.11.1914 – ✝ 19.12.1962

Geb. in Leipzig-Schönefeld; Vater Arbeiter; Lehre bei der Bank; 1929 – 32 Angest. bei der Dresdner Bank; 1933 KPD in Leipzig; Juli 1933 Emigr. nach Dänemark, weiter nach Schweden; Nov. 1934 verhaftet; 1935/36 Werkzeugschlosser in Stockholm; Sommer 1936 nach Spanien; zuerst bei der XIV., dann bei der XI. Brigade; Offz.-Schule Pozo Rubio; nach schwerer Verwundung zum Ltn. ernannt; 1938 in KP Spaniens überführt; Ingenieurausbildung; 1938 wieder in Schweden; ab 1940 Mitgl. der Exilltg.; 1940 Heirat…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rebe, Alfred

* 25.12.1893 – ✝ 19.2.1938

Geboren am 25. Dezember 1893 in Berlin; Metallarbeiter. 1912 zur Marine eingezogen, blieb er auch im Krieg Matrose, Oberheizer auf der »Moltke«, hatte großen Einfluß auf die Matrosen und war einer der Führer der Rebellion von 1917. Rebe erhielt im Dezember 1917 acht Jahre Zuchthaus und kam durch die Novemberrevolution von 1918 frei. Mitglied der USPD, 1919 am Berliner Januaraufstand beteiligt. Mit der linken USPD kam er Ende 1920 zur KPD, wurde 1921 von der Zentrale nach Mecklenburg entsandt, dort Redakteur der KPD-Zeitung und Vorsitzender der KPD in Rostock. 1927 Redakteur der »Roten Fahne«, wo er seit 1929 im politischen Ressort arbeitete und im Jahre 1928 für die »Rote Fahne« verantwortlich zeichnete. 1933 verhaftet und für einige Monate in den KZs Oranienburg und Sonnenburg inhaftiert, Rebe emigrierte 1934 in die Sowjetunion. Er arbeitete unter dem Parteinamen Winkel an verschiedenen deutschsprachigen Zeitungen, zuletzt als verantwortlicher Redakteur der Zeitung »Rote Fahne« in der Georgischen SSR. Alfred Rebe wurde 1938 ein Opfer der Stalinschen Säuberungen. Im Februar 1938 vom NKWD im Nordkaukasus verhaftet und im Oktober verurteilt und erschossen. Seine Tochter Erika (* 6. 12. 1919) setzte sich im August 1948 mit Margarete Buber-Neumann, der Lebensgefährtin Heinz Neumanns in Verbindung, die in einem Artikel der »Neuen Zeitung« auch auf das Schicksal Alfred Rebes eingegangen war. Sie berichtete Erika Rebe dann am 18. September in einem Brief, »daß Ihr Vater, Herr Alfred Rebe, 1935 zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in einen Ort am Kaukasus geschickt wurde, wo er zugleich als Journalist tätig sein sollte ... Es gefiel Ihrem Vater, wie er mir brieflich mitteilte, anfangs sehr gut dort, und auch sein Gesundheitszustand schien sich wesentlich gebessert zu haben. Als ich nach einigen Monaten kein Lebenszeichen mehr von ihm erhielt, fragte ich bei der deutschen Parteivertretung, was mit ihm los sei und erfuhr dort, daß auch die Partei keine Nachricht mehr über ihn habe ... Da damals fast ausnahmslos alle Politemigranten außerhalb Moskaus von den besonders argwöhnischen und brutalen Behörden in der Provinz pauschal verhaftet wurden, hat wohl auch Ihr Vater dieses Schicksal gefunden.« Alle Nachforschungen, die Erika Pentschke, geborene Rebe, später anstellte, blieben bis Anfang der sechziger Jahre ergebnislos. Ende März 1963 erhielt sie vom Obersten Gericht der UdSSR folgende Bescheinigung: »Die Strafsache in der Anklage Winkel (Rebe) Alfred (Adolf) Wilhelm, geboren 1893, bis zur Inhaftierung am 19. Februar 1938 – eines verantwortlichen Sekretärs der Redaktion der Zeitung ?Rote Fahne? im Luxemburger Rayon der Georgischen SSR, ist am 28. November 1962 von dem Militärgericht des Transkaukasischen Militärbezirks erneut überprüft worden. Die Gerichtsentscheidung vom 9. Oktober 1938 bezüglich Winkel (Rebe), Alfred (Adolf) Wilhelm ist abgeschafft und seine Strafsache ist wegen der Abwesenheit des Tatbestandes eingestellt. Winkel (Rebe) A. W. ist posthum (nach dem Tode) rehabilitiert.«

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Recknagel, Alfred

* 22.11.1910 – ✝ 19.12.1994

Geb. in Eisfeld (Thür.); Abitur in Hildburghausen; 1929 – 33 Studium der Physik in Jena u. Leipzig; 1934 Prom. bei  Friedrich Hund u. Werner Heisenberg in Leipzig, 1943 Habil. an der Univ. Jena; 1934 – 45 Mitarb. im Forschungsinst. der AEG in Berlin. 1945 – 47 Mitarb. bei Carl Zeiss Jena, zugl. Doz. u. Assistent an der Univ. Jena; 1948 – 75 Prof. für Experimentalphysik u. Elektronenphysik sowie Dir. des Inst. für Experimentalphysik (ab 1969 Sektion Physik) der TH / TU Dresden (in den…

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Reese, Maria

* 5.1.1889 – ✝ 9.10.1958

Als Maria Meyer am 5. Januar 1889 in Michelbach/Krs. Daun geboren; besuchte nach dem Lyzeum das Bonner Lehrerinnenseminar bis zum Abschluß als Volksschullehrerin. 1923 heiratete sie den sozialdemokratischen Redakteur und ehemaligen preußischen Landtagsabgeordneten Gottlieb Reese (* 24. 5. 1880 – † 25. 1. 1949), von dem sie sich 1928 trennte, aus dieser Ehe stammte der Sohn Dagobert. Ab 1919 Mitglied der SPD, von 1920 bis 1924 war sie Redakteurin der SPD-»Volkswacht« in Trier und Referentin für Frauen- und Jugendfragen. Nachdem sie und ihr Mann im Oktober 1923 aus dem französischen Besatzungsgebiet ausgewiesen wurden, lebte Maria Reese als Schriftstellerin in Hannover. Im Mai 1928 wurde sie im Wahlkreis Südhannover-Braunschweig für die SPD in den Reichstag gewählt, dem sie bis März 1933 angehörte. Mit einem »Offenen Brief an die SPD-Arbeiter« verkündete sie in der »Roten Fahne« am 9. November 1929 demonstrativ ihren Übertritt zur KPD, die sie 1930 und 1932 als Kandidatin für den Reichstag aufstellte. Maria Reese war von 1930 bis 1932 Herausgeberin und Redakteurin der Zeitschrift »Die rote Einheitsfront« und arbeitete eng mit Clara Zetkin zusammen. Am 28. Februar 1933 flüchtete sie zunächst nach Dänemark, dann nach Schweden, wo sie Ende März vorübergehend verhaftet und dann ausgewiesen wurde. Nach einem kurzen Aufenthalt in Leningrad kam sie nach Moskau. Da sie der Politik der KPD-Führung und der Komintern zunehmend kritisch gegenüberstand, sollte sie aber aus der Hauptstadt verbannt werden. Dank der Hilfe von Clara Zetkin gelang es ihr, die Sowjetunion zu verlassen. Maria Reese ging nach Paris, überwarf sich hier mit Willi Münzenberg, der sie für das von ihm gegründete Weltkomitee gegen Faschismus und Krieg gewinnen wollte. Einer Aufforderung, erneut nach Moskau zu kommen, widersetzte sie sich, wandte sich enttäuscht von der KPD ab und hielt sich bis Ende 1933 in Frankreich auf. Maria Reese trat am 26. Oktober 1933 aus der KPD aus und schloß sich kurzzeitig der trotzkistischen Gruppe Internationale Kommunisten Deutschlands an. Im November 1933 veröffentlichte sie in der Zeitschrift »Unser Wort« einen »Brief an das ZK der KPD und das EKKI«, in dem sie sich von der kommunistischen Politik stalinistischer Prägung distanzierte. Ihr Antrag bei einem jüdischen Hilfskomitee um Unterstützung wurde auf ausdrücklichen Wunsch der KPD abgelehnt. Sie ging zunächst in das Saargebiet, dann Ende 1934 wieder nach Deutschland zurück und wurde Mitarbeiterin der Anti-Komintern-Abteilung des NS-Propagandaministerium. Maria Reese, die mehrmals im Rundfunk über ihre Abkehr vom Kommunismus sprach, veröffentlichte 1938 ihr Buch »Abrechnung mit Moskau«. Im Zusammenhang mit dem Attentat auf Hitler im Juli 1944 kurz inhaftiert, konnte sie aber dann wieder zur Pflege ihrer Mutter nach Lüxem/Trier. Ihr Sohn Dagobert wurde im Juni 1944 wegen Fahnenflucht erschossen. Nach 1945 konvertierte sie zum katholischen Glauben. Maria Reese starb am 9.Oktober 1958 in Zell an der Mosel.

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Rehahn, Arne

* 29.8.1924 – ✝ 14.10.1975

Geb. in Stuttgart; Vater Innenarchitekt, Mutter Lehrerin, pazifist. Elternhaus; 1935 – 42 Schadow-Reform-Realgymnasium in Berlin, Abitur; 1940 – 42 antifa. Arbeit mit frz. Kriegsgefangenen in Berlin-Zehlendorf; Juni – Sept. 1942 RAD; Dez. 1942 freiw. zur Luftwaffe, Ausbildung an versch. Flugzeugführerschulen; März 1945 mit einem Jagdflugzeug desertiert, März/April 1945 Vernehmungslager der Royal Air Force in London, April – Sept. 1945 Antifa-Lager Ascot bei London; Mitarb. der…

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Rehberg, Eckhardt Harald

* 3.4.1954

Geb. in Bartelshagen (Krs. Ribnitz-Damgarten); 1960 – 70 POS, 1970 – 73 Abitur u. Ausb. zum Facharb. für Datenverarb.; 1973 – 75 NVA; ab 1973 im Bereich EDV tätig; 1977 – 83 Fernstudium der Informatik in Berlin u. Dresden, Dipl.-Ing.; 1984 CDU; 1984 Bezirksschöffe am Arbeitsgericht Ribnitz-Damgarten; Dez. 1989 – Sept. 1990 Mitgl. des CDU-Parteivorst.; Aug. 1990 – Nov. 1993 Vors. des CDU-KV Ribnitz-Damgarten. 1990 Geschäftsf. der Fa. Ostseeschmuck; Okt. 1990 – 2005 MdL, bis 2005 Vors. der…

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Rehme, Anna

* 6.8.1899 – ✝ 21.1.1980

Geboren am 6. August 1899 in Würzburg, Tochter eines Konsumangestellten; Stenotypistin und Kontoristin. Seit 1912 in der Arbeiterjugend, zog 1916 nach Berlin und wurde Stenotypistin in der Kanzlei der Rechtsanwälte Oskar Cohn und Alfons Goldschmidt. Kurz nach Ausbruch der Revolution 1918 wurde sie Sekretärin von Emil Eichhorn im Berliner Polizeipräsidium, später Stenotypistin und Korrespondentin in der Verlagsgenossenschaft der USPD-«Freiheit«. Sie war Mitbegründerin des Spartakusbundes in Berlin und gehörte seit 1920 der KPD an. Von 1921 bis 1928 war sie im Büro von Wilhelm Pieck beschäftigt, persönliche Freundin von Clara Zetkin. Von 1928 bis zum 28. Februar 1933 Sekretärin der KPD-Reichstagsfraktion, mußte als Zeugin im Reichstagsbrandprozeß auftreten. Sie arbeitete später im Verlag des »Kirchlichen Amtsblattes« der Kirchenprovinz Mark Brandenburg. Im Juni 1945 Verwaltungsangestellte in der Abteilung für Sozialwesen beim Magistrat von Groß-Berlin. Mitglied der KPD/SED, ab 1947 bei der Zeitschrift des FDGB-Bundesvorstandes »Die freie Gewerkschaft«, dann bei der Tageszeitung »Tribüne«. Sie war mit Otto Willert verheiratet. Anna Rehme starb am 21. Januar 1980 in Ost-Berlin.

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Reich, Hermann

* 16.1.1886 – ✝ 7.4.1955

Geboren am 16. Januar 1886 in Klein-Opitz, Sohn eines Bergarbeiters; lernte zunächst Gießer, später besuchte er die staatliche Handelsakademie in Dresden und studierte Nationalökonomie an der Universität Berlin. Von 1903 bis 1914 Angestellter in Hamburg, zuletzt Lagerhalter. Trat 1903 in die SPD ein, aktive Tätigkeit, 1911 Delegierter des 1. Hamburger Wahlkreises zum Parteitag in Jena. Von 1914 bis 1918 Soldat im Weltkrieg, gehörte im November 1918 zum Obersten Soldatenrat von Hamburg. Im Dezember 1918 Delegierter zum 1. Reichsrätekongreß (»Fraktion der Vereinigten Revolutionäre«, Wahlbezirk Hamburg). 1919/20 Parteisekretär der USPD in Hamburg, im Juni 1920 wurde er als Abgeordneter für die USPD in den Reichstag gewählt. Ende 1920 Übertritt mit dem linken Flügel zur KPD, im September 1921 schloß er sich der KAG an. Ab November 1922 zeitweilig Hospitant bei der KPD-Fraktion, wurde bis Ende der Legislaturperiode 1924 dann Mitglied der SPD-Reichstagsfraktion. Hermann Reich gehörte von 1919 bis 1922 auch der Hamburger Bürgerschaft an, siedelte später von Hamburg nach Berlin über, dort Inhaber einer Gastwirtschaft. Er ging 1931 zur SAP, wurde im Frühjahr 1933 Nachfolger von Max Köhler als Organisationsleiter der SAP Groß-Berlin und gehörte der illegalen Reichsleitung an. Am 15. September 1933 verhaftet und am 1. Dezember 1934 vom VGH (zusammen mit Max Köhler, Edith Baumann u. a.) zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Im Jahre 1942 vom Sondergericht Berlin wegen »Vergehens gegen das Heimtückegesetz« zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Im November 1944 zur Wehrmacht eingezogen, desertierte er kurz vor Kriegsende im April 1945. Nach 1945 Mitglied in der SPD. Hermann Reich starb am 7. April 1955 in West-Berlin.

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Reiche, Steffen

* 27.6.1960

Geb. in Potsdam-Babelsberg; EOS, 1979 Abitur; 1981/82 Lehre als Tischler; Studium der Theol. am Sprachenkonvikt Berlin; Verweigerung des Wehrdiensts; 1988 – 90 Pfarrer in Christinendorf (Bez. Potsdam); 7.10.1989 Gründungsmitgl. der SDP in Schwante (b. Oranienburg), Jan. 1990 Mitgl. des PV der SPD (DDR); März – Okt. Abg. der Volkskammer; Mai 1990 – Juli 2000 Landesvors. der SPD Brandenb. Okt. 1990 – Okt. 2005 Abg. des Brandenb. Landtags; 1994 – 99 Minister für Wiss. u. Kultur (Nachf. von Hinrich…

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Raskop, Johann

* 13.11.1911 – ✝ 15.7.1988

Geb. in Berlin; Vater Anstreicher u. SPD-Mitgl., Mutter Fabrikarbeiterin, Hausgehilfin; 1918 – 26 Volksschule u. Mittelschule; 1926 – 30 Friseurlehre; 1927 KJVD; 1930 / 31 Arbeit bei der Müllabfuhr; ab 1929 mehrere kurze Inhaftierungen nach Zusammenstößen mit Faschisten bei Demonstrationen u. Versammlungen, gehörte einer radikalen Gruppe an; 1931 – 35 arbeitslos; 1932 KPD; Juli 1932 4 Monate Haft wg. unbefugten Waffenbesitzes; ab Nov. 1932 – Febr. 1933 Gefängnis wg. Anstiftung zum…

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Rathenow, Lutz

* 22.9.1952

Geb. in Jena; Vater Bankkfm., Mutter Schneiderin; 1971 Abitur; Wehrdienst; ab 1973 Studium der Pädagogik, Dt. u. Geschichte in Jena; Mitbegr. u. Ltr. des Arbeitskrs. Lit. u. Lyrik in Jena (1973 – 75); im Zuge der Wolf-Biermann-Affäre 1977 Exmatrikulation aus pol. Gründen; anschl. Transportarb., Prod.- u. Regieassistent in Jena u. Berlin; 1978 Mitgl. im Verb. der Theaterschaffenden; seitdem freiberufl. tätig; erste Texte in »Auswahl 78. Neue Lyrik Neue Namen«, dann starke…

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Rätzsch, Margit Theresa

* 13.9.1934 – ✝ 15.8.2016

Geb. in Teplitz-Schönau (ČSR / Teplice-Šanov, Tschechien); Vater Bergmann; Grund- u. OS, Abitur; 1952 – 56 Physikstudium an der Univ. Leipzig; 1954 SED; 1956/57 Doz. an der ABF Leipzig; 1957 – 59 wiss. Mitarb. im VEB Rundfunk- u. Fernsehtechnik Leipzig; 1959 – 64 wiss. Assistentin u. pers. Referentin des Prorektors für Forschung an der TH Leuna-Merseburg, 1964 – 68 wiss. Oberassistentin; 1964 Prom. zum Dr. rer. nat.; 1968 Habil., 1969 Doz. u. Berufung als Prof. für physikal. Chemie u. Dir. der…

Wer war wer in der DDR

Rauch, Neo

* 18.4.1960

Geb. in Leipzig; Vater u. Mutter starben bei einem Zugunglück, aufgew. bei den Großeltern in Aschersleben; 1981 – 86 Studium an der HS für Grafik u. Buchkunst (HGB) Leipzig bei Wolfgang Peuker u.  Arno Rink; 1986 – 90 Meisterschüler bei  Bernhard Heisig; ab 1986 Ausstellungsbeteiligungen, u. a. Junge Künstler im Bez. Leipzig, Altenburg; 1987 Galerie Schaufenster Berlin, 1988 Maler in Leipzig, Galerie im Thomaskirchhof; Studienergebnisse der HGB in Duisburg; 1988 X. Kunstausstellung der DDR,…

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Rebel, Jakob Michael

* 7.2.1892 – ✝ 1939

Geboren am 7. Februar 1892 in Offenbach am Main; Schlosser, Schmirgeldreher. 1916 Mitglied der SPD, seit 1919 der KPD. In den zwanziger Jahren Leiter des Volksbuchbetriebes (Buchhandlungs- und Zeitungsvertrieb der KPD) und hauptamtlicher Angestellter der BL Hessen-Frankfurt, zuletzt Bezirkskassierer und Mitglied des Sekretariats der BL. Bis 1928 auch Gemeindevertreter der KPD in Fechenheim und nach der Eingemeindung zu Frankfurt/M., im April 1928 dort Stadtverordneter, seit 1930 ehrenamtlicher Stadtrat. Ab 1933 illegale Arbeit, Mitglied der BL, emigrierte im August 1933 in das Saargebiet, dann nach Frankreich, später Leiter der Emigrantenkommission. Im Oktober 1935 kam er als Politemigrant in die Sowjetunion. Er wurde am 29. Juli 1937 vom NKWD verhaftet und in einen Gulag verbannt. Dort kam Jakob Michael Rebel (vermutlich 1939) ums Leben. Michael Bermejo veröffentlichte 2006 eine biographische Skizze über Jakob Rebel.

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Recknagel, Helmut

* 20.3.1937

Geb. in Steinbach-Hallenberg; Vater Zangenmacher; Volksschule; 1951 – 53 Ausbildung zum Werkzeugmacher; 1951 erste Sprünge von der Schanze; 1953 bei den DDR-Jugendmeisterschaften Sieger (Nord. Kombination); 1953/54 im Beruf tätig; 1955 – 60 Meßtechniker; 1955 – 64 aktiver Skisportler (Spezialspringer) beim SC Motor Zella-Mehlis (Trainer: Hans Renner); 1961 – 63 Studium an der DHfK Leipzig, abgebrochen; 1964 ABF Leipzig; 1957 Sieger am Holmenkollen (als erster Mitteleuropäer seit 1883), 1958/59…

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Regler, Gustav

* 25.5.1898 – ✝ 14.1.1963

(* 1898 – † 1963) Geboren am 25. Mai 1898 in Merzig/Saarland, Sohn eines Buchhändlers. Als Offizier im Weltkrieg verwundet, verteidigte er 1919 die Münchner Räterepublik. Die Erfahrungen der Kindheit und des Krieges machten ihn zum überzeugten Sozialisten. Er studierte in Heidelberg und München Germanistik und promovierte 1922. Zunächst Journalist, 1928 trat er der KPD bei, kam nach Worpswede und lebte seit den zwanziger Jahren mit Heinrich Vogelers Tochter Marie Luise (Mieke) (* 1901 – †1945) zusammen. Aktiv in der kommunistischen Partei und der Freidenkerbewegung, arbeitete Regler dann als Schriftsteller in Berlin. 1933 Emigration, zunächst wirkte er als Agitator während der Saarabstimmung. Er nahm aktiv am Internationalen Schriftstellerkongreß im Juni 1935 in Paris teil, wurde aber von der KPD-Führung wegen seines offenen Auftretens als Kommunist gerügt. 1936 war er in Moskau an der Redigierung des Protokolls des 1. Schauprozesses (gegen Sinowjew u. a.) beteiligt. Er kämpfte 1937 in den Reihen der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg, war eng mit Ernest Hemingway befreundet und kam schwer verwundet in ein Feldhospital und erhielt die spanische Staatsbürgerschaft. 1939 im französischen Lager Vernet interniert. Regler distanzierte sich vom Stalinismus, trennte sich von der kommunistischen Bewegung und wurde aus der KPD ausgeschlossen. 1940 emigrierte er über New York – wo Regler und Mieke Vogeler heirateten – nach Mexiko. Dort war er im Vorstand der Liga für deutsche Kultur und wurde von der KI als »Verräter« angegriffen. Regler kam 1952 in die Bundesrepublik, hier journalistisch und politisch aktiv, ein engagierter Kämpfer für die Freiheit. Zeitweilig Korrespondent von Radio Saarbrücken in Rom, pendelte er zwischen Mexiko und Europa. Gustav Regler starb am 14.Januar 1963 überraschend in einem Hotel in Neu Delhi. Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt und sind in fast 50 Ausgaben in aller Welt erschienen. Sein bekanntestes Buch ist die Autobiographie »Das Ohr des Malchus«. Ab 1994 erschien eine 15bändige Werkausgabe Reglers.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rehbach, Paul

* 26.2.1874 – ✝ 17.3.1934

Geboren am 26. Februar 1874 in Finsterwalde; lernte Bürstenmacher und ließ sich nach der Wanderschaft in Württemberg nieder. Zu Beginn des Jahrhunderts Mitglied der SPD, im Krieg Übertritt zur USPD, mit der linken USPD 1920 zur KPD. Seit 1922 Gemeinderat in Göppingen, von 1924 bis 1928 Landtagsabgeordneter in Württemberg. Rehbach gehörte dem rechten Parteiflügel an und wurde deswegen 1928 nicht mehr zur Wahl aufgestellt. 1929 trat er aus der KPD aus. Er schloß sich 1931 der SAP an, für die er in Württemberg aktiv war. Im November 1932 kandidierte er noch auf der Reichsliste der SAP auf Platz 4, doch erhielt die SAP kein Reichstagsmandat. 1933 einige Zeit inhaftiert, starb Paul Rehbach am 17. März 1934 in Göppingen, es ließ sich nicht ermitteln, ob in Freiheit oder in Haft.

Wer war wer in der DDR

Reher, Lothar

* 29.6.1932 – ✝ 6.4.2018

Geb. in Marienburg; 1947 – 51 Ausbildung zum Schriftsetzer mit Mstr.-Abschl.; 1951 – 78 Buchgestalter, ab 1962 künstler. Ltr. des Verlags Volk u. Welt, Berlin; seit 1978 freischaff. Buchgestalter u. Grafiker; 1973 Kunstpreis der DDR; 1983 Banner der Arbeit; 1984 Wilhelm-Bracke-Medaille; 1986 Mitgl. der AdK; seit 1966 Gesamtgestaltung der Buchreihe »Spektrum« u. »Lyrik-Reihe« des Verlags Volk u. Welt; 1983 Neugestaltung von Reclams Universalbibliothek; Gestaltung zahlr. Einzeltitel; 1988…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rehse, Hermann

Geboren am 12. Juli 1905 in Barmen, Sohn eines Maurers; zunächst Arbeiter in der Textilindustrie, 1921 bis 1924 Zechenarbeiter, später als Schreiner in einer Barmer Maschinenfabrik tätig. Ab 1923 Mitglied der KJD und der KPD, ehrenamtlicher Funktionär in Barmen, durch Ewald Funke Mitte 1932 in den AM-Apparat aufgenommen, ab 1933 illegale Arbeit, im November 1933 Emigration nach Belgien, führender Mitarbeiter der Abwehr der AL Südwest in Brüssel. Enge Zusammenarbeit mit Elvira Mommer, führend an der Ausschaltung von Werner Kowalski beteiligt. Anfang Juni 1938 Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft. Im Mai 1940 Festnahme durch die belgische Polizei, Internierung in St. Cyprien, Ende September 1940 Übergabe an die Gestapo, ab 5. Mai 1941 U-Haft in Düsseldorf, am 16. Oktober 1941 vom 2. Senat des VGH wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Gestapo erwägte ihn vorzeitig freizulassen, um ihn als V-Mann einzusetzen. Trat nach 1945 politisch nicht mehr hervor. Hermann Rehse starb am 3. November 1966 in Hattingen (Ruhr).

Wer war wer in der DDR

Reich, Jens

* 26.3.1939

Geb. in Göttingen, aufgew. in Halberstadt; Vater Arzt, Mutter Heilgymnastin; 1956 – 62 Med.-Studium an der HU Berlin; anschl. Arzt in Halberstadt u. Umgebung; 1964 – 68 Wissenschaftler an der FSU Jena; seit 1968 am ZI für Molekularbiol. der AdW in Berlin-Buch (ZIM); seit 1969/70 Teiln. am »Freitagskrs.« um  Guntolf Herzberg; seit 1968 unveröff. Essays; 1974/75 u. 1979/80 längere Arbeitsaufenthalte am Inst. für Biophysik in Puschtschino bei Moskau; 1980 Prof. für Biomathematik; zeitw. Abt.-Ltr.…

Wer war wer in der DDR

Reiche, Erwin

* 20.1.1894 – ✝ 22.9.1970

Geb. in Berlin in einer jüd. Fam.; Vater Arzt, Sanitätsrat, Mutter Hausfrau; 1901 – 12 Besuch der Volksschule u. des Kölln. Gymnasiums in Berlin; 1912 – 15 u. 1917 – 21 Studium der Rechts-, Staats-, Lit.- u. Theaterwiss. an der Kaiser-Wilhelm-Univ. Berlin; 1915 – 17 Sold. im Ersten Weltkrieg, Gefr. der Garde-Train-Ersatzabt.; 1921 Gerichtsassessor, Prom. an der Univ. Greifswald; Verfasser expressionist. Dramen (»Der Schrei der Stille«, 1920) u. novellist. Prosa (»Der zuckende Altar«, 1921); 1923…

Wer war wer in der DDR

Raspe, Hans-Dieter

* 28.12.1937

Geb. in Kühlungsborn (Krs. Bad Doberan); Vater Landwirt; OS, 1956 Abitur; 1956/57 Krankenpfleger in Rostock; 1957 – 60 Med.- u. Physikstudium an der Univ. Rostock; 1961 LDPD; 1961 – 63 Red. Mitarb. ihrer »Norddt. Ztg.«; danach Fernstudium an der FS für Journalismus in Leipzig sowie der Rechtswissenschaften an der HU Berlin, 1967 Dipl.-Jur.; 1963 – 66 Pol. Mitarbeiter des LDPD-Bez.-Verb. Rostock, 1966 – 82 stellv. Vors.; 1964 – 75 Mitgl. des Sekr. des Bez.-Vorst. Rostock der DSF; 1966 – 82 Mitgl.…

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Rathke, Heinrich

* 12.12.1928 – ✝ 17.1.2024

Geb. in Mölln (Krs. Malchin); Vater Pastor; Studium der Theol. in Kiel, Erlangen u. Tübingen; Erstes Theolog. Examen in Amberg; 1953 Besuch des Predigerseminars in Blücher, 1954 Ordination; 1955 Zweites Theolog. Examen; anschl. Vikar in Bad Doberan; Pastor in Warnkenhagen (Mecklenb.); 1960 Prom. in Rostock; ab 1962 Pastor der St. Andreas-Gemeinde im Neubaugeb. Rostock-Südstadt, in Ermangelung eines Kirchenbaus Abhaltung von Gottesdiensten u. a. kirchl. Veranstaltungen in einem alten Zirkuswagen;…

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Rau, Fritz

* 12.5.1904 – ✝ 20.12.1933

Geboren am 12. Mai 1904 in Stuttgart, Sohn einer Arbeiterfamilie; Buchdrucker, Mitglied der Kommunistischen Jugend Deutschlands. Im Herbst 1923 wurde er verhaftet und mit zwölf anderen württembergischen KJD-Funktionären zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Nach seiner Freilassung begann er als Volontär, später als Redakteur an der »Süddeutschen Arbeiterzeitung« in Stuttgart. Mitte der zwanziger Jahre kam er nach Berlin und wurde Redakteur der Zeitung »Die junge Garde«. Für Robert Leibbrand, der im Juli 1926 in den Apparat der KJI nach Moskau berufen wurde, übernahm Fritz Rau das Agitpropressort im Sekretariat des ZK des KJVD. Im Sommer 1928 reiste auch er nach Moskau und wurde auf dem V. Weltkongreß der KJI in das Exekutivkomitee gewählt. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde Rau erneut Redakteur der »Süddeutschen Arbeiterzeitung« in Stuttgart, übernahm 1932 die Chefredaktion der Zeitung »Klassenkampf« in Halle und gehörte in dieser Eigenschaft dem Sekretariat der BL Halle-Merseburg an. 1933 illegal aktiv, bereits im September 1933 in Berlin verhaftet, wurde Fritz Rau am 20.Dezember 1933 in seiner Gefängniszelle tot aufgefunden. An seinen Selbstmord glaubten die Angehörigen nicht, vermutlich wurde er ermordet. Im Mai 1934 wurde Fritz Raus Sohn Walter geboren, dessen Mutter war Liselotte Herrmann, die im Juni 1938 hingerichtete Widerstandskämpferin.

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Rauchfuß, Wolfgang

* 27.11.1931 – ✝ 15.8.2005

Geb. in Grüna (Krs. Chemnitz); Vater Arbeiter; Volksschule; 1946 FDJ; 1946 – 49 Ausbildung u. Tätigkeit als Mechaniker; 1949/50 hauptamtl. Instrukteur des FDJ-LV Berlin; 1951 SED; ab 1950 Außenhandelsfunktionär; 1952 Besuch der FS für Außenhandel; anschl. Verkaufsleiter im DIA Feinmechanik / Optik; 1957 – 59 stellv. GD von Polygraph-Export; 1958 – 63 Fernstudium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1960 GD von Büromaschinen-Export; 1961 – 65 stellv. Minister bzw. Staatssekr. im Min. für Außen- u.…

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Rebling, Eberhard

* 4.2.1911 – ✝ 2.8.2008

Geb. in Berlin-Mariendorf; Vater Offz.; Realgymnasium, Abitur; während der Schulzeit Klavierunterricht bei Prof. Lydia Lenz; ab 1924 Konzerte als Solist; 1930 – 35 Studium der Musikwiss. an der Friedrich-Wilhelm-Univ. Berlin (b. Arnold Schering, Kurt Sachs, Erich M. Hornborstel); 1934 Prom. zum Dr. phil. in Berlin über »Die soziolog. Grundlagen der Stilwandlung der Musik in Dtl. um die Mitte des 18. Jh.«; während des Studiums u. danach Auftritte mit Klavierkonzerten meist von zeitgenöss.…

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Redlich, Paul

* 17.1.1893 – ✝ 3.3.1944

Geboren am 17. Januar 1893 in Braunschweig; Lehre und Arbeit als Maler. Übersiedlung nach Brandenburg/Havel. 1914 bis 1918 Kriegsdienst. Wegen eines Augenleidens Aufgabe des Malerberufs, Angestellter bei der Reichsbahn in Brandenburg, hier Mitglied des Betriebsrates am Hauptbahnhof Brandenburg/Havel. Ab 1920 Mitglied und Funktionär der KPD in Brandenburg, zeitweise Polleiter des UB Brandenburg, von 1924 bis Januar 1932 Stadtverordneter, 1926 Wahl zum 2. Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung. Er war von 1925 bis 1929 Abgeordneter des Brandenburgischen Provinziallandtages, ab 1927 unbesoldeter Stadtrat in Brandenburg, Ein Disziplinarverfahren führte 1929 zu seiner Amtsenthebung. Im September 1930 wurde Redlich im Wahlkreis Potsdam in den Reichstag gewählt, dem er bis März 1933 als Abgeordneter angehörte. Er war zeitweise auch Gauleiter des Einheitsverbandes der Land- und Forstarbeiter für den Bezirk Brandenburg und gehörte der Reichsleitung der RGO-Industriegruppe der Land- und Forstarbeiter an, er lebte in Berlin. Am 26. Februar 1933 verhaftet, saß er bis zum 25. Januar 1934 in »Schutzhaft« im KZ Sonnenburg. Danach wieder in Berlin wohnhaft, Anfang 1944 zog er nach Brandenburg/Havel. Paul Redlich starb am 3. März 1944 an den Folgen der Haft (Tuberkulose und Magenleiden).

Wer war wer in der DDR

Regler, Fritz

* 9.3.1901 – ✝ 25.8.1976

Geb. in Wien; Vater Bankbeamter; 1912 – 20 Karl-Ludwig-Gymnasium in Wien, Matura; 1920 – 24 Studium der Physik u. Math. an der Univ. Wien, dort 1924 Prom.; anschl. Industrietätigkeit bei Siemens u. Halske Wien; 1925 – 28 Ltr. des Laboratoriums der Fa. für Röntgen- u. elektromedizin. Apparate Ing. Ludwig Schulmeister Wien; 1929 – 41 Gründer u. Inh. der »Staatl. autorisierten Versuchsanstalt für röntgentechn. Materialuntersuchungen« in Wien; 1933 Habil. u. Privatdoz. für angew. Physik an der TH…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rehbein, Karl

* 14.10.1885 – ✝ 3.3.1956

Geboren am 14. Oktober 1885 in Hanau; lernte Goldschmied. 1902 Mitglied der Gewerkschaft und 1905 der SPD. In Hanau gehörte er zum Kreis um den Arzt Dr. Georg Wagner. Dadurch kam er während des Krieges zur Spartakusgruppe, die dort einen ihrer Hauptstützpunkte hatte. Nach dem Weltkrieg wurde Rehbein Sekretär des Deutschen Metallarbeiterverbandes in Hanau. Seit Gründung Mitglied der KPD, Delegierter des Vereinigungsparteitages mit der USPD im Dezember 1920. Bei der KAG-Krise 1921 neigte der Kreis um Dr. Wagner Paul Levi zu. Rehbein protestierte gegen den Ausschluß Levis, blieb aber in der Partei. 1924 wurde Rehbein in den Preußischen Landtag gewählt, und obwohl er zum rechten Flügel der Partei zählte, auch 1928 wieder Landtagsabgeordneter. Nach der Wittorf-Affäre im Dezember 1928 als Rechter aus der Partei ausgeschlossen. Mitbegründer der KPO, im April 1929 trat er jedoch zur SPD über, für die er auch sein Landtagsmandat weiterführte. Im DMV Hanau bestand seit 1919 eine KPD-Mehrheit, durch Rehbeins Übertritt fiel diese Mehrheit an die SPD. Rehbein blieb, in Hanau sehr populär, Sekretär des DMV. 1932 kam er für die SPD erneut in den Preußischen Landtag, im Mai 1933 legte er sein Mandat nieder. Von 1933 bis 1936 war Rehbein erwerbslos und mußte mit einer Unterstützung von 13,50 Mark seine fünfköpfige Familie ernähren. 1936 verhaftet, war er bis 1940 im KZ Sachsenhausen. Nach dem 20. Juli 1944 erneut festgenommen, kam er ins KZ Dachau, aus dem er 1945 befreit wurde. Durch eine Proklamation der Alliierten Militärregierung am 1. April 1945 zum Polizeidirektor von Hanau ernannt. Die Stadtverordnetenversammlung wählte Rehbein – der sich 1945 wieder der SPD angeschlossen hatte – am 18.Juli 1946 zum Oberbürgermeister der Stadt Hanau. Beide Ämter behielt er zehn Jahre lang. Karl Rehbein starb am 3. März 1956. Bei der Totenfeier wurde Rehbein als »Vater der Stadt« gerühmt und die Vertreter aller Parteien (SPD, CDU, FDP, BHE und auch die KPD) fanden lobende Worte für den Verstorbenen. Jochen Reibeling veröffentlichte 2003 einen biographischen Artikel über Karl Rehbein.

Wer war wer in der DDR

Rehfeldt, Robert

* 5.1.1931 – ✝ 28.9.1993

Geb. in Stargard (Pommern / Stargard Szczeciński, Polen); 1933 Tod des Vaters, aufgew. bei Pflegeeltern, dann bei der Mutter in Berlin u. 1940 – 45 in Bad Ischl (Österreich); Volkssturm; Desertion bei Kriegsende. 1945 Berlin; Transportarb. u. Steinmetz; daneben Tätigkeit im Antifa-Jugendaussch.; Besuch der Kunstschule des Westens in Berlin-Lichterfelde, nach Ablehnung an der Kunst-HS Berlin-Weißensee 1948 – 53 Studium an der HS für Bildende Künste in Berlin-Charlottenburg u. a. b. Willy Robert…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reich, Wilhelm

* 24.3.1897 – ✝ 3.11.1957

(* 1897 – † 1957) Geboren am 24. März 1897 in Dobzau (Dobrzcynica /Galizien), Sohn wohlhabender assimilierter nichtreligiöser Juden. Kurz nach seiner Geburt übersiedelte die Familie in die Bukowina, wo der Vater ein Gut gekauft hatte. Die Mutter nahm sich 1911 das Leben, der Vater starb 1914. Wilhelm war nach dem Besuch des Gymnasiums in Czernowitz von 1916 bis 1918 Frontsoldat (Leutnant) der österreichischen Armee, dann Medizinstudium, 1922 Promotion zum Dr. med. Sechs Jahre lang leitete er als Assistent von Siegmund Freud ein Seminar für psychoanalytische Therapie. Er trat für eine Verbindung von Psychoanalyse und Marxismus ein und veröffentlichte 1929 die Schrift »Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse«. 1928 übersiedelte Reich nach Berlin, wurde Mitglied der KPD, gründete die Sex-Pol, die Organisation für Sexualität und Politik, die 40000 Mitglieder gezählt haben soll. Er richtete Sexualberatungsstellen ein, hielt für die KPD öffentliche Vorträge, Grundlage war sein Buch »Die Funktion des Orgasmus« (1927). Reich war als Kommunist bekannt, innerhalb der Partei waren seine Ansichten umstritten. 1933 aus der KPD ausgeschlossen, wurden seine Theorien als entpolitisierend kritisiert. Über Dänemark floh er 1934 nach Oslo und nahm an den Diskussionen zum Charakter des Faschismus teil (»Massenpsychologie des Faschismus«, 1933). Ab 1934 gab er die »Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie« heraus. 1939 wurde Reich Professor für medizinische Psychologie in New York. Auf seinem Landsitz Orgonon in Maine experimentierte er ab 1942 mit der sogenannten Orgonenergie. Reichs »Orgonakkumulatoren« wurden durch Gerichtsbeschluß 1954 verboten, 1955 sogar die Verbrennung seiner Bücher angeordnet. Zuletzt soll er an Paranoia gelitten haben. 1957 mußte er eine zweijährige Gefängnisstrafe in Lewisburg/Pennsylvania antreten, dort starb Wilhelm Reich am 3. November 1957. Reichs Ideen erlebten dann in der Studentenrevolution nach 1968 eine Renaissance, vor allem seine Theorien zum Faschismus und zur sexuellen Befreiung. 1975 erschienen in Köln seine Ausgewählten Schriften.

Wer war wer in der DDR

Reich, Konrad

* 29.6.1928 – ✝ 13.1.2010

Geb. in Magdeburg; Vater Angest.; Besuch der Buchhändlerlehranstalt Leipzig u. der Abenduniv. der SED; danach Buch- u. Musikalienhändler, Antiquar; externes Studium der Germanistik an der Univ. Rostock; Buchhandelsltr.; 1959 – 77 Ltr. des Hinstorff Verlags Rostock, Profilierung zu einem maßgebl. belletrist. Verlag; nach öffentl. Angriffen des Sekr. der SED-BL,  Harry Tisch, im Zusammenhang mit Protesten von Hinstorff-Autoren gegen die  Wolf-Biermann-Ausbürgerung Aufgabe der Verlagsfunktion auf…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reichel, Heinrich

* 1.10.1901 – ✝ 30.4.1943

Geboren am 1. Oktober 1901 in Amberg, Sohn einer Arbeiterfamilie; wurde Tischler. 1915 Mitglied der Arbeiterjugend, 1917 der SPD und 1919 der KPD. Bis 1924 Tischlergeselle u. a. in Regensburg, Hamburg und im besetzten Rheinland, ab Mai 1924 in Magdeburg. 1923 wegen Sprengstoffdiebstahls polizeilich gesucht, lebte Reichel unter dem Namen Max Dobrin bis zur Amnestie 1928 illegal. Er war Zellenleiter, Stadtteilleiter und zuletzt Leiter des AM-Apparats der BL Magdeburg. Ende 1932 Kursant eines M-Lehrgang in Moskau, Schuldeckname Fritz. Im August 1933 über die Tschechoslowakei Rückkehr zur illegalen Arbeit nach Deutschland, Instrukteur für den Bezirk Frankfurt/M. und den Stuttgarter Raum, Deckname Ernst Görlich. Er kam im März 1934 zur Berichterstattung nach Berlin, wurde hier festgenommen, doch gelang ihm die Flucht in die âSR. Mit Wilhelm Firl leitete er die in Süddeutschland operierenden KPD-Funktionäre Stefan Lovacz und Liselotte Herrmann an und organisierte die Weitergabe geheimer Informationen über Rüstungsprojekte an die Sowjetunion. Reichel wurde am 3. Juni 1935 in Zürich verhaftet, nach Frankreich ausgewiesen, kehrte aber illegal in die Schweiz zurück und kam dann Ende 1935 über Frankreich und Belgien in die Niederlande. Hier war er Leiter der »Überprüfungskommission« der Emigrationsleitung in Amsterdam. Am 18.Januar 1940 interniert, lieferten ihn die niederländischen Behörden nach der deutschen Besetzung Ende Mai 1940 an die Gestapo aus. Am 30. April 1943 vom 2. Senat des VGH zum Tode verurteilt, wurde Heinrich Reichel am 22.Juli 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.