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In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Roth, Philipp

* 12.12.1899 – ✝ 21.4.1971

Geboren am 12. Dezember 1899 in Weibersbrunn/Krs. Aschaffenburg; Maschinenarbeiter. 1917/18 Soldat im Weltkrieg, trat 1919 in den DMV ein und besuchte 1920 die Maschinenbauschule in Duisburg. Maschinist in Duisburg, 1923 Mitglied der KPD, 1928 Arbeiter in der Berzelius-Metallhütte in Duisburg, wo er auch Betriebsratsvorsitzender war. Ab Februar 1928 gehörte er der UBL Duisburg an, nahm im Juni 1929 am XII. Parteitag in Berlin-Wedding teil. Im April 1932 wurde Roth im Wahlkreis Düsseldorf-West in den Preußischen Landtag gewählt. Ab Mitte 1932 war er KPD-Sekretär in Bielefeld, im April 1933 illegaler UB-Sekretär in Hamm. Dort wurde er in der Nacht vom 7. zum 8. Mai 1933 festgenommen. Nach der Untersuchungshaft in Recklinghausen, Essen und Leipzig, verurteilte ihn das Reichsgericht am 1. Juni 1934 zu zweieinhalb Jahren Gefängnis, anschließend kam er im April 1939 in die KZs Esterwegen und Sachsenhausen. Roth wurde wegen »schwerer Krankheitserscheinungen« anläßlich der Amnestie zum 50. Geburtstag von Hitler freigelassen und arbeitete dann als Maschinist in München. 1945 wieder Mitglied der KPD, war er von Februar 1946 bis Ende 1947 Parteiangestellter der KPD-Kreisleitung in Bielefeld. Ende 1947 aus gesundheitlichen Gründen pensioniert, betätigte sich Roth aber weiter für die KPD. 1959 erhielt er eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und sechs Monaten wegen »Verdachts der aktiven Betätigung in der verbotenen KPD«. Philipp Roth starb am 21. April 1971.

Wer war wer in der DDR

Rothe, Karl

* 5.2.1930

Geb. in Aussig (b. Torgau); Vater Landw.; Grund- u. Mittelschule, ab 1945 landw. Lehre; 1947 – 90 SED; 1948 Landw. Gehilfe; 1949 – 52 Abitur an der ABF Halle; 1952 – 57 Studium der Veterinärmed. an der HU Berlin, 1958 tierärztl. Approbation u. Prom. zum Dr. med. vet. mit einer Arbeit zur diagnost. Bedeutung der Komplimentbindungsreaktion mit Vollmilch bei Eutertuberkulose; Assistent bzw. Oberassistent an der Tierklinik für Geburtenhilfe; 1963 Habil. mit einer Arbeit zur künstl. Besamung beim…

Wer war wer in der DDR

Rothschild, Hans

* 24.4.1895 – ✝ 13.11.1963

Geb. in Teplitz-Schönau (Böhmen/Teplice, Tschechien) in einer jüd. Fam.; Vater Fabrikant; Mutter Hausfrau; Gymnasium in Teplitz-Schönau, 1913 Abitur; 1913 – 15 u. 1918 – 21 Studium der Rechtswiss. an der Univ. Prag; 1915 – 18 Militärdienst; 1921 Prom. zum Dr. jur.; 1921 – 26 Referendariat, 1925 Rechtsanwaltanwärter; 1927 – 29 Rechtsanwalt in Teplitz-Schönau, 1929 – 38 in Reichenbach; ab 1929 jurist. Vertretung der KPČ u. RH; 1932 – 45 Mitgl. der KPČ; April 1939 Emigration über Polen nach…

Wer war wer in der DDR

Rötzsch, Helmut

* 17.12.1923 – ✝ 28.3.2017

Geb. in Leipzig; Vater Eisenbahnarb.; Mittelschule in Leipzig; Ausbildung zum Buchhändler, im Beruf tätig; 1941 NSDAP; 1942 – 45 Arbeitsdienst bzw. Wehrmacht (Luftwaffe), bis 1946 Kriegsgefangenschaft. 1946 Rückkehr nach Leipzig; 1946 – 48 Angeh. der Transport- u. Kriminalpolizei; 1947 SED; nach Sonderreifeprüfung 1949 – 50 Studium der Gesch. u. Kulturwiss. an der Univ. Leipzig, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1950 – 53 Kaderltr., 1953 Verw. Dir., 1953 – 55 Ltr. der Lesesäle, 1955 – 61 Abt.ltr. Beschaffung,…

Wer war wer in der DDR

Rubbel, Rudi

* 23.1.1920 – ✝ 2.12.1971

Geb. in Königsberg (Kaliningrad, Rußland) in einer Arbeiterfamilie; 1926 – 36 Volks- u. Mittelschule; 1936 – 41 Maschinenführer; anschl. Kriegsmarine; 1944 – 46 frz. Kriegsgefangenschaft. 1946 – 48 Gleisbauarb. bei der RBD Dresden; 1948 – 52 Abt.-Ltr. im Transformatoren- u. Röntgenwerk Dresden; als Autor des 1952 offiz. bestätigten »Plans der Rationalisatoren u. Erfinder« (mit Siegfried Naumann) Mitbegr. der Rationalisierungs- bzw. Neuererbew. in der DDR-Industrie; 1951 SED; 1952 NP; 1953 – 60…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ruben-Wolf, Lothar

* 17.6.1882 – ✝ 15.1.1938

(* 1882 – † 1938) Geboren am 17. Juni 1882 in Wiesbaden, Lothar Wolf stammte aus einer bürgerlich-jüdischen Familie. Nach dem Medizinstudium und der Promotion übersiedelte er nach Berlin, ließ sich dort als Arzt nieder. Hier 1921 Mitglied der KPD, er wurde ein bekannter Kommunist. Führend in der Arbeitsgemeinschaft sozialpolitischer Organisationen (ARSO), der 1927 gegründeten Dachorganisation der sozialpolitischen Organisationen der KPD (IAH, RH, IB usw.). Zusammen mit seinem Kollegen und Freund, Dr. Richard Schmincke sowie seiner Ehefrau Martha Ruben-Wolf war er in der kommunistischen Ärztegruppe und im Klub der Geistesarbeiter der KPD aktiv. Die beiden Ruben-Wolfs unternahmen ab 1925 gemeinsam mehrere Reisen in die Sowjetunion, und ihre begeisterten Berichte darüber wurden in Büchern durch KPD-Verlage verbreitet: Martha Ruben-Wolf und Lothar Wolf: »Im freien Asien, Reiseskizzen zweier Ärzte« (1926); dies: »Russische Skizzen.« (1927). Lothar Ruben-Wolf emigrierte 1933 mit seiner Familie nach Paris, von dort im Februar 1934 in die UdSSR und war in Moskau nun im Volkskommissariat für Gesundheitswesen angestellt. Er wurde am 28. November 1937 (nach anderen Angaben am 15. Januar 1938) vom NKWD verhaftet und am 4. Oktober 1938 zum Tode verurteilt. Lothar Ruben-Wolf ist noch am gleichen Tag in Butowo erschossen, im Juni 1956 rehabilitiert worden.

Wer war wer in der DDR

Rücker, Günther

* 2.2.1924 – ✝ 24.2.2008

Geb. in Reichenberg (Böhmen / Liberec, Tschechien); Vater Tischler; 1942 Soldat u. Gefangenschaft. 1945 Aussiedl. in die SBZ; Neulehrer in Leipzig; 1947 – 49 Studium an der Theater-HS Leipzig; 1949 – 51 Rundfunkregisseur in Leipzig; lebt seit 1951 in Berlin; seither DEFA-Mitarb. u. freischaff. Schriftst.; 1954 DSV, AdK 1972 (1991 erneut gewählt); Verf. von Hörspielen, Film-Drehbüchern u. Erzählungen; verschiedene Preise (u. a. 1956, 1971 u. 1980 NP); ab 1973 als IM »Günther« vom MfS erf.; seit…

Wer war wer in der DDR

Rudolph, Wilhelm

* 22.2.1889 – ✝ 30.9.1982

Geb. in Chemnitz; 1908 – 14 Studium an der Akad. der bildenden Künste in Dresden b. Robert Sterl u. Carl Bantzer; 1914 – 18 Soldat; 1920 – 31 freischaff.; 1932 – 38 Prof. an der Akad. der bild. Künste in Dresden; 1938 Entlassung aus dem Lehramt u. Ausstellungsverbot. 1946 – 49 Lehrtätigkeit an der HS für Bildende Künste Dresden; anschl. freischaff.; Vertreter der Dresdener Malschule; 1961 u. 1980 NP; gest. in Dresden. Werke: Blattfolge: Das zerstörte Dresden (1945/46), Ikala (Bildnis eines…

Wer war wer in der DDR

Ruge, Wolfgang

* 1.11.1917 – ✝ 26.12.2006

Geb. in Berlin; kommunist. Elternhaus, Vater Studienrat, Mutter Übersetzerin, KI-Funktionärin, Journalistin; 1924 – 30 Rütli-Schule, ab 1930 Karl-Marx-Schule in Berlin-Neukölln; Kommunist. Kindergr., Jung-Spartakus, ab 1930 SSB u. KJVD; ab Jan. 1933 illeg. Flugblattaktionen für den SSB in Berlin; Aug. 1933 mit dem Bruder nach Moskau, dort bis 1936 Kartenzeichner in der KUNMZ; 1935 Mitgl. der sowj. Gewerkschaft; 1936 sowj. Staatsbürgerschaft; nach Auflösung der KUNMZ ab Sommer 1936 Arbeit als…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rummel, Ernst

* 18.11.1890 – ✝ 5.12.1974

Geboren am 18. November 1890 in Kürtow/ Krs. Arnswalde, Sohn eines Landwirts; zunächst Landarbeiter, dann Schlosser in Stettin. Von 1914 bis 1917 Soldat im Weltkrieg. 1918 Mitglied der USPD, im März 1919 der KPD. Zeitweise Polleiter der BL Pommern, besuchte 1922 die Reichsparteischule in Berlin und saß 1923 sowie 1924/25 vier bzw. neun Monate in Haft. Ab Mitte der zwanziger Jahre Funktionär der KPD in Stettin, dort von 1929 bis März 1933 Stadtverordneter. Im März 1933 verhaftet und in das KZ Sonnenburg gebracht, im Dezember 1933 entlassen. Von 1936 bis 1945 arbeitete Rummel bei der Reederei »Glückauf« in Stettin. 1945 Umsiedlung in die sowjetische Besatzungszone, dort als SED-Mitglied Treuhänder für landwirtschaftliche Betriebe. 1948 erhielt Rummel von der SED den Auftrag, in die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD) einzutreten, er wurde 1.Vorsitzender dieser Partei im Kreis Grimmen und deren Abgeordneter im Kreistag, war auch einige Jahre Mitglied des DBD-Parteivorstandes. Ernst Rummel starb am 5. Dezember 1974.

Wer war wer in der DDR

Rumpf, Willy

* 4.4.1903 – ✝ 8.2.1982

Geb. in Berlin; Vater Angest.; 1917 – 20 Ausbildung zum Versicherungsangestellten; 1920 KJVD; 1921 – 32 Buchhalter, Kassierer, Korrespondent im Außenhandel, Verlagsltr.; 1925 KPD; Mitgl. der Ltg. des KPD-UB Berlin-Weißensee; 1933 – 38 Zuchthaus, KZ Sachsenhausen; danach Angest.; 1940 – 42 Mitgl. der Widerstandsgr. von Robert Uhrig; 1944/45 erneut inhaftiert. 1945 – 47 stellv. Ltr. der Finanzabt. des Magistrats von Groß-Berlin; 1946 SED; 1947/48 Ltr. der Treuhandverw. Berlin; 1948/49 Ltr. d. HV…

Wer war wer in der DDR

Runge, Irene

* 3.11.1942

Geb. in New York; Vater Kunsthändler u. Publizist  Georg Friedrich Alexan; Sommer 1949 Übersiedl. nach Dtl. zus. mit  Gerhart Eisler auf dem poln. Schiff »Batory«; zunächst POS in Leipzig, später Wilhelm-Pieck-Schule u. Ossietzky-OS Berlin, 1959 relegiert; danach Hilfsarbeiten bei ADN u. beim Rundfunk; 1963 – 66 u. 1971 – 85 vom MfS als IM »Stefan« erf.; 1968 – 70 Abitur in der Abendschule; 1970 – 75 Studium der Ökonomie u. Soziol. an der HU Berlin; 1976 beim DFF; 1976 – 79 dort Prom. zum Dr.…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Roth, Paul

* 19.7.1892 – ✝ 24.9.1967

Geboren am 19. Juli 1892 in Rudolstadt, Sohn eines Porzellanmalers; Tischler, trat 1909 in die SPD ein. Nach dem Ersten Weltkrieg Mitglied der KPD. 1924 sprach er auf einer Versammlung von den »Reichswehrbanditen« und wurde vom Schöffengericht Berlin zu einer Geldstrafe von 100 Goldmark verurteilt. Von 1925 bis 1929 war er KPD-Abgeordneter der Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin. Roth gehörte 1930 zu jenen Funktionären und Mandatsträgern, die die ultralinke Politik der KPD-Führung kritisierten und deshalb mit der oppositionellen »Gruppe der 60« aus der KPD ausgeschlossen wurden. Am 26. Februar 1931 erklärte er gemeinsam mit Hermann Letz, Otto Moldmann, Erich Raddatz und Frieda Rosenthal seinen Übertritt zur SPD. Bekannt ist, daß er nach 1933 unter Beobachtung der Gestapo stand. Paul Roth starb am 24. September 1967 in West-Berlin.

Wer war wer in der DDR

Rothe, Werner

* 9.3.1929

Geb. in Görlitz; Vater Zimmermann; Volksschule; 1943 – 45 Ausbildung u. Arbeit als Eisenbahnfacharb. 1947/48 hauptamtl. Jugendsekr. des FDGB im Reichsbahnamt Weißenfels-Cottbus; 1948 SED; 1948/49 kasernierte Bereitschaftspolizei Wittenberge, VP-Kommissar; 1949/50 Pol.-Lehrer an der VP-Schule Glöwen (b. Havelberg); 1952 – 54 Pol. Stellv. des Kdr. im Jagdfliegergeschwader Cottbus der VP-Luft/Aeroklubs, Major; 1954 – 57 Politstellv. des Kdr. der Jagdfliegerdiv. in Cottbus; 1957 – 62 stellv. bzw.…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rothschild, Recha

* 28.6.1880 – ✝ 12.5.1964

Geboren am 28. Juni 1880 in Frankfurt/Main. Die Tochter eines jüdischen Fabrikanten besuchte das Lyzeum und ein Töchterpensionat, nach einer Lehrerinnenausbildung arbeitete sie als Jugendpflegerin. Dann Studium der Nationalökonomie in Heidelberg und Berlin, ab 1916 am Institut für Seeverkehr und Weltwirtschaft in Kiel tätig. Im März 1918 trat sie in die USPD ein, war seit Mai 1919 KPD-Mitglied, Instrukteurin und Redakteurin der kommunistischen Presse. Ab Sommer 1930 Fraktionssekretärin der KPD-Schriftsteller im BPRS. Nach 1933 illegale Arbeit, im März 1934 festgenommen und vom Sondergericht Berlin zu einer Zuchthausstrafe verurteilt, die sie bis März 1936 in Jauer verbüßte. Im August 1936 emigrierte sie nach Frankreich, wurde dort 1940 einige Wochen interniert. Danach konnte sie untertauchen und lebte bis Kriegsende illegal. Im August 1948 Rückkehr nach Deutschland, Mitglied der SED und als Übersetzerin tätig. Recha Rothschild starb am 12. Mai 1964 in Ost-Berlin. Karin Hartewig veröffentlichte 1995 im Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung den biographischen Beitrag »Sehnsucht nach einem dogmatischen Prinzip. Recha Rothschild in Selbstzeugnissen«.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rötzscher, Otto Helmut

* 30.4.1891 – ✝ 22.8.1932

(* 1891 – † 1932) Geboren am 30. April 1891 in Halle, Sohn eines Dekorationsmalers; besuchte die Präparandenanstalt und das Lehrerseminar in Zschopau und war von 1910 bis 1917 Volksschullehrer in Niederlautenstein im Erzgebirge und in Geringswalde. Aus gesundheitlichen Gründen wurde er nicht zum Militär- und Kriegsdienst eingezogen. 1917 erhielt er eine Stelle als Volksschullehrer in Chemnitz. Er trat 1919 der SPD bei, im Herbst 1920 der KPD. Bis 1924 Sekretär für Gewerkschaftsarbeit der KP in Chemnitz. 1926 wurde Rötzscher als Abgeordneter in den Sächsischen Landtag gewählt, dort Sekretär der kommunistischen Parlamentsfraktion. Er war Anhänger des rechten Parteiflügels und gehörte 1928/29 zu den fünf Abgeordneten des Sächsischen Landtags, die in Opposition zum ZK standen. Deshalb am 1.April 1929 aus der KPD ausgeschlossen, trat Rötzscher der KPO bei und wurde 1929 zu den Sächsischen Landtagswahlen nominiert, da die KPO keinen Sitz erhielt, aber nicht gewählt. Im August 1930 trat er zur SPD über. Otto Rötzscher, der schwer tuberkulosekrank war, starb am 22.August 1932 in Chemnitz.

Wer war wer in der DDR

Ruben, Peter

* 1.12.1933

Geb. in Berlin; Vater Maschinenschlosser; 1952 Abitur; anschl. bis 1955 Dienst bei der KVP; 1955 SED; ab 1955 Studium der Philos. mit den Nebenfächern Mathematik u. Physik an der HU Berlin; 1958 im Kontext der Kampagne gegen  Wolfgang Harich,  Walter Janka u. a. Ausschl. aus der SED u. Exmatrikulation von der HU Berlin; anschl. als Bauhilfsarb. »Bewährung in der soz. Prod.«, u. a. beim Bau des Flughafens Berlin-Schönefeld; 1961 – 63 Forts. des Studiums an der HU; 1964 Wiederaufn. in die SED;…

Wer war wer in der DDR

Rübensam, Erich

* 18.5.1922 – ✝ 2.12.2016

Geb. in Jaasde (Krs. Kolberg, Hinterpomm./ Jazy, Polen); Vater Landwirt; Volksschule, 1936 – 41 landw. Ausbildung u. Landw.-Schule in Kolberg; 1940 als NSDAP-Mitgl. erf.; 1941 – 45 Wehrmacht, Uffz., 1944 verwundet; sowj. Kriegsgefangenschaft, Lager Petrosawodsk. Dez. 1945 nach Mecklenb. entlassen; 1946 Landarb. in Mönchhagen; nach Begabtenprüfung 1946 – 49 Landw.-Studium an der Univ. Rostock, Dipl.-Landwirt; 1950 Prom. bei  Asmus Petersen mit einer Diss. über das Besanden von Niedermoorwiesen;…

Wer war wer in der DDR

Rüddenklau, Wolfgang

* 1.5.1953

Geb. in Erfurt in einer Pfarrersfamilie, aufgew. in Fambach (Thür.); 1971 Abitur in Eisenach; 1972 ein Semester Theol.-Studium am Sprachenkonvikt in Berlin; anschl. Bühnenarb. am Dt. Theater; 1973 Ausbildung zum Kinder- u. Jugendarb. im gemeindekirchl. Dienst, nach der Probezeit wegen »mangelnder Anpassungsfähigkeit« nicht übernommen; anschl. Pförtner, Nachtwächter, Hausmstr., Friedhofsarb.; dabei Selbststudium der Geschichte, insbes. der russ. u. dt. Rev.-Geschichte, Vorarbeiten zu einer…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rudolph, Fritz

* 25.7.1909 – ✝ 1941

Geboren am 25. Juli 1909 in Chemnitz, Sohn eines Handschuhmachers; wurde Metallarbeiter. 1928 trat er in den KJVD ein, war 1929 Orgleiter des UB Limbach. Rudolph wurde 1931 Mitglied der KPD und im April 1931 Leiter des RGO in Chemnitz, gehörte zur engeren Leitung der KJVD-BL und der KPD-BL Sachsen. Zwischen 1930 und 1932 mehrmals inhaftiert, zählte er während der parteiinternen Auseinandersetzungen im Sommer und Herbst 1932 zu den Anhängern von Heinz Neumann und Hermann Remmele. Ende 1932 als Praktikant der KJI nach Moskau entsandt, kehrte Rudolph Anfang 1934 zur illegalen Arbeit nach Deutschland zurück. Zunächst Instrukteur des ZK in Leipzig, anschließend in Mitteldeutschland, wurde im Juni 1934 wegen »Verletzung der Konspiration« aus diesem Gebiet abgezogen und als Instrukteur im Bezirk Hessen-Frankfurt eingesetzt. Von August bis November 1934 im Bezirk Süd-West tätig, reiste Rudolph Ende 1934 nach Moskau und war unter dem Decknamen Fritz Teilnehmer der illegalen Reichskonferenz des KJVD. Zum Kandidaten des ZK des KJVD gewählt, im Februar 1935 zur illegalen Arbeit nach Deutschland geschickt. Als Rudolph, wie er später der Partei berichtete, in Hamburg keine Verbindung bekam, ging er in den Bezirk Süd-West und kam über Prag wieder nach Moskau. Am 16. August 1935 hielt er auf dem VII. Weltkongreß einen Diskussionsbeitrag und war im Oktober unter dem Decknamen Emil Baldur auch Delegierter der »Brüsseler Konferenz« der KPD. Er wurde Ende 1935 nach einem Parteiverfahren wegen angeblicher Betrügereien aus der KPD und dem KJVD ausgeschlossen und zur »Bewährung« nach Sibirien verbannt, wo Fritz Rudolph wahrscheinlich 1941 Opfer der stalinistischen Säuberungen wurde. In seinem Buch »Spuren eines Lebens« berichtete Walter Janka über Begegnungen mit Fritz Rudolph in Prag noch 1935.

Wer war wer in der DDR

Ruh, Anton

* 22.2.1912 – ✝ 3.11.1964

Geb. in Berlin in einer aus Österr. stammenden Fam.; Vater Arbeiter u. Angest. (1917 gefallen), Mutter Straußfedernarb.; 1918 – 26 Volksschule in Berlin; 1926 – 30 Ausbildung zum Steindrucker; 1926 Mitgl. des Verb. der Steindrucker u. Lithographen; 1931 – 33 Elektroschweißer; 1927 KJVD in Berlin; 1928 RH; 1929 RFB; 1931 Kommunist. Jungfront; 1931 zu sechs Mon. Haft verurteilt, Haft im Gefängnis Berlin-Lehrter Str.; wegen seiner österr. Staatsbürgerschaft nach Österreich ausgewiesen; 1933 Mitarb.…

Wer war wer in der DDR

Rümmler, Erich

* 17.4.1930 – ✝ 30.5.2006

Geb. in Pockau (Krs. Marienberg); Vater Glaser, Mutter Hausgehilfin; Volksschule; 1944 – 48 Lehre u. Arbeit als Holzmaschinenwerker. 1947 SED; 1948 Mitarb. der VP; 1951 Einstellung beim MfS, HA I (Abwehr in den VP-Bereitschaften); 1961 Vorstudienfak. Naumburg (Saale); 1962 – 64 Kursant der Militärakad. »Friedrich Engels«, Dipl.-Militärwiss.; 1964/65 Praktikant als stellv. Stabschef im Mot.-Schützen-Reg. 7 der NVA; 1965 stellv. Abt.-Ltr., 1966 Abt.-Ltr. in der HA I (Abwehr in der NVA); 1968…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rumpf, Hermann

* 27.7.1884 – ✝ 24.4.1950

Geboren am 27. Juli 1884 (vermutlich) in Bremen; besuchte das Lehrerseminar und wurde Volksschullehrer in Bremen. Funktionär in der SPD, sandte mit mehreren anderen Lehrern 1910 ein Glückwunschtelegramm zum Geburtstag an August Bebel und wurde deswegen aus dem Schuldienst entlassen. Er unternahm 1912 eine Reise nach Lappland und hat darüber und über andere Themen bereits vor 1914 in Versammlungen der Arbeiterjugend Vorträge gehalten. Während des Weltkriegs war Rumpf aktiv bei den Bremer Linksradikalen, der späteren IKD. Ab 1919 Mitglied der KPD, wurde er 1923 in die Bremer Bürgerschaft gewählt, der er bis 1930 angehörte. Er trat 1930 aus der KPD aus, ging zur SPD, wurde wieder Lehrer, aber 1933 von den Nazis von der Schule entfernt und mehrfach kurz inhaftiert. Nach 1945 erneut für die SPD aktiv, arbeitete er in Bremen als Schulleiter. Hermann Rumpf starb am 24. April 1950.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rusch, Oskar

* 1.7.1884 – ✝ 11.5.1935

Geboren am 1. Juli 1884 in Lichterfelde/Krs. Teltow, heute Berlin. Er lernte Metalldrücker und war bis 1914 in Berlin in diesem Beruf tätig. In der Gewerkschaft und SPD aktiv, wurde er 1917 Mitglied der USPD. Von 1918 bis 1920 Leiter des Deutschen Metallarbeiterverbandes in Berlin, gehörte im November 1918 dem Berliner Arbeiterrat an und war von Dezember 1918 bis August 1919 Mitglied des Vollzugsrats der Arbeiter- und Soldatenräte Berlins. Mit der linken USPD kam Rusch Ende 1920 zur KPD. Im Februar 1921 wurde er für die KPD als Abgeordneter in den Preußischen Landtag gewählt (Wahlkreis Düsseldorf-West). Rusch stellte sich in der Krise nach der März-Aktion hinter Paul Levi und trat aus der KPD aus, war dann von Oktober 1921 bis Mai 1922 in der KAG, danach in der USPD bzw. der SPD. Mit Beendigung seines Landtagsmandats war er ab 1925 als Reisender in Berlin tätig. Oskar Rusch starb am 11.Mai 1935 in Berlin-Friedrichsfelde.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Roth, Leo (Viktor)

* 18.3.1911 – ✝ 10.11.1937

Geboren am 18. März 1911 in Rzeszów, Sohn eines jüdischen Textilwarenhändlers. 1913 kam er mit seinen Eltern und Geschwistern nach Berlin und schloß sich als 13jähriger der links-bündisch orientierten Jugendgruppe »Poale Zion« an. Nach der Mittelschule begann er eine Schlosserlehre, da er eine praktische Ausbildung für die geplante Auswanderung nach Palästina anstrebte. 1926 trat Leo Roth in den KJVD ein, ein Jahr später schloß man ihn und Nathan Steinberger als Korsch-Anhänger aus dem KJVD aus. Er wurde dann Mitglied im Leninbund und verkehrte mit den verfemten Ruth Fischer, Arkadi Maslow und Hugo Urbahns. Nach der Linkswendung 1929 wieder Mitglied des KJVD, avancierte Leo Roth im Bezirk Berlin-Brandenburg zum hauptamtlichen Funktionär im illegal operierenden BB-Apparat der KPD. Nach einer nachrichtendienstlichen Ausbildung an der M-Schule in der Sowjetunion Reichsinstrukteur des BB-Apparates und 1932 Sekretär von Hans Kippenberger. Ab 1931 illegal lebend, stieg Roth, Parteiname Viktor, 1933 zu einem der wichtigsten Funktionäre des Geheimapparates der KPD auf. Er organisierte die Verbindung zwischen dem Politbüro und den einzelnen Mitgliedern des Sekretariats, dabei traf er oft mit Herbert Wehner, dem technischen Sekretär des Politbüros, zusammen und unterhielt mit Zustimmung von John Schehr diverse Kontakte zur britischen und französischen Botschaft in Berlin, was ihm später in den Verhören beim NKWD angelastet wurde. Die bei Roth einlaufenden Informationen gelangten über die sowjetische Botschaft nach Moskau. 1934 war er unter dem Namen Ernst Hesse zeitweise Referent an der M-Schule der Komintern in Moskau, anschließend Abwehrleiter der KPD im Saargebiet, später beauftragte ihn das Politbüro mit der Leitung des gesamten Abwehrapparats für Westdeutschland. Als Vertrauter Kippenbergers wurde Roth nach der »Brüsseler Konferenz« 1935 seines Postens enthoben und nach Moskau beordert. Wehner charakterisierte Viktor in seinem »Zeugnis« wie folgt: »Viktor, der damals die Arbeit des Kippenberger-Apparats in diesem Abschnitt leitete, war einer der fähigsten Organisatoren, die ich kennengelernt habe. Er schaffte und unterhielt Verbindungen in einem Ausmaße, wie ich es vorher oder nachher von keinem anderen erreicht gefunden habe ... Seine ganze jugendliche Spannkraft, seinen enormen Drang zu revolutionärer Aktivität, seine außergewöhnliche Auffassungsgabe für politische Nuancen stellte er in den Dienst dieser Arbeit, in der er aufging.« Nach seiner Degradierung arbeitete Roth in einem Forschungsinstitut für Autos und Traktoren. Er geriet als Kippenberger-Mann sowie als Anhänger der ausgeschalteten Politbüromitglieder Hermann Schubert und Fritz Schulte in die erste Säuberungswelle. Bereits am 22. November 1936 vom NKWD in Moskau verhaftet, wurde Leo Roth am 10. November 1937 durch das Militärkollegium des Obersten Gerichts wegen »Spionage« und »Vorbereitung von Terroranschlägen« zum Tode verurteilt und am gleichen Tag erschossen. Roth war mit Helga von Hammerstein, einer Tochter des Generals Kurt von Hammerstein, liiert. Über sie und ihre Schwestern Marie Louise und Marie Therese, die ebenfalls für den Nachrichtendienst der KPD tätig waren, erhielt er geheime Informationen aus der Reichswehrführung. Über Leo Roth veröffentlichte Reinhard Müller 2001 eine Arbeit.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rothkegel, Rudolf

* 10.12.1889 – ✝ 13.10.1964

Geboren am 10. Dezember 1889 in Winnweiler/Krs. Kaiserslautern, Sohn eines Formermeisters; lernte Former. Die Eltern gehörten der Zentrumspartei an, zwei seiner vier Geschwister engagierten sich in konservativen Parteien. Er war 1910 in Freising der SPD beigetreten, übersiedelte 1912 nach Hamburg, dort bis 1915 Former. Im August 1915 Soldat, geriet er am 9.November 1915 in russische Kriegsgefangenschaft. Rothkegel setzte sich 1917 als Agitator im Kriegsgefangenenkomitee »Internationalisten« ein, wurde Ende Januar 1918 nach Moskau gerufen, wo er den Auftrag erhielt, Gefangenenlager aufzusuchen, um dort deutsche Kriegsgefangene für den Eintritt in die Rote Garde zu gewinnen. Rothkegel reiste im Januar 1919 zu Besprechungen nach Berlin, wo er als Vertreter des Zentralrates Deutscher Revolutionärer Arbeiter mit Philipp Scheidemann Gespräche über die Rückführung der Kriegsgefangenen nach Deutschland führte. Er nahm noch am Begräbnis von Karl Liebknecht teil und ging Ende Januar 1919 wieder nach Rußland, wurde Mitglied der Bolschewiki und half in Moskau beim Aufbau der IAH. Auf einer Fahrt nach Deutschland wurde Rothkegel durch litauische Offiziere verhaftet und von Oktober 1919 bis März 1920 in Kowno als bolschewistischer Agent gefangengehalten. Von 1921 bis 1924 war er Leiter der IAH in Leningrad. 1924 kehrte er nach Deutschland zurück und arbeitete ab Mai 1925 wieder als Former in Hamburg, Mitglied der erweiterten KPD-BL Wasserkante. 1927 in die Hamburger Bürgerschaft gewählt, gehörte er dem AM-Apparat der KPD an. Am 1. April 1933 wurde Rothkegel verhaftet, am 9. Juni 1934 vom OLG Hamburg zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend im KZ Esterwegen, von August 1936 bis November 1942 im KZ Sachsenhausen, von dort dann in das KZ Flossenbürg gebracht, er wog nur noch 91 Pfund. Noch im April 1945 mit anderen Häftlingen zur Wehrmacht eingezogen, geriet Rothkegel am 24. April 1945 bei Schwalendorf/Bayern in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Im Juli 1945 entlassen, zog er zu seiner Schwester nach Forst/Lausitz und wurde wieder Mitglied der KPD, im Juli 2. Vorsitzender der Gewerkschaft in Forst. Am 24. Oktober 1946 zum Bürgermeister von Forst gewählt, erhielt er 1951 eine »strenge Rüge« wegen »versöhnlerischen Verhaltens« und war nur noch ehrenamtlich Vorsitzender der DSF im Bezirk Cottbus, er bekam 1957 den VVO in Silber. Rudolf Rothkegel starb am 13. Oktober 1964 in Forst.

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Rotstein, Siegmund

* 30.11.1925 – ✝ 6.8.2020

Geb. in Chemnitz; Vater Handelskfm. u. Tuchpantoffelmacher; 1931 – 38 Volksschule; 1939 – 41 Aufenthalt in versch. Hachscharah-Lagern; 1941 – Febr. 1945 Zwangsarbeit, anschl. Deportation in das KZ Theresienstadt. 1945 Ausbildung zum Herrenschneider, Besuch der Mstr.-Schule u. der Zuschneideakad., Abschl. als Herrenschneidermstr.; 1957 Mitarb. im Großhandel; ab 1965 Ltr. der Abt. Verkauf im Centrum-Warenhaus Karl-Marx-Stadt u. später stellv. Dir. versch. Centrum-Warenhäuser; ab 1966 Vors. der…

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Rub, Eve

* 26.5.1952

Geb. in Jena; Vater Handelskaufm., Mutter Verkäuferin; POS in Thalbürgel; EOS in Eisenberg; 1970 Abitur an der Abendschule; ab 1970 Pädagogikstudium Englisch u. Russisch an der FSU Jena, 1974 Exmatrikulation auf eig. Wunsch; in der Folgezeit tätig in der Cafeteria der FSU; ab 1976 autodidakt. Arbeit als Malerin; 1978 zus. mit Ehemann Frank R. offizielle Ausstellung, Aufnahme in den VBK durch das MfS verhindert; Denunzierung des künstl. Werks als »antisozialistisch bzw. antisowjetisch«,…

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Ruben, Walter

* 26.12.1899 – ✝ 7.11.1982

Geb. in Hamburg in einer dt.-jüd. Familie; Vater Kfm., Teilhaber einer Kohleimport-Firma u. Reederei, Mitbegr. der Literar. Vereinigung in Hamburg; Mutter Emmi R., Kunstsammlerin u. Mäzenin; Wilhelm-Gymnasium in Hamburg; seit 1915 privater Sanskrit-Unterricht bei Sten Konow, 1917 Notabitur; 1917/18 Militärdienst; 1919 – 24 Studium der Indol., der griech. u. latein. Sprache sowie Philos. an den Univ. Bonn (bei Hermann Georg Jacobi) u. Berlin (bei Heinrich Lüders); 1924 Prom. zum Dr. phil. (mit…

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Rubiner, Frida

* 28.4.1879 – ✝ 21.1.1952

Geb. in Mariampol (Rußland / Litauen) in einer jüd. Fam.; Vater Angest.; Volksschule; Schneiderin, Autodidaktin; Mädchengymn. in Kowno (Kaunas); 1899 – 03 Studium der Physik in Berlin u. Zürich, finanziert durch Schneiderarbeiten; 1903 Prom. mit der Arbeit »Über die Ausnahmestellung der Wärme unter den Energieformen«; 1906 Übersiedl. nach Frankfurt (Main), SPD; ab 1908 in Berlin, dort Mathematiklehrerin; 1911 Heirat mit dem Schriftsteller u. Anarchokommunisten Ludwig Rubiner; 1913 – 18 mit ihrem… (* 1879 – † 1952) Frida Ichak wurde am 28. April 1879 in Mariampol/Litauen geboren, ältestes von neun Kindern einer ärmlichen jüdischen Kleinbürgerfamilie. Sie lernte Schneiderin und mußte viele Jahre die ganze Familie ernähren. Um die Jahrhundertwende kam sie nach Zürich, wo sie sich als Schneiderin das Studium verdiente und unter großen Schwierigkeiten Philosophie studierte und promovierte. In der Schweiz heiratete sie den deutschen Schriftsteller, Anarchokommunisten und Pazifisten Ludwig Rubiner (* 12. 7. 1882 – † 26. 2. 1920). 1906 Übersiedlung nach Frankfurt/M., wo sie sich der SPD anschloß, 1908 zog sie nach Berlin. Kurz vor Ausbruch des Weltkrieges ging sie wieder in die Schweiz, gehörte zur Gruppe der »Zimmerwalder Linken« unter Führung Lenins. Diesen hatte sie persönlich kennengelernt und wurde zur Übersetzerin der ersten deutschen Ausgabe von Lenins »Staat und Revolution«. Ende 1918 aus der Schweiz ausgewiesen, kam Frida Rubiner im Februar 1919 nach Deutschland, hier Mitglied der KPD; sie soll am Gründungskongreß der Komintern in Moskau teilgenommen haben, jedoch ohne Mandat. Im Frühjahr 1919 ging sie nach München, wo sie sich aktiv an der Münchner Räterepublik beteiligte, dort gehörte sie unter dem Pseudonym Friedjung dem Propagandaausschuß der Räteregierung an, der im Wittelsbacher Palais tagte, außerdem der Verkehrskommission. Im November 1919 von einem Gericht in München zu einem Jahr neun Monaten Festung verurteilt, nach Strafverbüßung Redakteurin an der Wiener »Roten Fahne« und 1920 als Korrespondentin der »Inprekorr« in Moskau. 1923 sympathisierte sie mit der linken Opposition und stand seit Anfang 1924 in freundschaftlichem Briefwechsel mit Ruth Fischer und Arkadi Maslow. Nachdem die Linken 1924 die KPD-Führung übernahmen, kam Frida Rubiner nach Deutschland zurück und übte in der KPD verschiedene Funktionen aus. Bis 1927 war sie politische Redakteurin der »Roten Fahne«, zugleich vom ZK als Referentin und Instrukteurin eingesetzt, war sie u. a. längere Zeit nach Thüringen entsandt, um gegen Guido Heyms Leninbund zu agitieren, 1928 Lehrerin und Leiterin der KPD-Parteischule auf dem »Weißen Hirsch« in Dresden. Sie verfaßte Broschüren für die KPD und übersetzte wichtige politische Werke aus dem Russischen ins Deutsche (z. B. Sinowjew-Lenin: »Gegen den Strom«; Bucharin: »Ökonomik der Transformationsperiode«; Lenin: »Materialismus und Empiriokritizismus«. Trotzki: »Literatur und Revolution«). Im Zusammenhang mit der Wittorf-Affäre stand Frida Rubiner zunächst auf der Seite der Versöhnler gegen Ernst Thälmann. Am 8. Oktober 1928 unterschrieb sie eine Erklärung der Parteiarbeiterkonferenz des Berliner Bezirks Friedrichshain, der die strikte Einhaltung des ZK-Beschlusses vom 28.September 1928 forderte, nämlich, daß Thälmann nicht weiter im Amt bleiben dürfe. Danach übte sie Selbstkritik und wurde 1930 nach Moskau zur Arbeit im Marx-Engels-Institut geschickt. In einem späteren Lebenslauf betonte sie ihre Linientreue: »Das Institut wurde damals von Rjasanow und einer menschewistisch-trotzkistischen Clique geleitet, gegen die ich einen aktiven Kampf aufnahm. Ein Jahr später wurde ich vom ZK der KPdSU in den Apparat des ZK übernommen. 1932 wurde ich auf dem Ersten Internationalen Kongreß der Internationalen Roten Hilfe zum Sekretär der IRH gewählt. Später kam ich in den Apparat des EKKI, wo ich ein Ressort in der Presse-Abteilung leitete. Nach der Ermordung des Genossen Kirow, als die Generalreinigung des Apparates des EKKI einsetzte, bekam ich zuerst eine Rüge von der Zelle des EKKI wegen ?mangelnder Wachsamkeit? infolge meiner Bekanntschaft mit Feinden des Volkes, die im Apparat des EKKI gearbeitet hatten. Die Rüge wurde von der Kontrollkommission des Moskauer Komitees bald annulliert.« Sie konnte nicht wissen, daß sie weiterhin als Versöhnlerin galt und vom NKWD überwacht wurde. Von 1936 bis 1939 war sie als Leiterin der Presseabteilung in Moskau mit der Aufgabe betraut, die »bürgerliche Presse« des Auslandes mit Material über die Sowjetunion zu versorgen. Von 1939 bis 1941 arbeitete sie in der VAA, »als deutscher Redakteur 1. Kategorie für die Klassiker des Marxismus (Lenin/Stalin)«, wie sie später berichtete. 1941 zur PUR abkommandiert, um Propaganda der Roten Armee unter den deutschen Soldaten zu betreiben. Im Juni 1946 kehrte Frida Rubiner nach Deutschland zurück, als Mitglied der SED begann sie zunächst als Lehrerin und Leiterin der Lehrmittelabteilung der Parteihochschule »Karl Marx« und wurde dort im Oktober 1947 Dekan der Fakultät Grundfragen des Marxismus. Wegen einer schweren Erkrankung verbrachte sie einen Teil des Jahres 1948 in Krankenhäusern der Sowjetunion. Mitte Februar 1949 zurück, wurde ihr zum 70. Geburtstag von der Universität Leipzig der Dr. h.c. der Sozialwissenschaften verliehen. Frida Rubiner starb am 21. Januar 1952 in Ost-Berlin; ihre Urne wurde am 27.Januar 1952 in einem Ehrengrab beigesetzt. Zeitlebens war Frida Rubiner bemüht, nicht von der Parteilinie abzuweichen. In der Stalin-Ära befürchtete sie das Schlimmste, denn die Hintergründe der Stalinschen Säuberung waren ihr vertraut. Sie hatte ja einst nicht nur die Werke fast aller »Parteifeinde« wie Trotzki, Sinowjew und Bucharin ins Deutsche übersetzt, sondern war lange mit den meisten auch persönlich gut bekannt – gerade zur Zeit der Schauprozesse eine tödliche Gefahr.Bernd-Rainer Barth

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Ruddigkeit, Frank

* 19.8.1939

Geb. in Grenzberg (Ostpr.); Vater Maurer; bis 1948 mit der Familie in einem Internierungslager; 1948 Umsiedl. nach Engelsdorf (b. Leipzig), bis 1957 Schulbesuch (Abschl. 10. Kl.), 1957 – 62 Studium an der HS für Grafik u. Buchkunst in Leipzig bei Heinz Wagner u. Hans Mayer-Foreyt; 1962 – 63 Lehrauftrag am Inst. für Kunsterziehung der KMU Leipzig; 1963 – 66 Aspirantur an der HS für Grafik u. Buchkunst Leipzig bei Heinz Wagner; 1965 – 89 SED; 1965 – 90 VBK; 1973 AIAP; ab 1974 Lehrtätigkeit an der…

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Ruge, Ernst

* 12.4.1878 – ✝ 3.9.1953

Geb. in Gröditz (Sachsen); Vater Anbrecht R. Beamter, Dir. der Frankfurter Reichsbankstelle; Gymnasium; Stud. der Med., Prom.; 1910 – 37 Chefarzt der chirurg.-gynäkolog. Abt. des städt. Krankenhauses Frankfurt (Oder); wg. jüd. Ehefrau 1933 Verlust aller Ehrenämter (stellv. Vors. der brandenburgischen Ärztekammer), 31.12.1937 als Chefarzt entlassen; ab Mai 1938 private Praxis in Frankfurt (Oder). Ende April 1945 durch den sowj. Kommandanten als OB von Frankfurt (Oder) eingesetzt (Nachf. von…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rühl, Walter

* 15.5.1881 – ✝ 7.7.1942

Geboren am 15. Mai 1881 in Berlin, kam als Kind nach Hamburg (Zögling im Waisenhaus). Er lernte und arbeitete als Schmied und Schiffsheizer. Im Weltkrieg Soldat, wurde 1918 Mitglied der USPD, 1919 deren Kassierer in Hamburg und dort in die Bürgerschaft gewählt. Mit der linken USPD kam Rühl 1920 zur KPD und blieb bis 1925 für sie Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft. Von 1921 bis 1925 war er Schriftführer und hauptamtlicher Sekretär der BL Wasserkante. Walter Rühl war dann zusammen mit Hugo Urbahns im Prozeß gegen die Führung des Aufstandes 1923 in Hamburg angeklagt. 1925 gehörte er den Ultralinken an und wurde wegen Verstoßes gegen »Parteibeschlüsse« aus der KPD ausgeschlossen, blieb aber weiter in linken Kreisen aktiv. Er emigrierte 1933 nach Frankreich. Dort 1939 interniert, konnte Walter Rühl zwar fliehen, gilt jedoch seit dem 7. Juli 1942 als vermißt.

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Rümmler, Kurt

* 19.11.1911 – ✝ 31.12.1958

Geb. in Taura; Vater Bäcker; Volksschu- le; 1926 – 30 Lehre als Maschinenschlosser; 1930 – 33 erwerbslos; 1931 KPD; 1933 RAD; 1934 Bauarb.; 1935/36 neun Mon. Haft wegen »Vorber. zum Hochverrat«; dann erwerbslos; 1937 Arbeit als Bohrer; 1943 – 45 Wehrmacht; 1945 – 47 sowj. Kriegsgefangenschaft. 1947 Einstellung bei der Polizei, Personalltr. im Krs.-Amt Rochlitz; 1949 Personalltr. im VVEAB Rochlitz; 1950 Einstellung beim MfS, Ltr. der Krs.-Dienststelle Rochlitz (Sachsen); 1951 der…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rund, Alice

* 28.8.1882 – ✝ 1939

Geboren am 28. August 1882 in Berlin, Tochter einer Handwerkerfamilie. Nach dem Abitur Studium in Berlin, dort anschließend Studienrätin an Gymnasien. Vor dem Weltkrieg in der SPD, schloß sie sich dem Spartakusbund an, wurde aber zunächst nicht Mitglied der KPD, um ungehindert im Schuldienst bleiben zu können. Offiziell 1928 in die KPD eingetreten, wurde sie sofort Mitglied der Reichsleitung kommunistischer Lehrer und leitete diese Gruppe kurzzeitig. 1933 aus dem Schuldienst entlassen, emigrierte Alice Rund nach Frankreich und 1935 in die Sowjetunion. Dort soll sie in der VAA beschäftigt gewesen sein. Im April 1938 in Moskau vom NKWD verhaftet, kam Alice Rund 1939 (nach anderen Angaben 1940) im Gulag ums Leben.

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Rüscher, Hans-Joachim

* 1.7.1928 – ✝ 16.1.2015

Geb. in Halle; Vater Chemiearb.; Volksschule; kfm. Lehre bei der Firma Krause in Halle; 1944/45 Wehrmacht; Mai – Okt. sowj. Kriegsgefangenschaft in Brandenb. 1945 Beendigung der Lehre in Halle; 1946 – 48 kfm. Angest. beim Konsum in Halle; 1947 FDJ; 1948/49 Dreher-Umschüler bei der Firma Thieme und Töwe in Halle; 1949 – 54 Dreher beim VEB Kühler- und Gerätebau Halle; 1951 SED; 1954/55 Instrukteur, 1955 – 57 Abt.-Ltr. der SED-Stadtltg. Halle; 1957/58 Studium an der BPS Ballenstedt; 1958 – 60…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Roth, Katharina

* 26.6.1882 – ✝ 3.6.1967

Geboren am 26. Juni 1882 in Schaafheim/Hessen; Katharina Sehnert war bis zu ihrer Verheiratung Dienstmagd. 1907 Mitglied der SPD, während des Krieges trat sie zur USPD über und kam mit der linken USPD 1920 zur KPD. Für die KPD übte Katharina Roth in Hessen verschiedene ehrenamtliche Funktionen aus, sie war auch Frauenleiterin. 1922 rückte sie als Abgeordnete für Aloys Rink in den Hessischen Landtag nach, wurde 1924 erneut in das Landesparlament gewählt. Katharina Roth gehörte dem linken Flügel der KPD an und war nach dem »Offenen Brief« aktiv für die linke Opposition tätig. Am 25. Mai 1927 aus der KPD ausgeschlossen, behielt sie ihr Mandat bis zum Ablauf der Legislaturperiode im November 1927. Sie unterschrieb einen Aufruf der linken Kommunisten im März 1928 und schloß sich dem Leninbund an. Später trat sie politisch nicht mehr hervor, wohnte nach 1945 in Langen, Kreis Offenbach. Katharina Roth starb am 3.Juni 1967 in Darmstadt.

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Rothmaler, Werner

* 20.8.1908 – ✝ 13.4.1962

Geb. in Sangerhausen in einer Landwirtsfamilie; Herzog-Ernst-Gymnasium in Weimar; Gärtnerlehre; 1923 Veröff. der ersten botan. Arbeit; Botanikstudium an der Univ. Jena; 1928 Gewerkschaft; 1930 Bund der Freunde der Sowjetunion; 1933 Emigr. nach Spanien; freier Wissenschaftler am Botan. Inst. Madrid, am Naturhist. u. Botan. Inst. in Barcelona; Forschungsreisen nach Portugal, Schweden, in die Schweiz, nach Italien u. Frankreich; nach Denunziation in das Dt. Reich abgeschoben, Internierung in einem…

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Rotter, Dietrich

* 17.2.1929 – ✝ 17.12.1984

Geb. in Waldenburg (Schles. / Wałbrzych, Polen); Vater Schneider; 1935 – 44 Volksschule Hermsdorf, Mittelschule Gottesberg, Oberschule Waldenburg; 1944 / 45 Arbeitsdienst. 1945 – 48 Lehre als Elektriker zuerst in Hermsdorf (Krs. Waldenburg), nach Umsiedl. ab 1946 in Freiberg, Betriebselektriker; 1946 SED; 1948 – 50 Vorstudienanstalt u. ABF Freiberg, Abitur; 1950 – 51 Bergbaustudium an der Bergakad. Freiberg; 1951 – 56 Studium Bergbau–Tiefbau an der Bergbau-HS Moskau, Dipl.; 1956 – 59…

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Rub, Frank

* 22.3.1952

Geb. in Jena; Vater Bäcker, Mutter Lageristin; ab 1959 POS »Grete Unrein« in Jena, ab 1963 Nordschule Jena, 1967 EOS »Johannes R. Becher« Jena, 1968 aufgrund einer polit. Aktion im Zusammenhang mit dem »Prager Frühling« relegiert an die POS, 1969 dort Abschluß der 10. Klasse u. Wiederaufnahme an die EOS; 1971 Abbruch der Abiturausbildung aus polit. Gründen; seit 1970 Besucher der Volkskunstschule Jena (Malerei); 1971 – 73 Steinmetz-Lehre in Jena; ab 1973 Arbeit als Steinmetz bzw. autodidakt. als…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ruben-Wolf, Martha

* 17.6.1887 – ✝ 16.8.1939

(* 1887 – † 1939) Geboren am 17. Juni 1887 in Löhne, Tochter des jüdischen Kleinunternehmers Moritz Ruben. Bis 1914 studierte sie in Berlin und promovierte 1915. Während des Weltkriegs Arbeit in einem Lazarett, eröffnete sie dann eine gynäkologische Praxis in Niederschöneweide bei Berlin. Als progressive Ärztin und Frauenrechtlerin galt ihr Einsatz vor allem Arbeiterfrauen. 1921 wurde sie gemeinsam mit ihrem späteren Ehemann Lothar (Ruben-)Wolf Mitglied der KPD und gehörte in Berlin bald zu den bekannten kommunistischen Persönlichkeiten. Sie war u. a. Kandidatin zur Preußischen Landtagswahl 1928 und zu den Reichstagswahlen von 1930 bis 1933. Mitbegründerin des kommunistischen RFMB und Referentin auf deren 1. Reichskongreß 1926. Ihre Aufklärungsschrift »Abtreibung oder Verhütung« (mit einem Vorwort von Friedrich Wolf) erschien in riesiger Auflage. Die Broschüre wurde 1929 durch das Amtsgericht Düsseldorf vorübergehend beschlagnahmt. Martha Ruben-Wolf, als unbequeme, kämpferische Zeitgenossin geschildert, war zunächst im Verband Sozialistischer Ärzte organisiert, der der SPD nahestand. Dort provozierte sie (im Zuge der ultralinken Politik der KPD nach 1929) ihren Ausschluß und war nun ganz für die KPD aktiv. 1933 mit ihrem Ehemann und zwei Kindern nach Paris emigriert und dann im Februar 1934 weiter in die Sowjetunion. Hier arbeitete sie in einem Moskauer Ambulatorium, sah bald die Realität in der von ihr bis dahin bewunderten Sowjetunion immer kritischer. Während ihr Mann noch krampfhaft versuchte, an den Utopien festzuhalten, resignierte sie während der Säuberungen, bei der fast alle ihre Freunde verhaftet wurden. Nach der Festnahme von Lothar Ruben-Wolf verlor sie ihren Arbeitsplatz im Ambulatorium, später in einer Frauenberatungsstelle beschäftigt. Da sie über Verbleib und Schicksal ihres Mannes – wie üblich – nichts erfuhr, nahm sich Martha Ruben-Wolf voller Verzweiflung mit einer Überdosis Schlaftabletten am 16. August 1939 das Leben und wurde so ebenfalls ein Opfer der stalinistischen Säuberungen. Die Tochter Sonja (* 1923), in Karaganda zwangsangesiedelt, durfte erst 1958 mit ihrem Ehemann, einem jüdischen Ingenieur, über Ost-Berlin nach Israel auswandern. Der Sohn Walter (* 1925), 1943 zur Roten Armee eingezogen, ist noch im gleichen Jahr an der Front gefallen. Anja Schindler veröffentlichte 1997 eine biographische Skizze üner Martha Ruben-Wolf.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rück, Fritz

* 1.4.1895 – ✝ 18.11.1959

Geboren am 1. April 1895 in Stuttgart, Sohn eines Schreiners; lernte von 1909 bis 1913 Schriftsetzer. Schon als Lehrling Funktionär der sozialistischen Jugendbewegung, 1913 wurde er Mitglied der SPD, ging auf Wanderschaft und mußte 1915 zum Militär. 1916 wegen Dienstverletzung aus dem Heeresdienst entlassen. Er begann 1917 als Journalist bei der von der USPD herausgegebenen Stuttgarter Zeitung »Sozialdemokrat«. Rück war Mitglied der Spartakusgruppe, auf dem Gründungsparteitag der USPD 1917 vertrat er die Spartakusgruppe und hielt ein Korreferat. Während der Novemberrevolution 1918 in Stuttgart einer der Führer der Revolution. In der Frühzeit der KPD spielte er eine große Rolle, war auf fast allen Parteitagen der ersten Jahre als Delegierter und Redner. Im Januar 1920 übersiedelte er nach Leipzig, dort bis April 1920 Redakteur. Nach mehrmonatiger Mitarbeit an der »Roten Fahne« in Berlin kehrte er nach Württemberg zurück und war als Wanderredner für die KPD aktiv. 1921 politischer Redakteur der »Roten Fahne« in Berlin und Delegierter auf dem III. Weltkongreß der Komintern in Moskau, danach in Berlin einige Monate inhaftiert. Ab Sommer 1922 politischer Redakteur der kommunistischen Zeitung in Augsburg, nach deren Verbot 1922 politischer Redakteur der Jenaer »Neuen Zeitung«, dann der Chemnitzer Zeitung »Kämpfer«. Rück zählte zum rechten Parteiflügel, trat daher 1924/25 etwas zurück und war beim Führer-Verlag beschäftigt (ein kommunistischer Gewerkschaftsverlag). 1925 war er wieder Wanderredner der KPD, 1926 im Ausschuß für Fürstenenteignung tätig, kam 1927 in die Agitpropabteilung des ZK und arbeitete dann für die »Inprekorr«. Rück war nicht nur ein begabter Schriftsteller, sondern hatte sich auch als Dichter versucht. Im November 1927 gründete er gemeinsam mit Johannes R. Becher und Kurt Kläber die »Proletarische Feuilleton-Korrespondenz«. In den folgenden Jahren veröffentlichte er vor allem Erzählungen und Gedichte in der KP-Presse. Obwohl auf dem rechten Parteiflügel stehend, hat er die Partei mit den Rechten 1928/29 nicht verlassen, sondern ist erst 1930 aus der KPD ausgetreten. 1932 ging er zur SAP, war nun als freier Schriftsteller und Wanderredner für die SAP aktiv. In dieser Partei gehörte Rück zum äußersten linken Flügel, der mit der KPD sympathisierte. 1933 Emigration in die Schweiz, er verdiente seinen Lebensunterhalt als Mitarbeiter verschiedener Gewerkschaftszeitungen und linker sozialdemokratischer Blätter. Im Auftrag schweizerischer Arbeiterzeitungen ging Rück 1937 nach Schweden, dort Korrespondent und später Mitarbeiter mehrerer Zeitungen. Da er die schwedische Sprache rasch beherrschte, schrieb er nicht nur Artikel, sondern auch Bücher in Schwedisch, übersetzte schwedische Gedichte ins Deutsche und verfaßte ein Familienbuch von den ersten Lebensjahren seiner Kinder: »Die Republik der Drillinge«. Rücks Werk »Friede ohne Sicherheit« erschien später auch in Deutschland. 1946 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde Redakteur des Organs der Industriegewerkschaft Druck und Papier, »Druck und Papier«, Mitglied des Bundesausschusses dieser Gewerkschaft und Vorsitzender der Touristenorganisation »Die Naturfreunde« in der Bundesrepublik. In der SPD organisiert, war Rück einer der bekanntesten Gewerkschaftsredakteure, oft umstritten, aber eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Im Frühjahr 1955 erschien sein Gedichtband »Der Mensch ist frei«. Auch sein Rußlandbuch »Koloß auf stählernen Füßen« fand Beachtung, er widmete sich außerdem der Malerei. Fritz Rück starb nach längerer Krankheit am 18. November 1959 in Stuttgart.

dissidenten.eu

Rudenko, Mykola

* 1920 – ✝ 2004

Mykola Rudenko wurde 1920 in dem im Gebiet Luhansk gelegenen Dorf Jurjiwka (Jurewka) geboren. Zusammen mit zwei Geschwistern wuchs er in einer Bergarbeiterfamilie auf. Sein Vater kam 1927 bei einem Grubenunglück ums Leben. Den Bauernhof der Familie bewirtschaftete seine Mutter noch ein Jahr allein, bis sie ihn an die Kolchose abtreten musste, wo sie dann angestellt war. Im Alter von acht Jahren verlor Rudenko infolge einer Verletzung sein Sehvermögen auf dem linken Auge. Sein Leben war geprägt…

Wer war wer in der DDR

Ruge, Manfred

* 7.10.1945

Geb. in Erfurt; Grund- u. Oberschule, Abitur; Stud. der Theoret. Elektrotechnik an der TH Ilmenau, 1970 Dipl.-Elektroing.; bis 1988 Ltr. mehrerer Entwicklungs- u. Produktionsabt. im VEB Optima Büromaschinenwerke Erfurt; anschl. Techn. Ltr. der Erfurter Ölmühle; CDU. Mai 1990 – 2006 OB von Erfurt (Nachf. von Siegfried Hirschfeld); zeitw. stellv. Vors. des CDU-LV Thüringen; ab 2006 3. Geschäftsf. der Erfurter Stadtwerke bzw. Chef von vier Tochtergesell., u. a. Geschäftsf. der TFB Thüringer…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rühle, Otto

* 23.10.1874 – ✝ 24.6.1943

Geboren am 23. Oktober 1874 in Groß-Voigtsberg bei Freiberg/Sachsen, Sohn eines Eisenbahnbeamten. Ab 1889 studierte er am Lehrerseminar in Oschatz. Noch während des Studiums Funktionär der Freidenkerbewegung. Er war 1895/96 Hauslehrer bei einer Gräfin von Bühren bzw. Lehrer in Öderan bei Chemnitz. 1896 trat er in die SPD ein und begründete eine sozialistische Sonntagsschule. Nach der Entlassung als Volksschullehrer ab 1902 Schriftsteller und Redakteur sozialdemokratischer Zeitungen u. a. in Hamburg, dann in Breslau, Chemnitz, Pirna und Zwickau. Rühle war früh gegen überholte Schulmethoden eingetreten und leitete um die Jahrhundertwende die sozialdemokratische Bildungsgesellschaft in Hamburg und Umgebung. 1907 wurde er Wanderlehrer des PV der SPD und dadurch in der Partei bekannt, ebenso durch seine sozialkritischen pädagogischen Schriften (u.a. »Arbeit und Erziehung«, 1904, »Die Aufklärung der Kinder über geschlechtliche Dinge«, 1907), machte sich vor allem aber 1911 mit der Monographie »Das proletarische Kind« weithin einen Namen. 1912 wurde Rühle im Wahlkreis Pirna-Sebnitz als Abgeordneter in den Reichstag gewählt, dem er bis 1918 angehörte. Er stand auf dem äußersten linken Flügel der SPD. Zusammen mit Karl Liebknecht stimmte er ab März 1915 gegen die Kriegskredite. Aus Solidarität mit Liebknecht trat er 1916 aus der SPD-Fraktion aus, wurde Mitbegründer der Spartakusgruppe und war Teilnehmer der Konferenz am 1. Januar 1916. Als er sich am 12. Januar 1916 in einem Brief an den »Vorwärts« für die Parteispaltung einsetzte, geriet er in Gegensatz zu Rosa Luxemburg. 1917 ging er nicht zur USPD, sondern wurde in Dresden und Pirna Führer der Linksradikalen, später der IKD. Am 9. November 1918 übernahm Rühle den Vorsitz des Revolutionären Arbeiter- und Soldatenrates und war einen Tag später Mitvorsitzender des Vereinigten Revolutionären Arbeiter- und Soldatenrates von Groß-Dresden. Schon am 16.November 1918 legte er mit den anderen IKD-Mitgliedern seine Funktion nieder, da er eine Zusammenarbeit mit SPD und USPD ablehnte. Ende Dezember 1918 sprach sich Rühle als Delegierter der IKD auf dem Gründungsparteitag der KPD scharf gegen die Beteiligung an den Wahlen zur Nationalversammlung aus, er war einer der Oppositionsführer der neuen Partei. Anfang 1919 noch mit dem Aufbau der KPD in Sachsen beauftragt, trat er im Laufe des Jahres mit Heinrich Laufenberg und Fritz Wolffheim an die Spitze der linken Opposition. Auf dem II. Parteitag der KPD im Oktober 1919 in Mannheim mußten Rühle und andere ultralinke Delegierte die Tagung verlassen, weil sie gegen die »Leitsätze über kommunistische Grundsätze und Taktik« gestimmt hatten. Der III. Parteitag im Februar 1920 in Karlsruhe schloß Rühle aus der KPD aus. Er wurde im April 1920 Mitbegründer der KAPD. Noch im Juni 1920 nahm er als Delegierter der KAPD am III. Weltkongreß der Komintern in Moskau teil. Nach der Rückkehr widersetzte er sich öffentlich nicht nur dem Führungsanspruch Moskaus, sondern war auch gegen jede Zusammenarbeit. Deshalb wurde er im Dezember 1920 aus der KAPD ausgeschlossen. Nun führender Theoretiker eines Rätekommunismus und der »Einheitsorganisation« anstelle von Partei und Gewerkschaft. Zusammen mit Franz Pfemfert wirkte Rühle in der AAU, von der er sich wieder trennte, blieb aber bis 1923 Mitarbeiter der Zeitschrift »Die Aktion«. Als Herausgeber pädagogischer Zeitschriften wie: »Am anderen Ufer«, »Grundfragen der proletarischen Erziehung« war er danach vor allem als Schriftsteller und Kursuslehrer aktiv. Durch seine Frau war er mit der Individualpsychologie Alfred Adlers bekannt geworden und versuchte, deren Kategorien auf Marx anzuwenden. Seine 1927 publizierte Biographie von Karl Marx war stark umstritten, das dreibändige Werk »Die Revolutionen Europas« (1927) und die »Illustrierte Kultur- und Sittengeschichte des Proletariats« (1930) fanden hingegen weitgehende Anerkennung. Ab 1931 bemühte er sich, unter dem Pseudonym Karl Steuermann wieder Einfluß auf die Politik zu nehmen (u. a. »Weltkrise-Weltwende. Kurs auf den Staatskapitalismus«). Nachdem SA-Horden 1933 sein Haus verwüsteten, emigrierte er nach Prag, zusammen mit seiner Frau (seit 1921) Alice Rühle-Gerstel (* 1894 – † 1943), einer bekannten, berühmten Psychologin und Publizistin. Durch Vermittlung seines Schwiegersohnes Fritz (Frederico) Bach wurde er von der mexikanischen Regierung als Erziehungsberater berufen und übersiedelte 1936 nach Mexiko. Dort mit Leo Trotzki verbunden, war er 1937 Beisitzer im Tribunal, dem Untersuchungsausschuß unter dem amerikanischen Philosophen John Dewey, der die Lügen in Stalins Schauprozeß enthüllen sollte. Deshalb verlor er auf Betreiben der mexikanischen Stalinisten seine Beraterfunktion und lebte als Maler (Carlos Timonero). Otto Rühle starb am 24. Juni 1943 in Mexiko, seine Frau beging noch am gleichen Tag Selbstmord. An den Gräbern von Alice und Otto Rühle sprachen u. a. Franz Pfemfert und Fritz Fränkel. Otte Rühle, lange in Vergessenheit geraten, wurde dann durch die antiautoritäre Studentenrebellion nach 1968 als Rätekommunist wiederentdeckt und populär, zahlreiche seiner Werke wurden (z. T. als »Raubdrucke«) verbreitet. 1971 erschienen seine Schriften mit vorher unveröffentlichten Texten, etwa »Brauner und Roter Faschismus« von 1939 mit der These, Privatkapitalismus wie Staatskapitalismus (Faschismus und Bolschewismus) seien bankrott.

Wer war wer in der DDR

Rumpelt, Paul

* 5.10.1909 – ✝ 10.1.1961

Geb. in Riesa; Volksschule; 1924 – 28 Lehre als Elektriker; 1928 – 30 Arbeiter; 1933 KPD; 1930 – 35 arbeitslos; März – Dez. 1933 »Schutzhaft«, KZ Riesa u. Hohenstein; Dez. 1933 – April 1934 Gefängnis wegen unerlaubten Waffenbesitzes; 1935 – 45 Schlosser. 1945/46 KPD/SED; 1945 Einstellung bei der Polizei Großenhain; später Revierltr., dann Ltr. der Schutzpolizei Riesa; 1948 Landespolizeibehörde Sachsen, Ltr. der Kommandantur Wurzbach der Grenzpolizei; 1949 kommissar. Ltr. der VP Dippoldiswalde,…

Wer war wer in der DDR

Rundnagel, Kurt

* 23.11.1930

Geb. in Westenfeld (Krs. Meiningen); Vater Kraftfahrer; Grund-, Mittel- u. OS, Abitur; 1946 FDJ, 1948 SED; 1949 / 50 2. Sekr., 1950 – 52 1. Sekr. der FDJ-KL Meiningen; 1952 / 53 1. Sekr. der FDJ-KL Jena-Land, 1953 – 58 1. Sekr. der FDJ-KL Saalfeld; 1956 / 57 Lehrgang an der SED-BPS; 1958 – 61 Sekr. für Studenten bzw. Agit. u. Prop., 1961 – 64 2. Sekr., 1964 / 65 1. Sekr. der FDJ-BL Gera; 1961 – 66 Fernstudium der Philos. an der FSU Jena, Dipl.-Philosoph; 1966 polit. Mitarb. der SED-BL Gera, 1966…

Wer war wer in der DDR

Ruschin, Günter

* 16.6.1904 – ✝ 10.8.1963

Geb. in Pasewalk (Vorpommern); 1911 – 20 Volksschule, Gymn. in Pasewalk; 1923 – 25 Schauspielunterricht in Berlin; 1925 – 31 Schauspieler an der Volksbühne u. anderen Bühnen Berlins; 1930 KPD; 1931 – 33 Mitgl. in der polit. Theater-Gruppe von  Gustav v. Wangenheims »Truppe 1931« (gemeinsam mit seiner Frau, der Schauspielerin  Steffie Spira, Heirat 1931); März 1933 in Berlin verhaftet, bis Apr. 1933 Haft in Berlin-Moabit, danach Flucht in die Schweiz; Juli 1933 nach Frankreich; 22.6.1938…