DDR von A-Z, Band 1960

Disproportionen (1960)

 

 

Siehe auch die Jahre 1956 1958 1959 1962 1963


 

Oft verwendeter Ausdruck für den nicht aufeinander abgestimmten Stand der Industriezweige untereinander; zum Teil auch verwendet für den ungleichen techn. Zustand von Betriebsabteilungen. Als Ursachen für die D. werden in erster Linie die unmittelbaren und mittelbaren Kriegsauswirkungen (Kriegsschäden, Demontagen, Reparationen) und die Spaltung Deutschlands angegeben, durch die vorher aufeinander eingespielte Rohstoffgewinnungs- und Verarbeitungsgebiete getrennt wurden. In den ersten Jahren nach dem Kriege entwickelten sich die Industriezweige deshalb sehr unterschiedlich, und auch innerhalb der Industriezweige war die Erzeugung nicht aufeinander abgestimmt. Bereits im ersten Fünfjahrplan wurde versucht, die D. auszugleichen. Es gelang jedoch nur unvollständig. Im Jahre 1960 bestehen z. B. noch D. zwischen dem gestiegenen Energiebedarf und den Möglichkeiten, neue Kraftwerkskapazitäten zu erstellen, zwischen dem Neubedarf an Industriebauten und den verfügbaren Kapazitäten in der Bau- und Baustoffindustrie, ferner zwischen dem Bedarf an Grundchemikalien (Schwefelsäure, Soda, Ätznatron usw.) und den verfügbaren Kapazitäten zu ihrer Herstellung. Der Ausgleich der D. wird im Hinblick auf die ungenügende Rohstoffgrundlage der SBZ (Materialversorgung) wahrscheinlich erst in der Periode des Siebenjahrplans (1959–1965) möglich sein. (Energiewirtschaft, Bauwirtschaft, Chemische Industrie)


 

Fundstelle: SBZ von A bis Z. Sechste, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1960: S. 93


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

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