DDR von A-Z, Band 1954

Arbeitslosigkeit (1954)

 

 

Siehe auch die Jahre 1956 1958 1959 1960 1962 1963 1965 1966 1969 1975 1979 1985


 

Die SED-Propaganda behauptet, in der SBZ gebe es keine A., es bestehe vielmehr ein Mangel an Arbeitskräften. In Wahrheit gibt es in der SBZ seit 1949, d. h. seit dem Beginn der langfristigen „Planung“, eine zunehmende A. Mit organisatorischen und propagandistischen Mitteln versucht die Regierung der SBZ, die A. zu verheimlichen oder zu bagatellisieren, da ein Eingeständnis die „Überlegenheit des kommunistischen Systems“ widerlegen würde.

 

Aus Statistiken der sowjetzonalen Sozialversicherungsämter konnte jetzt die Entwicklung der A. in der SBZ mit großer Genauigkeit ermittelt werden. Danach gab es:

 

 

Am 30. 6. 1953 gab es im Bundesgebiet — bezogen auf die Gesamtbevölkerung — 2,0 v. H. Erwerbslose. Die Zahl der Arbeitslosen in der SBZ betrug zu diesem Zeitpunkt also das Dreifache — Ursache für die A. in der SBZ sind das Nichtfunktionieren der kommunistischen „Planung“, der chronische Materialmangel und die jedem Betrieb auferlegten „Pläne für Selbstkostensenkung“. Da die Sachkosten in der Produktion bei der Unzulänglichkeit des Wirtschaftssystems ständig steigen, gehen die Betriebsleitungen, um ihre Pläne zu erfüllen, allgemein dazu über, die [S. 16]Belegschaften zu verringern. — Erwerbslose erhalten in der SBZ bedeutend weniger Arbeitslosen-Unterstützung als in der Bundesrepublik. — Der für das zweite Halbjahr 1953 geplante Neuaufbau der Organisation Dienst für Deutschland, zu der jeder Jugendliche nach Beendigung seiner Lehrzeit für die Dauer eines Jahres für diesen Arbeitsdienst eingezogen werden kann, soll vor allem zur Vertuschung der A. dienen. (Arbeitspolitik)


 

Fundstelle: SBZ von A–Z. Zweite, durchgesehene und erweiterte Auflage, Bonn 1954: S. 15–16


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

Ausführliche Informationen zu den Handbüchern finden Sie hier.