DDR von A-Z, Band 1954

Buchhandel (1954)

 

 

Siehe auch die Jahre 1956 1958 1959 1960 1962 1963 1965 1966 1969 1975 1979 1985


 

Jede staatlich gelenkte Buchproduktion (Verlagswesen) hat die Neigung, auf dem Wege zum Verbraucher den A. zu umgehen. So werden auch in der SBZ z. B. Schulbücher von den staatlichen Monopolverlagen direkt an die Schulen geliefert; in den Betrieben werden Buchvertriebsstellen eingerichtet; der Zeitschriftenvertrieb erfolgt fast ausschließlich über die Post usw. Die Buchproduktion in der SBZ hat in den letzten Jahren zwar zugenommen, zeigt aber immer noch ein starkes Mißverhältnis zwischen politischer Propagandaliteratur und den nicht geförderten Literatursparten; das Angebot entspricht in keiner Weise den echten Leserbedürfnissen, zumal westliche Produktion nur insoweit eingetührt wird, wie sie dem Fünfjahrplan oder anderen vom Regime anerkannten Zwecken dient. Unter diesen Umständen ist die Existenzbasis des B. außerordentlich schmal geworden; in ideologischer Hinsicht wird er scharf gelenkt, geschult und überwacht. Der Leihbuchhandel bietet keinen Ersatz tür den schrumpfenden Umsatz, da er von Partei und Staat besonders mißtrauisch beobachtet und scharf reglementiert wird (Bibliothekswesen). Sehr viele, auch kleinere Sortimentsbuchhandlungen sind daher nach der Flucht ihrer Inhaber oder zur Abwendung des Konkurses „Volkseigentum“ geworden.


 

Fundstelle: SBZ von A–Z. Zweite, durchgesehene und erweiterte Auflage, Bonn 1954: S. 35


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

Ausführliche Informationen zu den Handbüchern finden Sie hier.