Agrarökonomik (1958)
Siehe auch:
- Agrarökonomik (bzw. Agrarökonomie): 1969
Lehre oder Wissenschaft von der Agrarwirtschaft, landw. Betriebswirtschaftslehre i. e. S.; wird nach sowjetischem Muster entwickelt. Hoernle, ihr Inspirator, stellt sie der Wirtschaftslehre Aereboes gegenüber, deren kapitalistischen Charakter er angreift. Nach Hoernles Auslegung sind nicht die Betriebsgrößen (Groß- und Kleinbetrieb) die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale, sondern die „kapitalistische Betriebsform“ und die „einfache Warenproduktion“. Die Existenz der kapitalistischen Betriebe bedingt einen Klassenkampf, der mit der Verdrängung und Verelendung des kleinen Bauern endet. Daraus ergibt sich zwangsläufig das Ziel der Umwandlung jeglichen Privateigentums in „sozialistisches“ Eigentum. Diese Deutung der Betriebslehre, nach der Rentabilität nicht als unternehmerischer Kapitalertrag, sondern als Ausdruck eines „gemeinschaftlich erarbeiteten Wohlstandes“ gilt, hat in der Landwirtschaft der SBZ zu verschiedenen ökonomischen Schwierigkeiten geführt. Vieweg, der seit 1. 9. 1953 das Institut für A. an der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften leitete, machte im Sommer 1957 aus dieser Einsicht heraus den Vorschlag, der individuellen Unternehmerinitiative mehr Spielraum zu geben, also MTS und LPG zugunsten der Förderung von Einzelbetrieben zu revidieren. Er wurde wegen dieser „antisozialistischen Konzeption“ verfemt. Dennoch bleibt der Widerspruch zwischen der Auffassung wissenschaftlich denkender Agrarökonomen und dem politischen Dogma bestehen, nach dem es von der kapitalistischen zur sozialistischen Betriebslehre keinen Weg geben soll.
Literaturangaben
- Kramer, Matthias: Die Landwirtschaft in der sowjetischen Besatzungszone. 4. Aufl. (unter Mitarb. v. Gerhard Heyn und Konrad Merkel). (BB) 1957. Teil I (Text) 159 S., Teil II (Anlagen) 224 S.
Fundstelle: SBZ von A bis Z. Vierte, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1958: S. 15