Genossenschaftswesen, Landwirtschaftliches (1958)
Siehe auch das Jahr 1956
Das G. durchlief seit dem Zusammenbruch folgende Phasen: I. 1945: Wiederaufnahme der Tätigkeit auf Befehl Nr. 146 der SMAD vom 20. 11. 1945 mit raschem Aufblühen. April 1946; bereits 5 Landesverbände, 6.325 Einzelgenossenschaften mit rd. 800.000 Mitgl. Die parteiamtliche Einstellung gegenüber dem Privatwirtschaftlichen Handel und die durch die Bodenreform geschaffene kleinbäuerliche Besitzstruktur schienen damals dem G. günstige Aussichten zu eröffnen.
II. 1948–1950: Mit dem einsetzenden Klassenkampf auf dem Dorfe läuft eine Umorganisation des G. parallel, die auf dem Genossenschaftskongreß vom 15. bis 17. 3. 1949 verkündet wird: Die Bildung von Dorfgenossenschaften als Universalgenossenschaften unter parteipolitischer Leitung bei Ausschaltung der Großbauern. Damit bahnt sich eine zunehmende Monopolstellung des G. im Waren-, Bezugs- und Geldverkehr auf dem Lande an, mit dem eine weitgehende Abhängigkeit und Kontrolle des einzelnen Betriebes verbunden ist.
III Ab 1950: Lt. Beschluß vom 20. 11. 1950 erfolgt die Gleichschaltung des G. mit der politischen Organisation VdgB zur VdgB (BHG). Die 1950 in Greifswald und Güstrow inszenierten Schauprozesse, in denen altbewährte Genossenschaftler unter fadenscheinigen Gründen als „Raiffeisenverbrecher“ angeprangert und zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt wurden, waren die Begleiterscheinungen dieses Verschmelzungsprozesses, durch den alle Merkmale eines freien G. beseitigt worden sind. (Landwirtschaft)
Literaturangaben
- Kramer, Matthias: Die Landwirtschaft in der sowjetischen Besatzungszone. 4. Aufl. (unter Mitarb. v. Gerhard Heyn und Konrad Merkel). (BB) 1957. Teil I (Text) 159 S., Teil II (Anlagen) 224 S.
Fundstelle: SBZ von A bis Z. Vierte, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1958: S. 111