Revanchepolitik (1960)
Siehe auch:
Als R., häufig auch als Revanchismus verleumden die SED und ihre Agenten alle Bemühungen, die im Potsdamer Abkommen offengebliebenen Gebietsfragen öffentlich sachlich zu erörtern, um sie auf dem Verhandlungswege zu lösen. Jede Erörterung dieser Fragen, d. h. vor allem der deutschen Ostgebiete jenseits der „Oder-Neiße-Linie“, lehnt das Regime der SBZ schärfstens ab, weil sie angeblich zur Vorbereitung eines Krieges gegen Staaten des Sowjetblockes und die SU führe. R. wird vielen füh[S. 350]renden Politikern der Bundesrepublik ohne Rücksicht auf ihre Parteizugehörigkeit vorgeworfen. Als R. stellt die SED auch die völlig rechtmäßigen Bemühungen weitester demokratischer Kreise und der Reichskabinette zwischen 1919 und 1932 hin, gewisse einschneidende Bestimmungen der Versailler Regelung von 1919 durch friedliche Verhandlungen zu revidieren. Über R. behauptete Staatssekretär Winzer am 6. 5. 1959, „daß die Bonner Regierung die Ergebnisse des zweiten Weltkrieges ebenso rückgängig machen will, wie die Hitler-Regierung mit dem zweiten Weltkrieg die Ergebnisse des ersten Weltkrieges rückgängig machen wollte. Das aber ist es, was wir R. der deutschen Militaristen nennen“ (Neues Deutschland 7. 5. 1959). Mit ihren Behauptungen über „R. in Westdeutschland“ versucht das Regime der SBZ, die Bundesrepublik als einen Kriegstreiber hinzustellen, der alle Nachbarn, ja die ganze Welt bedrohe.
Fundstelle: SBZ von A bis Z. Sechste, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1960: S. 349–350