Seifert-Methode (1960)
Siehe auch die Jahre 1959 1962 1963
Durch den „Verdienten Eisenbahner“ vom Reichsbahn-Ausbesserungswerk in Berlin-Tempelhof, Seifert, Anfang 1958 eingeführte Neuerermethode, wonach aus den Arbeitsnormen die sog. Reserven ausgemerzt werden sollen. Nach Meinung der SED-Funktionäre enthalten die Arbeitsnormen Zeitzuschläge, die, nachdem die organisatorischen und technischen Arbeitsbedingungen sich in den letzten Jahren verbessert hätten, gegenwärtig nicht mehr gerechtfertigt seien. Die „Aufdeckung der versteckten Reserven“ soll dadurch geschehen, daß die Arbeiter selbst an ihrem Arbeitsplatz in eine Liste eintragen, welche von ihnen nicht verschuldeten Warte- und Stillstandszeiten in der Produktion eingetreten sind und was die Ursache dafür war. Im Endergebnis läuft also die SM. darauf hinaus, die Arbeitsnormen zu erhöhen. Nach einer alle Betriebe der Zone erfassenden Werbung für die Einführung der SM. im Jahre 1958 bis Anfang 1959 ist der Propagandaaufwand dafür seitdem erheblich zurückgegangen. Offensichtlich ist es nicht möglich, die Hauptursachen für die Arbeitsausfälle — die ungenügende technische Ausstattung der Betriebe, die stockende Materialzuführung und die Mängel in der Betriebsorganisation — schnell und überall zu beseitigen. Die Teilnahme der Betriebsarbeiter an der SM. besteht vielfach nur darin, daß sie die Zeitverluste aufschreiben. In den allermeisten Fällen geschieht weiter nichts. Die Arbeitsnormen können entsprechend einer gesetzlichen Vorschrift aus dem Jahre 1952 erst dann verändert werden, wenn der technische Arbeitsablauf geändert wurde. Insofern ist der Versuch, mit Hilfe der SM. eine allgemeine Normenbereinigung — d. h. praktisch eine Erhöhung der Arbeitsnormen — durchzusetzen, für die SED ein Fehlschlag gewesen. An Stelle der Propaganda für die SM. sind seit Mitte 1959 Versuche des Regimes angelaufen, die Arbeitsnormen als Lohnbemessungsgrundlage weitgehend durch sog. „neue Lohnformen“ (Lohnpolitik) beiseitezuschieben (Objektlohn). Unter neuer Firmierung wird dabei das gleiche Ziel wie bisher verfolgt, nämlich die Arbeitsproduktivität zu steigern, obwohl nicht ausreichend Investitionsmittel für die techn. und organisatorische Verbesserung der Produktionseinrichtungen zur Verfügung stehen.
Fundstelle: SBZ von A bis Z. Sechste, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1960: S. 368
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