Idealismus (1962)
Siehe auch die Jahre 1958 1959 1960 1963 1965 1966 1969 1975 1979
Gemäß dem traditionellen Sprachgebrauch philosophisch-weltanschauliche Systeme, Erkenntnislehren oder Werthaltungen, die Ideen, Vorstellungen oder Ideale als Seinsgrundlage oder begrenzende Voraussetzung für jegliche Erkenntnis und wichtigste Triebkräfte des Einzelmenschen wie der Geschichte ansehen. Man spricht demzufolge von metaphysischem, erkenntnistheoretischem oder ethischem I.
In der marxistisch-leninistischen Theorie ist I. in sehr vergröberter Weise die dem Materialismus entgegengesetzte und zu bekämpfende Weltanschauung, über den im Westen üblichen Begriff des philosophischen I. hinausgehend, werden alle Anschauungen als I. gekennzeichnet, die bei ihrer Betrachtungsweise nicht von den materiellen „Produktionsverhältnissen“, also den wirtschaftlichen Verhältnissen ausgehen und die im Geistigen mehr sehen, als die bloße Widerspiegelung des materiellen Unterbaues. Die Begriffsbestimmung des I. wird in der kommun. Literatur oft auch erkenntnistheoretisch gegeben. Zum I. werden alle Lehrmeinungen gezählt, die sich gegen den naiven „Abbild“-Realismus wenden. Viele philosophische Realisten des Westens gelten dem Bolschewismus mithin als „Idealisten“. (Marxismus-Leninismus)
Fundstelle: SBZ von A bis Z. Siebente, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1962: S. 186