Textilindustrie (1962)
Siehe auch die Jahre 1958 1959 1960 1963 1965 1966 1969 1975 1979 1985
Die T. im Gebiet der SBZ war bereits vor dem Kriege der Industriezweig mit der höchsten Beschäftigtenzahl. Auch gegenwärtig steht die T. der SBZ mit rd. 360.000 Beschäftigten — das sind 13 v. H. aller Arbeiter und Angestellten der SBZ — an der Spitze aller Industrien. Nach dem Produktionswert steht die T. hin[S. 438]ter der Chemischen Industrie an zweiter Stelle. Die Spaltung Deutschlands hat innerhalb der Textilindustrie eine besonders enge wirtschaftliche Zusammenarbeit mit fühlbaren Folgen für die beiderseitigen Absatzmöglichkeiten auseinandergerissen. In der SBZ führte die Vernachlässigung der Verbrauchsgüterindustrien zu erheblichen Rückstand der T. Der Maschinenpark ist ganz allgemein heruntergewirtschaftet. Die T. der SBZ ist daher auf vielen Gebieten nicht mehr wettbewerbsfähig. Sie muß ihren Export in erster Linie nach östlichen und nach Entwicklungsländern ausrichten, von denen besondere Qualitätsansprüche nicht gestellt werden (Qualität der Erzeugnisse). Im Siebenjahrplan sind zwar für die T. mehr Investitionsmittel als früher vorgesehen, aber die Steigerung der Produktion soll insgesamt nur 82 v. H. gegenüber dem Stand von 1958 betragen (Vergleich: bei Produktionsgütern beträgt die geplante Steigerung bis zu 250 v. H.)
Besonderes Augenmerk richten die Planer auf die Entwicklung einer dem Weltstand entsprechenden Industrie für die Herstellung vollsynthetischer Fasern, ohne indes auch hier sowohl qualitäts- als auch mengenmäßig den Anschluß an den Westen erreichen zu können. Im Siebenjahrplan ist in dieser Hinsicht eine Steigerung vorgesehen, die, wenn sie erreicht wird, den westdeutschen Stand weit übertreffen würde.
Fundstelle: SBZ von A bis Z. Siebente, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1962: S. 437–438