Polyzentrismus (1963)
Siehe auch:
- Polizentralismus: 1958
Von dem italienischen Kommunistenführer Palmiro Togliatti geprägter Begriff für den Zustand des bolschewistischen Lehrsystems und der bolschewistischen Kräftegruppierungen nach dem Tod Stalins. P. besagt, daß es im sich weiterentwickelnden Bolschewismus mit innerer Zwangsläufigkeit viele Zentren gibt, insbesondere neben dem in seinem Hegemonialanspruch in Frage gestellten Moskauer ein orthodox-stalinistisches Zentrum in Peking sowie ein sozial-orientiert-liberales in Belgrad, dem von den Volksdemokratien insbesondere Polen und Ungarn näherstehen, ebenso wie das auch für die Führung der italienischen Kommunisten gilt. Die Gemeinsamkeit der „Strategie“ der bolschewistischen Parteien (Linie) insbesondere in den wesentlichen Fragen der internationalen Politik (Lager) wird aber auch vom P. nicht in Frage gestellt. Lediglich Jugoslawien nimmt in diesem Punkt eine etwas abweichende Einstellung ein (Titoismus). — Offiziell ist die These des P. im Ostblock nicht anerkannt, obwohl die Person Togliattis nicht angegriffen wird und seine Lehre weitgehend den Tatsachen entspricht.
Fundstelle: SBZ von A bis Z. Achte, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1963: S. 366
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