DDR von A-Z, Band 1963

Witz, politischer (1963)

 

 

Siehe auch die Jahre 1965 1966 1969


 

In allen totalitären Systemen gedeiht der PW. als Ventil der unterdrückten Volksmeinung. Die Bevölkerung der SBZ zehrte jahrelang von der Überlieferung politischer Witze und Anekdoten aus der Nazi-Zeit, die leicht abgewandelt auch auf die neue Diktatur paßten. Nachweisbar sind auch Entlehnungen aus dem Bereich des Sowjetblocks. Die Empfänglichkeit für den PW., auch die Produktivität, schwankt mit dem politischen Kurs des Regimes; bei härterem Kurs nimmt der Drang, sich im PW. Luft zu machen, offenbar zu. Von mehreren tausend Flüchtlingen, die 1959 darüber befragt wurden, hatten 78 v. H. häufig, nur 1 v. H. nie PW. In der SBZ gehört. Zwar sollen nach dem Urteil eines Kreisgerichts („Unrecht als System“, Teil IV, S. 98) „Anekdoten, Spötteleien und Witze gegen führende Staats- und Parteifunktionäre in der DDR durchaus nicht strafwürdig“ sein, doch sind Witzerzähler in diesem wie in anderen Fällen wegen Staatsverleumdung mit Gefängnis bestraft worden.


 

Fundstelle: SBZ von A bis Z. Achte, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1963: S. 539


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

Ausführliche Informationen zu den Handbüchern finden Sie hier.