Wissenschaftlichkeit (1965)
Siehe auch das Jahr 1966
Gemäß dem Pj. im Unterschied zum traditionellen Verfahren, nach dem im Westen Untersuchungen als wissenschaftlich gelten (Wahrheit, Objektivismus), der Charakter lediglich solcher Aussagen, die sich in den Rahmen des Marxismus-Leninismus (Dialektischer Materialismus, Historischer Materialismus) fügen. Da diesem unterstellt wird, die einzige „wahre“ Wissenschaft (bzw. die Grundlage aller Wissenschaft) zu sein und er keiner Überprüfung ausgesetzt wird, gilt jede Forschung oder Erwägung, die nicht von ihm ausgeht, als unwissenschaftlich. Induktion, d.h. der unvoreingenommene kritische Schluß von Tatsachenmaterial auf Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten, gilt demgemäß als unwissenschaftlich. Auf der ändern Seite wird W. ausdrücklich für noch so detaillierte Vorgänge und Berechnungen in Anspruch genommen, die das Gesamtleben der Gesellschaft auf dem Weg der Deduktion aus obersten „parteilichen“ Prinzipien zu regulieren suchen (Ökonomisches Grundgesetz, Wirtschaft, Teil I, Verflechtungsbilanzen). Neuerdings gibt man indes zu, daß sowohl naturwissenschaftliche (z. B. den Bereich der Medizin betreffende) wie auch in Grenzen soziale Daten, z. B. Konsumentengewohnheiten (Marktforschung), nicht aus dem Dogmensystem herleitbar, sondern nur empirisch zu gewinnen sind.
Fundstelle: SBZ von A bis Z. Neunte, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1965: S. 488
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