DDR von A-Z, Band 1966

Elektronik (1966)

 

 

Unter E. werden in der Elektrotechnik alle diejenigen Einrichtungen verstanden, mit denen Schalt-, Regelungs- und Steuerungsvorgänge durchgeführt werden können, ohne daß dabei metallische Kontakte benutzt werden. Die E. ist der jüngste und zukunftsreichste Zweig der Elektrotechnik. Die E. arbeitet mit sogen. Halbleiterbauelementen, die wichtigste Bestandteile u.a. der elektronischen Rechenautomaten sind.

 

Die Wirtschaftsführung der SBZ begann — wie auf vielen anderen Gebieten der modernen Technik — die Einführung der E. im Vergleich zu anderen Industrieländern mit sehr großer Verspätung. Während in den westlichen Ländern die Herstellung und Benutzung elektronischer Rechenautomaten bereits um 1955 in Gang kam, begann in der SBZ erst die Forschung und Entwicklung auf dem Halbleitergebiet um 1958. Das Halbleiterwerk in Frankfurt (Oder) wurde mit Teilen erst im Januar 1959 in Betrieb genommen, und es dauerte noch einige Jahre, ehe brauchbare Halbleiterbauelemente in nennenswerter Anzahl das Werk verlassen konnten. Unter dem Eindruck der rasanten Entwicklung auf diesem Gebiet in den westlichen Ländern beschloß der Ministerrat im Juli 1964 ein „Programm zur Entwicklung, Einführung und Durchsetzung der maschinellen Datenverarbeitung in der DDR in den Jahren 1946 bis 1970“. Daran anschließend wurden die organisatorischen Voraussetzungen dafür geschaffen. Durch den Zusammenschluß von 12 Instituten und Betrieben entstand im Raume Dresden ein „Elektronik-Zentrum der DDR“, das bis Ende 1970 weltmarktfähige Erzeugnisse entwickeln und die Industrie, die Wissenschaft und die Verwaltung mit Geräten der automatischen Datenverarbeitung ausrüsten soll. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen 20.000 Fachleute für die Bedienung der Computer ausgebildet werden.

 

Nach einer viele Jahre währenden Entwicklungszeit ist in dem Hauptwerk für Elektronik in Radeberg im Okt. 1965 der erste mittelgroße Rechenautomat der SBZ, der „Robotron 300“ — wie es in der Meldung hieß — „in die Produktion übergeleitet“ worden. — In der SBZ sind z. Z. (Ende 1965) etwa 30 kleine elektronische Rechenautomaten aus eigener Produktion, dazu eine nicht genau bekannte, jedoch recht kleine Anzahl importierter Anlagen in Betrieb. (Vergleich BRD: Die Zahl der hier in Benutzung befindlichen Elektronenrechner wird für Mitte 1965 auf rund 1800 geschätzt.)


 

Fundstelle: SBZ von A bis Z. Zehnte, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1966: S. 119


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

Ausführliche Informationen zu den Handbüchern finden Sie hier.