DDR von A-Z, Band 1966

Humanismus, Realer (1966)

 

 

Siehe auch die Jahre 1956 1958 1959 1960 1962 1963 1965


 

Das Stichwort RH. charakterisiert im Pj. verschwommen und idealisierend den Zustand des Überbaus (Marxismus-Leninismus) im gegenwärtigen Stadium des Aufbaus des Sozialismus. Mit dem klassisch-abendländischen Bildungsbegriff hat dieser RH. offenbar wenig zu tun, was nicht hindert, daß er, besonders vom Deutschen Kulturbund, häufig als irreführendes Leitmotiv der an die bürgerliche Intelligenz und an die Außenwelt gerichteten Verlautbarungen verwendet wird. Zweifellos ist der RH. aber auf den von Feuerbach beeinflußten anthropozentrischen Humanismus Marxens zurückzuführen, der nicht nur die Befreiung des Menschen von Unterdrückung meint, sondern als „unbedingter Humanismus“ „Indem aber für den sozialistischen Menschen die ganze sogenannte Weltgeschichte nichts anderes ist als die Erzeugung des Menschen durch die menschliche Arbeit …, so hat er also den anschaulichen, unwiderstehlichen Beweis von seiner Geburt durch sich selbst …“, Marx-Engels, Kl. Ökonom. Schriften, S. 139) auch die Aufhebung Gottes. In diesem Sinne ist der RH. also Atheismus und Pseudo- oder Ersatzreligion.


 

Fundstelle: SBZ von A bis Z. Zehnte, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1966: S. 203


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

Ausführliche Informationen zu den Handbüchern finden Sie hier.