Lizenzen (1966)
Siehe auch die Jahre 1969 1975 1979 1985
Noch 1961 konnte man in parteiamtlichen Verlautbarungen der SED lesen: „Es gilt, den Götzendienst an der westlichen Technik zu beseitigen. Unsere Fachleute haben festgestellt, daß es in der Sowjetunion eine bessere Technik gibt als in Westdeutschland.“ Im Frühjahr 1965 sprachen jedoch hohe Parteifunktionäre anerkennend von dem hohen Stand der technischen Entwicklung in der BRD und in anderen westlichen Industrieländern. Sie sagten auch, daß in den letzten Jahren der technische Fortschritt in den westlichen Ländern ihnen ständig „davongelaufen“ sei. Damit hat das Regime eine grundlegende Wende seiner Wirtschaftspolitik eingeleitet. Am 1. Febr. 1965 trat eine Ministerratsverordnung in Kraft, die den sowjetzonalen Wirtschaftsleitungen erlaubt, Patentlizenzen aus westlichen Industrieländern zu erwerben. In der Verordnung wird offen gesagt, daß es sich als unmöglich erwiesen habe, alle Zweige der Produktion voll zu entwickeln, so daß man nunmehr dazu übergehen wolle, „westliche Technik zu kaufen“. Diese Wende zeigt, daß das Regime die Entfaltungsmöglichkeit der mitteldeutschen Wirtschaft durch sein kommunistisches System völlig falsch eingeschätzt hat.
Fundstelle: SBZ von A bis Z. Zehnte, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1966: S. 287