DDR von A-Z, Band 1966

Markt (1966)

 

 

Siehe auch die Jahre 1963 1965 1969


 

Der Markt ist die Institution, durch die Angebot und Nachfrage auf dem Weg über den Preismechanismus in Übereinstimmung gebracht werden. In der freien Wirtschaft unterliegt der M. dem Spiel der freien Kräfte und dient im wesentlichen der Realisierung der produzierten Waren.

 

Auch in der Zentralverwaltungswirtschaft des „Sozialismus“ besteht ein M., solange es noch eine Warenproduktion gibt. Es handelt sich hierbei speziell um Warenmärkte, da die sozialistische Wirtschaftsordnung den Kapitalmarkt und den M. der Wertpapiere sowie den Arbeits-M. nicht kennt. Der Charakter des M. hat sich allerdings im Sozialismus gewandelt. Der überwiegende Teil der Waren wird über den staatlichen und genossenschaftlichen Handel entsprechend den Planungsziffern zu vom Staat festgesetzten Preisen gehandelt. Lediglich auf dem Nahrungsmittelsektor bestehen noch Märkte mit freiem Angebot und freier Preisbildung in Form von „Bauernmärkten“, auf denen Bauern, Genossenschaftsbauern und Fischereigenossenschaften nach Erfüllung ihrer Ablieferungspflicht landwirtschaftlicher Erzeugnisse direkt an die Bevölkerung, allerdings unter Einhaltung eines limitierten Höchstpreises (Preispolitik), verkaufen können. Zu diesen M. sind auch Handwerks- und Einzelhandelsbetriebe zum Vertrieb von Konsumgütern zugelassen. Die Schwierigkeiten des M.-Aufkommens, besonders an tierischen Erzeugnissen, macht diese M. bedeutungslos. Nachdem die Erzeugerumsätze auf dem Bauernmarkt 1963 mit rd. 10,1 Mill. DM Ost nur noch 9,4 v. H. der Umsätze von 1956 betrugen, ist mit einem weiteren Rückgang zu rechnen, da keine Umsatzzahlen mehr veröffentlicht wurden. Praktisch stellen solche M. einen Fremdkörper im sozialistischen Wirtschaftssystem dar. Wie auch in der freien Wirtschaft gibt es einen inneren M. (Warenabsatz innerhalb des jeweiligen Landes) und einen äußeren M. (Warenabsatz im Ausland). Die kommun. Doktrin ließ zur Integration der Länder des Ostblocks neben dem sog. kapitalistischen Welt-M. den Welt-M. der sozialistischen Länder erstehen.


 

Fundstelle: SBZ von A bis Z. Zehnte, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1966: S. 297


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

Ausführliche Informationen zu den Handbüchern finden Sie hier.