Satelliten (1966)
Siehe auch das Jahr 1965
In Anlehnung an den ursprünglichen aus der Astronomie stammenden Wortsinn, demzufolge unter S. kleinere umkreisende Gestirntrabanten verstanden werden, die im Schwerefeld eines Zentralsterns ihre Bahn vorgeschrieben erhalten, im übertragenen westlichen Sprachbrauch die von Moskau abhängigen Volksdemokratien. Ihr Herrschafts- und Sozialgefüge entstand nach dem 2. Weltkrieg unter dem Schutz der Roten Armee. Wenn auch durch den internationalen Zentralismus der politischen Führung im bolschewistischen Block, die Verflechtung im Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe und im Warschauer Beistandspakt die Hegemonie Moskaus und der Führung der KPdSU nach wie vor außer Frage steht, haben doch im Zuge der Entwicklung seit 1953/56 nach Ansicht der führenden westlichen Experten (wie Brzezinski) alle Volksdemokratien mit einziger Ausnahme der SBZ erhebliche Elemente der Eigenständigkeit entwickelt, so daß man sie nicht mehr als S. bezeichnen sollte. Lediglich die SED-Führung unter Ulbricht ist nach wie vor auf Grund der Spaltung des deutschen Volkskörpers auf die Abstützung durch 20 Sowjetdivisionen — mehr als doppelt soviel wie in allen übrigen europäischen Volksdemokratien zusammen — angewiesen und damit ungleich stärker von der SU abhängig. (Polyzentrismus)
Literaturangaben
- Brzezinski, Zbigniew K.: Der Sowjetblock — Einheit und Konflikt (a. d. Amerik.). Köln 1962, Kiepenheuer und Witsch. 581 S.
- Wannenmacher, Walther: Das Land der Schreibtischpyramiden — ein Nationalökonom erlebt den Osten als Schwerarbeiter (Tschechoslowakei 1945 bis 1955) 2. Aufl., Frankfurt a. M. 1956, Wolf-Rode. 280 S., 1 Taf.
- Richert, Ernst (m. e. Einl. von Martin Drath): Macht ohne Mandat — der Staatsapparat in der SBZ. 2., erw. Aufl. (Schr. d. Inst. f. polit. Wissenschaft, Berlin, Bd. 11). Köln 1963, Westdeutscher Verlag. 349 S.
Fundstelle: SBZ von A bis Z. Zehnte, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1966: S. 410