Sozialforschung (1966)
Siehe auch das Jahr 1965
Bis etwa Mitte 1963 galt die S. mit ihren verschiedenen Zweigen nach Meinung der SED-Führung als eine der „Hilfswissenschaften im Dienste der kapitalistischen Ausbeutung“. Nachdem aber in der SU einige Arbeiten aus dem Gebiet der S. veröffentlicht worden waren, schwenkte auch das SED-Regime auf die neue Linie ein. Allerdings will das Regime die S. möglichst auf ein Gebiet beschränken, von dessen Bearbeitung es sich Vorteile für die Steigerung der Arbeitsproduktivität verspricht: auf das Gebiet der Arbeitspsychologie. Natürlich wird behauptet, daß damit etwas gänzlich anderes beabsichtigt werde als in der BRD. Dort diene die S. in den Betrieben in erster Linie dazu, mit Hilfe ausgeklügelter Methoden und raffinierter Fragestellungen Möglichkeiten für die Verschärfung der Arbeitsintensität zu ermitteln. In der SBZ jedoch sei „das Interview mit den Werktätigen eine Methode, um diese unmittelbar an der Lenkung und Leitung des Betriebes zu beteiligen“. Das ist aber nur eine propagandistische Umschreibung der wirklichen Absicht. Auch in den Betrieben der SBZ will man jetzt durch persönliche Gespräche zwischen Psychologen und den einzelnen Beschäftigten Erkenntnisse gewinnen über das Produktionsgeschehen, über das Verhältnis der Beschäftigten zu ihrer Arbeit, über das Betriebsklima usw., über Dinge also, die mit den Methoden der Messung oder Registrierung nicht erfaßbar sind. Auch in der SBZ will man letztlich damit das Betriebsergebnis verbessern. Offensichtlich haben die bisherigen Holzhammermethoden der Produktionspropaganda nicht den erwarteten Nutzen gebracht.
Fundstelle: SBZ von A bis Z. Zehnte, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1966: S. 429
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