DDR von A-Z, Band 1966

Störfreimachung (1966)

 

 

Siehe auch die Jahre 1965 1969 1975 1979


 

Beliebtes Schlagwort des Pj. in den Jahren 1961 und 1962. Nachdem die SU dem SED-Regime zugesagt hatte, in verstärktem Umfange Industrierohstoffe zu liefern, behauptete das Regime, die BRD beabsichtige den Wirtschaftsaufbau in der SBZ durch die Verweigerung von Warenlieferungen zu stören. Wörtlich hieß es in einer amtlichen Verlautbarung: „Die jetzigen Abmachungen mit der Regierung der Sowjetunion erweitern die bisherigen Warenlisten unseres Handels mit der Sowjetunion besonders in denjenigen Positionen, die der westdeutsche Imperialismus für seine Störaktionen gegen uns ausersehen hatte. Das gilt insbesondere für Walzwerkerzeugnisse.“ In Wirklichkeit hat es niemals solche Störaktionen seitens der BRD gegeben. Diese Behauptung war nur Vorwand, denn das SED-Regime hatte in seinem politischen Programm den „Abschluß eines separaten Friedensvertrages bis Ende 1961“ vorge[S. 468]sehen und mußte erwarten, daß ein solcher Abschluß das Ende des Interzonenhandels bedeutete. Nur aus diesem Grund forderte das Regime Ingenieure und Techniker auf, „die Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß die Produktionspläne der Industriebetriebe für das Jahr 1962 störfrei sind“. Die Techniker sollten überstürzt ihre Konstruktionen auf die Verwendung sowjetischen und anderen Materials aus den Sowjetblockländern umstellen und außerdem schnellstens die Voraussetzungen für die Aufnahme der Eigenfertigung bisherigen Importmaterials schaffen.

 

Die Aktion St. ist bereits in der ersten Hälfte des Jahres 1962 im Sande verlaufen, und das Schlagwort verschwand aus der Zonenpresse. Der Grund war, daß die SU überhaupt nicht in der Lage ist, bestimmte westdeutsche Lieferungen zu ersetzen. Tatsächlich hatten die Zonenbehörden bei westdeutschen Stahl- und Walzwerken auch für 1961 mehr Eisen und Stahl bestellt und von ihnen erhalten als 1961. Seit 1963 ging zwar der Bezug von Eisen und Stahl aus der BRD zurück, dafür bezogen die Zonenbehörden aber mehr anderes Engpaßmaterial aus der BRD. Die Bezüge der SBZ im Interzonenhandel sind nach ihrem tiefsten Stand im Jahre 1961 von rd. 873 Mill. Mark auf 1.200 Mill. Mark im Jahre 1963 angestiegen. Das zeigt, wie töricht die Aktion St. war.


 

Fundstelle: SBZ von A bis Z. Zehnte, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1966: S. 467–468


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

Ausführliche Informationen zu den Handbüchern finden Sie hier.