Territorialprinzip (1966)
Siehe auch die Jahre 1963 1965 1969 1975 1979 1985
a) Ausdruck, der die Organisation, Planung und Leitung der Wirtschaft betrifft. Durch die 1958 durchgeführte Reorganisation der Wirtschaft sollte u.a. das T. stärker zur Geltung kommen. Das T. bedeutet, daß die Örtlichen Räte (Bezirke) die ihnen unterstellte örtliche Wirtschaft unter Ausnutzung aller örtlichen Reserven (Ressourcen) maximal zu entwickeln haben. In der Folge kam es jedoch bald zu Spannungen mit den Verwaltungsstellen der „zentralgeleiteten“ Wirtschaft. Daraufhin sprach man seit Anfang 1961 von der Notwendigkeit einer „komplex-territorialen“ Planung (komplexe Planung), wodurch die Bereiche der zentralverwalteten und der örtlich verwalteten Wirtschaft besser koordiniert werden sollten. Offensichtlich haben auch diese Bemühungen keine befriedigenden Ergebnisse gehabt, denn seit dem 17. Plenum des ZK der SED (Okt. 1962) wird wieder die Notwendigkeit einer einheitlichen zentralen Leitung der Wirtschaft, besonders der Industrie, betont. Anfang 1964 wurde amtlich erklärt: „Das T. wird durch die Organe der Staatlichen ➝Plankommission in den Bezirken und den Plankommissionen bei den Räten der Bezirke mit verwirklicht.“
b) Ausdruck des Pj. im Bereiche der Grundsätze der Parteiarbeit der SED. Das T. in dieser Begriffsanwendung ist das Gegenstück zu dem auf dem VI. Parteitag Anfang 1963 beschlossenen Produktionsprinzip der Parteiarbeit, wobei die Anleitung der Produktion nach den zentralen Weisungen der Parteiführung zur Hauptaufgabe aller Gliederungen der Partei gemacht worden war. Das Produktionsprinzip in dieser Form ist seit Ende 1964 nicht mehr gültig, obwohl das offiziell nicht betont wird. Seitdem ist wieder das T. der Parteiarbeit in den Vordergrund gerückt. Dieses T. bedeutet, daß die Parteiarbeit in allen Gebieten (Territorien) der SBZ in ganzer Breite eine politische und ökonomische Massenarbeit sein soll ohne ausschließliche Konzentrierung auf Fragen der Produktion.
Fundstelle: SBZ von A bis Z. Zehnte, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1966: S. 479
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