Volksstaat (1966)
Siehe auch die Jahre 1969 1975 1979
Im Parteiprogramm der KPdSU von 1961 wird behauptet, die UdSSR habe sich aus einem Staat der Diktatur des Proletariats geschichtsnotwendig zu einem V. entwickelt. Die Arbeiterklasse (Proletariat) und die mit ihr verbündete Klasse der werktätigen Bauern und die anderen werktätigen Schichten der Bevölkerung (Bündnispolitik) seien identisch mit dem Volk, die ausbeutenden Klassen seien verschwunden. Die KPdSU sei daher zur Avantgarde des Volkes geworden. Der Staat sei nicht mehr Instrument in den Händen einer Klasse, sondern des ganzen Volkes. Da keine früher ausbeutende Klasse mehr zu unterdrücken sei, trete die Repressionsgewalt des Staates hinter seine wirtschaftlich-organisatorischen und kulturell-erzieherischen Funktionen zurück. Der Staat herrsche hinfort nicht mehr in erster Linie mit Gewalt und Terror, sondern werde als Unternehmer und Erzieher des Volkes tätig.
Unberührt von dieser Entwicklung bleiben als Kernbestand des Herrschaftssystems: die führende Rolle der kommun. Partei (SED, Regierung und Verwaltung, Klasse), das Volkseigentum an den Produktionsmitteln, die Gewalteneinheit, das Prinzip des demokratischen Zentralismus, die sozialistischen Persönlichkeitsrechte. Das Dogma der Kommunisten bleibt unberührt (Liberalisierung). Nur [S. 515]die Methoden zur Erreichung der politischen Ziele haben sich gewandelt (Versachlichung).
Die SBZ befindet sich nach eigenem Verständnis „auf dem Wege zum Volksstaat“. Das bedeutet das Eingeständnis, dort seien mindestens noch Reste der Diktatur erhalten. (In Wirklichkeit besteht die Diktatur der Parteiführung unverändert fort.) Die chinesischen Kommunisten lehnen die Lehre vom Volksstaat als revisionistisch ab. (Marxismus-Leninismus, Teil 5, Revisionismus)
Fundstelle: SBZ von A bis Z. Zehnte, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1966: S. 514–515
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