DDR von A-Z, Band 1969

Deutschland (1969)

 

 

Siehe auch die Jahre 1963 1965 1966 1975 1979


 

Das Regime benutzt die Begriffe D. und deutsch amtlich nur auf eine Weise, die seiner Linie entspricht (Nation, Nationale Geschichtsbetrachtung). Es scheut sich, das D. der Weimarer Republik in den Grenzen von 1937 der Bevölkerung der „DDR“ zur Kenntnis zu bringen. In Bd. 2 von „Meyers Neuem Lexikon in acht Bänden“ (Leipzig 1962) wird D. (S. 507) bezeichnet als: „Land in Mitteleuropa; von deutschen und ausländischen Imperialisten nach 1945 systematisch gespalten, jetzt aus zwei Staaten mit völlig verschiedener politisch-gesellschaftlicher Ordnung bestehend, der Deutschen Demokratischen Republik und dem westdeutschen Separatstaat.“ Die Stichworte deutsch, Deutsche, D. und Deutsches Volk kommen in diesem Lexikon gar nicht vor.

 

In der amtlichen Schulung, in der Presse und in sehr vielen Buchveröffentlichungen werden die Begriffe D. und deutsch fast nur polemisch und parteilich im Sinne der SED behandelt. Zu diesem Thema wird in dem Manifest des VII. Parteitages der SED gesagt: „Die Imperialisten haben Deutschland gespalten. Die Arbeiterklasse der beiden deutschen Staaten wird es zusammenfügen“ („Neues Deutschland“ v. 23. 4. 1967, S. 1).

 

In der Verfassung v. 26. 3. 1968 heißt es in Absatz 2 des Vorspruches, es habe „der Imperialismus … Deutschland gespalten“. Gemäß § 8, Abs. 2 erstrebt die DDR „die Überwindung der vom Imperialismus der deutschen Nation aufgezwungenen Spaltung Deutschlands“. Im Absatz 1 wird der Begriff D. sinngemäß gebraucht, wenn gefordert wird, „der ganzen deutschen Nation den Weg … zu weisen.“


 

Fundstelle: A bis Z. Elfte, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1969: S. 156


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

Ausführliche Informationen zu den Handbüchern finden Sie hier.