Masseninitiative (1969)
Siehe auch die Jahre 1953 1954 1956 1958 1959 1960 1962 1963 1965 1966 1975 1979
Unter M. werden „die vielfältigen Formen der bewußten Tätigkeit der Werktätigen im Sozialismus“ verstanden. Sie soll „Ausdruck der Schöpferkraft des Volkes, die in der erfolgreichen Mitgestaltung aller Bereiche des gesellschaftlichen Lebens sichtbar und wirksam wird“, sein („Wörterbuch der Ökonomie Sozialismus“, Ost-Berlin, 1967, S. 300).
Weil nach marxistisch-leninistischer Lehre sozialistisches ➝Bewußtsein den Werktätigen nur von der marxistisch-leninistischen Partei vermittelt werden kann, wird die M. in Wirklichkeit nicht von den Massen entwickelt, sondern von der marxistisch-leninistischen Partei erzeugt. Die M. wird von ihr als Hilfsmittel zur Verwirklichung ihrer Pläne eingesetzt. Durch die Erzeugung der M. soll der Anschein hervorgerufen werden, daß die Politik der marxistisch-leninistischen Partei vom Volke getragen wird.
Bei der Entwicklung der M. fällt den unteren Parteiorganen und unter ihrer Leitung den Organen der Massenorganisationen, insbesondere der Gewerkschaften, die Aufgabe zu, mobilisierend und steuernd zu wirken. Über das Ausmaß der Steuerung entstand in den Anfängen der kommunistischen Herrschaft eine Auseinandersetzung zwischen Lenin und Rosa Luxemburg. Sie ist im Reformkommunismus erneut aktuell geworden.
Entscheidende Bedeutung wird der M. für den Bereich der materiellen Produktion zugemessen. Dort sind Formen der M.: der sozialistische ➝Wettbewerb, die sozialistische ➝Gemeinschaftsarbeit, die Produktionskomitees, die ständigen ➝Produktionsberatungen, die Neuererbewegung, Kommissionen, Aktivs.
Fundstelle: A bis Z. Elfte, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1969: S. 400
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