Nachrichtenpolitik (1969)
Siehe auch die Jahre 1956 1958 1959 1960 1962 1963 1965 1966 1975 1979
[S. 437]Die N. wird als Mittel des Klassenkampfes angesehen. „Es gibt keine Nachricht schlechthin“, vielmehr besitzt „die Nachricht Klassencharakter“. Grundsätzlich sollen nur solche Nachrichten veröffentlicht werden, die „den Leser am besten und lebendigsten von der Richtigkeit der Politik unserer Regierung zu überzeugen“ vermögen (Neue Deutsche Presse, Nr. 3/1954, S. 31). Nachrichten und parteilicher Kommentar werden nicht getrennt. Negatives darf nur im Rahmen der Kritik und Selbstkritik publiziert werden.
Die Einheitlichkeit der N. wird durch das Nachrichtenmonopol des ADN garantiert. Dieses im Okt. 1946 als GmbH gegründete, angeblich unabhängige Nachrichtenbüro steht unter entscheidendem Einfluß der SED, ist seit dem 1. 5. 1953 offiziell „staatliche Institution“ und unterliegt dem Weisungsrecht des Ministerpräsidenten, das durch das Presseamt beim Vorsitzenden des Ministerrats ausgeübt wird. ADN treibt nach den täglichen Weisungen aus dem ZK der SED eine einseitige N. Er unterhält Redaktionen in den 14 Bezirkshauptstädten und hat ständige Mitarbeiter in 42 Ländern der Welt. Außer dem Nachrichtendienst gibt ADN eine aktuelle Bildinformation „ADN-Zentralbild“ heraus. Nachrichten aus der SU und aus den anderen Ostblockstaaten werden von der sowjet. Agentur TASS und den übrigen Ostblock-Agenturen übernommen. Nachrichten westlicher Agenturen über die BRD und das westl. Ausland werden häufig sinnverfälschend wiedergegeben. (Presse, Parteipresse der SED, Rundfunk, Fernsehen)
Literaturangaben
- Richert, Ernst (zus. m. Carola Stern und Peter Dietrich): Agitation und Propaganda — das System der publizistischen Massenführung in der Sowjetzone (Schr. d. Inst. f. pol. Wissenschaft, Berlin, Bd. 10). Berlin 1958, Franz Vahlen. 320 S.
Fundstelle: A bis Z. Elfte, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1969: S. 437