DDR von A-Z, Band 1969

Nationaler Kompromiß (1969)

 

 

Siehe auch die Jahre 1960 1962 1963 1965 1966 1975 1979


 

NK. bezeichnet nach Auffassung der SED die Notwendigkeit, im nicht näher definierten „nationalen Interesse“ Deutschlands Verhandlungen zwischen DDR und BRD aufzunehmen und dabei eine verständigungsbereite Haltung einzunehmen. Die SED hat nie deutlich gemacht, in welchen ganz Deutschland betreffenden Fragen sie zu konkreten Zugeständnissen bereit wäre. Man kann aber aus verschiedenen Äußerungen führender SED-Politiker schließen, daß sie es als Konzession betrachtet, wenn sie eine nur schrittweise, nicht plötzliche „demokratische Umwälzung“ in der BRD als Bedingung der Wiedervereinigung fordert. Die Formel vom NK. hat darüber hinaus in der Außen- und Deutschlandpolitik der SED insofern Verschleierungsfunktion, als er — ohne Zwang zur inhaltlichen Konkretisierung — von der SED den Eindruck eines kompromißbereiten Verhandlungspartners erwecken soll.

 

Mit Ausnahme einer kurzen Periode Anfang der 60er Jahre hat die Formel vom NK. in der Deutschlandpolitik der SED keine Rolle gespielt. Seit dem VII. Parteitag (1967) ist er in offiziellen Dokumenten des Partei- und Staatsapparates nicht mehr zu finden. (Teilung Deutschlands und Wiedervereinigungspolitik der SED)


 

Fundstelle: A bis Z. Elfte, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1969: S. 442


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

Ausführliche Informationen zu den Handbüchern finden Sie hier.