DDR von A-Z, Band 1969

Territorialprinzip (1969)

 

 

Siehe auch die Jahre 1963 1965 1966 1975 1979 1985


 

Allgemeines Or[S. 649]ganisationsprinzip für verschiedene Bereiche der Gesellschaft.

 

1) Die SED ist weitgehend nach dem T. aufgebaut. Ausgehend von der zentralen Ebene (Politbüro, ZK-Sekretariat und zentraler ZK-Apparat), ist die Partei territorial nach Bezirken, Kreisen, Städten und Ortschaften bzw. Betrieben und Verwaltungen gegliedert. 1963 wurde das T. durch die Einführung des Produktionsprinzips ergänzt, Büros für Industrie und Bauwesen bzw. für Landwirtschaft wurden eingerichtet. Angesichts der mit dieser Umorganisation verbundenen Tendenzen zur Vernachlässigung der allgemein-politischen Agitation und Propaganda durch die primär auf Effizienzsteigerung der Wirtschaft ausgerichteten Parteifachleute sah sich die SED-Führung veranlaßt, die Büros für Industrie und Bauwesen im Jahre 1966 stillschweigend wieder aufzulösen. Auf dem VII. Parteitag der SED (April 1967) wurde im Statut der Partei wieder der Vorrang des T. für die Organisation der SED festgelegt.

 

2) Zusammenfassender Begriff für die horizontale (territoriale) Gliederung und Anleitung der Volkswirtschaft. Das Bemühen der SED, die Vorteile der volkswirtschaftlichen Arbeitsteilung in größerem Maße zu nutzen, hat in letzter Zeit zu einer stärkeren Anwendung des T. geführt, vor allem in den Bereichen, die mit der Versorgung der Bevölkerung Zusammenhängen. Dies spiegelt sich in den umfangreicheren Aufgaben der Räte der Bezirke, Bezirkswirtschaftsräte, Bezirksplankommissionen und der Territorialplanung wider. Die volkswirtschaftliche Konzeption der SED sieht eine optimale Verbindung von Produktionsprinzip und T. vor, d.h. eine möglichst wirksame Kombination von zentraler und territorialer Anleitung der Wirtschaft. Dieses Problem ist bisher nicht befriedigend gelöst worden.


 

Fundstelle: A bis Z. Elfte, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1969: S. 648–649


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

Ausführliche Informationen zu den Handbüchern finden Sie hier.