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JHK - JHK 2019

Nationale Selbstbehauptung und sozialistische Mission

Außen- und Globalpolitik in den indisch-sowjetischen Beziehungen der 1950er- und 1960er-Jahre

JHK 2019 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 83-103 | Metropol Verlag

Autor/in: Andreas Hilger

»Gandhi! Ich habe Fülöp-Millers Buch Lenin und Gandhi, erschienen 1927 in Wien, gelesen. Der Autor zeichnet die beiden Führer ziemlich gekonnt, stellt sie einander als die beiden gleich hohen ›Gipfel‹ unseres Zeitalters gegenüber. Vor sieben Jahren kam dieser Vergleich nur Kommunisten absurd vor, vielleicht auch einigen klarsichtigeren Vertretern der europäischen Bourgeoisie. Aber heute? Wer, selbst aus den Reihen der bürgerlichen Intellektuellen, würde es heute wagen, Lenin und Gandhi gleichzusetzen? Jeder Mensch, selbst ein Feind, kann heute sehen, dass Lenin ein historischer Montblanc ist, der in der tausendjährigen Evolution der Menschheit für alle Zeit ein strahlender Leuchtturm bleiben wird, während Gandhi nur ein Berg aus Pappmaschee ist, der rund zehn Jahre ein zweifelhaftes Licht ausstrahlte, bevor er von einem Tag auf den anderen in sich zusammenfiel, um wenige Jahre später im Mülleimer der Geschichte vergessen zu werden. Das ist die Art und Weise, wie die Zeit und die Ereignisse echtes Edelmetall von seinen billigen Imitaten abscheiden.«[1]

 

1. Indischer Nationalstaat und sowjetisches Imperium

Die Beziehungen der sozialistischen Staaten zur sogenannten Dritten Welt genossen in der Ära des Kalten Kriegs breite Aufmerksamkeit der historischen, insbesondere jedoch der politikwissenschaftlichen Forschung. Dabei wurden die Kontakte lange Zeit nahezu ausschließlich im Bezugsrahmen der bipolaren Auseinandersetzung zwischen den USA und der UdSSR diskutiert. Vorgänge in der Dritten Welt dienten als Gradmesser für Erfolge und Misserfolge einer »Dritte Welt-Strategie« der Supermächte.[2] Mit dem Ende der Systemkonfrontation 1989/1991 drängten Debatten um den vermeintlich unaufhaltsamen Siegeszug ›westlich‹ geprägter Demokratie und Marktwirtschaft die Thematik in den Hintergrund. Mittlerweile sind einfache, bipolar argumentierende Deutungen der internationalen Geschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts selbst Vergangenheit. Neue Ansätze unter anderem der New Cold War History, der post-kolonialen und der Kulturgeschichte eröffnen weitere Perspektiven, werfen zusätzliche Fragen auf, stellen traditionelle Erklärungsmuster auf den Prüfstein und differenzieren die Interpretationen aus.[3] So lösten sich beispielsweise kulturgeschichtliche Detailstudien über sozialistische Verbindungen zur Dritten Welt aus dem Interpretationskorsett des Kalten Kriegs, indem sie in der Untersuchung konkreter Interaktionen zwischen Vertretern der Zweiten und Dritten Welt Sicht- und Handlungsweisen aus ›Ost‹ und ›Süd‹ gleichberechtigt einbezogen. Damit machten sie relevante Dimensionen der Beziehungen sichtbar, die sich ursächlich nicht allesamt auf die Systemkonfrontation zwischen sozialistischer Welt und kapitalistischem Westen zurückführen ließen. Sie wurzelten zum Teil vielmehr auch in Spannungen zwischen einer Dritten Welt, die selbstbestimmte Entwicklungswege entwerfen und unabhängige Entscheidungen treffen wollte, und hegemonialen Ansprüchen sozialistischer Staaten, die davon ausgingen, gesellschaftspolitische und internationale Positionierungen neuer Gesellschaften und Staaten kontrollieren und dominieren zu können. Daneben erwiesen sich vermeintlich einseitige Beeinflussungsversuche bei näherem Hinsehen als komplexe Prozesse von wechselseitigem – durchaus auch asymmetrischem – Transfer, von selektiver Adaption, von Anpassung und Verflechtung. Die Bedeutung der Positionierungen sowie der Handlungsmacht von Akteuren der Dritten Welt gegenüber den Repräsentanten von sozialistischen Zentren wurde offensichtlich.[4]

Es gilt, diese multiplen Kontexte und komplexen Einbettungen für alle Dimensionen der Beziehungen der sozialistischen Welt mit Staaten und Gesellschaften Afrikas, Asiens und Lateinamerikas in den Blick zu nehmen. Für die Analyse des Verhältnisses der Führungsmacht UdSSR zu Staaten wie Indien lässt sich der erweiterte Zugriff gewinnbringend als dynamische Interaktion zwischen einem Imperium mit seinen inherenten grenzüberschreitenden bzw. grenzauflösenden Expansionsdynamiken und einem Nationalstaat, der auf souveränen nationalen Gebilden als maßgeblichen Handlungseinheiten internationaler Interaktionen besteht, konzeptualisieren. Diese Rahmung geht auch für Fragen der Außen- und Außenwirtschaftspolitik über das Interpretationsgerüst des Kalten Kriegs hinaus, nimmt jedoch spezifische Auswirkungen der Systemkonfrontation problemlos mit auf.[5]

Die konzeptionelle Rahmung versteht ›Dekolonisierung‹ als langfristigen Prozess, in dem in politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Sphären koloniale Strukturen, Institutionen, Eliten und Ideen selbstbestimmt ersetzt, umgewandelt oder ergänzt werden.[6] Damit umfasst Dekolonisierung über die engere staatsrechtliche Unabhängigkeit hinaus die komplexen Vorgänge des eigentlichen nation building. Konkret ging es in Indien um den Auf- bzw. Umbau staatlicher Institutionen und politischer Organisationen mit einheimischen Funktionseliten, um die Regelung der zukünftigen innergesellschaftlichen Beziehungsmuster sowie um den Aufbau einer effizienten Volkswirtschaft, die die von der neuen Führung gestellten wirtschaftspolitischen Anforderungen erfüllen konnte. Zugleich waren grundlegende Werte und Normen der Nation innerhalb ihrer neuen territorialen Staatsgrenzen erst noch abschließend zu definieren und zu formen. Schließlich musste der gewonnene Nationalstaat nach außen abgesichert und auf internationaler Bühne etabliert werden.[7] Insgesamt handelte es sich beim indischen nation building in diesem Zeitraum um ein Elitenprojekt, für dessen Ausgestaltung und Umsetzung grundsätzlich Modelle, Praktiken, (Negativ-)Erfahrungen und Hilfestellungen aus (teil-)autonomen Traditionen oder aus externen Quellen, Beispielen und Alternativentwürfen genutzt werden konnten. Die entsprechende Aushandlung konkreter Ziele und Mittel in Innen-, Wirtschafts-, Sozial-, Kultur-, Identitäts-, Militär- und Außenpolitik durchzog die gesamte konstitutive Phase des post-kolonialen Indien. Sie setzte sich darüber hinaus fort: Debatten bzw. Krisen seit den späten 1960er-Jahren weisen darauf hin, dass der Gesamtprozess auch dann noch keineswegs an ein Ende gekommen war.[8] Dabei erwies sich Jawaharlal Nehru, der vom Tag der indischen Unabhängigkeit bis zu seinem Tod 1964 unter anderem die Ämter des Premier- und des Außenministers innehatte, insbesondere für Indiens Außenpolitik als prägender Gestalter.[9]

Die für das nation building relevanten gesellschaftlich-politischen Bereiche Wirtschaft, Politik, Militär und Kultur – die relevanten »Machtquellen« und ihre Organisationsformen im Sinne Michael Manns – stellten zugleich die Ansatzpunkte dar, mittels derer das sowjetische Imperium außenstehende Gesellschaften zu übernehmen, umzuformen und neu auf die Metropole Moskau hin auszurichten trachtete.[10] Die UdSSR vereinigte mit Ausdehnung, Multiethnizität, einer imperialen Elite, der asymmetrischen Zentrum-Peripherie-Struktur, dem Sozialismus als privilegierter Weltdeutung und zivilisierungsmissionarischer Ideologie sowie mit der latenten Bereitschaft zum Einsatz von Gewalt zur Herrschaftssicherung alle relevanten Merkmale eines Imperiums in sich.[11] Gewaltsam forcierte Sowjetisierungen wie im Baltikum und in Osteuropa während der 1940er-und 1950er-Jahre legten Ansatzpunkte und Hebelbereiche einer entsprechenden Integration in das sowjetische Imperium offen. Hinsichtlich der Methoden und Abläufe stellten sie jedoch keineswegs ein verbindliches Vorbild für alle Regionen und Zeiten dar.[12]

Tatsächlich setzte die post-stalinistische Führung darauf, dass sich der Sozialismus und damit das sowjetische Imperium im friedlichen Wettbewerb der Systeme und Ordnungsmuster in Gesellschaften weltweit durchsetzen würde. Es war Nikita Chruščëv, der diese post-stalinistische Kehrtwende seit Mitte der 1950er-Jahre anführte. Auch wenn Chruščëv nie Stalins unbestrittene Stellung erreichte, in innen- wie außenpolitischen Fragen immer wieder mit Gegenstimmen konfrontiert wurde und zu Zugeständnissen gezwungen war, bestimmte der Erste Sekretär bis zu seinem Sturz 1964 maßgeblich die sowjetische Außenpolitik.[13]

Chruščëvs Auffassung über die Unwiderstehlichkeit des sozialistischen empire building prägte auch das sowjetische Herangehen an die Beziehungen zur Dritten Welt. Er ging davon aus, dass die sowjetische Ordnung durch Errungenschaften in Wirtschaft, Wissenschaft, Technologie und Medizin, in Kultur, Bildung und allgemeinem Lebensstandard, durch das praktizierte Zusammenleben von Menschen unterschiedlichen Geschlechts und verschiedener Nationalitäten sowie durch ihre internationale Positionierung gerade in der Dritten Welt als Leitstern diente, dem Gesellschaften und Regierungen quasi wie von selbst folgen wollen würden.[14] Die Übergangsphase auf dem jeweiligen Weg zum Sozialismus und dessen weiteres Erblühen würde die UdSSR durch ihre angeblich stringente sogenannte antiimperialistische und friedliebende Außenpolitik sowie durch diplomatische, wirtschaftliche, kulturelle und militärische Hilfestellungen für den Transformationsprozess vor Ort absichern und unterstützen. Im Endergebnis stünde die sukzessive Erweiterung des sozialistischen Weltsystems, das sich weiterhin um Moskau drehen sollte.

 

2. Nationale und imperiale Agenden in der Außenpolitik: Bilaterale Beziehungen

Entsprechend optimistisch widmeten sich führende sowjetische Politiker und ihre Funktionäre ab Mitte der 1950er-Jahre den Kontakten zu Indien. Im ZK-Präsidium, dem obersten Entscheidungsgremium der UdSSR, zeichnete Chruščëvs Vertrauter Anastas Mikojan 1955 das Bild einer indischen Regierung, die ernsthaft sozialistische Umformungen betreibe.[15] Zahlreiche sowjetische Beobachter wollten in dieser Zeit erkannt haben, dass in Indien zunehmend prosozialistische Werktätige den Weg ihres Landes in Richtung Industrialisierung und sozialistisch definierte Progressivität bestimmten.[16] Der indische Marsch zum Sozialismus sowjetischer Prägung schien festzustehen. »War es so nicht bei uns in den Dreißigern«, schloss der Schriftsteller Aleksej Surkov ein Gedicht über das »zukünftige Indien« ab. »Wir erinnern die Baugruben von Dneprostroj, die Epoche von Komsomol’ska und Magnitogorsk, und dadurch erinnern wir unsere Jugend, sind aufgeregt und drücken den unermüdlichen Kulis, Bulldozer-Fahrern und Sprengmeistern die Hand. […] Sie sind auf dem Weg.«[17] Ganz ähnlich äußerte sich Bulganin vor dem Obersten Sowjet. Er fühlte sich ob des »gewaltige[n] Arbeitselans« von Arbeitern und Ingenieuren am Bhakra-Nangal-Bau »an die Zeit unseres ersten Fünfjahresplans« erinnert.[18] Chruščëv selbst schlug in dieselbe Kerbe.[19]

So gesehen, war es an der UdSSR, auf der Ebene der direkten bilateralen Beziehungen diese Entwicklungen auch in Indien abzustützen und, im Idealfall, mit voranzutreiben. Diplomatische Rückendeckung für die indische Kaschmir- und Goapolitik, der Rückhalt für Indien gegenüber dem pakistanischen Gegenspieler, intensive prosowjetische und prosozialistische Propaganda in Indien, eine aktive Reise- und Delegationstätigkeit, die sowjetische Präsenz, die Qualität und Nähe demonstrieren sollte, Kulturbeziehungen, die darauf setzten, über linksgerichtete indische Multiplikatoren im Land sozialistische Werte und Deutungen zu verankern, steigende Wirtschaftshilfen für die indische (Schwer-)Industrie in öffentlicher Hand, intensivierte Verbindungen im Militär- und Rüstungssektor, die traditionelle Bindungen an Großbritannien auflockern und US-amerikanische Einflussnahme von vornherein begrenzen sollten – dies waren wesentliche Instrumente, mit denen die UdSSR in Indien sozialistische Einflüsse und Strahlkräfte verstärken und generell erreichen wollte, dass der sozialistische Umbau seinen Weg nahm.[20] Eine gewisse Nähe zur Indischen Kommunistischen Partei verstand sich da von selbst. Über regelmäßige Konsultationen hinaus ist im gesamten hier relevanten Betrachtungszeitraum von sowjetischen Finanzspritzen für die Genossen auszugehen.[21] Darüber hinaus hielt sich die sowjetische Spitze nach 1955/1956, anders als noch zu Stalins Zeiten, mit direktem Engagement zugunsten der indischen Genossen indes zurück, wollte man sich doch die Beziehungen zur Zentralregierung nicht durch demonstrative Zusammenarbeit mit der Opposition verderben. So waren auch Moskaus Reaktionen auf Aufstieg und Sturz der ersten indischen kommunistischen Regierung im Bundesstaat Kerala sehr verhalten. Der deutlichen Radikalisierung von Teilen der CPI (Communist Party of India) ab Anfang der 1960er-Jahre stand man in Moskau ohnehin kritisch gegenüber, da sie als Geländegewinn chinesisch-maoistischer Positionen eingeordnet wurde.

Die hier skizzierten sowjetischen Motivationen und Perspektiven rieben sich offensichtlich generell an den von indischen Eliten definierten nationalen Zielen und Wegen. Demgemäß stellten sich Verlauf und Ergebnisse der bilateralen Kontakte anders dar, als von Moskau 1955 prognostiziert. Indische Entscheidungsträger und weite Bevölkerungsschichten hatten ohnehin nie angestrebt, sich in die Gefolgschaft des sowjetischen Sozialismus einzureihen. Die CPI entwickelte sich in keiner Phase zur Avantgarde einer machtvollen sozialistischen Bewegung in Gesamtindien. Die Partei wurde vielfach als »Agent einer ausländischen Macht« wahrgenommen und immer wieder von ihren politischen Opponenten mit Erfolg als unindisch-gewaltaffin sowie »antinational« abgestempelt.[22] Die CPI-Regierung in Kerala, die man in Moskau als Beweis für die Richtigkeit der eigenen Kalkulationen betrachten mochte, wurde 1959 von der Zentralregierung in Delhi abgesetzt. Das sozialistisch-sowjetische Modell fand in der Politik und Gesellschaft Indiens keine breite Anhängerschaft. Die innere Entwicklung von Sozial- und Wirtschaftsordnung blieb weiterhin eher sozialdemokratischen Vorstellungen verpflichtet. Sie zeichnete sich nach wie vor durch starke privatwirtschaftliche Einflüsse sowie gerade in der so wichtigen Agrarwirtschaft durch Verzicht auf einschneidende Eingriffe in Besitzstrukturen aus. Intensivierte Wirtschafts- und Militärbeziehungen mit der UdSSR verstand die indische Politik als Möglichkeit, externe Abhängigkeiten durch Diversifizierung der Hilfsquellen und Partner auszubalancieren und so die nationale Selbstbestimmung und Unabhängigkeit zu festigen. Mit eigenen Kulturprogrammen und gezielten Reiseaktivitäten versuchte Delhi zudem selbstbewusst, die eigene Interpretation indischer Werte, Normen und Leistungen in der UdSSR an den Mann zu bringen. Indische Entscheidungen über Goa, Kaschmir und Pakistan erfolgten autonom. Sie richteten sich strikt an der indischen Sache und nicht an einem vermeintlichen globalen antiimperialistischen Bündnis mit Moskau aus. Daher sperrte sich Delhi beispielsweise 1956 auch gegen sowjetische Versuche, das indisch-pakistanische Verhältnis zum Wohle eben einer solch überwölbenden, letztlich sowjetisch inspirierten Allianz zu entspannen.[23]

Nach einiger Zeit gestanden sich sowjetische Beobachter ein, dass die Visionen von 1955 erst einmal Visionen blieben. Akademische Debatten spiegelten bereits seit Ende der 1950er-Jahre politisches Unbehagen über die indischen Entwicklungen wider.[24] Nach knapp zehnjähriger Amtszeit waren schließlich auch einem Chruščëv Zweifel gekommen: »Kann der Sozialismus von Personen aufgebaut werden«, fragte er sich wenige Wochen vor seinem Sturz, »die nicht auf marxistischen Positionen stehen?«. »Der Kreis von Personen«, grübelte der Parteichef, die »über den Sozialismus sprechen, ist sehr groß, und die Mehrheit von ihnen glaubt aufrichtig daran und will diesen Sozialismus aufbauen. Aber nirgendwo wird von ihnen gesagt, wie sie ihn bauen werden. Sie verstehen ihn nämlich selber nicht und wollen sich wahrscheinlich nicht mit konkreten Überlegungen binden, in denen ihr echtes Verständnis dargelegt wird und worin sie sich von unserem wissenschaftlichen, marxistischen Verständnis unterscheiden.« Insgesamt würden einige »[n]eue Länder beginnen, den Sozialismus aufzubauen, und andere betreten nur den Weg der Unabhängigkeit, befreien sich vom kolonialen Joch«.[25]

Chruščëvs Nachfolger sahen die gesamte Dritte-Welt-Politik ihres Vorgängers naturgemäß noch weitaus kritischer. Sie bemängelten nicht nur sein fehlendes Klassenbewusstsein. Ihrer Meinung nach waren zahlreiche ebenso sprunghafte wie selbstverliebte Aktivitäten des ehemaligen Ersten Sekretärs ohne wirkliche Kenntnis der Lage vor Ort erfolgt und hätten immer den starken Einfluss des ideologischen Gegners in der Dritten Welt unterschätzt. Vor diesem Hintergrund hatten ihrer Ansicht nach Propaganda und Kulturaustausch ebenfalls kaum Wirkung entfalten können. Nach Einschätzung der neuen Führung hatten vor allem wirtschaftliche Hilfestellungen der UdSSR unter einer solch verqueren Herangehensweise gelitten. Die Anstrengungen, die quasi auf Kosten des sowjetischen Volks erfolgten, seien in einem Land wie Indien weitgehend verpufft, zumal Delhi eigene Ressourcen überproportional in Rüstungsausgaben investiert habe. Der letzte Punkt war wiederum eng mit der – letztlich folgenlosen – post-Chruščëvʼschen Kritik an dessen Position hinsichtlich der chinesisch-indischen Spannungen verbunden. China sei immerhin »ein sozialistisches Land und Indien bei aller seiner Neutralität ein bourgeoiser Staat, und wir mussten es nicht mit Waffen gegen das sozialistische China versorgen«.[26]

 

3. Nationale und imperiale Agenden in der Außenpolitik: Der Kalte Krieg

Westlicher Einfluss und antichinesische Positionen, in globalen Prozessen ein einseitiges Augenmerk auf nationale Unabhängigkeit – der Negativkatalog über Indien, der in Chruščëvs Selbstzweifeln sowie in der Generalabrechnung seiner Nachfolger zusammengestellt wurde, verwies deutlich darauf, dass nationale und imperiale Agenden nicht nur im unmittelbaren bilateralen Verhältnis nicht wirklich kompatibel waren. Die entsprechenden Vorstellungen prägten zudem jenseits der direkten Verbindungen regionale und globale Positionierungen. Tatsächlich gingen die Auffassungen, die auf Basis von nation bzw. empire building hinsichtlich Qualität, Zielen und Methoden internationaler Politik im Allgemeinen und damit auch mit Blick auf diverse Problemfelder der 1950er- und 1960er-Jahre im Besonderen herrschten, auseinander. Die Spannungen, die hier aus differierenden Zugängen resultierten, mussten wiederum auf die wechselseitigen Einschätzungen und damit auch auf die bilaterale Beziehungsebene zurückwirken.

Beide Seiten waren daran interessiert, ihren Vorstellungen auf globaler Bühne Gehör und Gewicht zu verschaffen. Nur so konnten Delhi und Moskau für ihre Bauvorhaben adäquate internationale Rahmenbedingungen erreichen sowie deren globale Implikationen und Konsequenzen realisieren. So setzte die indische Außenpolitik sehr bewusst darauf, durch eine aktive Regional- und Weltpolitik Anerkennung für Staat und Anspruch des neuen Indien zu gewinnen. Darüber hinaus zielte New Delhi darauf, in globalen Angelegenheiten prägenden Einfluss auszuüben, um die internationalen Beziehungen auf der Grundlage neuer Prinzipien besser zu gestalten.[27] Denn in Delhis Augen hatte sich die europäische Dominanz in der Welt als verheerend erwiesen und sich damit selbst ad absurdum geführt. Die Chiffre ›Europa‹, ersatzweise ›Westen‹, stand im indischen Diskurs für die imperialen Mächte und schloss Nordamerika sowie die UdSSR ein. Gemäß indischer Interpretation dachte das imperiale ›Europa‹ in rassistischen Kategorien, die angebliche Überlegenheiten begründeten, in Wahrheit jedoch nur ungerechte Ungleichheiten sowie die Unterdrückung vieler durch eine globale Minderheit stützten. Dieses ›Europa‹ war zugleich mit einer einseitigen Fokussierung auf materielle Werte und einer latenten Gewaltbereitschaft konnotiert. Eine solche ›europäische‹ Politik hatte, so die indische Überzeugung, letztlich nur zu menschenverachtenden Kolonialreichen sowie zu den kriegerischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts geführt. Es war, so Delhis Schlussfolgerung, an der Zeit, zum Wohle des Friedens und der gesamten Menschheit die internationale Ordnung auf den Grundsätzen von Gleichwertigkeit und -rangigkeit aller Völker und Rassen und demzufolge auch unter Anerkennung der Unabhängigkeit aller Nationen neu zu ordnen.

Damit würden zugleich vermeintlich spezifisch ›asiatische‹, friedlich-humanistische Ideenwelten in der konkreten Ausgestaltung der internationalen Beziehungen angemessenen Einfluss gewinnen. Sie würden die frühere unerbittliche Konkurrenz zwischen den Mächten in friedfertige, gemeinsame und kooperative Anstrengungen aller Völker Richtung Fortschritt und Frieden verwandeln. In dem Gesamtentwurf figurierte Indien selbst als asiatisches Musterbeispiel und Vorreiter Asiens. Indischer Überzeugung nach beruhte diese herausragende Stellung in ganz Asien einerseits auf klassischen Faktoren wie Größe, Bevölkerung und potenzieller Wirtschaftskraft, andererseits auf traditionellen kulturell-zivilisatorischen Qualitäten und aktuellen entwicklungspolitischen Anstrengungen, vor allem aber auf dem Erfolg der eigenen Unabhängigkeitsbewegung. In ihr, so die indische Deutung, hätten sich ›asiatische‹ Kerncharakteristika in höchster Vollendung gezeigt – verkörpert im Übervater der indischen Nation, Mahatma Gandhi. So kam Indien nach eigenem Verständnis in der internationalen Politik eine Leitfunktion zu. Entsprechend selbstbewusst notierte sich etwa Nehru 1955, nachdem die sowjetischen Staatsgäste Indien verlassen hatten, dass diese offenbar erkannt hätten, »that a country like India, which is not communist and which at the same time is not anti-communist, has an important place in the world and is worth wooing«.[28]

Aus der Überführung dieser Programmatik in konkrete außenpolitische Maßnahmen ergaben sich spezifische Schwerpunkte, Positionierungen und methodische Präferenzen. Die Ablehnung von ›westlicher‹ Macht- und Blockpolitik drückte sich insbesondere in Widerständen gegen die Dekolonisierung sowie gegen Nullsummen- und Gewaltlogiken des Kalten Kriegs aus. Um diese Überbleibsel traditioneller Ordnungsansätze endgültig zu überwinden, war zum einen die asiatisch-afrikanische Solidargemeinschaft zu stärken, zum anderen mussten alle Chancen zur Entspannung des Kalten Kriegs genutzt werden.

Aus dieser Sicht ergab sich für Nehrus Außenpolitik, ein enges Verhältnis zu China als vermeintlich ›asiatischer‹ Brudermacht anzustreben. Gemeinsam mit einem unabhängigen China wollte man die Etablierung neuer Weltprinzipien voranbringen. Schließlich folgte aus den Gesamtansätzen auch, den Vereinten Nationen (UN) als globaler friedenspolitischer Organisation gleichberechtigter Staaten zu mehr internationalem Einfluss zu verhelfen.

Für Nehru verliehen die sogenannten Fünf Prinzipien (Panch Shila) als Grundlagen internationalen Zusammenlebens – Anerkennung territorialer Integrität und Souveränität, Verzicht auf Aggression, Nichteinmischung, Gleichheit und Kooperation, friedliche Koexistenz – den skizzierten Grundmotiven gültigen Ausdruck. In der Praxis indischer Außenpolitik auf globaler Bühne ging ihre Umsetzung Hand in Hand mit kontinuierlichen Vermittlungsbemühungen in Streitfällen und steter indischer Überzeugungsarbeit pro beispielsweise Abrüstung, Gewaltverzicht und Dialog zwischen den Supermächten.[29]

Das imperiale Selbstverständnis der UdSSR setzte in den internationalen Beziehungen andere Akzente.[30] Während Nehru nach den sowjetisch-indischen Gipfeltreffen von 1955 davon ausging, dass die indische Globalpolitik außerhalb der Blöcke auch von der UdSSR anerkannt würde, zog Chruščëv ganz andere Schlüsse. »Genossen«, so das Resümee des Ersten Sekretärs nach seiner Begegnung mit führenden Repräsentanten Indiens, »ihr seht, was das bedeutet. Das zeugt davon, dass der Sozialismus begonnen hat, den Geist der Menschheit zu erobern.«[31]

Im internationalen Kalkül der UdSSR war nationale Unabhängigkeit kein Selbstzweck. Sie stellte eine Etappe auf dem Weg zur sozialistischen Welt, die erst wahre Gleichberechtigung und Gleichrangigkeit aller gewährleisten würde, dar. »Die Ziele der Kommunisten entsprechen den höchsten Interessen der Nation«, hielt demgemäß 1960 die Versammlung von Kommunistischen und Arbeiterparteien in Moskau fest.[32] Die UdSSR wiederum war nach eigener Ansicht Muster und Vorbild der antizipierten Entwicklung, Orientierungspunkt der Beteiligten und damit aktuelle Führungsmacht in einer Welt, in der gerade die Völker aus Asien, Afrika und Lateinamerika noch einigen Rückstand aufzuholen hätten.

In sowjetischer Lesart standen dem sozialistischen Endziel allerdings weltweit die Interessen der besitzenden und ausbeuterischen Klassen entgegen. Unablässige Kampfbereitschaft war daher die Parole, die Gegner mussten in steter Auseinandersetzung überwunden, nicht versöhnt werden. Für die sowjetische Führung nach Stalin stand zwar außer Frage, dass die Entscheidung im globalen Klassenkampf auf friedlichem Weg gesucht werden musste. In der klassenkämpferisch-konfrontativen Grundkonzeption gehörten jedoch politische, militärische, propagandistische und wirtschaftliche Druckmittel zum ständig verfügbaren und eingesetzten Arsenal des Kreml. Zudem war höchste Wachsamkeit gegenüber dem Klassenfeind geboten. Im Kalten Krieg würde, dessen war sich Moskau sicher, jede Konzilianz als Schwäche ausgelegt. »The Soviet leaders knew the Western Powers«, so die sowjetischen Führer 1955 im Gedankenaustausch mit Nehru. »If the Soviet Union would not hit back with words, they would next attack their throats.«[33] »Die Imperialisten haben eine Räubermoral«, bekräftigte Chruščëv Jahre später. »Wenn sie sehen, dass sie jemanden erwürgen können, dann erwürgen sie ihn unbedingt. Wenn sie sehen, dass ihnen dafür die Kräfte fehlen, dann beginnen sie ihn zu achten.«[34]

Ländern der Dritten Welt kamen in dieser globalen Konfrontation sowjetischer Deutung nach feste Rollen zu. Ihre selbstständige Entwicklung Richtung Sozialismus würde dem Imperialismus Ressourcen und Raum nehmen. Der innenpolitische Prozess hatte Hand in Hand mit prosozialistischen Orientierungen in der Außenpolitik zu gehen, mit der Unterstützung des sozialistischen Vorreiters UdSSR. Demgemäß verortete Chruščëv Länder wie Indien beispielsweise 1955 ungefragt in der gemeinsamen »Front der friedliebenden Staaten«.[35] 1960 zeichneten sich sogenannte nationale Demokratien in sowjetischer Definition unter anderem dadurch aus, dass sie, wiederum ganz im Sinne Moskaus, »gegen den Imperialismus und seine Militärblocks, gegen die Militärstützpunkte auf [ihrem] Territorium« kämpften.[36]

Aufgrund der grundsätzlichen Unterschiede in Wahrnehmung und Zielen globaler Beziehungen wichen die sowjetischen Konzeptionen auch hinsichtlich der internationalen Schwer- und Standpunkte sowie der globalen Instrumente von indischen Auffassungen ab. Im Gegensatz zu Delhi insistierte Moskau, wie erwähnt, auf klaren Parteinahmen in der Blockkonfrontation. Der Kreml setzte auf eine Politik der Stärke. Er verstand die Dekolonisierung als Etappensieg des Sozialismus und zielte damit auf eine einseitige Vereinnahmung unter anderem der Dritten Welt und Chinas für sowjetische Zwecke. Die »Fünf Prinzipien« betonten im Moskauer Verständnis unter anderem die Nichteinmischung kapitalistischer, imperialistischer Mächte und signalisierten ein vermeintliches Bündnis von Zweiter und Dritter Welt. Die Vereinten Nationen ordnete man im Nullsummenspiel des Kalten Kriegs als pro-›westliche‹ Organisation ein, die man bestenfalls für die eigene Selbstdarstellung und Propaganda zweckentfremden könnte. Die internationalen Beziehungen schlechthin blieben eine Arena des Klassenkampfs, in dem es letztlich keine Kompromisse oder Zugeständnisse geben konnte.

Die Diskrepanzen zwischen indischen und sowjetischen Auffassungen über Ziele und Methoden globaler Politik durchzogen die Zugänge zu multilateralen Kernproblemen. Schon wenige Monate nach der Euphorie der Staatsbesuche legte die Doppelkrise von Ungarn und Suez grundsätzliche Gegensätze offen. Moskau sah sich in Ungarn zur Intervention genötigt, um den »amerikanischen, englischen und französischen Imperialisten« gegenüber keine Schwäche zu zeigen und sie nicht zu weiteren Angriffen zu ermuntern.[37] In Indien dagegen bewertete das außenpolitische Establishment einschließlich Nehru Moskaus Vorgehen als eklatanten Verstoß gegen das fundamentale Prinzip nationaler Selbstbestimmung, als Manifestation rücksichtslosen imperialen – alt-›europäischen‹ – Großmachtdenkens und als Verletzung »der Charta der Vereinten Nationen und der Prinzipien von Bandung«.[38] Das französisch-britisch-israelische Suez-Komplott wurde derweil von Indien wie der UdSSR scharf verurteilt. Doch während die UdSSR mit wüsten Drohungen agierte und die Ereignisse als Chance sah, im Kalten Krieg zu punkten, setzte die indische Außenpolitik auf Deeskalation und friedliche Regulierung durch verstärktes UN-Engagement. Folgerichtig war indisches Militär in der ersten UN-Peacekeeping-Operation deutlich sichtbar, während die UdSSR genau diese Politik als zu wenig kämpferisch und als den Westmächten gegenüber viel zu entgegenkommend kritisierte.[39]

Die konzeptionellen Gegensätze durchzogen in der Folgezeit indische und sowjetische Positionen in der Deutschland- und Berlinpolitik, in Fragen von Abrüstung und Atomversuchen, hinsichtlich des Iraks und des Libanons, Jordaniens und Algeriens, mit Blick auf Kuba, in Bezug auf den Kongo, in der Jugoslawienpolitik, mit Bezug auf die Bedeutung der UN – die Liste ließe sich noch weiter fortführen.

Um hier nur zwei der genannten Beispiele zu konkretisieren: Als sich die UdSSR nach dem Abschuss des amerikanischen Spionagefliegers U-2 über der Sowjetunion aus der Abrüstungskonferenz in Genf zurückzog, war dies für Delhi genau das falsche außenpolitische Signal, wurden so die Spannungen doch nur angeheizt.[40] Wenige Wochen zuvor hatte sich ein fassungsloser Nehru von Chruščëv sogar vorrechnen lassen müssen, mit wie vielen Atomraketen die UdSSR Großbritannien, Frankreich, die Bundesrepublik und die USA zerstören könnte.[41] Unverdrossen entwarf Indien bis 1961 eigene Abrüstungsvorschläge. In Moskau betrachtete man sie vor allem deshalb als bedenkenswert, da sie die USA in die »politische Isolierung« drängen könnten.[42] Genau am Vorabend der Belgrader Konferenz der Paktfreien Staaten ließ die sowjetische Spitze dann wieder einen Nukleartest durchführen. Derartige Tests seien, so Chruščëv vor Parteifunktionären, auch notwendig »zur Reinigung der Gehirne einiger Pazifisten. […] Genossen, mit Beschwörungen, Reden und Gebeten lässt sich dem Feind kein Frieden abringen. Man muss [ihn] ihm im Kampf abringen, und darum scheuen wir weder diesen Kampf noch die Durchführung von Tests. […] Wir müssen uns verteidigen. Machen wir keine Tests, werden sie den Krieg anfangen und uns kurz und klein schlagen.«[43] Britische Beobachter gewannen nicht zu Unrecht den Eindruck, dass Nehru während seines Blitzbesuchs im Auftrag der Belgrader Konferenz vom 6. bis 11. September 1961 gerade in Abrüstungs- und Entspannungsproblemen keine gemeinsame Sprache mit dem Ersten Sekretär fand.[44]

Die Auseinandersetzungen um die UN-Struktur, die ab 1960 geführt wurden, sind fast schon legendär. Chruščëvs Pläne einer Trojka-Struktur spiegelten den Kalten Krieg sowie die sozialistische Annahme wider, auf Unterstützung aus der Dritten Welt zählen zu können. Dagegen argumentierte Nehru, dass, wenn überhaupt, dann nur die UN in der überkommenen Form jungen Staaten einen gewissen Schutz vor den antagonistischen Kräften des Kalten Kriegs bieten könne.[45] Der Kongo-Konflikt war für Delhi aussagekräftiger Beleg für diese These. Folgerichtig engagierte sich Indien hier für die UN-Friedenstruppen (ONUC). Der Erste Sekretär im Kreml dagegen betrachtete die UN weiterhin nur als Instrument der USA und damit bestenfalls als Propagandabühne des Kalten Kriegs, wiederum zum Unwillen seines indischen Gegenübers.[46]

Bereits 1958 hatte Nehru in anderen Zusammenhängen grundsätzliche Kritik am internationalen Verständnis der UdSSR geübt. Die »unglückselige Verbindung des Kommunismus mit der Gewalt« machte für ihn einen zentralen Negativpunkt aus. Er war auch für die Praxis internationaler Beziehungen und Ordnungen hoch relevant: »[S]o spricht er [der Kommunismus] die Sprache der Gewalt, seine Ideen sind gewaltsamer Natur, und er strebt die Veränderungen nicht durch Überzeugung oder friedliche demokratische Einwirkung, sondern nur durch Gewalt und faktisch durch Zerstörung und Vernichtung an.«[47] Im Gegensatz zu Delhi setzte die sowjetische Außenpolitik grundsätzlich eben nicht auf globale Gemeinsamkeiten oder auf die vermeintlich integrative Kraft ›asiatischer‹ Werte, sondern auf die Stärke des sozialistischen Lagers. Dem hatte sich, so Moskaus Einstellung, auf Dauer auch Indien anzuschließen. Tat es dies nicht, lief es Gefahr, letztlich doch der sowjetischen Verurteilung anheimzufallen: »Neutrale Länder – das sind keine Neutralen. Sie sind gegen den Kommunismus«, formulierte der Erste Sekretär nicht nur 1961 seine Unzufriedenheit mit einer indischen Außenpolitik, die den Siegeszug des Sozialismus hemmte – ohne dass sich am generellen sowjetischen Zugang oder den konkreten bilateralen Verbindungen Substanzielles geändert hätte.[48]

1958 selbst bügelte indes Pavel Judin, Botschafter in Peking, Nehrus Ausführungen zum Gewaltcharakter des Kommunismus als alte antisowjetische Propaganda ab. Zugleich rechtfertigte der sowjetische arrivierte Parteiideologe die revolutionäre Gewalt des Klassenkampfs unter anderem gegen »imperialistische« Unterdrücker, gegen »Kriegstreiber«, gegen die »Kolonialsklaverei«, gegen »Agenten des Imperialismus« usw.[49] In diesem Zusammenhang wies Judin indirekt erneut indische Vorstellungen über die Vorteile eines spezifisch ›asiatischen‹ Einflusses auf eine globale Ordnung außerhalb sozialistischer Planspiele zurück. Als bestes Beispiel für die sowjetische Argumentation diente Judin zu diesem Zeitpunkt, Sommer 1958, China.[50]

 

4. Nationale und imperiale Agenden in der Außenpolitik: China

Sowohl Indien als auch die UdSSR warben um das Reich der Mitte als ein erwünschtes Partnerland für ihre jeweiligen Grundkonzeptionen. An diesem Beziehungsdreieck zeigten sich die unterschiedlichen Auffassungen über Praxis und Ziele internationaler Beziehungen dementsprechend deutlich. Aus indischer Sicht demonstrierte Maos neues China zuallererst einen weiteren Durchbruch nationaler Selbstbestimmung sowie den Aufstieg Asiens in der Welt. Von Beginn an bemühte sich Delhi, Peking für die indische Gesamtagenda zu gewinnen, ungeachtet einzelner bilateraler Unstimmigkeiten insbesondere in Grenzfragen und in der Tibetpolitik. Ab 1953/1954 sah sich Nehru in seinem Kalkül zunehmend bestätigt: Die bereits erwähnten ›Fünf Prinzipien‹ fanden in einer indisch-chinesischen Übereinkunft erstmals Eingang in internationale Vereinbarungen. Chinas internationales Gesicht, Zhou Enlai, präsentierte sich auf der Indochinakonferenz 1954, sodann 1955 in Bandung als kompromissbereiter, friedfertiger Paradeprotagonist von Panch Shila.

Im indischen Verständnis implizierte all dies, dass sich Peking nicht zuvorderst als sozialistischer Juniorpartner der Sowjetunion bzw. als Speerspitze des Sozialismus in Asien verstand. Nehrus außenpolitische Denkschule ging vielmehr davon aus, dass in regionalen und vor allem internationalen Entscheidungsfindungen China an der Seite Indiens den ›asiatischen‹ Faktor in der Weltpolitik stärken und damit die gesamte Menschheit auf ihrem Weg zu gemeinsamen Zielen voranbringen wollte.[51]

Dagegen betrachtete Moskau in Maos Land vor allem einen Zugewinn des sozialistischen Lagers. Nach Stalin sah Chruščëv Peking als engen Verbündeten im sowjetisch geplanten Wettkampf der Systeme weltweit und in der Dritten Welt.

Von dieser Ausgangsbasis entwickelten Delhi und Moskau ab Mitte der 1950er-Jahre ihre weitere Chinapolitik. Indien warb beispielsweise nach wie vor um die Aufnahme von Festlandchina in den Sicherheitsrat der UN und für amerikanisches Entgegenkommen in der Taiwanfrage. Bilateral setzte Nehrus Politik auf friedlichen Ausgleich in Tibet- und Grenzproblemen. Bis 1958 hatte sich Maos Peking indes definitiv aus der indischen Umarmungspolitik befreit. Die von Delhi anvisierte Partnerschaft zugunsten einer ›asiatisch‹-unabhängig informierten Friedens- und Verständigungspolitik war in weite Ferne gerückt. Maos Ansichten über Ziele und Grundlagen der internationalen Beziehungen einschließlich der friedlichen Koexistenz erwiesen sich zunehmend deutlich als unvereinbar mit indischen Planspielen. Konsequenterweise rückte Peking im bilateralen Verhältnis zu Indien antiimperialistische und antibourgeoise Lesarten der Grenz- und Tibetprobleme immer mehr in den Vordergrund.[52]

Aus der indisch-chinesischen Entfremdung bis 1957/1958 konnte die UdSSR keinen Nutzen ziehen. Im chinesisch-sowjetischen Verhältnis rumorte es ebenfalls. Der chinesische Beschuss der zu Taiwan zählenden Quemoy-Inseln ab August 1958 führte nicht nur Delhi, sondern auch Moskau vor Augen, dass Peking in internationalen Fragen von Weltsozialismus, Kaltem Krieg, Antiimperialismus und Asiens Stellung in der Welt eigenständige Strategien verfolgte. Diese waren zu aggressiv, zu militant, im nuklearen Zeitalter zu gefährlich, zu selbstbezogen und zu sehr auf den autonomen Führungsanspruch eines starken Chinas zugeschnitten, als dass sie ohne Weiteres mit Indiens oder Moskaus Globalkursen vereinbar gewesen wären.[53]

Tatsächlich ging die chinesische Regierung ab 1958/1959 immer offener auf Konfrontationskurs. Im Verhältnis zu Delhi heizten der Aufstand in Tibet im März 1959 und die Flucht des Dalai Lama nach Indien die Atmosphäre zusätzlich auf. China meinte in den tibetischen Ereignissen eine neue Qualität der antichinesischen Zusammenarbeit der Nehru-Regierung mit subversiven Reaktionären inner- und außerhalb Chinas erkennen zu müssen. Indiens Festhalten an britisch-imperialen Grenzziehungen schien sich bestens in diese Interpretation einzufügen. Der bourgeoise Nehru sei naturgemäß außerstande, prosozialistische Politik zu betreiben, erläuterte das parteiamtliche Sprachrohr People’s Daily im Mai 1959. Es werde zu weiteren Auseinandersetzungen kommen. Daher dürften Indien keine Zugeständnisse mehr gemacht werden.[54] Ab August 1959 kam es in Grenzregionen zu Feuergefechten. Nehru gab seine Hoffnungen auf indisch-chinesische Verständigung und Kooperation noch nicht auf, zu wichtig waren sie für seine Asien- und globale Friedenspolitik. Hinsichtlich Tibets übte das offizielle Delhi weiterhin Zurückhaltung. Es setzte im konkreten Streitfall auf friedliche Lösungen. Auf internationaler Ebene fuhr Indien fort, Chinas Mitgliedschaft in UN und Sicherheitsrat zu unterstützen.[55]

Die UdSSR musste sich ebenfalls auf die wachsende chinesische Herausforderung ihres globalen Führungsanspruchs sowie der Strategie der friedlichen Koexistenz einstellen. Chinas antiindische Aktivitäten griffen nicht weniger als ein Herzstück der sowjetischen Konzeption an, ohne Krieg zum globalen Sozialismus zu kommen. Das sowjetische Außenministerium, ohnehin konservativer eingestellt als die engere Parteiführung, übte nur hinter verschlossenen Türen und vorsichtig Kritik an Peking.[56] Der eigentliche Architekt sowjetischer Außenpolitik, Chruščëv, nahm hingegen bei verschiedenen Anlässen kein Blatt vor den Mund. Aus seiner Perspektive schadete die chinesische Politik der sozialistischen Sache gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum einen schwäche das Vorgehen Pekings die innerindischen Abwehrkräfte gegen drohende Rechtstendenzen.[57] Die Gefahr, »eine Situation zu schaffen, in welcher der Feind Nr. 1 nicht mehr Pakistan, sondern China ist«, schlug dazu direkt auf die internationale Stellung des Sozialismus durch.[58] In Moskaus Augen beschädigte die anhaltende chinesische Aggressivität in Asien (und in der gesamten Dritten Welt) Prestige und Vorbildcharakter des Sozialismus. Auf diese Weise wurden die globalen Erfolgsaussichten der friedlichen Koexistenz gefährdet.[59] Mehr oder weniger unverblümt forderte Chruščëv Mao auf, zur – sowjetischen – Vernunft zu kommen und sich wieder an Moskauer Globalkonzepten zu orientieren bzw. sich ihnen unterzuordnen.[60] Da Peking weder im Streit mit Indien noch in allgemeinen Fragen einlenkte, geriet 1960 das Juli-Plenum des ZK der KPdSU zu einer vehementen Generalabrechnung mit den internationalen Gefahren von chinesischem »Sektierertum«, »Dogmatismus« und »linker Phraseologie«.[61]

In den Folgemonaten gewann die indisch-sowjetisch-chinesische Auseinandersetzung um Methoden und Ziele internationaler Beziehungen an Schärfe. Im indisch-chinesischen Grenzstreit erhöhten die indische sogenannte forward policy und die chinesische Intransigenz das Kriegsrisiko. Der chinesisch-sowjetische Konflikt trieb den Einsatz immer höher.[62] Maos Radikalisierungsschub im Sommer 1962 stellte die Signale endgültig auf Krieg. In zwei Angriffswellen brachte die chinesische Armee dem indischen Gegner erhebliche Verluste bei. Alle Hoffnungen, dass indische oder sowjetische Globalstrategien eine chinesische Karte ausspielen könnten, waren zunichtegemacht.  

 

5. Fazit

Im Kern setzte sich im indisch-chinesischen Grenzkrieg von 1962 Pekings Logik der Taiwankrisen fort. Der Krieg gegen Indien sollte – auch angesichts der wahrgenommenen neuen Bedrängungen durch Taiwan und die UdSSR – die chinesische revolutionäre Führungsrolle gegen den globalen Imperialismus und seine angeblichen reaktionären oder revisionistischen Helfershelfer etwa in Indien und der UdSSR zementieren und damit zugleich chinesische Ansprüche auf Modell- und Leitungsfunktionen in der Dritten Welt fördern.[63] Für die kommenden Jahre behauptete Peking, allein China könne die wahren sozialistischen und Dritte-Welt-Interessen erkennen, leben, vertreten und verbreiten.[64] Der indischen Agenda nationaler Selbstbehauptung und globaler Friedensmission sowie dem sowjetischen Vorhaben einer sowjetisch-sozialistischen Transformation der Welt war ein neuer, ambitionierter Konkurrent erwachsen.

Der Krieg von 1962 zwang Indien unmittelbar, sich ganz auf engste nationale Sicherheitsinteressen zu konzentrieren. Auf längere Sicht führte er nicht zuletzt die stark begrenzte Ausstrahlungskraft indischer asien- und globalpolitischer Konzeptionen vor Augen. Selbst im blockfreien Lager fand Dehli nur recht begrenzt Unterstützung, seine Stellung in der Bewegung wurde generell geschwächt. In Indien selbst war Nehrus Außenpolitik in den verbleibenden Jahren seiner Amtszeit weitaus heftiger umstritten als vor dem Krieg. Zu einschneidenden Kurswechseln ist es jedoch nicht gekommen. Nehru blieb vor allem darum bemüht, der indischen Außenpolitik außerhalb der Blöcke des Kalten Kriegs ihre Bewegungsfreiheit zu bewahren, friedenspolitische Grundsätze beizubehalten und sich zugleich allgemeine – inklusive sowjetischer – Unterstützung gegen »Chinese expansionist and aggressive militarism« und das angenommene Streben Pekings nach »world leadership« zu sichern.[65]

Der UdSSR ging es derweil darum, in Südasien nicht an Boden zu verlieren sowie in aller Welt das sowjetische Banner sowie die Fahne des Systemwettbewerbs auf friedlichem Wege hoch zu halten.[66] Maos Politik erschien in Moskau nur noch als gefährliche, rassistische Irrlehre, die die »Völker dreier Erdteile – Asiens, Afrikas und Lateinamerikas« gegen die »Interessen der Völker der Sowjetunion, der sozialistischen Länder Europas, der Arbeiterklasse Westeuropas und Nordamerikas« ausspielen wollte und deren Militanz die Gefahr eines »thermonuklearen Weltkriegs« heraufbeschwor – mit allen verderblichen Folgen für sozialistische und Dritte-Welt-Staaten.[67] 

Damit konnte die indische und sowjetische Diplomatie in der Chinapolitik einigen gemeinsamen Grund finden. Die vergleichsweise massive Rüstungshilfe der UdSSR an Indien ab Ende 1962 war hier ein aussagekräftiges Beispiel, das – nach Nehru und nach Chruščëv – sowjetische Engagement im indisch-pakistanischen Krieg 1965/1966 ein weiteres. Daneben arbeiteten sowjetische und indische Diplomaten zusammen, um eine Neuauflage der Bandung-Konferenz (von 1955) zu verhindern, die China erneut eine internationale Bühne als vermeintlicher Sprecher der Dritten Welt geboten hätte. Moskau und Delhi bevorzugten dagegen die Fortsetzung des Formats von Belgrad (1961), wo die sogenannten blockfreien Staaten ohne chinesische Teilnahme empfänglicher für indische – und indirekt sowjetische – Positionen sein könnten.[68]

Die grundsätzlichen Diskrepanzen in internationalen Zielvorstellungen blieben allerdings bestehen.[69] Trotz aller Gemeinsamkeiten gerade in der Kritik an Peking blieben auch in der Chinapolitik die alten Kernunterschiede bezüglich globaler Perspektiven und Ziele prägend. China einzufangen war das eine, Peking dann für eine Politik friedlicher Koexistenz und Kooperation oder für den Vormarsch des sowjetischen Sozialismus einzuspannen, war etwas anderes.[70]

Auch in anderen internationalen Fragen blieben indische und sowjetische Positionen voneinander entfernt. Moskau betrachtete beispielsweise die UN nach wie vor als Propagandabühne und potenzielles antiimperialistisches Forum, nicht als eigenständigen Faktor für gesamtglobale Anliegen. Noch im Sommer 1964 entfachte die UdSSR neue Diskussionen über Struktur und Funktion der UN. Dieses Mal wurde das sowjetische Anliegen, politische Aktivitäten der Organisation über das Veto im Sicherheitsrat unter strikter sowjetischer Kontrolle zu halten, in die Weigerung gekleidet, keine sowjetischen Rubel zu teuren Aktivitäten wie dem UN-Peacekeeping beizusteuern.[71] Als die USA ihrerseits auf Konfrontationskurs gingen und Zahlungssäumigen einschließlich der UdSSR das Stimmrecht in der Vollversammlung entziehen wollten, eskalierte die Situation. Die sowjetische Diplomatie machte weltweit Stimmung gegen die amerikanischen Pläne und drohte mit dem Austritt der UdSSR aus der Weltorganisation. Chruščëv selbst wärmte sofort wieder alte Trojka-Vorschläge auf, mit defensivem Einschlag. »Die Organisation der Vereinten Nationen ist keine interstaatliche Regierung«, so der Parteichef im Gespräch mit japanischen Parlamentariern, »sondern die Vertretung aller Länder, aller Völker, die Entscheidungen beraten, diskutieren, beschließen, die alle zufriedenstellen. Aber wenn sie jemanden nicht zufriedenstellen, dann ist es besser, die Entscheidung nicht zu fällen.« »Das Veto«, so das sowjetische Fazit, »ist Ersatz für einen Krieg. Besser das Veto als ein Krieg.«[72]

Das Ungenügen bestehender Verhältnisse und der dringende Wunsch, einen großen Krieg zu vermeiden: Dies waren wohl die wichtigsten Gemeinsamkeiten indischer und sowjetischer internationaler Politik. Das war zu wenig, um gemeinsam eine neue Weltordnung anzustreben. Aber es war ausreichend, um den verflochtenen Prozessen von Dekolonisierung und Kaltem Krieg eigene Stempel aufzudrücken. In der indisch-sowjetischen Konkurrenz um die bessere Außenpolitik und um eine andere, bessere Welt, die Majskij, wie im Eingangszitat gesehen, bereits in den 1930er-Jahren entschieden sah, gewann keines der beiden Großprojekte.

 


[1] Tagebucheintrag Ivan Majskij, 4. November 1934, in: Gabriel Gorodetsky (Hg.): Die Maiski-Tagebücher. Ein Diplomat im Kampf gegen Hitler 1932–1943, München 2016, S. 74.

[2] So der Titel von Alvin Z. Rubinstein: Moscow’s Third World strategy, Princeton 1988. Für Forschungsüberblicke siehe Andreas Hilger: Sowjetunion, Staatssozialismus und Dritte Welt, 1945–1991. Einleitung, in: ders. (Hg.): Die Sowjetunion und die Dritte Welt. UdSSR, Staatssozialismus und Antikolonialismus im Kalten Krieg 1945–1991, München 2009, S. 7–17; David C. Engerman: The Second World’s Third World, in: Kritika 12 (2011), S. 183–211; Themenheft Outre-Mers 95 (2007), Nr. 354–355, L’URSS et le sud; Andreas Hilger: Communism, Decolonization, and the Third World, in: Norman Naimark/Silvio Pons/Sophie Quinn-Judge (Hg.): The Cambridge History of Communism, Vol. 2, Cambridge 2017, S. 317–340.

[3] Jost Dülffer/Wilfried Loth (Hg.): Dimensionen internationaler Geschichte, München 2012; Roland Wenzlhuemer: Globalgeschichte schreiben. Eine Einführung in 6 Episoden, Konstanz 2017; Melvyn P. Leffler/Odd Arne Westad (Hg.): The Cambridge History of the Cold War, 3 Bde., Cambridge 2010; Andreas Rödder: Klios neue Kleider. Theoriedebatten um eine Kulturgeschichte der Politik in der Moderne, in: HZ (2006), Nr. 283, S. 657–689.

[4] Judith Hessler: Death of an African student in Moscow. Race, politics, and the Cold War, in: Cahiers du Monde Russe, 47 (2006), Nr. 1–2, S. 33–64; Maxim Matusevich: No easy row for a Russian hoe. Ideology and pragmatism in Nigerian-Soviet relations, 1960–1991, Trenton 2003.

[5] Ausführlich mit weiteren Literaturangaben Andreas Hilger: Sowjetisch-indische Beziehungen 1941–1966. Imperiale Agenda und nationale Identität in der Ära von Dekolonisierung und Kaltem Krieg, Köln 2018.

[6] Marc Frey: Dekolonisierung in Südostasien. Die Vereinigten Staaten und die Auflösung der europäischen Kolonialreiche, München 2006, S. 3–5; Jürgen Osterhammel: Kolonialismus. Geschichte, Formen, Folgen, München 1995, S. 21, 119–121.

[7] Julia Stütz: ›State-building‹ aus theoretischer und praktischer Perspektive, Baden-Baden 2008, S. 20–22; Benedict Anderson: Die Erfindung der Nation. Zur Karriere eines folgenreichen Konzepts, erw. Neuausg. Frankfurt a. M. 1996, S. 15 f.; Christian Jansen/Henning Borggräfe: Nation – Nationalität – Nationalismus, Frankfurt a. M. 2007, S. 7–32, 82–117; Vazira Fazila-Yacoobali Zamindar: The long partition and the making of modern South Asia. Refugees, boundaries, histories, New York 2007; Mushirul Hasan/Nariaki Nakazato (Hg.): The unfinished agenda. Nation-building in South Asia, New Delhi 2001; Sunil Khilnani: The idea of India, New York 1998; Benjamin Zachariah: Developing India. An intellectual and social history, c. 1930–50, New Delhi 2005; Anshuman A. Mondal: Nationalism and post-colonial identity. Culture and ideology in India and Egpyt, London 2003, S. 2–128; Tai Yong Tan/Gyanesh Kudaisya: The aftermath of partition in South Asia, London 2000; Sekhar Bandyopadhyay: From Plassey to partition. A history of modern India, repr. Hyderabad 2012, S. 343–404; Shabnum Tejani: Indian secularism. A social and intellectual history, 1890–1950, Bloomington 2008.

[8] Bipan Chandra/Mridula Mukherjee/Aditya Mukherjee: India since independence, rev. ed. New Delhi 2008; Ian Talbot: India and Pakistan, London 2000.

[9] Sarvepalli Gopal: Jawaharlal Nehru. A biography, 3 Bde., Cambridge 1979–1984; Benjamin Zachariah: Nehru, London 2004.

[10] Michael Mann: Geschichte der Macht, Bd. 1, Frankfurt a. M. 1990, S. 13–64; Dominic Lieven: Empire. The Russian empire and its rivals, London 2000, S. 289 ff., 415 f.

[11] Jürgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts, München 2009, S. 606–616; Ronald Grigor Suny: The empire strikes out. Imperial Russia, ›national‹ identity, and theories of empire, in: ders./Terry Martin (Hg.): A state of nations. Empire and nation-making in the age of Lenin and Stalin, Oxford 2001, S. 23–66; Herfried Münkler: Imperien. Die Logik der Weltherrschaft – vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten, Berlin 2005, S. 7–50, 70 ff.; Stefan Plaggenborg: Experiment Moderne. Der sowjetische Weg, Frankfurt a. M. 2006, S. 246–321; Tania Raffass: The Soviet Union. Federation or Empire?, London 2012, S. 201–222; Hannes Adomeit: Imperial overstretch: Germany in Soviet policy from Stalin to Gorbachev. An analysis based on new archival evidence, memoirs, and interviews, Baden-Baden 1998; Ariel Cohen: Russian imperialism. Development and crisis, London 1996; Jörg Baberowski: Der Feind ist überall. Stalinismus im Kaukasus, München 2003.

[12] Balázs Apor/Péter Apor/E. A. Rees (Hg.): The Sovietization of Eastern Europe. New perspectives on the postwar period, Washington 2008; Olaf Mertelsmann: The Sovietization of the Baltic states, 1940–1956, Tartu 2003; Tat’jana V. Volokitina u. a.: Moskva i vostočnaja Evropa. Stanovlenie političeskich režimov sovetskogo tipa (1949–1953). Očerki istorii [Moskau und Osteuropa. Die Errichtung politischer Regime sowjetischen Typs (1949–1953). Skizzen der Geschichte], Moskau 2002.

[13] William Taubman: Khrushchev. The man and his era, New York 2003; James G. Richter: Khrushcev’s double bind. International pressures and domestic coalition politics, Baltimore 1994.

[14] Siehe zur begrifflichen Einordnung von Hegemonie und Imperium Heinrich Triepel: Die Hegemonie. Ein Buch von führenden Staaten, 2. Aufl. Stuttgart 1943; Andreas Bieler/Adam David Morton: Neo-Gramscianische Perspektiven, in: Siegfried Schieder/Manuela Spindler (Hg.): Theorien der internationalen Beziehungen, 2. Aufl. Opladen 2006, S. 353–379; Ursula Lehmkuhl: Pax Anglo-Americana. Machtstrukturelle Grundlagen anglo-amerikanischer Asien- und Fernostpolitik in den 1950er Jahren, München 1999, S. 23–56.

[15] Mikojan auf ZK-Plenum, 9. Juli 1955, Rossijskij gosudarstvennyj archiv novejšej istorii/Russisches Staatsarchiv für Neueste Geschichte (im Folgenden: RGANI), Bestand (f.) 2, Verzeichnis (op.) 1, Akte (d.) 180, Bl. 306.

[16] Aleksej Surkov: Nad vodami Ganga [An den Wassern des Ganges], in: ders.: Sobranie sočinenij v četryrech tomach [Gesammelte Werke in vier Bänden], Bd. 3, Moskau 1979, S. 373–377; Vadim Koževnikov: Na beregach Ganga [An den Ufern des Ganges], in: Literaturnaja Gazeta, Nr. 61, 24.5.1955, S. 4; D. Kraminov: Po Indii [In Indien], in: Pravda vom 26. März 1955, S. 3, 7. April 1955, S. 3, 28. Mai 1955, S. 3 und 7. Juni 1955, S. 2; W. Jakowlew: Indien heute, in: Neue Zeit (1955), Nr. 23, S. 20–25.

[17] Aleksej Surkov: V zavtrašnej Indii [Im zukünftigen Indien], in: ders.: Sobranie sočinenij, Bd. 2 (Anm. 16), Moskau 1979, S. 128–131, Zitat S. 131.

[18] Bulganin vor Oberstem Sowjet, 29. Dezember 1955, in: N. A. Bulganin und N. S. Chrustschow: Freundschaftsbesuch in Indien, Birma und Afghanistan. Reden und offizielle Dokumente. November–Dezember 1955, Moskau 1956, S. 248–282, Zitat S. 257.

[19] Chruščev auf Parteiversammlung Werk Nr. 23, 11. August 1955, in: N. G. Tomilina (Hg.): Nikita Sergeevič Chruščev. Dva cveta vremeni [Nikita Sergeevič Chruščëv. Zwei Farben der Zeit], Bd. 1, Moskau 2009, S. 549–556, hier S. 556.

[20] Ausführlich hierzu Hilger: Sowjetisch-indische Beziehungen (Anm. 5).

[21]

Beschlüsse ZK-Präsidium, 3. Februar 1956, 6. Dezember 1956, 25. Oktober 1957, 17. Dezember 1959, 5. November 1960, 9. November 1961, 7. Januar 1963, 6. Januar 1965, 4. Januar 1966, RGANI, f. 89, op. 38, d. 14, 17, 19, 25, 29, 31, 33, 35–37; Aufzeichnung Gespräche Botschafter Benediktov mit KPI, B. Gupta, 17. und 27. Januar 1962, Cold War International History Project (im Folgenden: CWIHP), Digital Archive, digitalarchive.wilsoncenter.org/document/112990 und digitalarchive.wilsoncenter.org/document/112993, ges. am 12. Juni 2017; Aufzeichnung Gespräch Benediktov mit KPI, Rao, 14. Dezember 1959, RGANI, f. 11, op. 1, d. 492, Bl. 63 f.

[22] Nehru vor Angehörigen des Indischen Verwaltungsdienstes (IAS), 13. März 1953, in: Selected works of Jawaharlal Nehru (im Folgenden: SWJN) 2, Vol. 21, New Delhi 1997, S. 71–83, hier S. 75.

[23] Siehe z. B. Andreas Hilger: ›Sie bringen das Licht der Sowjetkultur‹. Literaturbeziehungen zwischen der UdSSR und Indien, 1945–1964, in: Martin Aust/Julia Obertreis (Hg.): Osteuropäische Geschichte und Globalgeschichte, Stuttgart 2014, S. 197–219; Andreas Hilger: Revolutionsideologie, Systemkonkurrenz oder Entwicklungspolitik? Sowjetisch-indische Wirtschaftsbeziehungen in Chruschtschows Kaltem Krieg, Archiv für Sozialgeschichte (im Folgenden: AfS) 48 (2008), S. 389–410.

[24] Stephen Clarkson: The Soviet theory of development. India and the Third World in Marxist-leninist scholarship, Toronto 1978; Jerry F. Hough: The struggle for the Third World. Soviet debates and American options, Washington 1986.

[25] Diktat Chruščev, 27. Juni 1964, in: A. N. Artizov u. a. (Hg.): Nikita Chruščev 1964. Stenogrammy Plenuma CK KPSS i drugie dokumenty [Stenogramme des Plenums des ZK KPdSU und andere Dokumente], Moskau 2007, S. 43 f.

[26] Bericht ZK-Präsidium für Oktoberplenum ZK [13. Oktober 1964], in: Artizov u. a.: Nikita Chruščev 1964 (Anm. 25), S. 182–216; Beschluss ZK-Präsidium, 28. Oktober 1964, ebd., S. 324–328; Paul Du Quenoy: The role of foreign affairs in the fall of Nikita Khrushchev in October 1964, in: The International History Review 25 (2003), H. 2, S. 334–356.

[27] Manjari Chatterjee Miller: Wronged by empire. Post-imperial ideology and foreign policy in India and China, Stanford 2013; Baldev Raj Nayar/T. V. Paul: India in the world order. Searching for major-power status, Cambridge 2003; Srinath Raghavan: War and peace in modern India, Houndmills 2010.

[28] Vermerk Nehru, 20. Dezember 1955, in: SWJN 2 (Anm. 22), Vol. 31, New Delhi 2002, S. 354–365, hier S. 355. Siehe Aufzeichnung Gespräch Nehru mit Labour-Politiker Strachey, 26. März 1956, in: SWJN 2 (Anm. 22), Vol. 32, New Delhi 2003, S. 578–583, hier S. 581 f.

[29] Jawaharlal Nehru: The discovery of India, Neuausg. New Delhi 2004; Gabriele Sinigoj: Indien und Blockfreiheit als außenpolitische Strategie, New York 1998; Jivanta Schöttli: Strategy and vision in politics. Jawaharlal Nehru’s policy choices and the designing of political institutions, Diss. Heidelberg 2009; Itty Abraham: From Bandung to NAM: non-alignment and Indian foreign policy, 1947–65, in: Commonwealth & Comparative Politics 46 (2008), H. 2, S. 195–219; Carolien Stolte/Harald Fischer-Tiné: Imagining Asia in India. Nationalism and internationalism (ca. 1905–1940), in: Comparative Studies in Society and History 54 (2012), H. 1, S. 65–92. Die ›Fünf Prinzipien‹ im indisch-chinesischen Kommuniqué vom 29. April 1954, in: Foreign policy of India. Texts of documents 1947–64, Delhi 1966, S. 103–109.

[30] Ted Hopf: Social construction of international politics. Identities and foreign policies, Moscow, 1955 and 1999, Ithaca 2002; Ted Hopf: Reconstructing the Cold War. The early years, 1945–1958, Oxford 2012; Yver B. Neumann: Russia and the idea of Europe. A study in identity and international relations, London 1996; Andrei P. Tsygankov: Russia and the West from Alexander to Putin. Honor in international relations, Cambridge 2012.

[31] Chruščev auf Parteiversammlung Werk Nr. 23, 11. August 1955, in: Tomilina (Hg.): Nikita Sergeevič Chruščev (Anm. 19), S. 549–556, hier S. 556.

[32] Deklaration von 81 Kommunistischen und Arbeiterparteien, Moskau, zit. nach Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv, Berlin (im Folgenden: SAPMO-BArch), NY 4076/172, Bl. 15–18.

[33] Protokoll Gespräch Nehru mit Chruščev/Bulganin, 13. Dezember 1955, SWJN 2 (Anm. 22), Vol. 31, S. 345–353, hier S. 352 f.

[34] Protokoll Gespräch Chruščev mit Nasser, 24. September 1960, in: V. V. Naumkin (Hg.): Bližnevostočnyj konflikt 1957–1967. Iz dokumentov Archiva Vnešnej Politiki Rossijskoj Federacii [Der Nahostkonflikt 1957–1967. Aus Dokumenten des Archivs für Außenpolitik der Russischen Föderation], Bd. 2, Moskau 2003, S. 334–340, hier S. 338.

[35] ZK KPdSU an ZK SED, 11. Januar 1956, SAPMO-BArch, DY 30/3634, Bl. 1–10, hier Bl. 10. Siehe auch Erklärung der Beratung von Kommunistischen und Arbeiterparteien der sozialistischen Länder, die vom 14. bis 16. November 1957 in Moskau stattfand, Berlin 1957, S. 4–23.

[36] Deklaration von 81 Kommunistischen und Arbeiterparteien, Moskau, zit. nach SAPMO-BArch, NY 4076/172, Bl. 15–18.

[37] Chruščev auf Sitzung ZK-Präsidium, 31. Oktober 1956, in: V. K. Volkov u. a. (Hg.): Sovetskij Sojuz i Vengerskij krizis 1956 goda. Dokumenty [Die Sowjetunion und die Ungarnkrise 1956. Dokumente], Moskau 1998, S. 479–481, hier S. 479.

[38] Abschlusskommuniqué der Premiers aus Indien, Burma und Ceylon, 16. November 1956, zit. nach Kurt Nier: Indiens Haltung zu den Ereignissen in Ungarn, Politisches Archiv Auswärtiges Amt, Berlin (im Folgenden: PA AA), Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR (im Folgenden: MfAA), A 9988, Bl. 44–49, hier Bl. 48. Siehe u. a. Nehru an K. P. S. Menon, Krishna Menon und Tito, November bis Dezember 1956, in: SWJN 2 (Anm. 22), Vol. 35, New Delhi 2005, S. 451–455, 459 f., 471, 481 f. sowie Vol. 36, New Delhi 2005, S. 555–558, 565 f.

[39] Siehe u. a. Nehru in Lok Sabha, 16. November 1956, SWJN 2 (Anm. 22), Vol. 35, S. 346–351; Šepilov vor Oberstem Sowjet, in: Pravda vom 13. Februar 1957, S. 3–5; Entwurf Vortrag, 1.2.1957, mit Beschluss ZK-Präsidium, 6. Februar 1957, in: A. A. Fursenko (Hg.): Prezidium CK KPSS, Band 1: Černovye protokol’nye zapisi zasedanij. Stenogrammy [Präsidium des ZK der KPdSU. Handschriftliche Protokollaufzeichnungen der Sitzungen. Stenogramme], Moskau 2003, S. 541–574.

[40] Nehru an Chief Ministers, 18. Juni 1960, in: G. Parthasrathi (Hg.): Jawaharlal Nehru. Letters to Chief Ministers 1947–1964, Vol. 5, Oxford 1989, S. 376–384.

[41] Aufzeichnung Gespräch Nehru mit Chruščev, 12. Februar 1960, S. 2 f., 5–9, The Nehru Memorial Museum & Library/Nehru Gedenkmuseum und Bibliothek (im Folgenden: NMML), Subimal Dutt Papers, 24.

[42] Chruščev vor Konsultativkomitee Warschauer Pakt, 29. März 1961, RGANI, f. 10, op. 3, d. 6, Bl. 1–84, hier Bl. 18.

[43] Rede Chruščev, Krim, 27. August 1961, in: Gerhard Wettig (Hg.): Chruschtschows Westpolitik 1955–1964. Gespräche, Aufzeichnungen und Stellungnahmen, Bd. 3: Kulmination der Berlin-Krise (Herbst 1960 bis Herbst 1962), München 2011, S. 408–424, hier S. 415 f.

[44] Britische Botschaft Moskau an FO, 8. September 1961, The National Archives/Nationalarchiv United Kingdom (im Folgenden: TNA), PREM 11/3392; Nehru an Macmillan, 13. September 1961, TNA, PREM 11/3392; Amit Das Gupta: Serving India. A political biography of Subimal Dutt (1903–1992), India’s longest serving Foreign Secretary, New Delhi 2017, S. 423.

[45] Aufzeichnung Gespräch Eisenhower mit Nehru, 26. September 1960, Foreign Relations of the United States (im Folgenden: FRUS) 1958–1960 II, S. 357–359; Nehru an Chief Ministers, 23. Oktober 1960, in: Parthasarathi (Hg.): Jawaharlal Nehru 5 (Anm. 40), S. 409–419; Nehru an K. P. S. Menon, 24. Oktober 1960, NMML, Subimal Dutt Papers, 113; Aufzeichnung Gespräch Macmillan mit Nehru, 2. Oktober 1960, TNA, FO 371/153636.

[46] Chruščev vor ZK-Plenum, 16. Juli 1960, RGANI, f. 2, op. 1, d. 484, Bl. 81; Nikita S. Chruščev: Vremja, ljudi, vlast‘ [Zeit, Menschen, Macht], Bd. 2, Moskau 1999, S. 454, 463 f.; Fedor Burlatsky: Khrushchev and the first Russian spring, London 1991, S. 159; Gopal: Nehru 3 (Anm. 9), S. 150 f.

[47] Academician Yudin on the basic approach. Being the full text of Jawaharlal Nehru’s note, ›the Basic Approach‹, published in the AICC Economic Review, 15 August 1958, and Academician Yudin’s reply, ‘Can We Accept Jawaharlal Nehru’s Basic Approach?’, in: World Marxist Review (December 1958), H. 4, repr. London 1959.

[48] Chruščev auf Sitzung ZK-Präsidium, 26. Mai 1961, in: Fursenko (Hg.): Prezidium CK KPSS 1 (Anm. 39), S. 500–507, hier S. 506. Siehe Ponomarev an ZK, Vorlage Programmentwurf, 31. März 1961, RGANI, f. 1, op. 4, d. 14, Bl. 50–58; Aufzeichnung Gespräch Chruščev mit Führung KPČ, 1. Juni 1961, in: Istočnik (1998), Nr. 3, S. 85–92; Protokoll Gespräch Chruščev mit Kennedy, 3. Juni 1961, in: Fursenko (Hg.): Prezidium CK KPSS, Bd. 3: Postanovlenija 1959–1964 [Präsidium des ZK der KPdSU. Beschlüsse 1959–1964], Moskau 2008, S. 177–192, hier S. 186–189.

[49] Ebd.

[50] Ebd.

[51] Nehru auf Commonwealth Prime Ministers’ Conference, 5. Sitzung, 28. Juni 1957, TNA, CAB 133/248.

[52] Protokolle Gespräche Nehru mit Zhou Enlai, 31. Dezember 1956, 1. und 24. Januar 1957, in: SWJN 2 (Anm. 22), Vol. 36, New Delhi 2005, S. 583–603; Indisch-chinesischer Notenwechsel, Juli bis Dezember 1958, in: Angadipuram Appadorai (Hg.): Select documents on India’s foreign policy and relations 1947–1972, Bd. 1, New Delhi 1982, S. 474–482.

[53] Lorenz Lüthi: The Sino-Soviet split. Cold war in the communist world, Princeton 2008; Roderick MacFarquhar: The origins of the cultural revolution, Bde. 2–3, Oxford 1983–1997; Ju. M. Galenovič: Rossija – Kitaj. Šest’ dogovorov [Russland – China. Sechs Verträge], Moskau 2003; Jian Chen: Mao’s China and the cold war, Chapel Hill 2001.

[54]

Siehe u. a. The Revolution in Tibet and Nehru’s philosophy, in: People’s Daily vom 6. Mai 1959, unter www.claudearpi.net/the-dalai-lama-arrives-in-india, ges. am 17. Juni 2017; Protokoll Gespräch SED-Delegation, Matern, mit Mao, [Anfang] Mai 1959, abgedr. in: Werner Meißner (Hg.): Die DDR und China 1949 bis 1990. Politik – Wirtschaft – Kultur. Eine Quellensammlung, Berlin 1995, S. 112–114; Jian Chen: The Tibetan rebellion of 1959 and China’s changing relations with India and the Soviet Union, in: Journal of Cold War Studies 8 (2006), H. 3, S. 54–101.

[55] Siehe u. a. Aufzeichnung Gespräch Nehru mit Chruščev, 12. Februar 1960, S. 10 f., NMML, Subimal Dutt Papers, 24; Nehru auf Commonwealth Prime Ministers’ Conference, 2. Meeting, 3. Mai 1960, TNA, CAB 133/249.

[56] Vermerk Lichačev, MID, 24. Dezember 1959 (Ausgang), RGANI, f. 5, op. 30, d. 303, Bl. 73–91.

[57] Protokoll Gespräch Chruščev mit Mao, 2. Oktober 1959, in: Vladislav M. Zubok (Hg.): The Mao-Khrushchev converstations, 31 July–3 August 1958 and 2 October 1959, in: CWIHP 12–13 (2001), S. 262–270; Lüthi: The Sino-Soviet split (Anm. 53), S. 126–150; Taubman: Khrushchev (Anm. 12), S. 396–441; MacFarquhar: The origins 2 (Anm. 53), S. 225–228, 255–260.

[58] Aktenvermerk über Gespräch Renneisen mit sowjetischem Botschafter Benediktov, 29. Oktober 1959, PA AA, MfAA, A. 13915, Bl. 88 f.

[59] Siehe neben Anm. 52 Vermerk ZK-Apparat über China, 19. September 1959, RGANI, f. 5, op. 30, d. 307, Bl. 65 f.; Vermerk Lichačev, 24. Dezember 1959 (Ausgang), RGANI, f. 5, op. 30, d. 303, Bl. 73–91, hier Bl. 73, 83.

[60] Chruščev vor Oberstem Sowjet, 31. Oktober 1959, in: Pravda vom 1. November 1959, S. 1–3; Entwürfe Suslov an ZK-Präsidium, 18. und 24. Dezember 1959, RGANI, f. 2, op. 1, d. 415, Bl. 17–36, 51.

[61] Frol Kozlov vor ZK-Plenum, 16. Juli 1960, RGANI, f. 2, op. 1, d. 484, Bl. 69–75; Chruščev vor ZK-Plenum, 16. Juli 1960, ebd., Bl. 78 ff.; »Kurze Wiedergabe der Verhandlungen« zwischen Delegationen der KPdSU und der chinesischen KP, 17.–22. September 1960, SAPMO-BArch, DY 30/3605.

[62] Raghavan: War (Anm. 27), S. 273–294; Steven A. Hoffmann: India and the China crisis, Berkeley 1990, S. 92–94, 238–256.

[63] Roderick MacFarquhar: The origins, Bd. 3: The coming of the cataclysm, 1961–1966, Oxford 1997, S. 274–305; Lüthi: The Sino-Soviet split (Anm. 53), S. 219–224; M. Taylor Fravel: Strong borders, secure nation. Cooperation and conflict in China’s territorial disputes, Princeton 2008, S. 101–109, 175–197, 249–252.

[64] Deng Xiaoping in chinesisch-sowjetischen Delegationsgesprächen (6.–20. Juli 1963), 12. Juli 1963, SAPMO-BArch, DY 30/3608, hier Bl. 156–177.

[65] Nehru an Kennedy/Macmillan, 19./20. November 1962, TNA, PREM 11/3839; Nehru an Kennedy, 11. August 1963, FRUS 1961–1963 XIX, Dokument Nr. 317, zu allg. Zielen u. a. Nehru an Chief Ministers, 1., 2. und 18. Februar 1963, in: Parthasarathi (Hg.): Jawaharlal Nehru 5 (Anm. 40), S. 559–582; Nehru an Chief Ministers, 21. Dezember 1962, NMML, V. L. Pandit Papers I, Correspondence with J. Nehru.

[66] Chruščev vor ZK-Plenum, 23. November 1962, RGANI, f. 2, op. 1, d. 623, hier Bl. 101 f.; Protokoll Gespräch Chruščev mit T. N. Kaul, 24. November 1962, NMML, T. N. Kaul Papers, Correspondence with Nehru; Lüthi: The Sino-Soviet split (Anm. 53), S. 228–236; Bryncev, Überblick zur Kashmirfrage, 25. Juni 1963, AVP, f. 117, op. 17, papka 31, d. 16, Bl. 1–17.

[67] Suslov in chinesisch-sowjetischen Delegationsgesprächen (6.–20. Juli 1963), 6. und 10. Juli 1963, SAPMO-BArch, DY 30/3608, hier S. 19–33, 131.

[68] Siehe zu unmittelbaren Lieferungen von MiG-21 Protokoll Gespräch Chruščev mit T. N. Kaul, 24. November 1962, NMML, T. N. Kaul Papers, Correspondence with Nehru; Aufzeichnung Gespräch Malik mit T. N. Kaul, 23. November 1962, AVP-Kopie in National Security Archives; Beschluss ZK-Präsidium, 28. Januar 1965, in: Michail Ju. Prozumenščikov (Hg.): »Spor idet o sliškom bolʼšich vesščach«. Neudavšajasja popytka sovetsko-kitajskogo primirenija. 1964–1965 g. [»In dem Streit geht es um zu viel.« Der erfolglose Versuch einer sowjetisch-chinesischen Aussöhnung. 1964-1965], Teil 2, Istoričeskij archiv (2007), Nr. 1, S. 3–24, hier S. 19 f. Abmachungen von 1964 dokumentiert im Rossijskij Gosudarstvennyj Ėkonomičeskij Archiv/Russischen Staatlichen Wirtschaftsarchiv (im Folgenden: RGAĖ), f. 29, op. 1, d. 3597, Bl. 65, 206 ff. Zum Krieg 1965 siehe ZK KPdSU an ZK SED, 19. Januar 1966, SAPMO-BArch, DY 30/3611, Bl. 30–47; »Information über den Verlauf der Verhandlungen und die Ergebnisse des Taschkenter Treffens«, Übersetzung aus dem Russischen, PA AA, MfAA, A. 18017, Bl. 13–21; Gromyko an Suslov u .a., Entwurf Vermerk Außenpolitische Kommission, 11. November 1965, RGANI, f. 5, op. 30, d. 489, Bl. 42–49; Summary record Besuch T. T. Krishnamachari in der UdSSR, 9.–17. November 1965, NMML, T. T. Krishnamachari Papers, 43; Paul M. McGarr: The cold war in South Asia. Britain, the United States and the Indian subcontinent, 1945–1965, Cambridge 2013, S. 314–333.

[69] Beispielhaft für die unmittelbare Zeit nach den Machtwechseln in Delhi/Moskau Protokoll Gespräch Brežnev mit Shastri, 14. Mai 1965, NMML, T. N. Kaul Papers, 15; Protokoll Gespräch Shastri mit Kosygin, 15. Mai 1965, ebd.

[70] Vermerk über Gespräch MID, Smirnov, mit DDR-Botschaft Moskau, Quilitzsch, am 23. Dezember 1963, 30. Dezember 1963, PA AA, MfAA, A. 13978, Bl. 391–393.

[71] Sowjetischer ständiger UN-Vertreter, Fedorenko, an U Thant, 10. Juli 1964, United Nations Archives/Archiv der Vereinten Nationen, S-0884, Box 21, File 17; Ilya Gaiduk: Divided together. The United States and the Soviet Union in the United Nations, 1945–1965, Washington 2012, S. 286–294; Evan Luard: A history of the United Nations, Bd. 2, London 1989, S. 447–464.

[72] Protokoll Gespräch Chruščev und Mikojan mit japanischer Parlamentsdelegation, 3.10.1964, in: Artizov u. a. (Hg.): Nikita Chruščev 1964 (Anm. 25), S. 160–176, hier S. 166 f.

Kurzbiografie

Abstract

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