Als sich die Frauen in den 1970er-Jahren in der Politik Italiens mehr und mehr Gehör verschaffen konnten, erhielt auch die Rolle der Kommunistinnen in der Resistenza verstärkt Aufmerksamkeit und wurde durch Zeitzeugnisse hervorgehoben.[1] Zugleich nahm die Veröffentlichung von Memoiren, Autobiografien und selbstreflexiven historischen Pamphleten kommunistischer Frauen Fahrt auf, die vor allem auf die Jahre seit der Gründung der Kommunistischen Partei Italiens (Partito Comunista Italiano, PCI) bis zur Nachkriegszeit zurückblickten.[2] Ein ernsthaftes wissenschaftliches Interesse an der Geschichte der kommunistischen Frauen entwickelte sich jedoch erst ab den 1990er-Jahren. Doch auch dann hielt sich die Aufmerksamkeit für die Frauen, die für den PCI im Parlament saßen, in Grenzen. Ein erster Impuls, um dem Thema mehr Beachtung zu schenken, kam von den Kommunistinnen im Parlament selbst. Nach dem deutlichen Anstieg ihrer Präsenz im Parlament gründeten sie 1985 die Zeitschrift Donne Parlamento Società (DP & S), die vor allem über ihre parlamentarische Tätigkeit berichtete. Die elfte Ausgabe stellte eine Tagung über Adriana Seroni in den Mittelpunkt, ein früh verstorbenes Mitglied des Parlaments.[3] Die Entscheidung, dieser führenden Parteifunktionärin eine Ausgabe zu widmen, fiel nicht zufällig: Zwischen 1968 und 1981 war Seroni Vorsitzende der Zentralen Frauenkommission (ZFK) und von 1972 bis 1984 als Abgeordnete die Hauptverantwortliche für die Tätigkeit der Frauen des PCI im Parlament.[4]
Als die Geschichtswissenschaft in den 1990er-Jahren begann, sich mit der Entstehungsgeschichte der Italienischen Republik auseinanderzusetzen, konzentrierte sich der Blick auf die Frauen auf ihren Beitrag zum Verfassungsprozess zwischen 1946 und 1948. Die meisten Studien analysierten die Errungenschaft des ersten Frauenwahlrechts.[5] Erst später entwickelte sich ein spezifisches Interesse an der Stellung der Frauen im Parlament, insbesondere an den ersten Kämpfen für Frauenrechte, wie der sozialen Unterstützung für Mutter und Kind.[6] Auch in diesen Texten wurde die Rolle der Kommunistinnen untersucht, doch bis heute gibt es keine Untersuchung über ihre parlamentarische Tätigkeit als kollektives politisches Subjekt. Diesbezügliche Erkenntnisse liefern allenfalls Biografien kommunistischer Frauen. Hierzu zählen die bereits erwähnte elfte Ausgabe von DP & S über Adriana Seroni oder die Veröffentlichungen über Nilde Iotti, die von 1946 bis zu ihrem Tod 1999 dem Parlament als Abgeordnete angehörte und von 1979 bis 1993 als erste Frau Präsidentin der Camera, der Abgeordnetenkammer, war.[7] Viele andere hätten ebenfalls solche Studien verdient.[8] Wie Eloisa Betti konstatiert, gerieten die kommunistischen Frauen und ihre Geschichte nach 1989, d. h. nach dem Ende des Kommunismus, für lange Zeit in Vergessenheit.[9] Erst kürzlich entflammte das Interesse neu. In den letzten zwanzig Jahren sind nicht nur neue Memoiren und Autobiografien von Kommunistinnen erschienen, die nach dem Krieg politisch aktiv waren und ihre parlamentarische Tätigkeit beschrieben haben,[10] sondern auch die Reden langjähriger kommunistischer Parlamentarierinnen wie Nilde Iotti und Giglia Tedesco.[11] Auch wenn die Historiografie den Wert der parlamentarischen Tätigkeit von Frauen und die Rolle der Nachkriegsgeneration, die zugleich mit den Pionierinnen des 19. Jahrhunderts und den folgenden Generationen der 1970er-Jahre verglichen wird, neu entdeckt,[12] sind die 1970er-Jahre aus dieser Perspektive noch weitgehend unerforscht. In Bezug auf dieses Jahrzehnt haben sowohl die feministische Kritik an den Institutionen als auch das vordergründige Interesse der Kommunismusforschung an der Geschichte der männlichen Leitungsorgane sowie das fehlende Interesse an der Geschichte der Subjektivität und der Erfahrungen von untergeordneten Parteimitgliedern verhindert, dass die Frauen mehr Aufmerksamkeit erhielten.[13]
Während der sogenannten Ersten Republik (1946–1992), die sich auf Parteien stützte, die aus dem Zweiten Weltkrieg und der Resistenza hervorgegangen waren, bestand die Mehrheit der gewählten Frauen im Parlament aus Kommunistinnen. Im Jahr 1976 wurden insgesamt 67 Frauen in die beiden Kammern des Parlaments gewählt. Das waren mehr als doppelt so viele wie in der vorangegangenen Legislaturperiode, 6,82 Prozent der 915 Parlamentsmitglieder. 39 der 67 Frauen waren Kommunistinnen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren nie mehr als fünf Prozent der Abgeordneten im italienischen Parlament Frauen gewesen. Ein vergleichbares Ergebnis war nur in der Wahl zur ersten Legislaturperiode im Jahr 1948 erreicht worden, als 49 Frauen ins Parlament einzogen. Es war ein bedeutendes Ergebnis für eine Nation, in der Frauen erstmals im Jahr 1946 wählen durften.[14] Von den 1950er-Jahren bis in die frühen 1970er-Jahre lag der Anteil der Frauen im italienischen Parlament bei etwa drei Prozent, was maximal 35 Abgeordneten entsprach. Ab 1976 stieg ihre Zahl fast fortlaufend. Bis zum Jahr 2018 stellten Frauen 30 Prozent der Abgeordneten.[15]
Im Folgenden werde ich den Beitrag der kommunistischen Frauen im Parlament zur Konsolidierung der Demokratie in Italien in den Jahren von 1968 bis 1983 untersuchen, d. h. von der fünften bis zur achten Legislaturperiode. Bis 1976 stieg die Zahl der PCI-Wählerinnen und -Wähler stark an, nur um ab 1979 ebenso stark wieder abzunehmen. 1976 erzielte der PCI seinen größten Wahlerfolg mit 34,4 Prozent der Stimmen. Dies entsprach mehr als einem Drittel der gesamten Wählerschaft und einem Anstieg von über sieben Prozent im Vergleich zu den vorangegangenen Wahlen. Ein echter »Sprung nach vorn« (balzo in avanti), wie Enrico Berlinguer, der damalige Parteisekretär, es erstmals nach dem Wahlerfolg am 20. Juni 1976 in der Öffentlichkeit vom Balkon der Parteizentrale herab formulierte. Dieses Ergebnis sollte die Voraussetzung für die Regierungsbeteiligung des PCI mit einem Vertrauensvotum im Parlament schaffen. Das heißt, der Zeitpunkt des größten Wahlerfolgs und damit des größten Einflusses des PCI im Parlament markierte auch die Phase des größten Einflusses der kommunistischen Frauen in den nationalen politischen Institutionen.[16]
Zunächst werde ich kurz die 73 weiblichen kommunistischen Abgeordneten, die zwischen 1968 und 1983 dem Parlament angehörten, charakterisieren, insbesondere ihre politische Ausbildung und ihre politischen Erfahrungen, sowie auf die intergenerationellen Beziehungen in den verschiedenen Legislaturperioden eingehen. Im Anschluss analysiere ich die Handlungsspielräume der kommunistischen Frauen in Parlament und Partei. Es wird deutlich werden, wie in diesen Jahren, als der Feminismus die politische Agenda der Parteien und ihrer Frauenorganisationen beeinflusste, das »weibliche Spezifikum« (lo specifico femminile), also die Frauenfrage, die parlamentarische Praxis der Frauen prägte. Am Ende dieser kurzen Untersuchung werde ich zeigen, dass das politische Handeln der kommunistischen Frauen und ihre Mitgliedschaft im Parlament in diesen Jahren auf die Verwirklichung eines demokratischeren Staates ausgerichtet waren, indem sie eine vollständige Umsetzung der Verfassung anstrebten. Sie arbeiteten für einen Staat, der sich nicht nur aufgrund des Frauenwahlrechts der Unterstützung einer größeren Wählerschaft sicher sein konnte, sondern sich auch auf ein Modell stützte, das die Machtübertragung vom Staat auf die Regionalparlamente und Gemeinden begünstigte, wobei die Kommunalpolitik die Rolle der Vermittlerin zwischen den zentralen Institutionen und der Bevölkerung übernehmen sollte. So gesehen kann man sicher behaupten, dass die kommunistischen Frauen mittels ihres politischen Handelns alles daransetzten, eine Demokratisierung der Italienischen Republik voranzutreiben, die nach dem Modell der westlichen Demokratien der Nachkriegszeit, wie von Claudia Gatzka und Martin Conway beschrieben, durch folgende Elemente charakterisiert wurde: das Ende der Vorherrschaft zentraler Institutionen, die Mäßigung des »Top-down«-Machtmodells und die Verbesserung der politischen Beteiligung – wobei es auch hier Grenzen gab, die bestehen blieben.[17]
I. Ausbildung, Hintergrund und generationelle Zusammensetzung
In der politischen Strategie des PCI der Nachkriegszeit spielte das Parlament zunächst nur eine begrenzte Rolle. Sowohl der Zuwachs an Wählerstimmen in den 1970er-Jahren als auch das Vorhaben Enrico Berlinguers, Kommunisten an der Regierung zu beteiligen, änderten dies. 1976 übernahm mit Pietro Ingrao erstmals ein Kommunist die Präsidentschaft der Camera. In der darauffolgenden achten Legislaturperiode ab dem Jahr 1979 wurde die Kommunistin Nilde Iotti, die 1946 zunächst der Verfassungsgebenden Versammlung angehörte und zwei Jahre später erstmals als Abgeordnete ins Parlament eingezogen war, neue Präsidentin der Camera. Sie war die erste Frau, die dieses dritthöchste Amt im Staat bekleidete.
In den vier untersuchten Legislaturperioden zwischen 1968 und 1983 zogen insgesamt 73 Kommunistinnen ins Parlament ein. Die Mehrheit von ihnen wurde nach 1976 gewählt. Bis zur sechsten Legislaturperiode (1972–1976) waren die meisten unter ihnen in den 1920er- und 1930er-Jahren geboren und erstmals im Kampf gegen den Faschismus und in der Resistenza politisch aktiv gewesen. Einige wenige unter ihnen, Anfang des 20. oder Ende des 19. Jahrhunderts geboren, gehörten zur Gründungsgruppe der Partei: Adele Bei (1904–1976), Rita Montagnana (1895–1979), Teresa Noce (1900–1980) und Camilla Ravera (1889–1988). Obwohl die Präsenz dieser Jahrgänge im Parlament nach 1976 abnahm, blieb der inhaltliche Bezug zur Resistenza und zum Antifaschismus bestehen, was häufig auch auf den familiären Hintergrund der meisten kommunistischen Frauen zurückzuführen war. Außerdem hatten 14 der 73 Frauen Erfahrung als Partisaninnen, und viele waren, bevor sie Abgeordnete wurden, Mitglieder der Unione Donne Italiane (UDI), der Union italienischer Frauen, eine 1944 von PCI und Sozialistischer Partei gegründete Organisation, und der Arbeiter- und Landarbeitergewerkschaften. Die Frauen hatten politische Erfahrungen als Rätinnen in den Gemeinde- und Regionalräten gesammelt, einige sogar als Stadträtinnen und Bürgermeisterinnen in Kleinstädten.[18] Dies war der übliche Weg in die Politik für die kommunistischen Frauen der Nachkriegszeit, der ihnen schließlich auch den Zugang zum nationalen Parlament ermöglichte.
Bei den Wahlen zur siebten Legislaturperiode (1976–1979), in denen der PCI sein bestes Ergebnis erzielte, wurden erstmals viele Frauen aus den Geburtsjahrgängen der 1940er-Jahre in die Camera gewählt (14).[19] Dieser Trend zur Wahl jüngerer weiblicher Abgeordneter setzte sich auch in der achten Legislaturperiode fort: Dieses Mal wurden auch drei Frauen gewählt, die in den 1950er-Jahren geboren waren. Das bedeutete insgesamt einen Generationenwechsel innerhalb der kommunistischen Frauengruppe im Parlament ab 1976.
Der Weg zum Abgeordnetenamt verlief für die jüngere Generation unterschiedlich. Viele hatten ein hohes Bildungsniveau, einen Universitäts- oder Hochschulabschluss, häufig in Altphilologie, Medizin oder Philosophie. Einige waren Lehrerinnen, wie auch schon Frauen früherer Generationen, und hatten zuvor nur Erfahrungen in der Partei als Verantwortliche lokaler Frauensektionen gesammelt. Für einige der jüngeren Frauen, die als Studentinnen gewählt wurden, waren die 68er-Bewegung und die Beziehung zur feministischen Bewegung bzw. deren indirekter Einfluss entscheidend.[20] Dies wird auch in Beiträgen der Zeitschrift Donne e Politica deutlich.
Unter den insgesamt 73 weiblichen kommunistischen Abgeordneten zwischen 1968 und 1983 waren u. a. zwanzig Lehrerinnen, acht Angestellte, eine Stadtplanerin, eine Archäologin, eine Schauspielerin, drei Journalistinnen, vier Universitätsdozentinnen und nur vier Arbeiterinnen. Das zeigt das hohe kulturelle Niveau und zugleich die immer schwächere Beziehung der Gruppe der Frauen in der Partei zu Angehörigen der Arbeiterklasse.
Die Kandidatinnen des PCI wurden von der Führung der Partei in Zusammenarbeit mit der Vorsitzenden der ZFK ausgewählt – bis 1981 war dies die Abgeordnete Adriana Seroni. Geboren im Jahr 1922 in Florenz, war Seroni in der Nachkriegszeit zunächst Leiterin der toskanischen Sektion der UDI und trat 1968 an die Spitze der ZFK. Später wurde sie in dieser Position durch die jüngere Lalla Trupia, Jahrgang 1948, ersetzt. Diese gehörte der Partei seit 1972 an und war zuvor in der Studenten- und Frauenbewegung aktiv gewesen. Seit 1981 bis zu ihrem frühen Tod im April 1984 war Seroni außerdem Vorsitzende der Organisationskommission der Partei, eine der einflussreichsten Positionen in der Partei. Wie das Frauenarchiv des PCI und Seronis persönlicher Nachlass zeigen, hatte sie auf der Grundlage statistischer Recherchen seit 1968 intensiv an der Zusammensetzung der Frauengruppe des PCI gearbeitet. Dann, nach dem ersten großen Erfolg der Partei bei den Regionalwahlen am 15. und 16. Juni 1975, als der PCI erstmals die 30-Prozent-Marke überschritt, setzte sich Seroni zum Ziel, einen Generationenwechsel unter den weiblichen Mitgliedern des Parteiapparats und im Parlament herbeizuführen: »Meiner Meinung nach müssen wir insgesamt eine umfassende Erneuerung in den Apparaten vornehmen: Einige neue Genossinnen berufen, die eine neue politische Generation repräsentieren, andere versetzen, um auch Genossinnen in anderen Sektionen des Zentralkomitees zu haben.«[21] Dieses Vorhaben sollte nicht nur durch die Förderung bereits vorhandener Frauen in den Apparaten verwirklicht werden, sondern auch durch eine Zunahme der Parteifunktionärinnen auf lokaler Ebene. Dies erklärt, warum ein Viertel der Parlamentarierinnen Parteifunktionärinnen waren, d. h., viele von ihnen hatten bis zu ihrer Wahl ins Parlament auf lokaler Ebene für die Partei gearbeitet. Die meisten von ihnen waren als Frauenverantwortliche tätig, wie es in der Partei üblich war, sie brachten sich mit besonderen Kenntnissen in den lokalen Frauenorganisationen sowie in der Frauenpolitik ein. Diese ersten politischen Erfahrungen prägten auch im Weiteren die politische Perspektive im Einsatz der Kommunistinnen für Frauenrechte im Parlament.
Die wenigen Frauen, die Mitglieder der nationalen Führungsorgane, also des Zentralkomitees (ZK) und der Leitung der Partei wurden, gehörten auch dem Parlament an, wie z. B. Nilde Iotti und Adriana Seroni: Iotti war von 1962 bis 1968 Vorsitzende der ZFK und blieb auch danach Mitglied des Zentralkomitees der Partei und ihrer Leitung. Seroni war von 1969 bis zu ihrem Tod 1984 Mitglied des ZK und gehörte ab 1981 als einzige Frau dem Sekretariat an, dem Exekutivkomitee der Partei. Aufgrund der wachsenden Zahl von Frauen in der Fraktion stieg auch die Zahl der Parlamentarierinnen im Zentralkomitee, dem höchsten und wichtigsten Organ der Partei.[22]
Es gab jedoch auch Parlamentarierinnen, die bereits in der Vergangenheit eine führende Rolle in der Partei oder in ihren Unterorganisationen gespielt hatten. Beispielsweise Carmen Zanti, geboren 1923 in Reggio Emilia, Tochter eines Antifaschisten und einer Partisanin (erst in Frankreich, dann in Italien), war von 1963 bis 1972 Abgeordnete der Camera und von 1972 bis 1976 Senatorin.[23] Ebenso Marisa Rodano, geboren 1921 in Rom, Antifaschistin und Partisanin. Sie war von der ersten bis zur fünften Legislaturperiode Senatorin.[24] Sowohl Zanti als auch Rodano waren Mitglied des Exekutivorgans der UDI. Zanti war darüber hinaus von 1957 bis 1963 sogar Sekretärin der 1945 in Paris gegründeten Internationalen Demokratischen Frauenföderation, der Weltorganisation der kommunistischen Frauen, die nach Kriegsende unter sowjetischem Einfluss stand;[25] Rodano bekleidete zwischen 1956 und 1960 das Amt der Präsidentin der UDI und war 1963 die erste Frau, die Vizepräsidentin der Camera wurde.
Abgesehen von diesen herausragenden Persönlichkeiten und den Partisaninnen, die durch den Kampf gegen den Faschismus gelegentlich nationale Aufmerksamkeit erlangten, arbeiteten sich die meisten gewählten Kommunistinnen von der lokalen Ebene aus nach oben und sind daher weniger bekannt. Die meisten von ihnen stammten aus Norditalien: 14 aus der Lombardei, 11 aus der Emilia-Romagna, 6 aus dem Piemont, der Toskana und dem Veneto, 5 aus Latium. Nur sehr wenige kamen aus dem Süden. Diese Tatsache machte sich in parlamentarischen Debatten insofern bemerkbar, als einige Gesetzesinitiativen von weiblichen kommunistischen Abgeordneten in den 1970er-Jahren auf deren lokalen Erfahrungen basierten und diese widerspiegelten.
II. Gesetzentwürfe und die Rolle der Kommunistinnen im Parlament
Die politische Linie von Enrico Berlinguer, die den hier untersuchten Legislaturperioden zugrunde lag, zielte auf ein Reformprojekt des italienischen Kommunismus ab, das auf nationaler Ebene die »blockierte Demokratie« überwinden sollte, also den Ausschluss des PCI von der Regierung, und auf internationaler Ebene das Ende des Antagonismus zwischen West und Ost. Praktisch führte dies zur Strategie des »historischen Kompromisses« (compromesso storico), die eine neue Regierungsmehrheit aus katholischen, sozialistischen und kommunistischen Kräften anstrebte und eine Zusammenarbeit der westlichen europäischen Kommunisten als drittes politisches Subjekt zwischen den beiden Blöcken vorsah.[26] Innerhalb dieser politischen Vision nahm der Schutz der demokratischen Grundsätze und Institutionen eine zentrale Rolle ein. Dies geschah auch als Reaktion auf den existierenden Terrorismus, der sich gegen den Staat richtete. Insofern kann davon gesprochen werden, dass die alte »Doppelzüngigkeit« (doppiezza) der Partei, ihr Lavieren zwischen Revolution und Demokratie, in diesen Jahren zugunsten der Letzteren endgültig beendet wurde. Bereits auf dem XII. Parteitag im Februar 1969 betonte Berlinguer die Notwendigkeit, das politische System durch Dezentralisierung, Förderung lokaler Autonomie, Stärkung der Regionen und ein nationales Parlament jenseits der Parteientaktik zu fördern.[27]
Die Idee einer vollständigen Umsetzung der Verfassung von 1948 und die daraus resultierenden Richtlinien prägten bereits seit der Nachkriegszeit den parlamentarischen Diskurs der Kommunisten. Doch erst die spätere Zusammensetzung des Parlaments und der größere Frauenanteil in der Partei machten es möglich, diese Idee weiterzuverfolgen. Im Rahmen verschiedener legislativer Initiativen suchten die Kommunistinnen nicht nur die Zusammenarbeit mit den sozialistischen und katholischen weiblichen Abgeordneten, sondern in einigen besonderen Fällen, wie z. B. in der Abtreibungsdebatte, auch mit den Frauen der anderen demokratischen Parteien. Einige der von ihnen vorgeschlagenen Gesetzentwürfe zielten darauf ab, die Rolle der Regionen und der lokalen Behörden im Verhältnis zu den nationalen Institutionen zu stärken. Dies traf auf die Verhandlungen zum Fünfjahresplan für Kindergärten zu, ein Anliegen von PCI und UDI, das seit den 1950er-Jahren bestand und schließlich in das Gesetz Nr. 1044 vom 6. Dezember 1971 mündete, das im Jahr 1977 noch erweitert wurde. Die Kommunistin Cecilia Chiovini Facchi war die erste Unterzeichnerin der Gesetzesinitiative.[28] Schon zwei Jahre zuvor unterschrieb sie ebenfalls als Erste den kommunistischen Gesetzentwurf zur Abschaffung der ONMI (Opera Nazionale Maternità e Infanzia), einer faschistischen Wohlfahrtsorganisation zur sozialen Unterstützung von Mutter und Kind, die nach dem Krieg zur zentralen Einrichtung im Bereich der staatlichen Sozialhilfe wurde. Mit dem Gesetz Nr. 698 vom 23. Dezember 1975 wurde die ONMI abgeschafft. An ihrer Stelle erhielten nun andere lokale Institutionen staatliche Unterstützung, wie z. B. die kurz zuvor eingerichteten regionalen Familienberatungsstellen.[29] Beide Erfolge, die Planung für Kindergärten und die Abschaffung der ONMI, waren vom PCI und insbesondere von den weiblichen kommunistischen Abgeordneten im Parlament bereits seit dem Jahr 1958, d. h. seit der dritten Legislaturperiode vorangetrieben worden und konnten nun mit Unterstützung aller politischen Parteien dank der wachsenden Aufmerksamkeit für Frauenrechte in den 1970er-Jahren realisiert werden.
III. Die Gesetze und die parlamentarischen Kompetenzen der Frauen
Im Parlament zeigte sich eine deutliche Trennung innerhalb der PCI-Fraktion zwischen Männern und Frauen. Nationale und internationale politische Fragen wurden im Allgemeinen von Experten und männlichen Mitgliedern der Parteiführung diskutiert, während die Frauen die Debatten über Gesetzentwürfe zu Frauen-, Familien- und Sozialfragen bestimmten, denen, wie bereits erwähnt, langsam eine stärkere Beachtung zuteilwurde. So forderten sie beispielsweise 1967 mit einem eigenen Vorschlag und ab 1968 im Parlament Unterstützung für das sozialistische Projekt zur Einführung der Scheidung (Gesetz Nr. 898, 1. Dezember 1970), setzten sich mit einem eigenen Gesetzentwurf für eine Familienrechtsreform ein, der der Regierungsvorlage (Gesetz Nr. 151, 19. Mai 1975) entgegenstand, und kämpften für die Entkriminalisierung der Abtreibung, zunächst mit einem eigenen Vorschlag und später mit Unterstützung eines einheitlichen Gesetzentwurfs (Gesetz Nr. 194, 22. Mai 1978). Auch für soziale Fragestellungen und Probleme lag die Expertise anerkanntermaßen bei den Frauen. Tatsächlich wurde die Reform des Sozialsystems in den 1970er-Jahren von der Emilianerin Adriana Lodi Faustini Fustini maßgeblich vorangetrieben.[30] Obwohl die Reform des Sozialstaats als Teil der vollständigen Umsetzung der republikanischen Verfassung schon lange ein erklärtes Ziel des PCI war, war es das Ergebnis der neuen Zusammensetzung des Parlaments und des Zerfalls der Mitte-Links-Regierung (centro-sinistra) von Christdemokraten und Sozialisten in den 1960er-Jahren, dass die kommunistischen Frauen in den 1970er-Jahren verstärkt auf eine allgemeine Reform drängten. In Bezug auf die Sozialreform konnten die positiven lokalen Erfahrungen, die zahlreiche der gewählten Kommunistinnen in der Emilia-Romagna mit Schulen, Kindergärten, der Leitung örtlicher Gebietskörperschaften und in den Gemeindeversammlungen gemacht hatten, nun im nationalen Parlament genutzt werden.[31]
Bei allgemeinen politischen Fragen spielten die Frauen weiter nur eine unterstützende, nachgeordnete Rolle. Diese Kompetenzverteilung spiegelt sich auch in der Besetzung der Parlamentsausschüsse wider.[32] Die meisten weiblichen PCI-Abgeordneten traten auf Weisung der Partei vor allem den Ausschüssen für öffentliche Bildung und schöne Künste sowie für Hygiene und Gesundheit bei. Bildung und Wohlfahrt bildeten somit die Hauptbetätigungsfelder der Frauen, die ihnen von der Partei zugewiesen wurden, gefolgt von den Ausschüssen für Arbeit und Sozialversicherung, Justiz, innere und äußere Angelegenheiten sowie Außenpolitik und Emigration. Die Parteiführung schrieb den Frauen also in erster Linie soziale und erst danach politische Kompetenzen zu. An Ausschüssen für Wirtschafts- und Finanzfragen wurden Frauen selten beteiligt.[33] Diese klare Kompetenzverteilung war ein Hindernis für das kommunistische Projekt auf dem Weg zur Demokratisierung der Institutionen. Es wurde eine hierarchische Sichtweise bzw. begrenztes Vertrauen in die Kompetenzen der Frauen sichtbar. Aber auch hier gab es Ausnahmen. Die Veteranin Nilde Iotti beispielsweise übernahm von 1976 bis 1979 den Vorsitz des Ausschusses für Verfassungsangelegenheiten; seit dem Jahr 1968, also seit der fünften Legislaturperiode, hielt sie bereits viele Reden, nicht nur zu Frauenthemen, sondern auch zu internationalen Fragen, zur Reform der Strafverfahren und der Parlamentsregeln, die nach 1979, als sie Präsidentin der Camera wurde, noch zahlreicher wurden. Insgesamt gab es zwischen 1968 und 1983 80 Redebeiträge von ihr.[34] Zum Vergleich: Im selben Zeitraum hielt Berlinguer nur 19 Vorträge, drei zur nationalen Außenpolitik, vier zum Terrorismus, zwei zur Wirtschaft und zehn anlässlich des Vertrauensvotums der Regierung.[35] Obwohl Iotti sicherlich eine Ausnahme darstellt, gab es auch andere weibliche Abgeordnete, die durch intensive parlamentarische Aktivitäten diese Ungleichheit aufdeckten und beständig darauf hinwiesen, dass die Frauen auf eine Umgestaltung des politischen Systems und der Beziehung zwischen Staat und Gesellschaft hinarbeiteten, womit sie gleichzeitig ihre eigene institutionelle Rolle stärkten.
Grundsätzlich waren die Gesetzesinitiativen, die direkt von Frauen und insbesondere von Kommunistinnen eingebracht wurden, zahlenmäßig in der absoluten Minderheit. In den untersuchten Legislaturperioden wurden von den etwa 3.000 bis 4.000 in jeder Legislaturperiode eingebrachten Entwürfen in der Camera nur 114 Gesetzentwürfe von kommunistischen Frauen vorgelegt. Nach meinen Recherchen wurden von diesen 114 nur 18 verabschiedet, was immerhin mehr waren als in den früheren Legislaturperioden (1948–1968).[36] Von den 18 verabschiedeten Gesetzen wurden sechs von den jüngsten Kommunistinnen im Parlament initiiert. Dies verdeutlicht, wie intensiv Seroni an einem Generationenwechsel im Kreis der Frauen innerhalb des PCI und im Parlament arbeitete. Die Präsenz einer Frauenbewegung außerhalb des Parlaments, die mitunter Volksbegehren zur Unterstützung der Debatte über Frauenrechte auf den Weg brachte – wie im Fall des Vorschlags zur Entkriminalisierung der Abtreibung Mitte der 1970er-Jahre oder im März 1980 in Bezug auf den Gesetzentwurf gegen sexuelle Gewalt –, trug sicherlich dazu bei, die Beziehung zwischen den Frauen im Parlament und der Zivilgesellschaft in den 1970er-Jahren zu verbessern, auch wenn die Positionen der Akteurinnen in den beiden politischen Arenen nicht immer übereinstimmten. Viele Kommunistinnen der jüngeren Generation praktizierten tatsächlich eine »Doppelmilitanz« in der Partei und in der neofeministischen Bewegung. Auch die öffentliche Resonanz auf die Aktivitäten der Frauen im Parlament in der Presse half in diesen Jahren, entsprechende Gesetzesinitiativen im Parlament einzubringen. Das führte dazu, dass der Einfluss der Frauen im Parlament wuchs und Frauenthemen innerhalb des PCI mehr Beachtung fanden und respektiert wurden.
Adriana Seroni, die nationale Vorsitzende der ZFK, spielte dabei eine entscheidende Rolle. Seit Mitte der 1970er-Jahre trat sie als Förderin und Vermittlerin in Bezug auf die Frauenfrage zwischen Vertreterinnen und Vertretern der Parteilinie und jenen der Politik der außerparlamentarischen Frauenbewegung auf.[37] Die parlamentarische Tätigkeit der abgewählten Frauen wurde nicht nur von der ZFK und innerhalb der Gruppe der konservativen Frauen in der Partei diskutiert, sondern auch zu Beginn jeder Legislaturperiode, wenn Seroni eine spezielle Konferenz für die Frauen organisierte, die ins nationale Parlament bzw. in die Kommunalparlamente gewählt worden waren. Bei diesen regulären Treffen wurden die allgemeinen Richtlinien für das zukünftige Handeln der Frauen im Parlament festgelegt.[38] Zusätzlich berief Seroni regelmäßig Sitzungen und persönliche Treffen mit den Kolleginnen im Parlament ein, um Strategie und Vorgehen im Detail abzustimmen. Sowohl die Inhalte von Gesetzentwürfen als auch die allgemeine Strategie wurden auf Initiative von Seroni darüber hinaus mit Mitgliedern der Parteiführung und weiteren Experten diskutiert:
Liebe Luciana [Abg. Luciana Sgarbi],
ich denke, dass wir, sobald wir nach Rom zurückkommen, eine Versammlung mit den Genossinnen Abgeordneten anberaumen sollten, um die Probleme, die nach der parlamentarischen Pause anstehen, zu besprechen. Magst du daran denken? Und wenn du zurückkommst, rufst du mich an, damit wir entscheiden?[39]
An Carmen Zanti [Abg.]
Über das Kindergartengesetz der Camera. Es geht jetzt darum, die Arbeit im Senat zu Ende zu führen.[40]
Lieber Loperfido [Francesco Loperfido, Anwalt und Parteimitglied, Abg. 1966–1972],
du wirst den Gesetzentwurf zur »sexuellen Aufklärung in der Schule« bekommen haben. Ich möchte dich bitten, deine Anmerkungen mir und dem Genossen Bini zu schicken. Herzliche Grüße.[41]
Nilde Iotti, Enrico Berlinguer und Paolo Bufalini aus dem Parteisekretariat waren in den 1970er-Jahren vor allem mit Fragen zum Abtreibungsrecht sowie zur Familienreform beschäftigt. In die Vorbereitung des Gesetzentwurfs zur Gleichbehandlung und gleichen Entlohnung von Frauen und Männern im Jahr 1977 (Artikel 37 der Verfassung) war auch Giorgio Napolitano, Leiter der Abteilung für Arbeitsfragen und Gewerkschaften, einbezogen. Die Debatte über die Einführung der Sexualerziehung in den Schulen betraf den Pädagogen Giorgio Bini, der als erster Unterzeichner und Berater des kommunistischen Projekts vom ersten Entwurf des Gesetzes im Jahr 1974 bis zur letzten Vorlage des Gesetzentwurfs 1979 fungierte, sowie den Anwalt Francesco Loperfido. Die Reform der Sozialversicherung wurde 1971 mit Fernando Di Giulio, Leiter der Abteilung für Massenarbeit, und der ersten Unterzeichnerin des Gesetzentwurfs, Adriana Lodi, diskutiert. Aus diesem Vorgehen lässt sich ablesen, dass Seroni in Frauenfragen nie auf die Zusammenarbeit mit den Männern der Partei verzichtete und umgekehrt stets dafür kämpfte, dass die Frauen in die allgemeinen Diskussionen und Arbeitsgruppen der Partei eingebunden wurden.
Die kommunistischen Abgeordneten waren in diesen Jahren auch international sehr aktiv. Im September 1968 nahmen sie z. B. in Belgrad an dem internationalen Seminar La famille dans la société contemporaine teil, das von der Conference pour les Activites sociales des femmes de Yougoslavie organisiert wurde. Österreich, Bulgarien, Frankreich, Guinea, Ungarn, Indonesien, Italien, Rumänien, die Schweiz, die Tschechoslowakei, Tunesien, die Sowjetunion und einige internationale Organisationen, wie die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) mit Sitz in Genf, die Internationale Demokratische Frauenföderation (Berlin) und die Fédération internationale des écoles de parents et d’éducateurs (Paris) entsandten ebenfalls Vertreterinnen und Vertreter. Die ehemalige Abgeordnete Giuseppina Re vertrat den PCI, Enrica Lucarelli die Sozialistische Partei (Partito Socialista Italiano, PSI) und Luciana Viviani die UDI.[42] Am 17. November 1974 fand in Rom die Konferenz der kommunistischen Parteien Westeuropas statt und beschäftigte sich ausführlich mit Fragen zur Stellung der Frauen. Damit schloss sie an die Fragen der Brüsseler Konferenz vom Januar desselben Jahres an. Berlinguer analysierte das Verhältnis zwischen Feminismus und Kommunismus, ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede.[43] Im Sommer 1975 fand die erste internationale Frauenkonferenz des Westens statt, aber italienische Kommunistinnen nahmen nicht daran teil. Stattdessen wurde Italien von einer Delegation der christlich-demokratischen Regierung vertreten.[44]
In den 1970er-Jahren vollzog sich also auch dank eines Generationenwechsels ein konzeptioneller Wandel vom »maternalistischen« Paradigma des frühen 20. Jahrhunderts hin zu Frauenrechten, die für die Freiheit des Individuums eintraten. Nach dem parlamentarischen Kampf für die Einführung der Scheidung zwischen 1965 und 1970, wo die individuelle Freiheit in Verteidigung der Frauenrechte schon erhöht wurde, wurde derselbe Begriff beispielsweise auch im Titel des ersten Gesetzentwurfs gegen sexuelle Gewalt, der von den Kommunistinnen zuerst 1977, dann 1979 und 1983 eingebracht wurde (unterzeichnet von Angela Bottari),[45] ausdrücklich gebraucht. Während in der Nachkriegszeit eine »Politik der Konkretheit« (Claudia Gatzka) vorherrschte,[46] reagierte die Politik jüngerer Kommunistinnen im Parlament nun auf den gesellschaftlichen Wertewandel.[47]
Viele andere von weiblichen Abgeordneten des PCI eingebrachte und unterstützte Gesetzentwürfe, die allerdings weniger bekannt sind, zielten in diesen Jahren auf die wirtschaftliche Förderung oder die rechtliche Anerkennung von Minderheiten, marginalisierten und nicht nationalen Subjekten ab. Dazu zählten etwa Gesetzentwürfe zugunsten körperlich oder geistig beeinträchtigter Personen (1972, 1975, 1977),[48] zugunsten von Sprachminderheiten wie Slowenen und Flüchtlingen aus Friaul-Julisch Venetien und Ladinern aus Trentino-Südtirol[49] sowie zugunsten von Ausländern, wie den ausländischen Opfern des terroristischen Attentats von Bologna am 2. August 1980 und ausländischen Kindern zur Adoption.[50] Im Rahmen dieser Politik zugunsten der Rechte von Minderheiten brachte PCI-Mitbegründer Umberto Terracini, geboren 1895 in Genua, Partisan, lange Jahre in Verbannung und Gefangenschaft und schließlich Präsident der Verfassunggebenden Versammlung von 1946, am 18. Juli 1979 einen Entwurf zum Asylrecht und zu den demokratischen Freiheiten staatenloser Bürgerinnen und Bürger ein.[51] Insgesamt gab es zwölf Gesetzesinitiativen, die in fast jeder der untersuchten Legislaturperioden erneuert wurden. Nur eine davon wurde am Ende tatsächlich in geltendes Recht umgewandelt: die Norm zur Adoption ausländischer Kinder.[52]
IV. Fazit
Die kommunistischen Frauen haben in den Jahren zwischen 1968 und 1983 nicht nur versucht, das Vertretungssystem und das nationale System sozialer Rechte zugunsten der Frauen zu erweitern, sondern auch andere Personengruppen zu fördern, deren Schicksal sich nicht vollständig mit den Interessen der Arbeiterklasse deckte, was implizit zu einem Wandel in der Gesellschaftskonzeption der Kommunisten führen sollte.
Allgemein lässt sich festhalten, dass die Projekte, die die kommunistischen Frauen im Parlament in den 1970er-Jahren verfolgten, im Allgemeinen auf eine Demokratisierung des Staates abzielten. Sie versuchten, diese auf verschiedenen Wegen voranzutreiben: durch die Förderung lokaler und dezentraler Strukturen und durch eine Intensivierung der Beziehungen zwischen lokalen und nationalen Institutionen mithilfe auch lokal erfahrener Parteifunktionärinnen, die direkten Zugang zu den zentralen Institutionen hatten. Dazu trugen spezifische politische Erfahrungen in örtlichen Behörden, insbesondere in der Region Emilia-Romagna bei, die in diesen Jahren entscheidend waren, um die Inhalte der Frauenpolitik im Parlament zu definieren. Hilfreich waren außerdem die neuen europäischen Verbindungen der internationalen kommunistischen Bewegung, wie Berlinguer sie stets angestrebt hatte. So durchlief das oben erwähnte »Top-down«-Machtmodell der Nachkriegszeit eine grundlegende Veränderung. Auch die wachsende Aufmerksamkeit für Frauenrechte in den 1970er-Jahren bot zusätzlichen Raum, um eine Erweiterung der nationalen demokratischen Prinzipien zu fördern und die Beziehung zwischen Gesellschaft und Institutionen zu verbessern sowie die wirtschaftlichen und sozialen Rechte nationaler und ausländischer Minderheiten zu verteidigen. Dem Erreichen dieser Ziele waren jedoch Grenzen gesetzt. Hindernisse waren die Kompetenzverteilung zwischen Männern und Frauen sowie die Diskrepanz zwischen Planung und tatsächlicher Umsetzungsmacht der Frauen im Parlament: Die Reform des Gesetzes zur Sexualerziehung in der Schule wurde nie verabschiedet, das Gesetz gegen sexuelle Gewalt trat erst mit 20 Jahren Verspätung, 1996, in Kraft, und eine nationale Sozialversicherung existiert erst seit dem Jahr 2000. Soziale und ökonomische Rechte von Minderheiten konnten in diesen Jahren nur mit geringer Unterstützung im Parlament rechnen. Dies zeigt klar, dass die Politik der Kommunistinnen im Parlament in den langen 1970er-Jahren nur begrenzt wirken konnte. Es zeigt aber zugleich auch, wie lange das Erbe der 1970er-Jahre auf die Demokratisierung der republikanischen Institutionen nachwirkte.[53]
[1] Anna Maria Bruzzone/Rachele Farina (Hg.): La Resistenza taciuta. Dodici vite di partigiane piemontesi [Der stille Widerstand. Zwölf Biografien von piemontesischen Partisaninnen], Mailand 1976; Bianca Guidetti Serra: Compagne. Testimonianze di partecipazione politica femminile [Genossinnen. Zeugnisse der politischen Beteiligung von Frauen], Torino 1977.
[2] Autobiografie der Partei-Mitgründerin Camilla Ravera: Diario di trent’anni [Tagebuch aus dreißig Jahren], Roma 1973; Teresa Noce: Rivoluzionaria professionale [Professionelle Revolutionärin], Milano 1974; Felicita Ferrero: Un nocciolo di verità [Ein Körnchen Wahrheit], hrsg. von Rachele Farina, Milano 1978; zur Partei in der Nachkriegszeit siehe Miriam Mafai: L’apprendistato della politica. Le donne italiane nel dopoguerra [Als Lehrling in der Politik. Die italienischen Frauen in der Nachkriegszeit], Roma 1979.
[3] Adriana Seroni parlamentare. Atti del convegno. Roma, 7. April 1987, a cura di Giovanna Bosi Maramotti e Giovanna Filippini [Adriana Seroni, Abgeordnete. Tagungsband zur Konferenz. Rom, 7. April 1987, hrsg. von Giovanna Bosi Maramotti und Giovanna Filippini], in: Donne Parlamento Società (1987), H. 11.
[4] Es gibt nach wie vor keine Biografie über Adriana Seroni. Abgesehen vom zitierten Heft (Anm. 3) siehe die gesammelten Zeugnisse in: Oh bimbe! Le ragazze di Adriana [Oh Kinder! Adrianas Mädchen], Roma 2014; La modernità di Adriana Seroni. Una comunista di frontiera, Convegno in Sala Aldo Moro di Palazzo Montecitorio, 13. Februar 2014, Roma 2015 [Die Modernität von Adriana Seroni. Eine Grenzkommunistin, Konferenz im Sala Aldo Moro, Palazzo Montecitorio, 13. Februar 2014]; Maura Vagli: Adriana Seroni, Lucca 2019.
[5] Anna Rossi-Doria: Diventare cittadine: il voto alle donne in Italia [Bürgerinnen werden: Das Frauenwahlrecht in Italien], Firenze 1996; Maria Teresa Antonia Morelli (Hg.): Le donne della Costituente [Die Frauen der Verfassungsgebenden Versammlung], Roma-Bari 2007; Patrizia Gabrielli: Il 1946, le donne, la Repubblica [Das Jahr 1946, die Frauen, die Republik], Roma 2009; dies.: Il primo voto: elettrici ed elette [Zum ersten Mal gewählt: Wählerinnen und Gewählte], Roma 2016.
[6] Molly Tambor: The Lost Wave. Women and Democracy in Postwar Italy, New York 2014; Michela Minesso: Diritti e politiche sociali. Le proposte delle parlamentari nelle Assemblee legislative dell’Italia repubblicana (1946–1963) [Rechte und Sozialpolitik. Die Vorschläge der Parlamentarier in der gesetzgebenden Versammlung der Republik Italien (1946–1963)], Milano 2016; Fondazione Nilde Iotti (Hg.): L’Italia delle donne. Settant’anni di lotte e conquiste [Das Italien der Frauen. Siebzig Jahre Kampf und Eroberungen], Roma 2018.
[7] Zu Nilde Iotti siehe Fiorella Imprenti/Claudia Magnanini (Hg.): Nilde Iotti Presidente. Dalla Cattolica a Montecitorio [Präsidentin Nilde Iotti. Von der Katholischen Universität in den Palazzo Montecitorio], Milano 2010; Luisa Lama: Nilde Iotti. Una storia politica al femminile [Nilde Iotti. Eine politische weibliche Geschichte], Roma 2013 (Das Buch endet mit ihrer Wahl zur Präsidentin der Camera.); Stefano Mangullo/Francesca Russo (Hg.): Nilde Iotti nella storia della Repubblica. Donne, politica e istituzioni [Nilde Iotti in der Geschichte der Republik. Frauen, Politik und Institutionen], Roma 2020.
[8] Z. B. Carmen Casapieri, Abgeordnete von 1972 zu 1979: Una donna nell’impegno culturale e politico: Carmen Casapieri, 1938–1984: testimonianze, Torino, September 1988 [Eine Frau und ihr kulturelles und politisches Engagement: Carmen Casapieri, 1938–1984: Zeitzeugenberichte, Turin, September 1988], in: Quaderni di storia delle donne comuniste 5 (1991); Giglia Tedesco, Senatorin von 1968 bis 1994. Graziella Falconi (Hg.): Il sorriso di Giglia [Das Lächeln von Giglia], Roma 2018 (Tagung organisiert von der Fondazione Nilde Iotti, 16. November 2017, Rom). Siehe auch Debora Migliucci: La politica come vita. Storia di Giuseppina Re, deputato al Parlamento italiano (1913–2007) [Ein Leben für die Politik. Die Geschichte von Giuseppina Re, Mitglied des italienischen Parlaments (1913–2007)], Milano 2008.
[9] Eloisa Betti: Generations of Italian Communist Women and the Making of a Women’s Rights Agenda in the Cold War (1945–1968), in: Anna Artwinska/Agnieszka Mrozik (Hg.): Gender, Generations, and Communism in Central and Eastern Europe and beyond, New York/London 2020, S. 82–101.
[10] U. a. Ersilia Salvato: Parole del mio tempo. Intervista di Eugenio Manca [Wörter aus meiner Zeit. Interview von Eugenio Manca], Palermo 2001; Irene Fossati Daviddi/Francesca Lodolini: Con passione politica [Mit politischer Leidenschaft], Como 2008; Renata Talassi: Una vita fortunata [Ein glückliches Leben], Milano 2008; Eletta Bertani: Cercando la rotta. Una donna e il suo tempo [Auf der Suche nach dem richtigen Weg. Eine Frau und ihre Zeit], Reggio Emilia 2021.
[11] Nilde Iotti: Discorsi parlamentari [Reden im Parlament], 2 Bde., Bologna 2003; Giglia Tedesco Tatò: Discorsi parlamentari [Reden im Parlament], Bologna 2018.
[12] Abgesehen von Molly Tambor (Anm. 6) siehe auch Chiara Bonfiglioli: Communisms, Generations and Waves: The Cases of Italy, Yugoslavia and Cuba, in: Artwinska/Mrozik (Hg.): Gender (Anm. 9), S. 66–81.
[13] Eine neue historiografische Lesart, die der globalen politischen Geschichte der Kommunistinnen und ihrer Rolle während des Kalten Kriegs offener gegenübersteht: Kristen Ghodsee: Second World, Second Sex. Socialist Women’s Activism and Global Solidarity During the Cold War, Durham/London 2019; Wendj Pojmann: Italian Women and International Cold War Politics 1944–1968, New York 2013. Zur Kritik an westlichen Narrativen siehe Chiara Bonfiglioli/Kristen Ghodsee: Vanishing act: global socialist feminism as »the missing other« of transnational feminism: a response to Tlostanova, Thapar-Björkert and Koobak (2019), in: Feminist review 126 (2020), H. 1, S. 168–172.
[14] Vergleicht man das Ergebnis mit den fast erreichten zehn Prozent weiblicher Abgeordneter im Reichstag der Weimarer Republik, ist es natürlich wenig spektakulär.
[15] Carmen Andreuccioli u. a. (Hg.): Parità vo cercando 1948–2018. Le donne italiane in settanta anni di elezioni. A che punto siamo con il potere delle donne? [Auf der Suche nach Gleichbehandlung 1948–2018. 70 Jahre Wahlrecht für Frauen in Italien. Wo stehen wir mit der Macht der Frauen?], Juli 2018, www.senato.it/service/PDF/PDFServer/BGT/01083349.pdf (ges. am 18. November 2024).
[16] Silvio Pons: Berlinguer e la fine del comunismo [Berlinguer und das Ende des Kommunismus], Torino 2006, S. 237.
[17] Martin Conway: Democracy in Postwar Western Europe: The Triumph of a Political Model, in: European History Quarterly 32 (2002), H. 1, S. 59–84; Claudia Gatzka: Die Demokratie der Wähler. Stadtgesellschaft und politische Kommunikation in Italien und der Bundesrepublik 1944–1979, Düsseldorf 2019.
[18] Rosanna Marcodoppido: Donne, una storia di lotte e di libertà. L’Udi tra il 1944 e il 2004 [Frauen, eine Geschichte von Kampf und Freiheit. Die UDI zwischen 1944 und 2004], Roma 2022; Lucia Motti: Donne nella CGIL. Una storia lunga un secolo. 100 anni di lotte per la dignità i diritti e la libertà femminile [Frauen im CGIL. Eine jahrhundertelange Geschichte. 100 Jahre Kampf für die Würde, die Rechte und die Freiheit der Frauen], Roma 2006; Patrizia Gabrielli: Il comune alle donne. Le dodici sindache del 1946 [Die Gemeinde den Frauen. Die zwölf Bürgermeisterinnen von 1946], Ancona 2021.
[19] Von den 17 in den Senat gewählten Kommunistinnen gehörte keine dieser Altersgruppe an, da das Mindestalter für eine Wahl in den Senat 40 Jahre betrug. Die jüngsten Gewählten dieses Zeitraums waren Giuseppa Mendola (geb. 1945), die 1972 mit 27 Jahren gewählt wurde, und Rosella Palmini Lattanza (geb. 1952), die 1979 ebenfalls mit 27 Jahren gewählt wurde.
[20] Ersilia Salvato: Le ribelli del parlamento [Die Rebellen des Parlaments]; Angela Bottari: Nuove generazioni, tra realtà e fratture culturali [Neue Generationen zwischen Wirklichkeit und kulturellen Brüchen], in: Angela Bottari u. a. (Hg.): Nilde Iotti e il Pci. Due centenari, una storia 1920–2020, 1921–2021 [Nilde Iotti und der PCI. Zwei Hundertjahrfeiern, eine Geschichte 1920–2020, 1921–2021], Roma 2022, S. 118, 125–131.
[21] Brief vom Juni 1975 an Gerardo Chiaromonte, Mitglied des Sekretariats: Fondazione Gramsci Roma (im Folgenden: FGR-AS), Archiv Adriana Seroni, Carte Seroni, 1975 (eigene Übersetzung).
[22] Die Zahl der weiblichen Abgeordneten im ZK stieg auf 14 von insgesamt 171 Mitgliedern auf dem XII. Parteitag (8.–15. Februar 1969) und auf 26 von 179 Mitgliedern auf dem XVI. Parteitag (2.–6. März 1983), FGR-AS, Archiv PCI.
[23] Zu Carmen Zanti siehe Paola Nava/Maria Grazia Ruggerini: Carmen Zanti: una biografia femminile [Carmen Zanti: Die Biografie einer Frau], Cavriago 1987.
[24] Marisa Rodano hat eine Autobiografie und einen Erinnerungsband über ihre Rolle in der UDI geschrieben: Memorie di una che c’era. Una storia dell’UDI [Erinnerungen von einer, die dabei war. Die Geschichte der UDI], Milano 2010; Del mutare dei tempi [Vom Wandel der Zeit], 2 Bde., Roma 2008: 1. L’età dell’inconsapevolezza, il tempo della speranza 1921–1948 [Das Zeitalter der Ungewissheit, die Zeit der Hoffnung 1921–1948]. 2. L’ora dell’azione, la stagione del raccolto 1948–1968 [Die Stunde der Aktion, die Zeit der Ernte 1948–1968].
[25] Francisca de Haan: The Women’s International Democratic Federation (WIDF): History, Main agenda, and Contributions, 1945–1991, in: Women and Social Movements, International – 1840 to Present, Sophia Smith Collection. Womenʼs History Archive, hrsg. von Thomas Dublin und Kathryn Sklar (ges. Oktober 2012).
[26] Pons: Berlinguer e la fine del comunismo (Anm. 16). Zum Reformkommunismus siehe Michele Di Donato/Silvio Pons: Reform Communism, in: The Cambridge History of Communism, Bd. III: Juliane Fürst/Silvio Pons/Mark Selden (Hg.): Endgames? Late Communism in Global Perspective, 1968 to the Present, Cambridge 2017, S. 178–202.
[27] Enrico Berlinguer: Costruire una nuova unità internazionalista e compiere un passo in avanti verso il socialismo [Eine neue internationalistische Einheit aufbauen und einen Schritt in Richtung Sozialismus machen], in: ders.: La »questione comunista« [Die kommunistische Frage], Bd. 1, Roma 1975, Schlussfolgerungen aus der Diskussion zum ersten Tagesordnungspunkt des XII. Parteitages, 15. Februar 1969, S. 3–41.
[28] Piano quinquennale per lʼistituzione di asili-nido comunali con il concorso dello Stato, Gesetz Nr. 1044, 6. Dezember 1971, in: Gazzetta Ufficiale, Nr. 316 vom 15. Dezember 1971; Norme per il rifinanziamento del piano degli asili nido e modifica della legge istitutiva 6 dicembre 1971, Gesetz Nr. 1044, Nr. 891, 29. November 1977, in: Gazzetta Ufficiale, Nr. 337 vom 12. Dezember 1977. Über die Rolle von Cecilia Chiovini Facchi siehe Camera dei Deputati Portale Storico, Deputati, Cecilia Chiovini Facchi, ad nomen, Proposte di legge, Primo firmatario, Atto C. 755, 12. November 1976 sowie in den persönlichen Unterlagen in der Fondazione Istituto per la storia dell’età contemporanea, Archivio della Federazione di Milano del Partito Comunista Italiano, Cecilia Chiovini Facchi, ad nomen [Stiftung Institut für Zeitgeschichte, Archiv des Mailänder Verbands der Kommunistischen Partei Italiens, Cecilia Chiovini Facchi, ad nomen].
[29] Scioglimento e trasferimento delle funzioni dell’Opera nazionale per la protezione della maternità e dell’infanzia, Gesetz Nr. 698, 23. Dezember 1975, in: Gazzetta Ufficiale, Nr. 343 vom 31. Dezember 1975 und Camera dei Deputati Portale Storico, Deputati, Cecilia Chiovini Facchi, ad nomen, Progetti di legge, Primo firmatario, Atti C. 1239, 1. Dezember 1972. Außerdem siehe Michela Minesso (Hg.): Stato e infanzia nell’Italia contemporanea: origini, sviluppo e fine dell’ONMI 1925–1975 [Staat und Kindheit in Italien: Entstehung, Entwicklung und Ende des ONMI 1925–1975], Bologna 2007; Domenica La Banca: Welfare in transizione. L’esperienza dell’ONMI (1943–1959) [Wohlfahrt im Wandel. Die Erfahrungen des ONMI (1943–1959)], Napoli 2013.
[30] Über diese Reformversuche siehe Camera dei Deputati Portale Storico, Deputati, Adriana Lodi Faustini Fustini, ad nomen, Progetti di legge, Primo firmatario [Gesetzesentwürfe, Erstunterzeichner]. Siehe auch Adriana Lodi/Laura Branca: Raccontami una favola vera. Adriana Lodi: biografia di una politica [Erzähl mir eine wahre Geschichte. Adriana Lodi: Biografie einer Politikerin], Imola (BO) 2021. Siehe Alexander Höbel: The PCI, reforms, and welfare between the 1960s and 1970s, in: Journal of Modern Italian Studies 22 (2017), H. 2, S. 254–272.
[31] Teresa Malice: »Un’altra dimensione del mondo«. Azione politica e relazioni di genere nel comunismo emiliano-romagnolo (1943–1991) [»Eine andere Dimension der Welt«. Politisches Handeln von Frauen und Geschlechterbeziehungen im Kommunismus in der Emilia-Romagna (1943–1991)], in: Luca Baldissara/Paolo Capuzzo (Hg.): Il comunismo in una regione sola? Prospettive di storia del PCI in Emilia-Romagna [Der Kommunismus in einer Region? Perspektiven für die Geschichte des PCI in der Emilia-Romagna], Bologna 2023, S. 321–362
[32] Die Ergebnisse basieren auf Recherchen im Historischen Portal der Camera dei Deputati, www.camera.it.
[33] Liste der parlamentarischen Ausschüsse und Beteiligung der kommunistischen Frauen in den Jahren 1968 bis 1983: Ausbildung und Schöne Künste (15 Kommunistinnen), Hygiene und Gesundheitsschutz (13), Arbeit und Sozialversicherung (11), Justiz (9), Regierungspräsidentschaft, Innere Angelegenheiten und Kultur (9), Auswärtiges Amt und Migration (7), Öffentliche Arbeit und Kommunikation (7), Verfassungsangelegenheiten, nationale Verwaltung und Regionen (7), Agrar- und Forstwissenschaft (6), Industrie und Kommerz (6), Städtische Immobilien (5), Bilanz, Staatliche Beteiligungen (4), Erdbeben – November 1980 (3), Finanzen (3), Zollabgaben (2), Transport und Handelsmarine (2), Information und Sicherheit (2), Vertrag von Luxemburg 1970 (2), Italienische Vertretung im Europäischen Parlament (2) (Nilde Iotti und Vera Squarcialupi), Steuerreform (1), Richtlinien der EWG (1), Verträge der EWG (1), Europäischer Rat (1) (Angela Maria Rosolen), Steuerangelegenheiten (1).
[34] Iotti: Discorsi parlamentari (Anm. 11).
[35] Enrico Berlinguer: Discorsi parlamentari [Reden vor dem Parlament], Roma 2001.
[36] Tambor: The Lost Wave und Fondazione Nilde Iotti: L’Italia delle donne (Anm. 6).
[37] In den Artikeln, die sie für die Zeitschrift »Donne e Politica«, die sie 1969 gründete, schrieb, reflektiert Seroni über die facettenreiche Beziehung zwischen Frauen, Politik und Demokratie. Siehe dazu Verso la V Conferenza [Auf dem Weg zur V. Konferenz], in: Donne e Politica, Nr. 1, Dezember 1969; Le giovani e il partito [Die junge Generation und die Partei], Nr. 2, März 1970; Partiti politici e questione femminile [Politische Parteien und die Frauenfrage], Nr. 9, Oktober 1971 sowie Donne e democrazia [Frauen und Demokratie], Nr. 16, Februar 1973. Siehe auch die gesammelten Schriften in: Adriana Seroni: La questione femminile 1970–1977 [Die Frauenfrage 1970–1977], Roma 1977.
[38] Convegno per le elette comunali, provinciali, regionali 20.–21. Februar 1971 [Konferenz für gewählte Frauen auf kommunaler, provinzieller und regionaler Ebene 20.–21. Februar 1971], FGR-AS, Carte Seroni 1971; Intervention von Seroni zur 6. Nationalen Tagung für die gewählten Kommunistinnen, 2.–4. Februar 1973, Reggio-Emilia: Verteidigung und Entwicklung der Autonomie und der regionalen Verwaltung zugunsten der Demokratie und der Emanzipation der Frau, FGR-AS, Carte Seroni 1973. Siehe auch Convegno Elette Comuniste 2.–4. Dezember 1977, FGR-AS, Carte Seroni 1977.
[39] FGR-AS, Carte Seroni 1971, Brief 11. Juni 1971.
[40] FGR-AS, Carte Seroni 1971, Brief 26. November 1971.
[41] FGR-AS, Carte Seroni 1973, Brief 4. Juni 1973.
[42] Mehr zum Belgrader Seminar: Fondazione Gramsci Roma (FGR), Archivio storico delle donne [Archiv für Frauengeschichte] »Camilla Ravera«, Documentazione, Serie 4, Famiglia SS 3, Fasc. 2 1968, Famiglia.
[43] Enrico Berlinguer: La spinta di trasformazione del movimento di emancipazione della donna nell’Occidente capitalistico. Discorso a conclusione della Conferenza dei partiti comunisti dell’Europa capitalistica sulla condizione femminile [Der Wille zur Transformation in der Frauenbewegung im kapitalistischen Westen. Rede zum Abschluss der Konferenz der Kommunistischen Parteien des kapitalistischen Europa über die Stellung der Frau], Roma, 17. November 1974, in: Berlinguer: La questione comunista, S. 803–821 (Anm. 27). Zur Brüsseler Konferenz siehe Marco Di Maggio: L’Europa di Berlinguer [Berlinguers Europa], in: ders.: Enrico Berlinguer, la storia e le memorie [Enrico Berlinguer, Geschichte und Erinnerungen], hrsg. von Maurizio Ridolfi, Roma 2022, S. 47–71.
[44] Silvia Salvatici: Sounds like an interesting conference. La Conferenza di Città del Messico e il movimento internazionale delle donne [Klingt nach einer interessanten Konferenz. Die Konferenz von Mexiko-Stadt und die internationale Frauenbewegung], in: Ricerche di storia politica 12 (2009), H. 2, S. 241–252. Italienische Kommunistinnen nahmen dagegen an der Belgrader Konferenz von 1978 teil: Chiara Bonfiglioli: Compagna donna/Drugarica Žena: La conferenza internazionale di Belgrado 1978 [Weibliche Begleitung/Drugarica Žena: Die Internationale Konferenz von Belgrad 1978], in: Genesis 10 (2011), H. 2, S. 83–104.
[45] Camera dei Deputati Portale Storico, Deputati, Angela Maria Bottari, ad nomen, Progetti di legge presentati, Primo firmatario: Nuove norme a tutela della libertà sessuale, Atti C. 1919, 2. Dezember 1977 – C. 201, 26. Juni 1979 – C. 80, 12. Juli 1983. Geboren 1945 in Messina, war Bottari, nach Aktivitäten in der Studentenbewegung, seit 1971 Mitglied der Partei, seit 1975 Frauenverantwortliche der Stadt und von 1976 bis 1987 Abgeordnete. Angela Bottari: Violenza sessuale: come cambia perché cambia [Sexuelle Gewalt: wie sie sich verändert, weil sie sich verändert], in: Donne e Politica (1982), H. 2, S. 26 f.; dies.: Violenza sessuale: quante bugie [Sexuelle Gewalt: so viele Lügen], in: Donne e Politica (1983), H. 1, S. 4 f. und ihr Zeugnis in Marina Addis Saba: Io donna, io persona. Appunti per una storia della legge contro la violenza sessuale [Ich Frau, ich Mensch. Anmerkungen zur Geschichte des Gesetzes gegen sexuelle Gewalt], Roma 1985, S. 137–151.
[46] Gatzka: Demokratie der Wähler (Anm. 17), S. 66–77.
[47] Fiammetta Balestracci: Slittamenti di identità e rappresentanza. Le comuniste in Parlamento nei lunghi anni Settanta [Entgleisung von Identität und Vertretung. Kommunistinnen im Parlament in den langen 1970er-Jahren], in: dies. (Hg.): Donne comuniste nell’Italia del Novecento. Partito, società, identità di genere [Kommunistische Frauen im Italien des 20. Jahrhunderts. Partei, Gesellschaft, Geschlechtsidentität], Roma 2025 (im Erscheinen).
[48] Camera dei Deputati Portale Storico, Deputati, Astolfi Maruzza, ad nomen: Modifiche alle leggi 30 marzo 1971, n. 118 e 2 marzo 1974, n. 30 concernenti nuove disposizioni in materia di accompagnamento agli invalidi civili, Atti C. 3558, 6. März 1975.
[49] Zahlreiche Gesetzesinitiativen erfolgten dazu von der Senatorin Gabriella Gherbez, geboren 1927 in Triest, Partisanin aus einer slowenischen Familie, von 1966 bis 1972 Mitglied des Stadtrats von Triest, 1976 zur Senatorin gewählt. Siehe Senato della Repubblica Portale Storico, Senatori, Gabriella Gherbez, ad nomen. Gherbez hat insgesamt fünf Gesetzentwürfe zugunsten des slowenischen Theaters von Triest, der slowenischen Minderheit, der Flüchtlinge sowie beeinträchtigter Personen und »Portatrici della Carnia« (Frauen, die am I. Weltkrieg teilnahmen) eingebracht. Gherbezʼ persönlicher Nachlass befindet sich im Archiv des Instituts Livio Saranz in Triest.
[50] Camera dei Deputati Portale Storico, Deputati, Adriana Lodi Faustini Fustini, ad nomen: Estensione ai cittadini stranieri delle erogazioni monetarie previste dall’art. 5 della legge 13 agosto 1980, n. 466, Atti C. 2118, 18. November 1980; ebd., Molineri Rosalba, ad nomen: Norme relative all’adozione di minori stranieri, Atti C. 2514, 7. April 1981.
[51] Senato della Repubblica Portale Storico, Senatori, Umberto Terracini, ad nomen: Norme per garantire agli stranieri ed agli apolidi il diritto di asilo e l'esercizio delle libertà democratiche nel territorio della Repubblica, Atti C. 135, 18. Juli 1979.
[52] Camera dei Deputati Portale Storico, Deputati, Rosalba Molineri, ad nomen: Norme relative all’adozione di minori stranieri (Iniziativa parlamentare) C. 2514, 7 aprile 1981, Gesetz Nr. 184, 4. Mai 1983.
[53] Zum Begriff der »langen 1970er-Jahre« siehe Fiammetta Balestracci/Christina von Hodenberg/Isabel Richter: An Era of Value Change. The long 1970s in Europe, Oxford, New York 2024.