JHK 2025

Kommunistinnen, Wohlfahrt und Lokaldemokratie im »roten« Bologna

Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 83-97 | Metropol Verlag

Autor/in: Teresa Malice

I. Lokale Wohlfahrt, Demokratie und Kommunismus als Erfolgsgeschichte – und deren marginalisierte Subjekte

Ende der 1970er-Jahre war das »Bologna-Modell« in ganz Europa bekannt. Wie Donald Sassoon in der Einleitung der englischen Übersetzung von Das Rote Bologna[1] in Erinnerung ruft, hatten die Kommunisten seinerzeit in Bologna ein Sozialsystem aufgebaut, das auf einer breiten demokratischen Beteiligung beruhte. Die sozialen Rechte und die Wohlfahrt gehörten zu den Bereichen, in denen die Verbindung zwischen dem (lokalen) Kommunismus und der neuen, postfaschistischen Demokratie am sichtbarsten und spürbarsten war. Der schrittweise Aufbau sozialer Unterstützungsinitiativen und -strukturen in den Stadtadministrationen[2] der Nachkriegszeit knüpfte nicht nur an die Erfahrungen des Widerstands zwischen 1943 und 1945 an, als insbesondere der Partito Comunista Italiano (PCI, Italienische Kommunistische Partei) und dessen Massenorganisationen spontane Maßnahmen zugunsten der Zivilbevölkerung ergriffen hatten, sondern auch an die Grundsätze der neuen republikanischen Verfassung von 1948, an deren Formulierung der PCI zusammen mit anderen antifaschistischen Parteien beteiligt war.[3]

Die Ausrichtung des PCI auf die Wohlfahrt war mit vielen dieser Grundprinzipien untrennbar verbunden: mit der Verteidigung der bürgerlichen und politischen, aber auch der sozialen Rechte (z. B. das Recht auf Gesundheit) sowie mit der zentralen Bedeutung der Arbeit (Art. 1 der Verfassung). Artikel 3 sah vor, dass es Aufgabe der Republik sei, »Hindernisse der wirtschaftlichen und sozialen Ordnung« zu beseitigen, um die formale und materielle Gleichheit auf allen Ebenen und für alle Menschen zu erreichen. Artikel 4 benannte die Bedingungen, die einen gleichberechtigten Zugang zur Arbeitswelt wirksam machen sollten. Diese Grundsätze mündeten in Artikel 5, der lokale Autonomien anerkannte und Dezentralisierung förderte.[4] Artikel 5 war für die »roten« Bologneser zentral, denn sie begriffen Wohlfahrtspolitik nicht als Wohlfahrtsstaatlichkeit, sondern als dezentralisierte, bürgernahe, administrativ und finanziell autonome Angelegenheit, die sich, wenn nicht als Gegenpol zum Zentralstaat, zumindest in Konkurrenz zu ihm sah.[5]

In Bezug auf die Einführung von Sozialdienstleistungen durch kommunistische Akteure wurde Bologna als Hauptstadt der Region Emilia-Romagna zu einem Vorbild in Sachen Stadtadministration im Kontext des Kalten Krieges, und stieß damit auch bei internationalen Beobachterinnen und Beobachtern aus unterschiedlichen politischen Lagern auf besonderes Interesse und Anerkennung. Der Soziologe Fausto Anderlini bezeichnete die »rote« Regierung Bolognas als »kommunistisch« in der Ideologie und »sozialdemokratisch« in der Praxis.[6]

Ab den 1960er-Jahren kann der PCI grundsätzlich als reformistisch bezeichnet werden, wenngleich auf eine spezifisch kommunistische Weise, denn trotz einer gewissen ideologischen Unabhängigkeit zeigte er sich bis 1989/1991 der Sowjetunion gegenüber loyal. Das »Bologna-Modell« bestätigte die vom ersten PCI-Sekretär der Nachkriegszeit, Palmiro Togliatti, vertretene Haltung, zwischen Sozialismus und westlicher Demokratie bestünde kein Widerspruch – trotz der zwischen dem Parteizentrum in Rom und der emilianischen Peripherie herrschenden Spannungen. Gleiches galt für das Verhältnis zur »fortschrittlichen Demokratie« (democrazia progressiva), die darauf abzielte, konstitutionelle Werte zu verteidigen, ohne die revolutionäre Tradition komplett aufzugeben. Sowohl in dieser effizienten, reformorientierten nationalen Politik als auch in dem, was später als »Emilianisches Modell« (modello emiliano) bezeichnet wurde,[7] spielte die Wohlfahrt eine besondere Rolle. Dieses sogenannte Modell zeichnete sich durch drei Säulen aus: eine effiziente Produktionsstruktur, die auf einem breiten Netz kleiner und mittlerer Unternehmen beruhte, ein gut strukturiertes Sozialsystem und ein partizipativ aufgebautes System sozialer Beziehungen. In vielen Bereichen, wie z. B. Kriegsopferfürsorge (assistenza postbellica), Schule und Bildung, Stadtplanung oder Gesundheit, zielte das Engagement des PCI und der ihm angeschlossenen Strukturen im Gegensatz zum Faschismus und den konservativen Kräften gerade darauf ab, einen Zugang für alle Bürgerinnen und Bürger zu Sozialleistungen sicherzustellen. Referenzen zur Demokratie können daher nicht nur im kommunistischen Sprachgebrauch oder, impliziter, in der Einhaltung der Verfassungswerte identifiziert werden. Das Vorgehen auf lokaler Ebene kann zuallererst insoweit als demokratisch bezeichnet werden, als es das Produkt des gemeinsamen Regierens des faktisch dominierenden PCI und der Sozialistischen Partei war, und da politisch-administrative Beschlüsse im Stadtrat einer Mehrheit bedurften, um angenommen zu werden.[8]

In dem Erfolgsnarrativ über die Verbindung von Wohlfahrt, Demokratie und Kommunismus in Bologna blieb ein Aspekt indes trotz seiner unbestrittenen Bedeutung fast unbeachtet: die Arbeit und Agency der kommunistischen Frauen im Rahmen der lokalen Wohlfahrtstrukturen und -initiativen.[9] Zur Geschichte der Frauen allgemein in Bologna und der Region existieren zahlreiche Untersuchungen, meistens im italienischen Forschungskontext: u. a. zur linksorientierten Unione Donne Italiane (UDI, Italienische Frauenunion), 1944 in Rom auf Initiative einiger Mitglieder der antifaschistischen Bewegung mit dem Ziel gegründet, die politische Mobilisierung von Frauen zu fördern; zum Centro Italiano Femminile (CIF, Verband katholischer Frauen); zu den Frauengruppen in der Linksgewerkschaft (CGIL, Confederazione Generale Italiana del Lavoro) und den Genossenschaften; zu den Arbeiterfrauen und zu den lokalen Stadtabgeordneten.[10] Diese Arbeiten sind vor allem auf die Entstehung der Frauen- und Geschlechtergeschichte als Disziplin zurückzuführen, die wiederholt und aus unterschiedlichen Perspektiven sowohl das Wirken von Frauen als auch ihr Verhältnis zum männlichen Geschlecht analysiert hat.[11] Sie sind von großem historiografischen Wert, insofern sie den weiblichen Anteil beim Aufbau der Wohlfahrt und der lokalen Demokratie »von unten« in einer parteiübergreifenden Perspektive und im Rahmen des Antifaschismus analysieren. Jedoch beschäftigen sich nur wenige von ihnen explizit mit der spezifischen Stellung und Agency der Kommunistinnen innerhalb der Politik, obwohl sie z. B. in der UDI im Vergleich zu Frauen aus anderen Parteien deutlich zahlreicher und aktiver waren. Geschieht es doch, dann zumeist in Schilderungen über die Nachkriegszeit bis in die 1950er-/1960er-Jahre.[12] Aus anderen Gründen wird das Handeln kommunistischer Frauen in der Partei und ihren Massenorganisationen in allgemeinen Synthesen im Rahmen der historischen Kommunismusforschung auf regionaler und lokaler Ebene unzureichend beachtet und in diesem Zusammenhang meistens als parallele Randerscheinung betrachtet. Wie schon seit Langem von der eigenen Partei werden die Frauen auch in der Forschung meistens auf eine soziale Kategorie reduziert und nicht als eigenständig handelnde politische Gruppe wahrgenommen, die entscheidend für die Entwicklung der lokalen Wohlfahrt und Demokratie war.

Dieser Beitrag widmet sich daher kommunistischen Frauen innerhalb der Kommunismus- und lokalen Demokratiegeschichte der Emilia-Romagna und ihrem politischen Wirken und Handeln im Bereich der Wohlfahrtspflege von 1945 bis Ende der 1970er-Jahre. Dabei wird der Übergang von lokaler Wohlfahrt als Idee, die im Wesentlichen im Kontext der Parteipolitik entwickelt wurde, bis zur konkreten Maßnahme, die auf der Ebene der Stadtadministration umgesetzt wurde, hervorgehoben, mit einem besonderen Augenmerk auf die Entwicklung kommunal organisierter und finanzierter frühkindlicher Betreuung. Es wird gefragt, welche politische Rolle die Frauen bei der Ausarbeitung des demokratischen Wohlfahrtsmodells mit sozialistischen Einflüssen und im lokalen Regierungssystem Bolognas spielten, in dem die fortschrittliche Sozialpolitik neben Wirtschaftswachstum, Marktdynamik, öffentlicher Regulierung, privatem Wohlergehen und Demokratisierung zu den zentralen Aspekten gehörte.

 

II. Von Wohlfahrt als Idee zu Wohlfahrt als Ergebnis. Die Entwicklung der Frauenarbeit innerhalb des emilianischen Kommunismus (1945 – 1970er-Jahre)

Nach Krieg und Widerstand

Dem PCI kam in Bologna unter den antifaschistischen Parteien zwischen 1943 und 1945 die Führungsrolle bei der Organisation des Widerstands zu. Im Gegensatz zu den anderen Parteien konnte er in der Nachkriegszeit auf den schon bestehenden Strukturen aufbauen, darunter die ihm angeschlossenen Massenorganisationen, einschließlich der Frauenorganisationen. Den Kommunisten gelang es, am meisten Frauen für die politische Sache zu mobilisieren. Diese trafen sich größtenteils separat: in den Frauensektionen der Partei, den »weiblichen Gruppen« der Gewerkschaft sowie der UDI. Trotz der Tatsache, dass Letztere als parteiübergreifende Struktur der antifaschistischen Linken entstanden war, war die Rolle des PCI in ihrer Organisation dominant. Zeit ihres Bestehens und zumindest bis zur »feministischen Wende» der 1970er/1980er-Jahre wurde sie überwiegend von Kommunistinnen geführt, die auch den Großteil der Mitglieder stellten.[13] Die UDI sah sich im Einklang mit Togliattis Ansatz, eine Massenpartei für alle Bevölkerungsgruppen zu sein: Sie war nicht nur für die Frauen der Arbeiterklasse gegründet worden, sondern um die große Masse der unpolitischen Frauen zu mobilisieren.

In Bologna und in den meisten nördlichen, vom Widerstand betroffenen Gebieten, aber auch in anderen Regionen Italiens präsentierte sich der PCI als Partei des Fortschritts: u. a. in Bezug auf gesellschaftliche Orientierung, universalistische Denkweise – im Sinne dessen, was als »progressive Demokratie« (democrazia progressiva) bezeichnet wurde[14] – sowie in Bezug auf die »Frauenfrage« (questione femminile). Auf der ersten Konferenz kommunistischer Frauen in Rom 1945 rief Togliatti lautstark aus: »Demokratie braucht Frauen und Frauen brauchen Demokratie.«[15] Tatsächlich war das neue Parteiensystem auf die weiblichen Wählerstimmen angewiesen, um sich zu festigen, und es ermöglichte den Frauen, Emanzipationsräume zu schaffen und zu aktiven politischen Akteurinnen zu werden. Die Existenz dieser Räume wird von den Protagonistinnen selbst, zumindest bis zu der Entstehung der Neofeminismen in den 1970er-Jahren, als grundlegend für ihr politisches und persönliches Wachstum gesehen und behauptet. Im Rahmen dieses Prozesses der politischen Konsolidierung wird aber eine deutliche Diskrepanz zwischen der Mobilisierung von Frauen und ihrer Rolle innerhalb der Lokaldemokratie sowie der Realität der Geschlechterbeziehungen im Kommunismus deutlich. Kulturell herrschte noch ein traditionelles Frauenbild vor.[16] Frauen galten als politisch unreif und damit als Gruppe, die Politik zuerst noch »lernen« musste.[17] Sowohl in der Partei als auch in der Stadtadministration wurden sie mit »spezifisch weiblich« konnotierten politisch-administrativen Bereichen betraut und assoziiert (stets in enger Verbindung mit Care-Arbeit und Familie: Fürsorge, Kinderbetreuung, Schule, Bildung etc.) und erlebten in diesem Zusammenhang nicht nur eine räumliche, sondern auch eine inhaltliche Trennung, die die Geschlechter- und letztendlich die Machtverhältnisse in der Partei klar definierte. Diese Themen und Bereiche zählten gemeinhin nicht zum Kern der »großen (Männer-)Politik«. Die Partei pries die Anwesenheit von (kommunistischen) Frauen, wies ihnen jedoch Räume zu, die nicht den Rang hatten, Teil wichtiger politischer Entscheidungen zu sein.[18]

Diese Ambivalenz zeigt sich sowohl im nationalen als auch im lokalen Kontext. In Bologna waren die Wahlen zum ersten demokratischen Stadtrat nach dem Ende des Faschismus, der deutschen Besatzung und des Zweiten Weltkriegs am 24. März 1946 auch die ersten, an denen Frauen teilnehmen konnten. Die Bologneserinnen taten dies mit Begeisterung und äußerst zahlreich: 101.870 Frauen gaben ihre Stimme ab, zusammen mit 87.100 Männern. Die Wahlbeteiligung entsprach insgesamt 84,83 Prozent.[19] In einer Phase der Orientierungslosigkeit wurde die eigene Kommune in den ersten Nachkriegsmonaten zu einem festen Bezugspunkt für die Bürgerinnen und Bürger. Auf ihr ruhten die Hoffnungen beim materiellen und moralischen Wiederaufbau.[20] Der PCI gewann in Bologna mit 38,28 Prozent der Stimmen die Mehrheit (24 Sitze). Die Christliche Demokratie (Democrazia Cristiana, DC) errang 30,33 Prozent (19 Sitze), die Sozialistische Partei (Partito Socialista Italiano, PSI) 26,30 Prozent (16 Sitze) und die Republikanische Partei 2,87 Prozent (1 Sitz).[21]

Trotz ihres bedeutenden Beitrags sowohl zur Wahl als auch zuvor im Widerstand waren Frauen in politischen Ämtern von Anfang an in der absoluten Minderheit. Im öffentlichen politischen Diskurs, der überwiegend männlich konnotiert war, blieben sie unsichtbar: So erwähnte z. B. der frisch gewählte kommunistische Bürgermeister Giuseppe Dozza in seiner Begrüßungsrede im Stadtrat am 9. April 1946 weder die ersten gewählten weiblichen Abgeordneten noch die große Gruppe der Wählerinnen, die die Linken zum Sieg geführt hatte.[22] Die politischen Institutionen blieben auch nach der Wahl männlich geprägt. Unter den 60 Abgeordneten waren nur vier Frauen: je zwei für den PCI und die DC.[23] Der Stadtrat setzte sich aus kommunistischen und sozialistischen Räten zusammen, darunter keine einzige Frau.

Daran sollte sich auch in den folgenden Jahren und Jahrzehnten nichts Wesentliches ändern. 1951 wurden fünf Frauen zu Abgeordneten gewählt, vier waren Mitglieder des PCI und eine gehörte der DC an; bei den Wahlen 1956 waren es sechs weibliche Abgeordnete – drei für den PCI und drei für die DC. Weiterhin wurden Frauen im PCI im Laufe der Zeit von (den Männern in) Partei und Stadtregierung »traditionell weiblichen« Bereichen zugewiesen. Mirella Bartolotti übernahm im Juni 1956 als erste Frau die Verantwortung für die Bereiche »Allgemeine Fürsorge« und »Wohlfahrt« als Stadträtin (assessora). 1964 wurde Adriana Lodi ebenfalls zur Stadträtin für »Bevölkerungswesen, Hygiene und Gesundheit« ernannt. Aureliana Alberici erhielt 1975 das Mandat für »Bildungsfragen«. In den genannten, für die Bevölkerung wichtigen Feldern verfügten diese Frauen über große politische Sachkenntnis, aber wenig Möglichkeiten zu aktivem wirtschaftlichen Handeln.[24] Dennoch gelang es ihnen schrittweise, ihre Positionen mit Bedeutung zu füllen und mithilfe eines effektiven Zusammenspiels von institutionellen und nichtinstitutionellen Kanälen politischen Druck auszuüben, zu verhandeln und Debatten anzuregen.

Doch schon bevor Frauen Stellungen in der Lokaladministration einnahmen, waren die Kommunistinnen beim gesellschaftlichen Wiederaufbau in der unmittelbaren Nachkriegszeit aktiv, allerdings auf eher informellen Wegen. Im Einklang mit der PCI-Linie wirkten sie auf lokaler Ebene – nach Claudia Gatzka auf dem Feld der »alltagsnahen Politik« (politica della concretezza), wo »[n]icht Worte und abstrakte Programme, sondern die konkrete Lebenshilfe und die Lösung sozialer Probleme […] demnach die ideologische Integration der Italiener bewirken und die beanspruchte nationale Führungsrolle der Partei rechtfertigen [sollten]«.[25] Zwischen 1943 und 1945 gab es wenige, wenn auch einflussreiche Frauen, die Teil des organisierten und bewaffneten Widerstands waren. Ein Großteil engagierte sich im sogenannten zivilen Widerstand (resistenza civile)[26] und war damit u. a. aktiv an der Unterstützung von Partisanen und Kriegsgefangenen beteiligt. Diese Tätigkeiten nahmen in mancherlei Hinsicht den Aspekt der Fürsorge (assistenza) in der unmittelbaren Nachkriegszeit vorweg, als zahlreiche Frauen ihre Kraft und ihr Handeln auf spontane Initiativen konzentrierten: improvisierte Pflegestationen, Schwangerenberatung, Verteilung von Lebensmitteln und lebensnotwendigen Gütern sowie insbesondere kindliche und frühkindliche Notbetreuung.[27]

Ein Beispiel für Letzteres sind die solidarischen »Glückszüge« (treni della felicità), die Kinder aus der Gegend rund um Neapel sowie aus Cassino in das nördliche Zentrum des Landes, hauptsächlich in die Emilia-Romagna transportierten, um sie dort bei Familien unterzubringen. Mit dieser Initiative sollte der Bevölkerung in den Städten im Süden des Landes geholfen werden, die nach dem militärischen Vorstoß der Alliierten zur Befreiung der Halbinsel im Jahr 1943 zerstört und verarmt waren. Dafür sorgten vor allem die Frauen der UDI, der zu diesem Zeitpunkt neben den zahlenmäßig dominierenden Kommunistinnen auch Sozialistinnen und teilweise Republikanerinnen angehörten.[28] In Bezug auf die Kinderbetreuung kam es zu weiteren spontanen Initiativen, die ihren Ursprung ebenfalls im politisch links orientieren Lager hatten, aber deutlich mehr in der Gesellschaft verortet waren, wie z. B. die Einrichtung von »Volkskindergärten« (asili del popolo), die arbeitende Mütter in der chaotischen Nachkriegsphase entlasten sollten. Auch für sie war meistens die UDI verantwortlich. Viele Aktivistinnen identifizieren die Einrichtung der asili del popolo im Rückblick häufig als jenen Moment, in dem der Aufbau des lokalen demokratischen Sozialismus in der Region Emilia-Romagna begann.[29]

Diesen Eindruck teilte auch der PCI und wertete die asili del popolo als wichtigen Baustein bei der Konsolidierung ihrer Führungsrolle in der »roten« Kommunaladministration und in der Entwicklung der lokalen Demokratie und deren Wohlfahrtssystem. Diese Dominanz wurde zum einen durch die starke Verwurzelung des Reformsozialismus in der Emilia-Romagna zu Beginn des 20. Jahrhunderts und erste Erfahrungen im Bereich der Wohlfahrt gewährleistet, mit denen der PCI eine wirksame Kontinuität herstellen wollte, die durch den Faschismus brutal unterbrochen werden sollte.[30] Zum anderen war die Vormachtstellung der Kommunistischen Partei das Ergebnis ihrer schon während des Widerstands führenden Rolle in Bologna und der gesamten Emilia-Romagna.

Debatten und erste Schritte

In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde das Thema Wohlfahrt immer mehr zu einem festen Bestandteil der politischen Debatten. Auch das konkrete Engagement der Frauen in diesem Bereich verfestigte sich. Die 1960er-Jahre standen in ganz Europa im Zeichen des welfare state, insbesondere im Westen. Ausgehend vom  »Beveridge Report« (1942) in Großbritannien und ähnlichen Modellen z. B. in den nordischen Sozialdemokratien, festigte sich im Westen zunehmend die reformistische Macht der linken Massenparteien, die große Sozialleistungen für die gesamte Bevölkerung initiierten.[31] Während dies in Europa vor allem die sozialdemokratischen Kräfte übernahmen, kam diese Rolle in Italien der reformorientierten Massenpartei PCI zu, insbesondere in den »roten« Gebieten.

Die kommunistischen Frauen profitierten von diesem Umstand und organisierten sich in der Partei, in den ihr angeschlossenen Organisationen sowie in der sozialkommunistischen Administration mit dem Ziel, die Wohlfahrtsdebatte, insbesondere in Bezug auf die »spezifischen« Frauenfragen, zu stärken. Ab den 1950er-Jahren fanden in den lokalen kommunistischen Netzwerken zunehmend Versammlungen, Treffen und Tagungen statt. In den PCI-Frauenausschüssen, der UDI sowie in der Gewerkschaft wurde eine neue Form der assistenza diskutiert, die nicht mehr als Wohltätigkeit, sondern als Dienstleistung verstanden wurde, von der alle Menschen profitieren sollten.

Ende der 1950er- und Anfang der 1960er-Jahre wurden erste Schritte zur Umsetzung der konkreten Initiativen unternommen. Die Firmen und Unternehmen der Region wurden dank des Wirtschaftsbooms und der immer stärker steigenden Frauenbeschäftigung innerhalb der Industrie zu zentralen Orten für politische Diskussionen. In Bologna und Umgebung stieg die Zahl der beschäftigten Frauen außergewöhnlich stark im nationalen Vergleich, wie Eloisa Betti zeigt.[32] Dank dieser wachsenden Präsenz in der Arbeitswelt war es den Frauen möglich, sowohl zunehmend Einfluss auf die internen Debatten in Partei und Gewerkschaft als auch auf öffentliche Diskussionen zu nehmen. Im Zuge dieser Entwicklung, mit der die Arbeit immer mehr in den Mittelpunkt rückte, erfuhren auch die »frauenspezifischen«, in Verbindung mit der »Fürsorge« stehenden Themen eine Erweiterung. Explizit ging es immer mehr um die Vereinbarkeit von Mutterschaft und Beruf und damit nicht zuletzt auch um die Realisierung grundlegender Prinzipien der neuen Verfassung. Im Zentrum standen daher neben den Diskussionen um Mutterschutz auch jene um medizinische Versorgung, Arbeitslosengeld und Rentenversicherung. Die (in erster Linie kommunistischen) Frauen traten immer vehementer für ihre Belange sowohl als Arbeitnehmerinnen als auch als Versorgerinnen der Familie ein.

Allerdings waren konkrete Maßnahmen in dieser Phase noch stark von der allgemeinen Situation im Land abhängig. In den 1950er-Jahren hatte die UDI z. B. eine Reihe von Tagungen und Konferenzen zum Thema »Hausfrauenrente« organisiert, das schließlich auch in den 1959 in Rom abgehaltenen Nationalkongress Eingang gefunden hatte. 1960 war die zentrale Konferenz der UDI dem Thema »Die Arbeit der Frau und die Familie« gewidmet. Insbesondere die »Doppelarbeit der Frau« wurde angeprangert. Die Konferenzteilnehmerinnen forderten mehr Plätze in Kindergärten und Schulen, Fortschritte in der Wohnungsbaupolitik sowie eine Verkehrsinfrastruktur und soziale Dienste, um das Leben berufstätiger Frauen zu erleichtern. Im Jahr 1962 befasste sich die UDI auf einer nationalen Konferenz erneut mit dem Thema »Die Arbeit der Frau und der Schutz der frühen Kindheit«.[33]

Was die praktische Umsetzung betrifft, wurden in der gesamten Emilia-Romagna in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft mehrere betriebliche Kinderkrippen und, dank eines nationalen Gesetzes aus dem Jahr 1950, auch »Stillräume« in Unternehmen eingerichtet. Die Rolle des PCI und seiner weiblichen Mitglieder in der Region war von grundlegender Bedeutung, da das Gesetz zwar existierte, aber bis dato nicht angewandt worden war. Die Kontrolle seiner Durchsetzung wurde daher zu einem politischen Akt, dem in der Region große Bedeutung beigemessen wurde.

Der Einfluss der kommunistischen Frauen war in dieser Phase sehr bedeutsam, vor allem in Bezug auf das Thema Wohlfahrtskonsolidierung: Sie waren es, die am meisten dazu beitrugen, den Diskurs über die Bedürfnisse von Frauen als Care-Arbeiterinnen und Berufstätige langsam in die lokale Administration zu tragen, damit diese die institutionelle Verantwortung dafür übernahm. Ebenso war es vor allem ihr Verdienst, dass die ersten eingeleiteten Maßnahmen in den Firmen beachtet und stetig verbessert wurden. Dies war keineswegs nur eine soziale Aufgabe, sondern ein hochpolitisches Ziel, das durch einen ideologischen Rahmen gestützt wurde.

Erste konkrete Ergebnisse

Wie in einem internen Forschungsbericht über die Geschichte der UDI in der Region hervorgehoben wird, könnte man »fast behaupten, dass die Wohlfahrt in der Emilia-Romagna von Frauen erfunden wurde, da zahlreiche [ihrer] Anträge und Interventionen den legislativen und institutionellen Weg im Bereich der Dienstleistungen vorwegnehmen«.[34] Der Kontext, in dem die politische Arbeit der Frauen am deutlichsten wird, ist sicherlich jener der frühkindlichen Betreuung und vorschulischen Bildung für Kinder von null bis sechs Jahren. Im Vergleich zu anderen italienischen Regionen und im nationalen Kontext scheint der Stadt Bologna, zusammen mit anderen »rot« regierten Städten wie Reggio Emilia, hinsichtlich bestimmter Tendenzen und Themenkomplexe eine Vorreiterrolle zuzukommen.

Die Themen »Kinderkrippen« und »frühkindliche Betreuung« waren politisch entscheidend, denn sie zeigten im konservativen italienischen Kontext eine fast revolutionär anmutende Realität: Die Einrichtung der Betreuung für Kleinkinder begünstigte die Anerkennung von Frauen, nicht nur als Mütter, sondern als Mitglieder der Gesellschaft, die auch arbeiteten, und das schon früh, kurz nach der Geburt, wenn ihre Kinder noch keine drei Jahre alt waren. Auch wenn die traditionelle Rolle der Frau als Care-Arbeiterin immer noch vorherrschend war, signalisierte das Engagement für die frühkindliche Betreuung, dass Frauenarbeit kein Tabu mehr war.

Die schon erwähnte Kommunistin Adriana Lodi, die zunächst in der Bologneser Gewerkschaft politisch tätig gewesen war, wurde in den 1960er-Jahren zur Abgeordneten (consigliera comunale) gewählt. In einem Interview viele Jahrzehnte später erinnerte sie sich an die großen Erwartungen, die Mitte der 1960er-Jahre mit der Kampagne für Kinderkrippen in Bologna verbunden waren.[35] Dank der Zusammenarbeit von Stadtverwaltung, UDI und den Frauengruppen in der Gewerkschaft konnte die Öffentlichkeit so mobilisiert werden, dass ein Industrieller schließlich anbot, eine Krippe für die Stadt Bologna zu bauen. Später wurde diese nach dem Spender und seiner Ehefrau benannt: Giuseppe und Carolina Patini. 1969 wurde der Nido Patini als erste kommunal verwaltete Kinderkrippe in Italien eröffnet. Damit einhergehend wurden erstmals Kurse für Kinderbetreuerinnen angeboten und eine interdisziplinäre Gruppe innerhalb der Stadtadministration gegründet, die für die Ausbildung von Fachpersonal verantwortlich war: Pädagogen, Kinderpsychologen, Kinderärzte und Architekten zum Bau weiterer kindgerechter Krippen. Sowohl verwaltungstechnisch als auch in Bezug auf die praktisch-pädagogische Arbeit in den Einrichtungen kam es zu erheblichen Veränderungen. Die »rote« Verwaltung als verantwortliche Institution verpflichtete sich, die Zahl der Krippenplätze zu erhöhen und die Orte, an denen sie untergebracht waren, zu verbessern und kinderfreundlich zu gestalten. Es handelte sich um einen epochalen politischen Wandel gegenüber der früheren Verwaltung durch die Opera nazionale maternità e infanzia (ONMI, Nationale Liga für Mutterschaft und Kindheit), eine 1925 vom faschistischen Staat geschaffene zentralisierte Einrichtung. An die Stelle einer starren und strengen Erziehung, mit einem traditionellen, von katholischen Werten geprägten Ansatz, sollte eine demokratische, dezentralisierte, säkulare und inklusive Erziehung treten, bei der das Kind und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt standen.[36]

Das Konzept der Fürsorge, wie es erst nach 1945 entstanden war,[37] entwickelte sich noch weiter. Es bedeutete nicht mehr (nur) eine karitative Ausrichtung auf die Ärmsten, sondern war für alle Bürgerinnen und Bürger gedacht. Außerdem war die assistenza keine Notlösung mehr, sondern in der stabilen kommunistischen Administration der Stadt tief verankert. Elda Guerra betont in diesem Zusammenhang: »Im Mittelpunkt stand die Forderung nach öffentlichen und institutionellen Maßnahmen, die notwendig waren, um die Fürsorge dauerhaft und strukturiert zu gestalten und steuerliche Förderung zu erhalten.«[38] Das neue Konzept der Kleinkindereinrichtungen koinzidierte mit den Werten der neuen republikanisch-demokratischen Verfassung, die auf dem gemeinsamen, parteiübergreifenden antifaschistischen Kampf beruhten, indem die lokale Verwaltung Betreuung für Kinder und deren Eltern ohne Unterschied von Geschlecht, Herkunft, Sprache, Religion oder politischer Meinung anstrebte.[39]

Der Kinderkrippenaufbau in Bologna erfolgte im Vorgriff auf das nationale Gesetz von 1971, zu dessen Befürworterinnen und Erstunterzeichnerinnen Lodi als gewählte Abgeordnete zusammen mit anderen emilianischen Kommunistinnen gehörte: Carmen Zanti aus Reggio Emilia und Nives Gessi aus Ferrara. Nach ihrer Wahl ins nationale Parlament im Jahr 1968 gelang es Adriana Lodi, ihre Überzeugungen als Kommunistin in der Regierung auf höherer Ebene einzubringen. Am 6. Dezember 1971 wurde das nationale Gesetz Nr. 1044 mit dem Titel »Fünfjahresplan für die Einrichtung von kommunalen Kinderkrippen (asili nido) mithilfe des Staates« verabschiedet. Den parlamentarischen Prozess hatte vor allem auch Lodis Engagement für die umfangreiche Mobilisation der UDI befördert, die seit 1966 im Rahmen intensiver Aufklärungsarbeit für eine Volksbefragung über das Gesetz warb, mehr als 50.000 Unterschriften sammelte und den Vorschlag im Senat präsentierte.[40] Bologna erfreute sich zahlreicher Nachahmer: Es folgten andere Zentren in der Emilia-Romagna, wie die Stadt Reggio Emilia, deren Aktivität innerhalb der »roten« Lokaladministration keineswegs zu unterschätzen ist, wenn man an den Erfolg der »Reggio-Pädagogik« denkt, die gerade im Rahmen der lokalen sozialkommunistischen Politik entwickelt wurde und noch heute angewendet wird.[41] Die erste städtische Kinderkrippe in Reggio Emilia wurde schon im Jahr 1971 eröffnet, noch kurz bevor das maßgebliche Gesetz dazu verabschiedet wurde.[42]

Die Linksregierungen in Bologna und der gesamten Region Emilia-Romagna engagierten sich auch im Kampf für eine inklusivere und modernere Orientierung der Pädagogik in den Kindergärten, diesmal für Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Am 18. März 1968 wurde das nationale Gesetz Nr. 444 über die »Regelung der staatlichen Kindergärten« verabschiedet. Auch diesbezüglich gab es in der Emilia-Romagna eine lebhafte Debatte und Mobilisierung, die in vielerlei Hinsicht den Entwicklungen auf nationaler Ebene vorausgingen.[43] Das damit verbundene Engagement speziell von Frauen beruhte dabei erneut vor allem auf dem »integrierten Netzwerk« der »roten« Administration. Im Narrativ des PCI blieb es jedoch relativ unsichtbar: Frauen wurden für ihren sozialen Beitrag gelobt, nicht aber als aktiv Mitwirkende an der großen kommunistischen Politik dargestellt.

 

III. Ein Plädoyer für eine integrierte Geschichte

Es war ein langer Weg von den spontanen Initiativen in der Nachkriegszeit bis zu ihrem Wirken in der Kommunalpolitik in den 1970er-Jahren. In den vorangegangenen Abschnitten wurden die Entwicklungen, aber auch die Ambivalenz der Frauenarbeit in Bezug auf die Wohlfahrt und insbesondere die frühkindliche Betreuung im Kommunismus in Bologna dargestellt. Die Kommunistinnen wurden meistens von den Männern in der Partei auf vermeintlich »spezifisch weibliche« Themen reduziert, ohne dass dies sie daran hinderte, ihre Emanzipation in diesen Räumen zu verfolgen und grundlegende soziale Veränderungen im lokalen Bereich für alle anzustreben. Die Frauenarbeit wurde jedoch nicht vollständig in die parteipolitischen Prozesse integriert.

Ab den 1970er-Jahren kritisierten die Neofeministinnen auch in der Emilia-Romagna das Konzept der Emanzipation, das die linken Massenparteien verfolgten, scharf und behaupteten, dass die institutionellen Strukturen der Parteien streng patriarchalisch waren und blieben, ohne echten Raum für weiblichen Intellekt und politische Agency.[44] Diese Kritik wurde in den 1980er-Jahren auch von einigen (vor allem jungen) Kommunistinnen aufgegriffen, die versuchten, einen internen Wandel herbeizuführen und Emanzipation zusammen mit Frauenfreiheit und der Idee einer »sexuellen Differenz« zusammenzubringen.[45]

Dieser letzte Punkt liefert einen wichtigen kritischen Impuls in Bezug auf die Frage, welche Rolle die Kommunistinnen beim Aufbau der Wohlfahrt innerhalb der lokalen Demokratie in Bologna und in der Emilia-Romagna spielten. Ihr Einfluss hatte spürbare Auswirkungen sowohl auf nationaler als auch auf lokaler Ebene. Als Person hervorzuheben ist sicher Adriana Lodi, eine der bekanntesten Vertreterinnen der Gruppe kommunistischer Frauen, die sich für ein gemeinsames Ziel einsetzten. Dabei wurden sie oft von Frauen anderer politischer Parteien unterstützt, die aber im Kontext des »roten Bologna« und der »roten Emilia« im Vergleich zu den Kommunistinnen weniger zahlreich waren. Im nationalen Parlament trat Lodi vehement für die lokalen Interessen ein.

Im Spannungsfeld zwischen historischer Forschung und politischer, individueller, kollektiver und institutioneller Erinnerung ist die politische Rolle der kommunistischen Frauen beim Aufbau dieses erfolgreichen Modells, in dessen Mittelpunkt die Wohlfahrt stand, dennoch allenfalls marginal oder unzureichend gewürdigt worden.

Obwohl der Bologneser PCI sich als fortschrittliche und demokratische Partei, als Partei des praktizierenden Kommunismus zeigen wollte, blieb es fast unbeachtet, dass ein großer Teil der praktischen Arbeit von Frauen geleistet und getragen wurde. Die Partei nahm die (Mit-)Arbeit der Frauen an und »nutzte« sie, um ein vermeintliches »Modell« zu konstruieren, ohne ihre politische Bedeutung anzuerkennen.

Auch in der Geschichtsschreibung wird der Wohlfahrtsaufbau bis heute primär als Ergebnis der hegemonischen politischen Führung der Partei und des vermeintlichen modello emiliano dargestellt.[46] Zwar wird dem Engagement verschiedener politischer Kräfte innerhalb der lokalen Institutionen dabei Rechnung getragen, aber nur begrenzt als Produkt speziell der Arbeit von Frauen. Das Gleiche gilt für internationale Publikationen: Selbst die am Anfang des Artikels zitierte Einleitung von Donald Sassoon in Red Bologna ist wie das gesamte Buch auf Leistungen und Errungenschaften von Männern ausgerichtet.

In einem der ersten Werke, die eine allgemeine Interpretation des emilianischen Kommunismus vorschlugen, stellte Pier Paolo D’Attorre 1981 fest, dass eine umfassendere Bewertung dessen, was er »die Frage der Bürgerrechte« nennt, in der Analyse des Modells der Emilia-Romagna noch fehle.[47] Bis dato habe man, nach seiner Einschätzung, »diesen besonderen Bereich der Konvergenz zwischen sehr unterschiedlichen Komponenten der Gesellschaft und der Frage der ›Bürgerrechte‹ zugunsten einer ökonomischen Perspektive unterschätzt. […] Das Beharren auf der Verbesserung der materiellen Lebens- und Arbeitsbedingungen«, so DʼAttorre, »ging nicht immer mit einer angemessenen Aufmerksamkeit für die Neudefinition der Verknüpfung von öffentlichem und privatem Leben einher, der zwischenmenschlichen Beziehungen und der Stellung der Familie in der Gesellschaft«.[48] Damit bezog sich der Autor implizit, durch einen allgemeinen Verweis auf die Sphäre des Privaten, auf die Handlungsfelder der kommunistischen Frauen. Aber mit dieser kurzen und vor allem versteckten Erwähnung scheint DʼAttorre ihren Einfluss unterschätzt zu haben. Zwar verrichteten die Kommunistinnen ihre Arbeit genau in den genannten Bereichen, trugen aber viel mehr zum Erfolg des Kommunismus in Bologna und der Emilia-Romagna bei, als bis dahin von DʼAttorre und anderen anerkannt wurde. Mehr als 40 Jahre nach diesem Meilenstein in der Historiografie des PCI in der Emilia-Romagna ist es Zeit, endlich den Anteil der Frauen in Bezug auf die Entwicklungen im Bereich der Wohlfahrt sichtbar zu machen und ihn in die Mitte der historischen Kommunismusforschung über die Region zu stellen.

Das politische Handeln der Kommunistinnen als wesentliches Element des Projekts des Kommunismus und letztendlich der lokalen Demokratie in der Region verdient jedoch einen differenzierten und prononcierten Blick. Es sollte in seiner Besonderheit sichtbar und eigenständig sein und dabei gleichzeitig als ein unverzichtbarer Aspekt in die allgemeine Geschichte des Bologneser Kommunismus zwischen 1943/45 und 1991 integriert werden.

Dieser Prozess beinhaltet zunächst eine Neubewertung des Privaten, die weit davon entfernt ist, marginal oder unsichtbar zu sein und sogar als Domäne der Frauen betrachtet zu werden, und die im Sinne des feministischen Slogans »das Private ist politisch« neu interpretiert werden sollte. Der grundlegende Beitrag der Frauen bestand gerade darin, private Angelegenheiten in institutionelle Politik und öffentliche Dienstleistungen zu übersetzen. In dem Maße, in dem die Arbeit der Frauen die Form von Gesetzen, Kindergärten usw. annahm und allen Bürgerinnen und Bürgern von Bologna zugänglich war sowie gesellschaftlichen Fortschritt förderte, leistete sie zudem einen grundlegenden Beitrag zu den kommunistischen Zielen.

Die kommunistischen Frauen trugen vor allem zum erfolgreichen, einflussreichen »italienischen Weg« zum Kommunismus bei, wie er zuerst vom ersten PCI-Sekretär der Nachkriegszeit, Palmiro Togliatti, initiiert worden war. Dies zeigt u. a., dass der Kommunismus auch etwas anderes sein konnte als eine von einer revolutionären Minderheit außerhalb des demokratischen Kontextes getragene Bewegung, nämlich eine Massenpartei, die trotz und vielleicht gerade wegen ihrer Ambivalenzen in einer westlichen demokratischen Gesellschaft bestehen konnte. Gleichzeitig beförderte das weibliche Engagement in besonderem Maße die spezifische emilianische Version des Kommunismus. In diesem Sinne werden Frauen nicht nur als soziale Subjekte, die vor allem im häuslichen Bereich tätig waren, oder als engagierte Mitglieder der Zivilgesellschaft gesehen, sondern auch als politische Akteurinnen gedacht, deren Handeln stark von der kommunistischen Politik inspiriert und in diese integriert war. Als grundlegende, integrierte Erfahrung gehört das Handeln der kommunistischen Frauen zu einer Geschichte des Wiederaufbaus der Demokratie und der lokalen Gesellschaft in Bologna und darüber hinaus untrennbar dazu.

 


[1] Ursprünglich von drei Schweizer Journalistinnen und Journalisten mit sozialdemokratischen Sympathien verfasst: Max Jäggi/Roger Müller/Sil Schmid: Das rote Bologna. Kommunisten demokratisieren eine Stadt im kapitalistischen Westen, Zürich 1976. Englische Fassung: Donald Sassoon: Introduction. Italy Today: A Society in Transition, in: Jäggi/Müller/Schmid: Red Bologna, London 1977, S. 7 f.

[2] Der Begriff »Stadtadministration« steht zusammenfassend für Stadtregierung und Stadtverwaltung.

[3] Luca Baldissara: Tra governo e opposizione. Il ruolo del PCI nella costruzione della democrazia in Italia [Zwischen Regierung und Opposition. Die Rolle des PCI beim Aufbau der Demokratie in Italien], in: Roberto Gualtieri (Hg.): Il PCI nell’Italia repubblicana 1943–1991. Contributi per una storia nazionale ed internazionale [Der PCI im republikanischen Italien 1943–1991. Beiträge zu einer nationalen und internationalen Geschichte], Roma 2001, S. 141–178.

[4] Constitution of the Italian Republic (1948). Official Edition, hrsg. vom Senate of the Republic, Rome 2018. 

[5] Giuseppe Dozza: La politica municipale dei comunisti [Die Kommunalpolitik der Kommunisten], in: Rinascita (1947), H. 5, S. 125–127, zit. nach: Rosario Forlenza: The Italian Communist Party, Local Government and the Cold War, in: Modern Italy 15 (2010), H. 2, S. 177–196, hier S. 180.

[6] Fausto Anderlini: Terra rossa. Comunismo ideale, socialdemocrazia reale. Il PCI in Emilia-Romagna [Rote Erde. Idealer Kommunismus, reale Sozialdemokratie. Der PCI in der Emilia-Romagna], Bologna 1990. Die Bezugnahme auf die Sozialdemokratie fand und findet in der Forschung keine allgemeine Zustimmung.

[7] Sebastiano Brusco: Emilian Model: Productive Decentralisation and Social Integration, in: Cambridge Journal of Economics 6 (1982), H. 2, S. 167–184.

[8] Über diese politischen Entscheidungen wurde in einem Stadtrat abgestimmt, in dem auch die Democrazia Cristiana (DC) und Mitglieder anderer konservativer und kleinerer Parteien als Oppositionskräfte vertreten waren.

[9] In diesem Artikel werden einige der in den folgenden Texten enthaltenen Überlegungen erläutert: Teresa Malice: La scuola dell’infanzia in Emilia-Romagna: un fatto comunista? Asili nido e scuole materne tra ideologia, genere e amministrazione [Vorschulen in der Emilia-Romagna: eine kommunistische Tatsache? Kindergärten und Vorschulen zwischen Ideologie, Geschlecht und Lokalverwaltung], in: Carlo De Maria (Hg.): Storia del PCI in Emilia-Romagna. Welfare, lavoro, cultura, autonomie (1945–1991) [Die Geschichte des PCI in der Emilia-Romagna. Wohlfahrt, Arbeit, Kultur, Autonomie (1945–1991)], Bologna 2022, S. 179–227; Teresa Malice: »Un’altra dimensione del mondo«. Azione politica femminile e relazioni di genere nel comunismo emiliano-romagnolo (19431991) [»Eine andere Dimension der Welt«. Politisches Handeln von Frauen und Geschlechterbeziehungen im Kommunismus in der Emilia-Romagna (1943–1991)], in: Luca Baldissara/Paolo Capuzzo (Hg.): Il comunismo in una regione sola? Prospettive di storia del PCI in Emilia-Romagna [Der Kommunismus in einer Region? Perspektiven für die Geschichte des PCI in der Emilia-Romagna], Bologna 2023, S. 321–362.

[10] Siehe unter anderem die Arbeiten von Elda Guerra, Fiorenza Tarozzi, Eloisa Betti und Caterina Liotti sowie die Publikationen über die Frauen im Widerstand in der Emilia-Romagna und darüber hinaus, beginnend mit Franca Pieroni Bertolotti: Le donne nella Resistenza antifascista e la questione femminile in Emilia (1943–1945) [Frauen im antifaschistischen Widerstand und die Frauenfrage in der Emilia (1943–1945)], Milano 1978.

[11] Hinweise auf den Bologneser Kommunismus in den 1940er- und 1950er-Jahren finden sich z. B. in Claudia Gatzka: Anders unter Gleichen. Frauen, Männer und Weiblichkeit im italienischen Kommunismus der Nachkriegszeit, in: Ulrich Mählert u. a. (Hg.): Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2015, Berlin 2015, S. 95–112. Zur »kommunistischen Moral« und den Geschlechterbeziehungen auf nationaler Ebene siehe Sandro Bellassai: La morale comunista. Pubblico e privato nella rappresentazione del PCI (1947–1956) [Die kommunistische Moral. Das Öffentliche und das Private in der Vorstellung des PCI (1947–1956)], Roma 2000.

[12] Paola Gaiotti di Biase: La donna nella vita politica e sociale della Repubblica 1945–1948 [Frauen im politischen und gesellschaftlichen Leben der Republik 1945–1948], Milano 1978, S. 58–68; Giuliana Bertagnoni: Le donne nel PCI alla vigilia del »miracolo economico« [Frauen im PCI am Vorabend des »Wirtschaftswunders«], in: Alberto De Bernardi/Alberto Preti/Fiorenza Tarozzi (Hg.): Il PCI in Emilia-Romagna. Propaganda, sociabilità, identità dalla ricostruzione al miracolo economico [Der PCI in der Emilia-Romagna. Propaganda, Soziabilität, Identität vom Wiederaufbau bis zum Wirtschaftswunder], Bologna 2004, S. 41–58; Gatzka: Anders unter Gleichen (Anm. 11); die Essays von Capelli, Malice, Orlandini und Betti in: De Maria: Storia del PCI (Anm. 9), die sich auf unterschiedliche Weise auf den politischen Beitrag der Kommunistinnen beziehen. 

[13] Zum Prozess der Annäherung der UDI an die feministischen Bewegungen und ihrer Entfremdung vom PCI in den 1970er- und 1980er-Jahren siehe Chiara Ferrari: Contested Foundations. Postmodern Feminism and the Case of the Union of Italian Women, in: Signs 33 (2008), H. 3, S. 569–594.

[14] Alexander Höbel: La »democrazia progressiva« nell’elaborazione del Partito comunista italiano [Die »progressive Demokratie« in der Entwicklung der Kommunistischen Partei Italiens], in: Historia Magistra 18 (2015), H. 2, S. 57–72.

[15] Discorso alla conferenza delle donne comuniste [Rede auf der Konferenz der kommunistischen Frauen], Roma, 2–5 giugno 1945, in: Palmiro Togliatti: Discorsi alle donne [Reden an die Frauen], hrsg. von Sezione femminile del P.C.I, Novara 1953, S. 11–44.

[16] Bellassai: La morale comunista (Anm. 11).

[17] Miriam Mafai: L’apprendistato della politica. Le donne italiane nel dopoguerra [Das Praktikum der Politik. Die italienischen Frauen in der Nachkriegszeit], Roma 1979.

[18] Gatzka: Anders unter Gleichen (Anm. 11), S. 95–112.

[19] Le prime elezioni amministrative [Die ersten Kommunalwahlen], 24 marzo 1946: http://www.comune.bologna.it/storiaamministrativa/facts/detail/39423 (ges. am 8. März 2023).

[20] Paola Furlan: Votare per una città più bella. Le donne e il primo voto amministrativo a Bologna [Abstimmen für eine schönere Stadt. Frauen und die erste Kommunalwahl in Bologna], in: Patrizia Dogliani/Maurizio Ridolfi (Hg.): 1946. I Comuni al voto. Elezioni amministrative, partecipazione delle donne [1946: Gemeinden an der Wahlurne. Die Kommunalwahlen und die Beteiligung der Frauen], Imola 2007, S. 207–228.

[21] Le prime elezioni amministrative (Anm. 19).

[22] Furlan: Votare (Anm. 20).

[23] Ebd.

[24] Malice: La scuola dell’infanzia (Anm. 9), S. 200–202.

[25] Claudia Gatzka: Die Demokratie der Wähler. Stadtgesellschaft und politische Kommunikation in Italien und in der Bundesrepublik 1944–1979, Düsseldorf 2019, S. 66.

[26] Anna Bravo/Anna Maria Bruzzone: In guerra senza armi. Storie di donne, 1940–1945 [Im Krieg ohne Waffen. Frauengeschichten 1940–1945], Roma/Bari 1995.

[27] Elda Guerra: Che genere di welfare? Visioni e pratiche femminili tra associazioni e istituzioni (1944–1970) [Welche Art von Wohlfahrt? Visionen und Praktiken von Frauen zwischen Verbänden und Institutionen (1944–1970)], in: Caterina Liotti: Differenza Emilia. Teoria e pratiche politiche delle donne nella costruzione del »modello emiliano« [Emilia macht den Unterschied. Theorie und politische Praxis der Frauen bei der Konstruktion des »emilianischen Modells«], Rom 2019, S. 93–128, S. 96 f.; Anna Bravo: Resistenza civile, resistenza delle donne [Ziviler Widerstand, Widerstand der Frauen], in: Storia e problemi contemporanei (1999), H. 24, S. 1–16.

[28] Bruno Maida: I treni dell’accoglienza. Infanzia, povertà e solidarietà nell’Italia del dopoguerra, 1945–1948 [Die Empfangszüge. Kindheit, Armut und Solidarität im Italien der Nachkriegszeit, 1945–1948], Torino 2020.

[29] Z. B. Intervista a Vittorina Dal Monte [Interview mit Vittorina Dal Monte], in: Guerra: Che genere di welfare (Anm. 27), S. 106 f. Zu Dal Monte siehe auch Elda Guerra: Attraverso il Novecento. Vittorina Dal Monte tra Partito comunista e movimento delle donne (1922–1999) [Durch das 20. Jahrhundert. Vittorina Dal Monte zwischen der Kommunistischen Partei und der Frauenbewegung], Roma 2021.

[30] Palmiro Togliatti: Ceto medio ed Emilia rossa. Discorso pronunciato a Reggio Emilia [Der Mittelstand und die rote Emilia. Rede in Reggio Emilia], Roma 1946. Für eine Interpretation der komplexen Zusammenhänge zwischen frühem Reformsozialismus und Nachkriegskommunismus aus einer Perspektive der Longue durée siehe Carlo De Maria: Il »modello emiliano« nella storia d’Italia. Tra culture politiche e pratiche di governo locale [Das »Emilianische Modell« in der Geschichte Italiens. Zwischen politischen Kulturen und lokalen Regierungspraktiken], Bologna 2014.

[31] Noel Whiteside: The Beveridge Report and Its Implementation: A Revolutionary Project?, in: Histoire @ Politique 24 (2014), H. 3, S. 24–37.

[32] Eloisa Betti: Tra lavoro e welfare. Il contributo femminile alla costruzione del modello emiliano [Zwischen Arbeit und Wohlfahrt. Der weibliche Beitrag zum Aufbau des »Emilianischen Modells«], in: De Maria (Hg.): Il »modello emiliano« (Anm. 30), S. 177–192, hier S. 180. Siehe auch Ilda Vaccari: La donna nel Ventennio fascista (1919–1943) [Die Frau in der faschistischen Zeit (1919–1943)], Milano 1978, S. 31.

[33] Dazu Eloisa Betti: UDI e welfare in prospettiva storica (1945–1982). Un percorso attraverso i congressi, i convegni, le assemblee e le manifestazioni nazionali dell’UDI [UDI und Wohlfahrt in historischer Perspektive (1945–1982). Eine Reise durch die Kongresse, Tagungen, Versammlungen und nationalen Veranstaltungen der UDI], in: Welfare in Emilia-Romagna: una storia di donne. Gli archivi dell’UDI raccontano. Rapporto di ricerca [Wohlfahrt in der Emilia-Romagna: Eine Geschichte der Frauen. Das UDI-Archiv erzählt. Ein Forschungsbericht], 2013, S. 17–26.

[34] Micaela Gavioli: La Rete archivi UDI dell’Emilia-Romagna e il progetto »Welfare in Emilia-Romagna: una storia di donne. Gli archivi dell’UDI raccontano« [Das UDI-Archivnetzwerk der Emilia-Romagna und das Projekt »Wohlfahrt in der Emilia-Romagna: eine Geschichte der Frauen. Die UDI-Archive erzählen«], ebd., S. 6–15, S. 11.

[35] Interview mit Adriana Lodi, in: La febbre del fare. Bologna 1945–1980 [Das Fieber des Handelns. Bologna 1945–1980], Mammut Film, 2010.

[36] Malice: La scuola dell’infanzia (Anm. 9), S. 206 f.

[37] Gaiotti di Biase: La donna (Anm. 12).

[38] Guerra: Che genere di welfare, S. 99 (Anm. 26). Eigene Übersetzung.

[39] Artikel 3 der italienischen Verfassung von 1948.

[40] Adriana Lodi: Iter parlamentare della legge 7 dicembre 1971 [Parlamentarisches Verfahren des Gesetzes vom 7. Dezember 1971], in: Lorenzo Campioni/Franca Marchesi (Hg.): Sui nostri passi. Tracce di storia dei servizi educativi nei comuni capoluogo dell’Emilia-Romagna [Auf unseren Spuren. Überreste der Geschichte des Bildungswesens in den Hauptstädten der Emilia-Romagna], Reggio Emilia 2014, S. 34–45, hier S. 34, zit. nach Malice: La scuola dell’infanzia (Anm. 9), S. 214.

[41] Die Analyse der Erfahrungen aus der Reggio-Pädagogik ist zu komplex, um hier ausführlich behandelt zu werden. Siehe dazu Ombretta Lorenzi/Antonio Canovi/Ettore Borghi (Hg.): Una storia presente: l’esperienza delle scuole comunali dell’infanzia a Reggio Emilia [Geschichte der Gegenwart: Die Erfahrungen der kommunalen Vorschulen in Reggio Emilia], Reggio Emilia 2001, sowie Malice: La scuola dell’infanzia (Anm. 9).

[42] Lorenzi/Canovi: Tra urgenza sociale e prospettiva pedagogica. Per una storia degli interventi municipali sull’infanzia [Zwischen sozialer Dringlichkeit und pädagogischer Perspektive. Zur Geschichte der kommunalen Interventionen im Kindesalter], in: Lorenzi/Canovi/Borghi: Una storia presente (Anm. 41), S. 51–114, hier S. 60.

[43] Malice: La scuola dell’infanzia (Anm. 9), S. 215.

[44] So z. B. in: Manifesto di rivolta femminile [Manifest der Frauenrevolte], Roma 1970.

[45] Zu den Unterschieden, aber auch zu den Annäherungsversuchen zwischen der emanzipatorischen Perspektive (in der Tradition der Arbeiterbewegung) und der Perspektive der »sexuellen Differenz« (neue Feminismen) siehe u. a. Fiamma Lussana: Un’emancipazione di tipo nuovo. Parità e differenza sessuale a confronto [Eine Emanzipation neuen Typs. Gleichheit und sexuelle Differenz im Vergleich], in: Francesca Russo/Stefano Mangullo (Hg.): Nilde Iotti nella storia della Repubblica. Donne, politica, e istituzioni [Nilde Iotti in der Geschichte der Republik. Frauen, Politik und Institutionen], Roma 2021, S. 83–95.

[46] De Maria: Il »modello emiliano« (Anm. 30); De Maria: Storia del PCI (Anm. 9), aber auch Pier Paolo D’Attorre: I comunisti in Emilia-Romagna nel secondo dopoguerra: un’ipotesi di lettura [Die Kommunisten in der Emilia-Romagna nach dem Zweiten Weltkrieg: eine Interpretationshypothese], in: ders. (Hg.): I comunisti in Emilia-Romagna. Documenti e materiali [Kommunisten in der Emilia-Romagna. Dokumente und Materialien], Bologna 1981.

[47] Ebd., S. 7–29, hier S. 23.

[48] Ebd. Eigene Übersetzung.

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