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Buchcover

Roman

Metropol

Eugen Ruge

Eugen Ruge erzählt im Roman Metropol von seinen emigrierten Großeltern in Moskau während des stalinistischen Terrors. Im Zentrum der Handlung steht das Hotel Metropol, in einem Jugendstil-Prachtbau aus der Zarenzeit. Dort werden die deutsche Kommunistin Charlotte und ihr Mann Wilhelm zwangseinquartiert. Nach der Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland arbeiten beide beim Nachrichtendienst der Komintern und geraten aufgrund ihrer Bekanntschaft zu einem „Volksfeind“, dem in Moskau der Prozess gemacht wird, in die Maschinerie des stalinistischen Terrors. So beginnt das bange Warten des Paares auf eine Untersuchung des Falles, was 477 Tage andauern wird. Eugen Ruge wurde 1954 in Soswa (Ural) geboren. Der diplomierte Mathematiker begann seine schriftstellerische Laufbahn mit Theaterstücken und Hörspielen. Für "In Zeiten des abnehmenden Lichts" wurde er unter anderem mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

Buchcover

Roman

Rotes Licht

Maxim Kantor

In Maxim Kantors Roman „Rotes Licht“ führt sich der Historiker Solomon Richter, im Sterben liegend, die eigene Geschichte noch ein letztes Mal vor Augen. Der Protagonist befindet sich in einem Vorstadtkrankenhaus in Moskau, aus dem Fernseher vernimmt er Nachrichten über den Krieg im Donbass. Seine eigene Geschichte ist auch die des 20. Jahrhunderts, und so nimmt er Leser mit auf eine Reise durch die russische Geschichte von der Russischen Revolution über stalinistischen Terror, den Zweiten Weltkrieg und schließlich den Ukraine-Krieg. 

Buchcover

Roman

Das Haus der Regierung. Eine Saga der Russischen Revolution

Juri Slezkine

Juri Slezkine erzählt in seinem Roman "Das Haus der Regierung. Eine Saga der Russischen Revolution" die Geschichte der Sowjetunion anhand der Bewohner eines Hauses. In dem "Haus an der Moskwa", welches in den 1930er-Jahren erbaut wurde, befinden sich 500 Wohnungen für die politische und kulturelle Elite des sozialistischen Staates. Anhand der Biographien der Menschen, die in den Wohnungen leben, zeichnet der Autor die Zeit von der Russischen Revolution über Stalins Großen Terrors bis ins heutige Russland nach. Dabei entstehen drei miteinander verwobene Erzählstränge: ein biografischer, ein ideengeschichtlicher und ein literaturwissenschaftlicher, die jeder für sich große, detailreiche Bögen ziehen. 

Buchcover

Roman

Die Katze und der General

Nino Haratischwili

Er wird von allen nur „Der General“ genannt: Der russische Oligarch Alexander Orlow hat in Berlin ein neues Leben begonnen, aber trotzdem lassen ihn die Erinnerungen an seinen Einsatz im Ersten Tschetschenienkrieg nicht los. Der Roman „Die Katze und der General“ von der Autorin Nino Haratischwili ist ein spannungsreicher und psychologisch tiefgreifender Roman über den Krieg und die Sehnsucht nach Frieden und Erlösung. Orlow wird besonders geplagt von der Erinnerung an die Nacht, in der die 17-jährige Nura von einer Gruppe russischer Soldaten vergewaltigt und erdrosselt wird. Von der Tschetschenin Nura bleibt nichts als ungesühnte Schuld. Alexander Orlow kämpft um Aufklärung und Gerechtigkeit: Er will sich selbst und seine Mittäter verurteilt und bestraft sehen. Der fesselnde Roman erzählt aus wechselnden Figurenperspektiven ein Szenario, das in den 1990er-Jahren beginnt und sich bis ins Jahr 2016 erstreckt. Die Schicksale der Figuren sind ineinander verflochten und drehen sich um Liebe und Schuld. Die Autorin zeichnet die Abgründe der zerfallenen Sowjetunion nach und beschreibt die Zeit der Orientierungslosigkeit durch den Untergang des Sowjetreiches. Haratischwili erzählt von den Schrecken des Krieges und lädt die Leser auf eine Reise in das größtenteils unbekannte Tschetschenien ein. Der Roman beruht auf einer wahren Begebenheit.

Buchcover

Roman

Die Selmenianer

Moische Kulbak

Die Selmenianer handelt von einer jüdischen Großfamilie, deren Lebenswelt durch die Russische Revolution allmählich aus den Fugen gerät. In vier Generationen leben unter anderem die Brüder Itsche, Sische, Juhde und der Außenseiter Folje, deren Frauen Gite und Malke, deren Söhne, der schlaue Falke und der lebensmüde Zalke, sowie die Töchter Tonke, Chaje und Sonja auf dem „Rebsehof“ des verstorbenen Ahnen Reb Selmele, der aus dem tiefsten Russland stammt. Der Clan besteht aus verschiedenen bewegenden Figuren, denn alle in der Familie haben ihre Eigenheiten: Einer, dessen häufiges Seufzen wie ein Wiehern klingt, der andere, der in Ohnmacht fällt, wenn er nicht mehr weiter weiß und wieder einer, der sich von Zeit zu Zeit umbringen will, dem es aber nie gelingt. Die Familie befindet sich im Konflikt zwischen Modernisierungsverweigerung und Fortschrittsglauben und als die Selmenianer eines Tages ihren Hof verlassen müssen, ist eine alte jüdische Welt verloren gegangen. Kulbaks Roman erschien erstmals 1971 in der Sowjetunion, allerdings zensiert. Mehr über den 1896 geborenen Autor, welcher 1937 in einem Schauprozess zum Tode verurteilt wurde, lässt sich im aufschlussreichen Nachwort von Susanne Klingenstein lesen. 

Buchcover

Roman

Das Gesicht der Zeit

Czesław Miłosz

Die ersten Gedichte Czesław Miłosz' wurden bereits 1930 in der Studentenzeitung "Alma Mater Vilnensis" abgedruckt. "Das Gesicht der Zeit" gilt als sein erster Roman, der aus den zwei Teilen "Sommer 1944" und "Elba" besteht und die Leidenszeit Polens beschreibt. Er stellt den Prozess der Installation der kommunistischen Macht in Polen dar, die darin bestand, die Gesellschaft durch Gewalt und Angst zu entmachten. Nicht nur aufgrund ihrer Größe und der Bedeutung für Moskau als wichtigstes Transitland, nahm die Volksrepublik Polen zum Westen eine Sonderstellung im ehemaligen Ostblock ein: Als einziges Land in Osteuropa hatte Polen im Zweiten Weltkrieg nicht mit dem Dritten Reich kollaboriert und vor dem Krieg hatten die Kommunisten – anders als in der Tschechoslowakei – keine nennenswerte Unterstützung gefunden. Czesław Miłosz selbst, gehörte zwischen 1931 und 1934 den "Żagary" an, einem polnischen Kreis von Literaten, die dem Nationalismus kritisch gegenüberstanden, während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg war er im Untergrund tätig und in der Zeit von 1945 und 1949 war er auf verschiedenen Posten diplomatischer Vertretungen der Volksrepublik Polen in Washington, D.C und New York City. 1980 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Screenshot der online verfügbaren Version auf http://hamburg-18-19.de

Comic

Rote Fahne, schwarzer Markt. Bruno Hansen und die Revolution in Hamburg

Isabel Kreitz, Ronald Brack

„Rote Fahne, schwarzer Markt. Bruno Hansen und die Revolution in Hamburg“ ist eine Graphic Novel von Isabel Kreitz (Illustratorin) und Ronald Brack (Autor) aus dem Jahr 2018. Die Geschichte spielt im November 1918 in Hamburg. Protagonist des Comics ist der junge Matrose Bruno Hansen. Aus dem Krieg  zurückgekehrt, schließt er sich der revolutionären Bewegung in Hamburg an. Für deren Ideen begeistert sich schnell auch seine Schwester Lene, die davon überzeugt ist, dass Frauen die gleichen Rechte auf gesellschaftliche und politische Teilhabe besitzen wie Männer und unter den Revolutionärinnen und Revolutionären Gleichgesinnte findet. Den historischen Hintergrund der Handlung bildet die Novemberrevolution: Ende 1918 ist das Deutsche Reich in eine ausweglose Position geraten; der Krieg ist nicht mehr zu gewinnen. Die Marine soll dennoch zu einem aussichtslosen Gefecht auslaufen. Die Matrosen in Kiel verweigern den Befehl. Von dort aus breitet sich die Revolution schnell im ganzen Land aus; die Ideen sind stark geprägt von denen der Russischen Revolution im Jahr zuvor. Die Revolution führt schließlich zum Abdanken des Kaisers und zum Ende der Monarchie in Deutschland. Die Graphic Novel ist ein gemeinsames Projekt der Stiftung Historisches Museum Hamburg und der Landeszentrale für politische Bildung. Es ist erhältlich im Museumsshop sowie im Infoladen der Landeszentrale und steht online vollständig zur Verfügung.

Buchcover "siberian haiku", Aukso žuvys.

Comic

Siberian haiku

Jurga Vilė, Lina Itagaki

Der Comic Siberian haiku, geschrieben von Jurga Vilė und illustriert von Lina Itagaki, erzählt von einer wahren Geschichte und beschäftigt sich mit der Deportation der Einwohner Litauens während der sowjetischen Besatzungszeit. Im Juni 1940 besetzte die Rote Armee das ehemals unabhängige Litauen und trieb die Sowjetisierung des Landes voran. Während der sowjetischen Besatzungszeit wurden mehr als 350.000 Einwohner Litauens nach Sibirien zwangsdeportiert. Das Buch von Jurga Vilė basiert auf der Biografie ihres Vaters und erzählt aus der Sicht des 13-jährigen Algiukas von der Deportation seiner Familie von Litauen nach Sibirien im Jahr 1941. Die Grafik Novelle zeichnet auf emotionale Weise ein Bild vom Leben in der Verbannung, der sowjetischen Besatzungszeit und der erzwungenen Umsiedelung der litauischen Einwohner.  

Cover des Buches "Münchhausens Rückkehr", Dörlemann

Roman

Münchhausens Rückkehr

Sigismund Krzyżanowski

„Münchhausens Rückkehr“ ist ein Roman des russischen Autors Sigismund Krzyżanowskis. Das Werk ist inspiriert von den „Geschichten des Baron Münchhausen“, einer Sammlung fantastischer Erzählungen aus dem 18. Jahrhundert, die dem deutschen Adligen Freiherr Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen zugeschrieben werden. Krzyżanowski greift die Figur des Lügenbarons neu auf und führt ihn auf neuen Abenteuern ins Berlin, London und Moskau der 1920er-Jahre – einer Epoche, in der der Baron landet, nachdem er vom Zeiger der Zeit abstürzt und in der Bibliothek des Schlosses Trianon in Versailles landet. Das Buch ist in deutscher Erstübersetzung 2019 bei Dörlemann erschienen. Sigismund Krzyżanowski war einer der maßgebenden Autoren der russischen Moderne. 1887 in Kiew geboren, zog er 1922 nach Moskau, wo er unter prekären Verhältnissen am Arbat lebte und exzessiv schrieb, ohne je ein Buch veröffentlichen zu können. Er starb 1950. Erst seit 1989 werden seine Schriften auch in Russland publiziert.

Ausschnitt des Buchcovers "Im Schatten des Banyanbaums", Unionsverlag

Roman

Im Schatten des Banyanbaums

Vaddey Ratner

Eine unglaubliche Lebensgeschichte erzählt die Autorin Vaddey Ratner in ihrem Roman „Im Schatten des Banyanbaums“, der von Stephanie von Harrach aus dem Englischen übersetzt wurde. Raamis Kindheit endet mit sieben Jahren urplötzlich, als in Kambodscha die Roten Khmer an die Macht gelangen und alle Bewohner aus der Hauptstadt vertreiben. Mit der Herrschaft der Roten Khmer beginnt eine Zeit der Massendeportationen, der Zwangsarbeit, des Hungers und der Vernichtung des Bürgertums. Die Roten Khmer erlangten 1975 die Macht in Kambodscha und regierten das Land mit einem totalitären Führungsstil bis 1979. Ziel dieser Guerillabewegung war die gewaltsame Etablierung eines Agrarkommunismus. Ratner erzählt die Geschichte aus der Perspektive der lebensfrohen und fantasiebegabten Raami, wobei deren Lebensgeschichte an ihre eigene erinnert. Die Autorin selbst war fünf Jahre alt, als die Roten Khmer alle Einwohner aus Pnom Penh aufs Land vertrieben.  Einfühlsam schildert sie wie die bisher sorglose und beschützte Welt der Adelsfamilie unter der Herrschaft der Roten Khmer zusammenbrich und sie die Grausamkeit der neuen Machtinhaber erleben müssen. Aber gleichzeitig erfährt Raamis Familie auch die unendliche Großzügigkeit und Güte der Menschen auf dem weiten Land. Der Roman zeichnet nach, wie ein Kind aus einer privilegierten Stellung herausgerissen wird und sich nach und nach mit zahlreichen Entbehrungen in einer vollständig neuen Lebenssituation zurechtfinden muss. In Ratners Roman stehen die beschriebenen Entbehrungen und Gräueltaten im Kontrast zu der poetischen Phantasiewelt der kleinen Raami, in die sie sich immer wieder zurückzieht. Der historische Roman ist als Taschenbuch und als E-Book erhältlich.

Buchcover

Roman

Die denkwürdigen Abenteuer des Soldaten Iwan Tschonkin

Wladimir Woinotwitsch

Wladimir Woinotwitschs satirischer Roman "Die denkwürdigen Abenteuer des Soldaten Iwan Tschonkin" spielt in der Sowjetunion des Jahres 1941. Der Soldat Tschonkin wird in ein Kolchos zur Bewachung eines Flugzeuges abgestellt – zu einer anderen Form des Wehrdienstes hat er sich aufgrund seiner mangelnden Intelligenz für untauglich erwiesen. Im Kolchos lebt Tschonkin glücklich mit der Briefträgerin Njura – bis er in die Mühlen des stalinistischen Systems gerät. Doch – und hier wird klar, warum Tschonkin so oft mit Jaroslav Hašeks "Der brave Soldat Schwejk" verglichen wird – Tschonkin findet in all seiner Einfalt stets einen Unterschlupf. "Die denkwürdigen Abenteuer des Soldaten Iwan Tschonkin" ist Woinowitschs berühmtestes Werk, doch zum Zeitpunkt seines Erscheinens war er beim sowjetischen Regime aufgrund seiner satirischen Werke, die die Absurditäten des Systems hervorhoben, bereits in Ungnade gefallen; 1980 verließ er mit seiner Familie die Sowjetunion. Woinowitsch, der 2018 verstarb, wird nicht nur für sein eigenes schriftstellerisches Werk in Erinnerung bleiben: er war es, der Anfang der 1970er-Jahre das Manuskript von Wassilij Großmanns Roman "Leben und Schicksal" aus der Sowjetunion in den Westen schmuggelte und somit dem Werk über Stalins Schreckensherrschaft zur Veröffentlichung verhalf. 

Buchcover

Roman

Spiritus

Ismail Kadare

Der Roman „Spiritus“ des albanischen Autors Ismail Kadare handelt von einem zunehmend erblindenden Geheimdienstleiter – und den daraus resultierenden immer wahnwitziger anmutenden Lauschangriffen, die der Geheimdienst auf die Bevölkerung verübt. Im Zentrum des Romans steht die neue Abhörtechnik, die „Ohren des Todes“ die, so scheint es, selbst die Stimmen der Toten belauschen und somit jegliche nur denkbar existente Form staatskritischer Gespräche unterbinden. Ungeachtet solch fantastischer Aspekte des Romans findet sich die Handlung in einer durchaus realistischen Beschreibung des albanischen Staates zur Zeit des Regimes Enver Hoxha wieder, dessen Geheimdienste in ihrer Bespitzelung der Bevölkerung ähnlich absurde Züge wie die im Buch geschilderten annahmen. Ismail Kadara wurde 1936 in der südalbanischen Stadt Gjirokastra geboren und lebte bis 1990 in Tirana. Der literarische Durchbruch gelang ihm mit dem Roman „Der General der toten Armee“.

Buchcover

Roman

Klara Vergessen

Isabelle Autissier

Das Buch Klara Vergessen von Isabelle Autissier behandelt die Spurensuche des Protagonisten Juri nach dem Schicksal seiner Großmutter Klara. Nach einer tristen Kindheit und harten Jugend in die USA gezogen, kehrt der Ornithologe auf Bitte seines sterbenskranken Vaters Rubin nach Murmansk zurück. Dort soll er den Verbleib seiner Großmutter ergründen. Diese war, genau wie ihr Ehemann Anton, als Wissenschaftlerin in der stalinistischen Ära tätig und verschwand nach ihrer Festnahme für immer. Dies und eine schwere Kindheit ließen Rubin verbittern. Auch an die schon verstorbene Mutter, die sich von der Heirat mit dem Seemann Rubin einen sozialen Aufstieg erhoffte, hat Juri keine zärtlichen Erinnerungen. So kehrt er an den Ort zurück, von dem er dachte, dass er ihn für immer hinter sich gelassen hat und verfolgt die Spuren Klaras durch siebzig Jahre russischer Geschichte und erfährt viel Schreckliches und Abgründiges.

Buchcover

Belletristik

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

Milan Kundera

Milan Kunderas "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" spielt in der ehemaligen Tschechoslowakei sowie in der Schweiz während in der Zeit vor, während und nach dem Prager Frühling. Hauptfiguren sind das Paar Tomas und Teresa. Die Beobachtung ihrer Beziehung, welche Kundera durch weitreichende philosophische Betrachtungen und Diskurse bereichert, bildet den zentralen Handlungsstrang des Romans. Diese Beziehung geschieht jedoch vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse jener Zeit und ist nachhaltig von diesen geprägt. Während des Prager Frühlings beginnt Teresa als Fotoreporterin die Ereignisse zu dokumentieren, bevor die mit Tomas in die Schweiz flieht. Nach einiger Zeit kehren sie in die Tschechoslowakei zurück und müssen sich nach den Freiheiten, die sie im Schweizer Exil hatten, aufs Neue in das repressive Regime in ihrer alten Heimat einleben. 

Roman

Wo der Hund begraben liegt

Pavel Kohout

Der autobiographische Roman "Wo der Hund begraben liegt" des tschechisch-österreichischen Schriftstellers Pavel Kohout erzählt von den Erlebnissen des Autors und seiner Frau, Jelena Mašínová, zur Zeit der "Normalisierung nach dem Prager Frühling" in der Tschechoslowakei bis zu ihrer Ausweisung im Jahr 1979. Die Handlung des Romans ist in einen vom tschechischen Geheimdienst initiierten Kriminalfall eingebettet, welche dramaturgisch in einem Mordanschlag auf den Dackel des Ehepaares gipfelt. Auch die Entstehung der Charta 77 findet in der Geschichte ihren Platz und so ergeben sich ausführliche Beschreibungen des Alltages unter einer sozialistischen Diktatur sowie des Verfolgungsschicksals führender tschechischer Dissidenten. Der Memoir-Roman zeigt wie der Staat reagierte, um auf das Leben des einzelnen oder einer Gruppe einzuwirken: Die Sprecher und Anhänger der Bürgerrechtsbewegung „Charta 77“ wurden mundtot gemacht. Jene, die sich beharrlich weigerten einen Fuß außer Landes zu setzen, kamen ins Gefängnis und wer wie Pavel Kohout und seine Frau das Wagnis einging, eine Auslandsreise in Anspruch zu nehmen, wurde nie wieder in das Land hineingelassen.

Buchcover

Roman

Und Marx stand still in Darwins Garten

Ilona Jerger

Charles Darwin und Karl Marx haben sich nie getroffen. Das hinderte die Journalistin Ilona Jerger nicht, einen Roman zu schreiben, in dem sich die beiden bei einem Dinner in England begegnen und nach einer hitzigen Debatte über Gott und Gerechtigkeit ein persönliches Gespräch beginnen. Jerger lässt den fiktiven Arzt Dr. Becket als Netzwerker auftreten, der den Autor von „Über die Entstehung der Arten“ ebenso wie den Autor von „Das Kapital“ behandelt und versucht, beide zusammen zu bringen. „Und Marx stand still in Darwins Garten“ zeichnet ein gemeinsames Porträt der zwei großen Denker des 19. Jahrhunderts mit ihren Eigenheiten, seelischen Lasten und ihrem Verhältnis zur Religion. Denn auch wenn die titelgebende Geschichte frei erfunden ist, hat die Autorin für ihren Roman tausende Briefe und Mitschriften recherchiert und auf diese Weise die zeitgenössische Sprache mit ihren Figuren verwoben. Ganz gemäß ihren real existierenden Äquivalenten diskutieren Jergers Darwin und Marx über “Gott und die Welt“, aber auch über ihre seelischen und körperlichen Leiden.

Buchcover

Belletristik

2017

Olga Slawnikowa

Olga Slawnikowas Roman spielt in Russland, kurz vor den Jubiläumsfeiern zum hundertsten Jahrestag der Oktoberrevolution. Der Edelsteinschleifer Krylow begleitet seinen Arbeitgeber, Professor Anfilogow, zum Bahnhof, von wo dieser zu einer Expedition in den Norden aufbrechen wird. Krylow beginnt einer Affäre mit einer ihm unbekannten Frau – und schon bald erscheint ein Spion auf der Bildfläche, der Krylow und seine Geliebte bei allen Treffen zu beobachten scheint. Während Krylow sich immer tiefer in einem Netz von Korruption, Reichtum und illegalen Machenschaften verstrickt, eskalieren die Feierlichkeiten zum hundertsten Jahrestag: Als der Bürgerkrieg zwischen Menschewiki und Bolschewiki szenisch nachgestellt werden soll, können die Teilnehmenden nicht mehr zwischen Spiel und Wirklichkeit unterscheiden und die Situation gerät außer Kontrolle. „2017“ lässt sich nicht eindeutig einem Genre zuordnen, ist gleichzeitig Liebesromanze, Dystopie, Thriller, Sci-Fi-Roman, Fantasy und Politsatire. Im Original bereits 2006 erschienen, erschien der Roman 2017 erstmals in deutsche Übersetzung.  

Buchcover

Roman

Tochter des Diktators

Ines Geipel

Dieser Roman erzählt von einer Liebe im politischen Geflecht zwischen Paris, Leningrad, Rom, Ost-Berlin und dem erzkatholischen Cigoli. Ivano Matteoli, Sohn eines KP-Funktionärs, verlässt Anfang der 60er Jahre sein toskanisches Heimatdorf gen Leningrad. Zurück bleibt seine beste Freundin Anni, die die Geschichte erzählt und auch aus der Distanz Ivanos Lebensweg verfolgt. Im Studium lernt Ivano Bea kennen, die Tochter von Walter Ulbricht und das "erste Staatskind der DDR". Zwischen den beiden entwickelt sich eine verhängnisvolle Liebe, die fast von den Eltern, Walter und Lotte Ulbricht, verhindert wird. Es gelingt ihnen zwar nicht wirklich, doch der Preis dafür ist hoch. Beate, die Ivano nur heiraten darf, als er mit ihr in die DDR zieht, wird zur Konkurrentin, zur wunden Stelle im Leben Annis. Doch schon bald ist Anni in einer anderen Stadt mit einer anderen Version von Revolution beschäftigt, im 1968er Paris. Rasch radikalisieren sich die linken Ideen in Italien und führen in fürchterlichen Terror. Während Ivano um seine Beziehung und seinen Traum vom Kommunismus ringt, muss die Erzählerin wieder nach Cigoli zurück, zu ihrem Vater, dem Diktator ihrer Kindheit. 

Cover des Buches "Rote Handschuhe", Deutscher Taschenbuchverlag

Roman

Rote Handschuhe

Eginald Schlattner

Eginald Schlattners Gefängnisroman „Rote Handschuhe“ beschreibt die Erfahrungen des Autors in den berüchtigten Geheimpolizei-Gefängnissen im Rumänien unter der Herrschaft Nicolae Ceausescus. Eginald Schlattner selbst wurde 1957 verhaftet und 1959 wegen "Nichtanzeige von Hochverrat" verurteilt. Im Roman beschreibt er eindrücklich den Alltag der Häftlinge: die Haftbedingungen, die Verhöre, die Folter und nicht zuletzt den Punkt, an dem die psychisch und physisch gebrochenen Gefangenen „kollaborieren“ und Namen vermeintlicher Komplizen aussagen. Eginald Schlattner, 1933 in Arad (Rumänien) geboren, wuchs in Fogarasch am Fuße der Karpaten auf und studierte bis zu seiner Relegation evangelische Theologie in Klausenburg, anschließend Mathematik und Hydrologie. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis arbeitete er als Tagelöhner und später als Ingenieur. 1973 nahm Schlattner noch einmal das theologische Studium auf. Er ist heute Gefängnispfarrer in in Rosia (Rothberg) bei Hermannstadt.

Cover des Buches "Der Mann, der Hunde liebte", Unionsverlag

Roman

Der Mann der Hunde liebte

Leonardo Padura

Leonardo Paduras Roman „Der Mann der Hunde liebte“ handelt von Leo Trotzki und dem Mann, der ihn ermordete, Ramón Mercader. Dem Roman vorangestellt ist die Meldung einer Nachrichtenagentur, die Leserinnen und Leser informiert, dass der russische Revolutionär Lew Bronstein, besser bekannt als Leo Trotzki, in seinem Haus in Mexiko-Stadt mit einem Eispickel erschlagen wurde. Der Roman beginnt im Jahr 2014 in Havanna: der Kubaner Iván Cárdenas Maturell berichtet von seiner Bekanntschaft mit dem „Mann, der Hunde liebte“ - Ramón Mercader. Im Zuge des Romans werden drei Lebensgeschichten – Maturells, Mercaders und Trotzkis – nachgezeichnet und miteinander verwoben. Leonardo Padura, geboren 1955 in Havanna, schrieb nach seinem Lateinamerikanistik-Studium für verschiedene kubanische Zeitschriften. Zu seinen Buchveröffentlichungen zählen Romane, Erzählbände, literaturwissenschaftliche Studien sowie Reportagen und Interviews. International bekannt wurde er mit seinem Kriminalromanzyklus "Das Havanna-Quartett". Leonardo Padura lebt in Havanna.

Cover des Buches "Luftgänger", Aufbau Verlag

Roman

Luftgänger

Jewgeni Wodolaskin

Jewgeni Wodolaskins Roman "Luftgänger" zeichnet die Geschichte des 20. Jahrhunderts in Russland nach. Protagonist ist ein Mann, der, zunächst im Unwissen über seinen Namen, in einem Krankenzimmer aufwacht. Jeglicher Erinnerung beraubt, erfährt er von dem Arzt und der Krankenschwester, die ihn betreuen, lediglich, dass er Innokenti Platonow heißt und sich in St. Petersburg befindet. In Bruchstücken kehrt seine Erinnerung zurück. Diese Bruchstücke notiert er in seinem Tagebuch; diese Tagbuchaufzeichnungen entsprechen dem Roman. Die Erinnerungen handeln von seinen Großeltern, von der Russischen Revolution, von der Schreckensherrschaft Stalins. Diese Erinnerungen scheinen jedoch unvereinbar mit seiner aktuellen Umgebung – dem Krankenhaus, in dem es Computer gibt und den Tabletten auf seinem Nachttisch, die im Jahr 1999 ablaufen. Jewgeni Wodolaskin, geboren 1964 in Kiew, arbeitet nach einem Philologiestudium mit Promotion seit 1990 in der Abteilung für Altrussische Literatur im Puschkinhaus in St. Petersburg. Sein Roman „Laurus“, ein internationaler Bestseller, wurde bisher in 29 Sprachen übersetzt. „Luftgänger“ wurde bisher in 14 Sprachen übersetzt und stand 2016 auf Platz 2 des renommiertesten russischen Buchpreises "Bolschaja kniga" (Großes Buch). 2019 erhielt Jewgeni Wodolaskin den Solschenizyn-Preis. Jewgeni Wodolaskin lebt mit seiner Familie in St. Petersburg.  

Buchcover "Sonnenfinsternis", Elsinor Verlag

Roman

Sonnenfinsternis

Arthur Koestler

Arthur Koestlers berühmtester Roman Sonnenfinsternis spielt thematisch auf die stalinistischen Schauprozesse der 1930er-Jahre an. Der Roman dreht sich um den ehemaligen Volkskommissar N. S. Rubaschow, der wegen angeblicher konterrevolutionärer Verbrechen in das Visier der stalinistischen Geheimpolizei gerät. Nach und nach wird der ehemalige Volkskommissar dazu gebracht, mehrere Verbrechen gegen den Staat zu gestehen. Der Koestler deckt in dem Roman die Mechanismen mit denen totalitäre und diktatorische Systeme arbeiten auf und thematisiert die Selbstverleugnung alter Revolutionäre, die Verbrechen gestehen, obwohl sie diese nie begangen hatten. Das Buch entstand 1939 in Frankreich und wurde nach seiner Veröffentlichung von den Stalinisten bekämpft. Zunächst wurde der Roman nur auf Englisch veröffentlich. Die 1946 veröffentlichte deutsche Ausgabe basiert auf einer Rückübersetzung aus der englischen Sprache, da das Originalmanuskript als verloren galt. Im Archiv der Züricher Zentralbibliothek wurde das Originalmanuskript zu Sonnenfinsternis wiedergefunden und bildet jetzt die Basis der Neuveröffentlichung. In dieser wird die dunkle und bedrohliche Atmosphäre innerhalb des Romans noch deutlicher hervorgehoben als in der deutschen Erstausgabe. Mit seinem Roman Sonnenfinsternis verfasste Koestler 1940 als Erster einen Roman, der von dem Terror und den politischen Verfolgungen unter Stalin handelt. Koestler selbst war seit 1931 Mitglied der KP, trat aber 1938 aus der Partei aus.

Buchcover

Roman

Moskau 2042

Wladimir Woinowitsch

"Moskau 2042" ist ein Roman des russischen Schriftstellers Wladimir Woinowitsch aus dem Jahr 1982. Die Handlung des Romans besteht aus einer Reise nach Moskau, die das Alter Ego des Autors in die Zukunft unternimmt. Dort begegnen ihm viele vertraute, gleichzeitig kuriose Dinge. Der Autor bedient sich in seiner Erzählung präziser Alltagsbeobachtungen sowjetischen und planwirtschaftlichen Alltags ebenso wie der Darstellung vieler kleiner und großer Absurditäten: sei es die endlich beendete große Toilettenpapier-Knappheit, die Große August-Revolution oder die Freiheit des Wortes, die für alle Schriftstellenden offiziell gilt – solange sie nichts davon zu Papier bringen. Der Autor, geboren 1933 in der tadschikischen Stadt Duschanbe, lebte zum Zeitpunkt des Erscheinens der deutschen Ausgabe bereits seit acht Jahren in Deutschland: aufgrund seiner satirischen Werke, die die Absurditäten des Systems hervorhoben, war er beim sowjetischen Regime bereits in Ungnade gefallen. 

Buchcover

Roman

Alles fließt

Wassili Großmann

In seinem Roman „Alles fließt“ beschreibt Wassili Großmann die Rückkehr der Figur Iwan Grigorjewitsch aus dreißig Jahren Gefängnishaft und Lagerinhaftierung. Iwan zieht zunächst nach Moskau, dann schließlich nach Leningrad und versucht in ein normales Leben mit Arbeit und Ehefrau zurück zu finden. Während ihm dies gelingt, begibt er sich zugleich auf Spurensuche seines früheren Lebens und beginnt, grundlegende Fragen nach Staat und Individuum, Verbrechen und Strafe, Schuld und Unschuld zu stellen. Nach seinen früheren Werken, deren Handlung noch von der Verwirklichung der revolutionären Ideale bestimmt ist, stellen seine späteren Werke die Perversion dieser Ideale im stalinistischen Staat an den Pranger. „Alles fließt“ ist Grossmanns letzter Roman. Bereits mit seinem vorherigem Werk „Leben und Schicksal“, dessen Manuskript 1961 beschlagnahmt wurde, sah sich der Autor heftigen Angriffen der sowjetischen Staatsmacht ausgesetzt, bevor er drei Jahre später verstarb.

Buchcover

Roman

Ein empfindsamer Mensch

Jachym Topol

Jachym Topols Roman "Ein empfindsamer Mensch" begleitet eine tschechische Schaustellerfamilie auf einen wirren Trip durch das postkommunistische Europa im Jahr 2015. Vater und Mutter ziehen mit ihren beiden Söhnen durch unzählige Länder, wobei ihnen viel Ungewöhnliches widerfährt. Die Jungen sind Zwillinge – jedoch ist einer der beiden so stark unterentwickelt, dass er nicht über die Größe eines Babys hinauswächst. Der andere Sohn ist zwar von gewöhnlichem Äußeren, aber spricht dafür nicht. Als Schausteller auf einem Shakespear-Festival von Brexit-Anhängern aus Großbritannien gejagt, reisen sie im Campingwagen quer durch Europa, gegen den Strom der Flüchtlinge, Richtung Osten und geraten sogar ins russisch-ukrainische Kriegsgebiet, um sich schließlich auf den Heimweg nach Böhmen zu machen.

Belletristik

Spiel der Zeit

Ulla Hahn

"Spiel der Zeit" von Ulla Hahn ist nach "Das verborgene Wort" und "Aufbruch" der dritte Teil der teilfiktionalen Autobiografie der Autorin. Das Buch spielt im Jahr 1968, die Protagonistin Hilla Palm ist nach ihrer Jugend auf einem Dorf zum Studium der Germanistik nach Köln gezogen. Dort ist sie mit den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen der 1960er-Jahre konfrontiert. Kommunistische Ideen spielen dementsprechend eine bedeutende Rolle im Laufe des Romans, wenn die Protagonistin über Benno Ohnesorg, Rudi Dutschke, die Außerparlamentarische Opposition, Hans Magnus Enzensberger, Ezra Pound oder Mao Tse Tung diskutiert. 

Buchcover

Roman

Die Ästhetik des Widerstands

Peter Weiss | vom 29.10.2016

Der Roman beginnt im September 1937 in Berlin und erzählt von einem jungen Mann, der die Stadt verlässt, über die Tschechoslowakei nach Spanien gelangt und auf diesem Weg nicht nur Zeuge, sondern auch Teilnehmer der antifaschistischen Widerstandskämpfe wird. Er geht nach Paris, rettet sich schließlich nach Stockholm, der Widerstand bleibt jedoch sein Vermächtnis. Das Werk ist ein monumentaler Erinnerungsmonolog in zwei Perspektiven: Die des jungen, idealistisch brennenden Erzählers und die seines älteren, desillusionierten Alter Ego. So verbinden sich Vergangenheit und Gegenwart zu einer bewegenden Geschichte. Bereits 1983 wurden zwei Ausgaben veröffentlicht, eine in der Bundesrepublik, die andere in der DDR - doch wichen sie im Textbestand beträchtlich voneinander ab. Der Philologe und Weiss-Kenner Jürgen Schutte präsentiert das Werk nach den Vorgaben von Peter Weiss. Denn auf die Frage danach, wer dieser namenlose junge Mann in seinem Roman sei, antwortete der Autor einst: „Ich selbst bin es.“ 

Buchcover

Roman

Der Meister und Margarita

Michail Bulgakow

Der Roman "Der Meister und Margarita" entstand in den Jahren von 1928 bis 1940 und führt in das Moskau der 1930er-Jahre. Russland, als diktatorisch geprägter Einzelstaat, war in dieser Zeit vom Personenkult Stalins geprägt. Dessen 50. Geburtstag wurde mit dem Pomp eines lebendigen Gottes zelebriert, zudem hatte Stalin bereits den Großteil seiner politischen Gegner mundtot gemacht. Die Geschichte, an der Michail Bulgakow zwölf Jahre lang schrieb, schildert in einer allegorischen und witzigen, satirischen Weise das Leben in Moskau zu dieser Zeit, ist aber auch mit menschlichen Werten wie Gut und Böse, Gott und Teufel oder Leben und Tod verbunden. Kritiker halten das Werk für eine der besten Satiren der Zeit, gerichtet gegen die starre, von Willkür geprägte Bürokratie, sowie die Überwachungspraktiken und die Versorgungsengpässe in der dogmatisch atheistischen Sowjetunion. 1966, 26 Jahre nach dem Tod des Autors, erschien der Roman erstmalig als stark zensierte Ausgabe und wurde von vielen Landsleuten auswendig gelernt. Sie fertigten heimlich Kopien der herausgestrichenen Stellen an und brachten diese in Umlauf. Auch der zentrale Handlungsort des Romans, die verhexte Wohnung Nr. 50 in der Sadowaja, in der der Autor eine Zeit lang selbst lebte, wurde schließlich zur Pilgerstätte von Bulgakow-Verehrern. 

Screenshot Buchcover

Roman

Krokodil im Nacken

Klaus Kordon

"Krokodil im Nacken" erzählt die bewegende Geschichte der Familie Lenz, die aufgrund eines missglückten Fluchtversuches aus der DDR auseinander gerissen wird. Manfred Lenz und seine Frau Hannah sind im Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen inhaftiert, die Kinder Silke und Michael wurden in einem Heim untergebracht. Für die Eltern bedeutet die Zeit im Gefängnis Einsamkeit, Schikanen und endlose Stasi-Verhöre. Inmitten der Isolation lässt Manfred Lenz sein bisheriges Leben Revue passieren und erinnert sich an die Kneipe am Prenzlauer Berg, in der er nach dem Krieg aufgewachsen ist, an den Einmarsch der sowjetischen Truppen auf dem Potsdamer Platz, den Tod der Mutter, seine Zeit im Kinder- und Jugendwohnheim und an die nur ein paar hundert Meter entfernte Grenze nach Westberlin. Autor Klaus Kordon, der 1972 selbst "Republikflucht" beging, hat mit diesem Roman ein authentisches Stück deutsch-deutsche Zeitgeschichte niedergeschrieben, das über viele Details des kalten Krieges informiert und tiefe Einblicke in den Alltag der frühen DDR, aber auch in die Mechanismen des Stasi-Apparates gibt.

Buchcover

Roman

Aus dem Tagebuch eines Konterrevolutionärs

Pavel Kohout

Als halb reales, halb fiktives Tagebuch zeichnet "Aus dem Tagebuch eines Konterrevolutionärs" den wohl wichtigsten und bewegendsten Lebensabschnitt Pavel Kohouts nach. Er selbst wurde am 20. Juli 1928 in Prag geboren und hier beginnt auch die bewegende Geschichte, deren dramatischer Bogen mit den sowjetischen Panzern in den Prager Straßen 1945 ihren Anfang findet, als sie die Tschechoslowakei befreiten und 1968 endet, als sie sie okkupierten. 1946 trat der Autor in die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei ein, im Jahr 1969 wurde er aus derselben ausgeschlossen. Für die Gründung und Teilnahme an der Bürgerinitiative "Charta 77" wurde er mit seiner Frau aus der gemeinsamen Wohnung in Prag zwangsverwiesen, im Jahr 1979 gegen seinen Willen nach Österreich abgeschoben und noch im gleichen Jahr wurde ihm die tschechische Staatsbürgerschaft aberkannt. „Dieses Buch ist zur Information all jener bestimmt, die versuchen, den ziemlich komplizierten Lebensweg unserer Generation zu begreifen", schreibt er im Vorwort zu diesem Werk, das sich als durchaus gelungener Versuch lesen lässt, die Lage des Denkens in verschiedenen Zeitschichten der Vergangenheit und Gegenwart möglichst authentisch aufzuzeichnen. 

Cover des Buches "Kronos' Kinder", S. Fischer Verlag 2018

Roman

Kronos‘ Kinder

Sergej Lebedew

„Kronos‘ Kinder“ ist der vierte Roman des russischen Schriftstellers Sergej Lebedew. Protagonist ist Kirill, der bereits während seiner Kindheit in Russland damit konfrontiert wird, wie vielschichtig und kompliziert die Beziehung zwischen Russen und Deutschen ist. Die bestätigt sich auch in den Erzählungen seiner Großmutter, die die letzte Überlebende der deutschen Seite von Kirills Familie ist. Erwachsen geworden, macht Kirill sich auf Spurensuche nach seinen deutschen Wurzeln in Leipzig, Halle und Münster und zeichnet dabei zwei Jahrhunderte deutsch-russischer Geschichte nach. Sergej Lebedew wurde 1981 in Moskau geboren und war viele Jahre auf geologischen Expeditionen im Norden Russlands und in Zentralasien unterwegs, bevor er zu schreiben anfing. Sein erster Roman "Der Himmel auf ihren Schultern" stand auf der Long-List des russischen "Nazbest"-Preises 2011. Zuvor sind in Russland seine Gedichte, Essays und journalistischen Texte erschienen.

Cover des Buches "Das Stalin-Epigramm"

Roman

Das Stalin-Epigramm

Robert Littell

Robert Littells Roman „Das Stalin-Epigramm“ greift die Lebensgeschichte des Dichters Ossip Mandelstam auf. Mandelstam, geboren 1891 in Warschau, schreibt 1933 ein Gedicht, das später als „Stalin-Epigramm“ bezeichnet wird; in dem Gedicht werden Stalin und dessen totalitäres, brutales Regime kritisiert und verunglimpft. Nachdem die Geheimpolizei von dem Gedicht erfährt, werden Mandelstam und seine Frau Nadeschda verhaftet und nach Woronesch, 500 Kilometer südlich von Moskau, verbannt. 1937 dürfen sie nach Moskau zurückkehren. 1938 wird Mandelstam wieder verhaftet und zu fünf Jahren Lagerhaft verurteilt; während des Transports in das Lager stirbt er an Typhus. Robert Littell verarbeitet die Geschichte in Form eines Thrillers, in dem das Verfassen des Gedichts, die Verhaftung, die Folter und die Verbannung aus wechselnden Perspektiven – Mandelstams, seiner Frau, gemeinsamer Freunde, Stalins Leibwächters, und anderer – erzählt wird. Robert Littell wurde 1935 in Brooklyn, New York, geboren. Er arbeitete als Auslandskorrespondent für Newsweek und begann dann, Spionageromane zu schreiben. Robert Littell lebt heute in Frankreich.

Cover des Buches "Die Zukunft ist Geschichte", Suhrkamp

Roman

Die Zukunft ist Geschichte. Wie Russland die Freiheit gewann und verlor

Masha Gessen

Masha Gessens Roman Die Zukunft ist Geschichte unternimmt den Versuch, ein vielschichtiges und umfassendes Bild der russischen Gesellschaft zu zeichnen. Im Mittelpunkt stehen vier Personen: Mascha, Zhanna, Serjosha und Loscha. Sie alle werden 1984 in der Sowjetunion geboren, kamen in die Schule, als die Sowjetunion zerfiel, und wurden unter Präsident Putin erwachsen. Sie kommen aus diversen familiären und gesellschaftlichen Verhältnissen, ihre Leben nehmen unterschiedliche Wendungen. Dennoch verbindet die vier Lebensgeschichten, samt ihrer teils absurd anmutenden Episoden, eine gemeinsame Frage: wie kam es dazu, dass Russland, nach der Aufbruchsstimmung der 1990er-Jahre, sich wieder mehr und mehr zu einem autoritären Staat entwickelt? Masha Gessens Buch geht dieser Frage nach und ermöglicht Leserinnen und Lesern einen tiefen Einblick in die russische Gesellschaft der Generationen Jelzin und Putin. Masha Gessen wurde 1967 in Russland geboren und emigrierte 1981 in die USA, wo sie als Journalistin und Zeitschriftenredakteurin arbeitete. 1994 kehrte sie nach Russland zurück. Dort arbeitet sie als Kolumnistin und Autorin für verschiedene Zeitschriften.

Buchcover "Niederungen", Hanser Verlag

Roman

Niederungen

Herta Müller

Mit ihrem Buch Niederungen wurde die Autorin und spätere Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller auf einen Schlag berühmt. Es erschien 1984 in Deutschland in gekürzter Form, 2010 erschien eine Neuauflage des Werkes, wodurch erstmals die vollständige Fassung vorliegt. In Niederungen beschreibt die Autorin das Leben der deutschsprachigen Banater Schwaben im kommunistischen Rumänien und die intellektuelle und moralische Beschränktheit der Dorfbewohner. Der verträumten Vorstellung von dem Leben auf dem Dorf setzt sie eine düstere Anti-Idylle entgegen, die gekennzeichnet ist durch Angst, Intoleranz, Unbeweglichkeit und Hass. Herta Müller zeichnet in ihren Texten ein Bild vom Leben der Dorfbewohner, ihrer Arbeitswelt und dem physisch auszerrenden Leben auf dem Land. Die Autorin erzählt von Brutalität und Alkoholismus, freudloser Kindheit und liebloser Familien und zerstört das idyllische Bild vom Landleben. Die Geheimpolizei der Ceaușescu-Diktatur in Rumänien startete einen operativen Vorgang gegen die Autorin von Niederungen, als das Werk 1982 in Bukarest veröffentlicht wurde. 1987 emigrierte Herta Müller nach Deutschland. An Hand der Neuauflage lässt sich die Bevormundung von Müllers Texten und die Zensur, sowohl unter der rumänischen Ceaușescu-Diktatur, als auch in Westdeutschland durch tiefgreifende Eingriffe in ihre Texte, erkennen. In der Neuauflage sind auch Texte enthalten, die nicht nur von der Region Banat handeln, sondern darüber hinaus gehen.

Buchcover

Roman

Liebe Unbekannte

Istvan Kemeny

Istvan Kemenys Roman „Liebe Unbekannte“ erlaubt den Leserinnen und Lesern einen tiefen Einblick ins Ungarn der 1970er- und 1980er-Jahre. Aus der Perspektive des Ich-Erzählers Tamás Kriszán wird der Alltag der Menschen der „Ära Kádár“ - die Epoche, die im Volksmund despektierlich oft als „Gulaschkommunismus“ bezeichnet wird – geschildert. Im Mittelpunkt stehen Personen, die den Erzähler Tamás unmittelbar berühren: Seine Jugendliebe Emma zum Beispiel, die von unheimlichen Kindergeschichten verfolgt wird, oder deren Großvater, der die Bibliothek, in der Krizsán arbeitet, leitet. Diese Bibliothek ist ein zentraler Ort, an dem sich die Bewegungen formieren, die in Ungarn im Jahr 1989 schließlich zum Ende des Sozialismus beitragen. Der Autor István Kemeny wurde 1961 geboren und studierte Geschichte und ungarische Literatur. Schon zu seiner Studentenzeit nahm er eine wichtige Rolle in der ungarischen Literaturszene ein. Sein Debüt, den Gedichtband „Wendeltreppe zur vergessenen Fakultät“ erschien 1984, diesem folgten zahlreiche Lyrikbände, Kurzgeschichten, Romane, Theaterstücke und Essays.

Buchcover

Roman

Als wir das Lügen lernten

Ilinca Florian

Ilinca Florians Roman „Als wir das Lügen lernten“ spielt in Rumänien gegen Ende der 1980er-Jahre. Im Zentrum der Erzählung steht eine Familie, deren Tochter die Erzählerin der Geschichte ist. Auftakt bildet der Sommerurlaub, den die Familie unbeschwert am Schwarzen Meer verbringt. Doch diese Unbeschwertheit währt nicht lange – zurück aus dem Urlaub und in der Großstadt Bukarest lastet die Bedrückung des Alltags, geprägt durch Mangelwirtschaft und staatliche Repression, zunehmend schwerer auf der Familie. Mehr und mehr stellt sich den Erwachsenen die Frage, ob eine Zukunft in Rumänien denkbar ist. Durch die Augen der jugendlichen Erzählerin gewinnen Leserinnen und Leser einen Eindruck vom Alltag im Rumänien Ceaușescus. Nicolae Ceaușescus war von 1965 – 1989 Staatssekretär der Rumänischen Kommunistischen Partei. Seine Herrschaft, geprägt von der Allmacht der Geheimpolizei Securitate, veranlasste eine große Zahl von Rumäninnen und Rumänen dazu, ins Exil zu gehen.

Buchcover

Autobiografie

Das Mädchen aus dem Hotel Metropol: Roman einer Kindheit

Ljudmila Petruschewskaja

In "Das Mädchen aus dem Hotel Metropol: Roman einer Kindheit" schreibt die russische Schriftstellerin Ljudmila Petruschewskaja über ihre Kindheit in der Sowjetunion. Namensgebend für das Buch ist der Ort, an dem die Autorin Teile ihrer Kindheit verbringt: Das Hotel Metropol im Zentrum von Moskau, welches seit der Russischen Revolution als Wohnhaus für verdiente Parteikader fungiert. Der Urgroßvater des Mädchens lebt dort und mit ihm für einige Zeit das Kind und seine Mutter. Die Familie des Mädchens gerät, wie so viele, ins Visier von Stalins „Säuberungen“ - als Teil einer Familie von „Staatsfeinden“ wird auch Ljudmila an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Auf der Straße, in Heimen und bei Verwandten im ärmlichsten Verhältnissen wächst sie von nun an auf, stets begleitet von Hunger und Gewalt. In diesem autobiografischen Werk berichtet die Autorin von ihrer Kindheit und Jugend – und lässt Leser an ihrem Weg teilhaben, der sie entgegen aller Wahrscheinlichkeit von einer aus der Gesellschaft Ausgestoßenen zu einer erfolgreichen Schriftstellerin und Sängerin werden lässt. Ljudmila Petruschewskaja wurde 1938 in Moskau geboren. Neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin unterrichtet sie zudem an der Moskauer Filmhochschule und tritt als Chansonsängerin auf. 

Buchcover

Roman

1984

George Orwell

George Orwells "1984" ist ein dystopischer Roman, in welchem ein totalitärer Überwachungsstaat jegliches gesellschaftliches Leben kontrolliert. Protagonist ist Winston Smith, ein einfaches Parteimitglied, der versucht, sich in den totalitären Strukturen ein Stück Privatsphäre zu erobern und dadurch in Konflikt mit dem System gerät. Zentrales Element des Romans ist die Darstellung der Strukturen, mit denen der Staat Kontrolle über das Leben seiner Bewohner ausübt. Zentrale Elemente sind dabei die Kontrolle der Vergangenheit sowie der Sprache, durch die ein Bild der Wirklichkeit erzeugt wird, welches die absolute Machtposition des Regimes legitimiert. Hintergrund der Handlung bildet eine alternative Geschichte des 20. Jahrhunderts, in der sich drei Machtblöcke – Ozeanien, Eurasien und Ostasien – in dauerhaftem Kriegszustand gegenüberstehen. In England, dem Ort der Handlung, kam es in dieser Realität kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs zu einer sozialistischen Revolution; die Bewegung wurde in den 1970er-Jahren vom "Großen Bruder" übernommen, der einen Großteil der Parteifunktionäre beseitigen lässt und einen Personenkult um seine Person aufbaute. George Orwell, geboren 1903 als Sohn eines britischen Kolonialbeamten im indischen Motihari, Bihar und in Eton erzogen, war Polizeioffizier in Burma, Landstreicher, Tellerwäscher, Buchhändler und schließlich Reporter in Paris und London. Als Freiwilliger kämpfte der auf Seiten der Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg. Er schrieb Sozialreportagen, politische und literarische Essays, die klassische Revolutionsfabel "Farm der Tiere" sowie "1984".

Buchcover

Roman

Das Ende

Attila Bartis

Die Handlung von Attila Bartis’ Roman “Das Ende” beginnt im Ungarn des Jahres 1956. Der Vater des jungen András Szabad wird in Folge des Volksaufstandes verhaftet. Als er nach drei Jahren zu seiner Familie zurückkehrt, ist er ein gebrochener Mann. András’ Mutter verkraftet die Ereignisse nur schwer und stirbt kurz nach der Heimkehr ihres Mannes. Der Roman begleitet András durch die folgenden Jahre: der Umzug nach Budapest, die Faszination für Fotografie, die leidenschaftliche Beziehung mit der Pianistin Éva. András, der nach dem Tod von Éva beginnt, sein Leben niederzuschreiben, ist der Erzähler des Romans. Das Buch ist nicht nur das Portrait eines Lebens, das von tiefem Schmerz und dem Kampf um die eigenen Gefühle und Erinnerungen gezeichnet ist. Es ist auch ein Portrait Ungarns in den 1950er- bis 1970er-Jahren und eröffnet den Lesern einen Zugang zu der Zeit, in der das Land unter der Herrschaft des kommunistischen Regimes stand. Neben Bänden mit Kurzgeschichten und Erzählungen ist “Das Ende” der dritte Roman des rumänisch-ungarischen Autors, an dem er mehr als fünfzehn Jahre lang arbeitete. “Das Ende” erschien in deutscher Übersetzung 2017 im Suhrkamp Verlag.  

Buchcover

Roman

Dunkle Zahlen

Matthias Senkel

Dunkle Zahlen ist der zweite Roman des Autors Matthias Senkel. Das Buch vermischt unterschiedliche literarische Genres; die Übergänge vom Spionagethriller zur fantastischen Erzählung passieren fließend. Die Handlung findet im Moskau des Jahres 1985 statt, wo sich während der internationalen „Programmierer-Spartakiade“ Teams von Mathematikern miteinander messen. Als kurz vor Eröffnung des Wettbewerbs die kubanische Nationalmannschaft geschlossen verschwindet, begibt sich die Übersetzerin des Teams, Mireya, auf die Suche nach den Vermissten. Ungeachtet dieses Auftakts entwickelt sich die Handlung jedoch nicht entsprechend eines klassischen Kalter-Kriegs-Thrillers weiter, sondern stellt die Leser vor Zeitsprünge, neue Handlungsstränge und fantastische Episoden. Dass es sich nicht um einen Roman klassischen Formats handelt, lässt bereits die Angabe zur Übersetzung erahnen, die Matthias Senkel lediglich als Übersetzer des Buches vermerkt, welches im Original von der Übersetzungsmaschine GLM-3 verfasst sei. Das Buch wurde für den Preis der Leipziger Buchmesse 2018 nominiert.

Screenshot Buchcover

Roman

Das achte Leben (Für Brilka)

Nino Haratischwili

Georgien im Jahr 1900: Mit der Geburt Stasias, der Tochter eines angesehenen Schokoladenfabrikanten, beginnt die Geschichte der Familie Jaschi und dem langen 20. Jahrhundert Georgiens, welches in dieser Zeit erst ein Gouvernement des zaristischen Russlands war und nur kurz die Luft der Demokratie atmete, bevor es Teil der Sowjetunion wurde. Stasia wächst in der wohlhabenden Oberschicht auf und heiratet jung den Weißgardisten Simon Jaschi, der am Vorabend der Oktoberrevolution nach Petrograd versetzt wird. Als Stalin an die Macht kommt, sucht sie mit ihren beiden Kindern Kitty und Kostja Schutz bei ihrer Schwester Christine, die bekannt für ihre atemberaubende Schönheit ist. Doch als der Geheimdienstler Lawrenti Beria auf sie aufmerksam wird, hat das fatale Folgen. 2006: Nach dem Fall der Mauer und der Auflösung der UdSSR herrscht in Georgien Bürgerkrieg. Niza, Stasias hochintelligente Urenkelin, hat mit ihrer Familie gebrochen und ist nach Berlin ausgewandert. Als ihre zwölfjährige Nichte Brilka nach einer Reise in den Westen nicht mehr in die Heimat Tbilissi zurückkehren möchte, spürt Niza sie auf und erzählt ihr die ganze Geschichte. Am Beispiel von sechs Generationen außergewöhnlicher Frauen erzählt Autorin Nino Haratischwili vom 20. Jahrhundert mit all seinen Umbrüchen und Dramen, Katastrophen und Wundern und spannt den Bogen vom Vorabend des Ersten Weltkriegs bis ins Deutschland bis zum Anfang des neuen Millenniums.

Cover des Buches "Die Leben der Elena Silber", Fischer

Roman

Die Leben der Elena Silber

Alexander Osang

Alexander Osangs Roman Die Leben der Elena Silber erzählt die Geschichte Europas im 20. Jahrhundert als Familienroman, angelehnt an die Familiengeschichte des Autors selbst. Ausgangspunkt ist die Hinrichtung des russischen Revolutionärs Viktor Krasnow in einer kleinen russischen Provinzstadt Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Geschichte leitet weiter über zu seiner Tochter Lena, die 1936 vor der Tyrannei der Stalin-Jahre aus der Sowjetunion nach Berlin flüchtet. Nachdem die Familie den Zweiten Weltkrieg selbst in Schlesien überlebt hat, verschwindet Lenas Mann in den Nachkriegswirren und lässt sie allein mit vier Töchtern zurück. Schließlich landet sie in Ostberlin, wo sie den Rest ihres Lebens verbringen wird. Der Roman wirft die Frage auf, wie Gewalt-, Flucht- und Fremdheitserfahrungen nicht nur ein einzelnes Leben prägen, sondern über mehrere Generationen hinweg wirken – und erzählt dabei ein großes Stück Geschichte des 20. Jahrhunderts. Alexander Osang, geboren 1962 in Berlin, studierte Journalistik in Leipzig und arbeitete nach der Wende als Chefreporter der Berliner Zeitung. Für seine Reportagen erhielt er mehrfach den Egon-Erwin-Kisch-Preis und den Theodor-Wolff-Preis. Nach sieben Jahren als Reporter für den Spiegel in New York lebt er heute in Tel Aviv.

Biografie

Radek

Stefan Heym

Stefan Heyms Roman „Radek“ beschreibt das Leben des Journalisten und Politikers Karl Bernhardowitsch Radek. Radek war Anfang im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts eine bedeutende Figur in der polnischen und der deutschen Sozialdemokratie. Nach ideologischen Auseinandersetzungen wurde er 1912 aus der SPD ausgeschlossen. Radek war einer der engsten Vertrauensleute von Lenin während dessen Zeit im Schweizer Exil und begleitete ihn, als Lenin nach der Februarrevolution von 1917 zurück nach Russland ging. In der Sowjetunion war Radek bis in die 1930er-Jahre als Journalist tätig. 1937 wurde er als Trotzkist angeklagt und zu langjähriger Lagerhaft verurteilt, die er nicht überlebte. Der Autor Stefan Heym, 1913 in Chemnitz geboren, emigrierte, als Hitler an die Macht kam. In New York schrieb er seine ersten Romane. Nach dem Krieg kehrte er nach Europa zurück und fand Zuflucht, aber auch neue Schwierigkeiten in der DDR. Als Romancier und streitbarer Publizist wurde er international bekannt und zählt zu den erfolgreichsten Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur. Stefan Heym starb 2001.

Cover des Buches "Schermanns Augen", Wallstein

Roman

Schermanns Augen

Steffen Mensching

„Schermanns Augen“ ist der dritte Roman des Autors Steffen Mensching. Die Handlung spielt im sowjetischen Strafgefangenenlager „Artek“, Protagonisten sind die beiden Gefangenen Rafael Schermann und Otto Haferkorn. Rafael Schermann ist Grafologe – er deutet aus den Handschriften von Menschen deren Charakter. Dies bringt ihm einen Sonderstatus im Lager ein, denn auch die Kommandanten sind interessiert an seinen Diensten. Der junge Kommunist Otto Haferkorn, ursprünglich aus Berlin und zunächst fest überzeugt, dass seine Verhaftung ein Irrtum sein muss, die sich bald aufklären wird, wird ihm als Dolmetscher zur Seite gestellt. Rafael Schermann hat es tatsächlich gegeben: der erfolgreiche Grafologe starb in einem sowjetischen Arbeitslager; die genauen Umstände sind nicht bekannt. Steffen Mensching, geboren 1958 in Berlin, studierte Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin. Seit 1983 arbeitet er freiberuflich als Autor, Schauspieler, Regisseur in Berlin.  

Cover des Buches "Verlorener Morgen", Die Andere Bibliothek

Roman

Verlorener Morgen

Gabriela Adamesteanu

„Verlorener Morgen“ ist ein Roman der rumänischen Autorin Gabriela Adamesteanu. Er handelt von einem einzelnen Tag im Bukarest der 1980er-Jahre und gleichermaßen von beinahe einem ganzen Jahrhundert rumänischer Geschichte. Das erste und das vierte Kapitel verfolgen eine alte Frau auf ihrem Weg durch Bukarest. Während des Weges berichtet sie in einem langen Selbstgespräch, von ihrem Leben im Rumänien des 20. Jahrhunderts. Das zweite und dritte Kapitel führen in einem eigenen Erzählstrang – der mit der Handlung der anderen Kapitel verbunden ist – in die politischen Debatten um Rumäniens Zukunft in Europa ein, wie sie Ende des Ersten Weltkrieges geführt wurden. Das zweite Kapitel gibt Gespräche aus bürgerlich-politischen Salons wider, das dritte nimmt die Form des Tagebuchs eines Professors aus Bukarest an. Bereits vor 35 Jahren erschien das Buch im Original. Dies ist bemerkenswert angesichts dessen, dass Rumänien zum damaligen Zeitpunkt noch vom neo-stalinistischen Regime Nicolae Ceauscescus beherrscht wurde. In das Raster dessen berüchtigter Geheimpolizei fielen auch Schriftstellerinnen und Schriftsteller die, wie Gabriela Adamesteanu, die Lebensrealitäten im totalitär beherrschten und wirtschaftlich schwachen Rumänien, nicht beschönigten, sondern in ihrem Werken als solche thematisierten. Gabriela Adamesteanu, 1942 geboren, lebt und arbeitet in Bukarest. Seit 1990 arbeitet sie als Journalistin, seit 2004 als Chefredakteurin der Zeitschrift Bucure tiul Cultural. Sie hat bereits mehrere Romane und Erzählbände veröffentlicht, für die sie bedeutende Auszeichnungen erhalten hat.

Alexander Solschenizyn: Der Archipel GULAG, Screenshot vom Buchcover

Roman

Der Archipel GULAG

Alexander Solschenizyn

Mit dem "Archipel Gulag" hat der Mathematiklehrer und Schriftsteller Alexander Solschenizyn ein aufrüttelndes Epos geschaffen, das die "unmenschliche Macht von Menschen über Menschen" bezeugt. Er selbst verbrachte viele Jahre seines Lebens in den Straflagern Sibiriens. Basierend auf seinen eigenen Erfahrungen, aber auch auf den Berichten von über 200 Überlebenden, stellt er die geschichtliche Entwicklung des Systems in den Mittelpunkt, beschreibt die Lagerwelt aus der Sicht der verschiedenen Gruppen, die sie bevölkerten und zeichnet den Weg der Häftlinge von der Einlieferung bis zum Tode durch Erschöpfung, Krankheiten oder dem Sadismus der Bewacher nach. Solschenizyn beschreibt das Werk als den "Versuch einer künstlerischen Bewältigung, all jenen gewidmet, die nicht genug Leben hatten, um dies zu erzählen". Sein Buch ist ein Aufschrei, eine Anklage gegen die Unmenschlichkeit, gegen die Unfreiheit und gegen den Terror. Solschenizyn hat das sowjetische Lagersystem weltweit bekannt gemacht, er hat die Öffentlichkeit aufgerüttelt und das Sowjetunionbild des Westens maßgeblich geprägt. 

Cover des Buches "Briefe an Dich", Verlag Schöffling & Co.

Roman

Briefe an Dich. Erinnerungen an das russische Berlin

Vera Lourié

Mit einer Mischung aus Tagebucheinträgen und Briefen der Dichterin Vera Lourié präsentiert die Herausgeberin Doris Liebermann das Leben einer Zeitzeugin des „russischen Berlins“ der 1920er-Jahre. Vera Lourié war lange in Vergessenheit geraten, bis sie als Dichterin und Zeitzeugin wiederentdeckt wurde. Verstärkt durch Fotos und Dokumente aus dem Nachlass schildert Lourié ihre behütete Kindheit in St. Petersburg, die dramatische Flucht der Familie nach der Oktoberrevolution und das Leben als Russin in Berlin. Die Erinnerungen der Dichterin beinhalten ihre zahlreichen Treffen mit den Größen der russischen Literatur, aber auch das Überleben in einer Stadt, die russischen Flüchtlingen immer feindlicher gegenüber stand. Die Zeit des Nationalsozialismus überlebte sie trotz ihrer Kontakte zum deutschen Widerstand und der Inhaftierung ihrer Mutter im KZ Theresienstadt. Das Buch „Briefe an Dich“ legt auch Zeugnis ab über die bedrohliche Situation der russischen Emigranten in Berlin, die von der einmarschierenden Roten Armee als Faschisten wahrgenommen wurden.

Buchcover des ersten Bandes "Durch den Schnee"

Roman

Erzählungen aus Kolyma

Warlam Schalamow

Warlam Schalamow "Erzählungen aus Kolyma" sind Zeugnisse aus dem Lageralltag des Autors, der lange Jahre unter Stalin im Gulag verbrachte. In seinen Erzählungen, spürt Schalamow einer Schlüsselfrage der Gegenwart nach: Wie können Menschen sich einerseits Jahrhunderten humanistischer Traditionen rühmen – und dennoch Auschwitz oder Kolyma hervorbringen? Der Autor, 1907 in Wologda geboren, wurde 1929 wegen 'konterrevolutionärer Agitation' zu Lagerhaft im Ural verurteilt. 1931 kehrte er nach Moskau zurück, wo er 1937 zum zweiten Mal verhaftet wurde. Es folgte die Deportierung in die sibirische Kolyma-Region, dem Kältepol der Erde. 1954 begann Schalamow heimlich seine "Erzählungen aus Kolyma" zu schreiben. Sie sind in vier Bänden erschienen: "Durch den Schnee", "Linkes Ufer", "Künstler der Schaufel" und "Die Auferweckung der Lärche".