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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in der DDR

Schneider, Max

* 19.11.1909 – ✝ 2.2.1958

Geb. in Böhmisch Leipa (Böhmen/Česká Lípa, Tschechien); Vater Angest.; Volks- u. Fortbildungsschule; Lehre u. Arbeit als kfm. Angest.; 1923 KJV der ČSR; 1928 KPČ; 1930 – 33 Sekr. des KJV in Reichenberg; ab 1930 Mitgl. des ZK des KJV der ČSR; 1930 u. 1934/35 Aufenthalt in der UdSSR, Lehrgang an der KJI-Schule, 1931 – 33 Bez.-Jugendsekr. des KJV Nordböhmen; 1934 Instrukteur der KJI in Moskau; 1935/36 Sekr. des ZK des KJV der KPČ; 1937/38 Prop.-Ltr. bei der »Roten Fahne« in Prag; 1939 Emigr. nach…

Wer war wer in der DDR

Schneidewind, Kurt

* 6.3.1912 – ✝ 29.6.1983

Geb. in Erfurt; Vater Metallarb., Mutter Zigarrenarb.; 1918 – 26 Volksschule; 1925 Arbeiterturnverein; 1926 – 29 Lehrling in einer Schuhfabrik in Erfurt; 1927 KJVD; RH; 1929 Ausschl. aus dem KJVD wegen Unterstüt- zung der Heinrich-Brandler-August-Thalheimer-Gruppe, 1931 Wiederaufn.; 1929 – 32 arbeitslos, Wanderschaft u. Gelegenheitsarbeiten in Kassel, Cuxhafen, Berlin; Schuhmacher; 1930 – 32 mehrere kurzz. Verhaftungen; 1932 Org.-Ltr. der KJVD-BL Thür.; Dez. 1932 – Dez. 1933 im Auftrag des KJVD…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schnetter, Richard

* 5.3.1884 – ✝ 1943

Geboren am 5. März 1884 in Wüstenahorn bei Coburg; lernte bis 1902 Lithograph. Anschließend übte er seinen Beruf in Frankfurt/M., Leipzig und Stuttgart aus, später in Darmstadt Betriebsführer. 1903 Mitglied der SPD, von 1907 bis 1909 Vorsitzender der Coburger SPD, ab Oktober 1910 hauptamtlicher Funktionär, Lokalredakteur am »Thüringer Volksfreund« in Sonneberg, dann Redakteur dieses Blattes in Erfurt. lm Krieg Soldat, Übertritt zur USPD und Redakteur der »Tribüne« in Erfurt. Mit der linken USPD kam Schnetter Ende 1920 zur KPD, Delegierter des USPD-Spaltungs- und Vereinigungsparteitages mit der KPD. Bis August 1921 Sekretär der KPD in Thüringen, dann Chefredakteur des »Klassenkampfes« in Halle. 1921 zog er für die KPD in den Preußischen Landtag ein. Der VIII. Leipziger Parteitag 1923 berief Schnetter in die Redaktionskommission. Ende 1923 Anhänger der Mittelgruppe, deswegen 1924 als Chefredakteur des »Klassenkampfes« abgelöst, aber erneut in den Preußischen Landtag gewählt. Bis 1927 zunächst Redakteur des »Echo des Ostens« in Königsberg, dann der »Tribüne« in Magdeburg. Schnetter übersiedelte 1927 nach Berlin, wurde dort Redakteur der »Welt am Abend«, kam 1928 aber nicht mehr in den Landtag. Da er zu den Versöhnlern neigte, bekam er keine leitende Funktion mehr und verschwand von der politischen Bühne. Richard Schnetter starb 1943 in Berlin.

Wer war wer in der DDR

Schöbel, Frank

* 11.12.1942

Geb. in Leipzig; Mutter Gesangspädagogin; Gesangs- u. Gitarrenunterricht; Mechanikerlehre; ab Mai 1962 Berufsmusiker, erste Band: Kapelle Heinz Müller (Leipzig); Sept. 1962 nach Berlin zum Erich-Weinert-Ensemble der NVA (Gesangs- u. Schauspielunterricht); seit 1964 Solist; 1967 »Lieb mich so, wie dein Herz es mag« (1. Platz Schlagerwettbewerb); 1969 Gastsolist bei  Klaus Lenz u. Orchester, erste LP (Duette), erste eigene Show mit  Chris Doerk u. Horst Feuerstein; Erfolgstitel: »Looky, Looky«,…

Wer war wer in der DDR

Schoenefeld, Kurt

* 21.9.1924 – ✝ 11.8.2005

Geb. in Oberthau (Krs. Merseburg); Vater Klempner, Mutter Saisonarb.; Volks- u. Berufsschule, kaufm. Lehre in der Pappenfabrik Halle; 1942 – 45 Wehrmacht; 1945 amerikan. Kriegsgef. 1945 / 46 kaufm. Angest. in der Pappenfabrik Halle; 1947 SED; 1947 – 50 kaufm. Angest., Personalltr. u. Ltr. der Planungsabt. der SAG Papierfabrik Wehlitz; 1950 – 65 Kalkulator, Brigadier, Abt.-Ltr. der Betriebsabrechnung, Hauptbuchhalter, kaufm. Dir. u. Produktionsdir. des VEB Verlade- u. Transportanlagen Leipzig;…

Wer war wer in der DDR

Scholz, Alfred

* 11.2.1921 – ✝ 11.8.1978

Geb. in Groß-Ullersdorf (ČSR / Velké Losiny, Tschechien); Vater Zimmermann; Realschule; 1936 – 39 Drogistenlehre; dann Arbeit als Laborant; 1941 Wehrmacht; 1942 sowj. Gefangenschaft, 1943 Antifa-Schule; Mitgl. der BFD; 1944 Einsatz als Partisan u. Aufklärer der Partisanenbrigade Dyma in Belorußland, später im Raum Danzig. 1945 KPD/SED; 1945 stellv. Ltr., 1946 Ltr. der Stadtpolizei Rostock; Mitgl. der KPD-KL Rostock; 1948 Politkulturltr. der Grenzpolizeibereitschaft Brandenb.; 1949 Ltr. der Abt.…

Wer war wer in der DDR

Scholz, Heinrich

* 11.12.1933 – ✝ 1.3.2003

Geb. in Friedrichshain (Niederlausitz); Vater kaufm. Angest.; Volksschule; 1948 – 51 Lehre als Industriekaufm.; 1948 FDGB u. FDJ; 1951 – 56 Finanzbuchhalter, Oberbuchhalter u. Referent in der Finanzrevision; 1956 – 61 Ltr. der Buchhaltungen der Dt. Lufthansa bzw. der Interflug; 1956 – 58 Studium an der VHS; 1958 SED; 1958 – 63 Fernstudium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtschaftler; 1961 – 73 Abt.-Ltr., Fachdir. u. Stellv. des GD der Interflug; 1973 – 80 stellv. Abt.-Ltr. im Min. für Verkehrswesen,…

Wer war wer in der DDR

Schönauer, Josef

* 5.11.1894 – ✝ 28.4.1984

Geb. in Köln-Ehrenfeld; Gymnasium in Eberswalde; Beginn des Theol.-Studiums 1914; Unterbrechung des Studiums durch Militärdienst; 1921 Priesterweihe in Breslau durch Adolf Kardinal Bertram; 1922 Alumnat-Senior im Breslauer Priesterseminar; 1922 – 26 Vikar in Breslau, St. Nikolaus; 1926 Domvikar; 1926 – 34 Diözesanpräses der Jugend in Breslau; 1934 – 47 Pfarrer an der Breslauer Univ.-Kirche St. Matthias. 1945 Geistl. Rat; Stadtverordneter im Breslauer Stadtparl.; 1945/46 Bemühungen um…

Wer war wer in der DDR

Schönemann, Horst

* 19.1.1927 – ✝ 14.6.2002

Geb. in Wuppertal-Elberfeld; Vater Grafiker; 1947/48 Schauspieler am Stadttheater Wernigerode; 1948 – 50 Ausbildung an der Schauspielschule des Dt. Theaters Berlin (DT) u. a. bei  Gerda Müller; 1949 – 54 Schauspieler u. Regieassistent am DT; seit 1951 als Schauspieler in zahlr. DEFA-Filmen; 1952 erste Inszenierung am Theater der Bergarb. in Senftenberg; dort 1954 – 59 Oberspielltr.; 1959 Kunstpreis; 1959 – 63 Regisseur am Maxim-Gorki-Theater Berlin; 1963 – 66 Oberspielltr. der Vereinigten Bühnen…

Wer war wer in der DDR

Schönfelder, Horst

* 1.10.1932

Geb. in Hammerbrücke (Krs. Klingenthal, Vogtl.); 1939 – 42 Volksschule, 1942 – 51 OS in Falkenstein (Vogtl.) u. Abitur; 1951 – 56 Studium der Humanmed. an der FSU Jena; 1956 – 59 Ausbildung zum Facharzt an den Krankenanstalten Saalfeld (Saale) u. im Landambulatorium Leutenberg; 1958 Prom. zum Dr. med.; 1959 – 65 Infektions- u. Betriebsarzt im Med. Dienst des Verkehrswesens in Nordhausen; 1962 Facharzt für Allg. Med.; 1965 – 86 Direktionsarzt im Med. Dienst des Verkehrswesens, Direktion Schwerin;…

Wer war wer in der DDR

Schönmuth, Georg

* 27.5.1928

Geb. in Frankena (Krs. Luckau); Vater Bauer; Volksschule; landw. Lehre bis 1944; 1945 Wehrmacht; anschl. brit. Gefangenschaft. 1945 – 47 im elterl. Betrieb; 1947/48 Besuch der FS für Landw. in Rostock, Abschl. als staatl. geprüfter Landwirt; 1949 – 52 Studium der Landw. an der HU Berlin, Dipl.-Landwirt; 1952 – 54 Ref. bei der Tierzuchtinspektion Potsdam; 1954 – 59 Assistent bzw. Oberassistent am Inst. für Tierzüchtung u. Haustiergenetik der HU Berlin; 1955 Prom. mit einer Arbeit zur…

Wer war wer in der DDR

Schoß, Gunter

* 2.12.1940

Geb. in Berlin; Vater Kaufm. (bei der SS für das Kaufmännische zuständig, 1946 von der SMA verhaftet u. in Sachsenhausen gest.), Mutter Kontoristin; 1958 Abitur; 1959 – 61 Lehre als Werkzeugmacher im VEB Schnitt- u. Formenbau Berlin-Köpenick; 1961 Studium des Flugzeugbaus an der TU Dresden (Abbruch wg. Auflösung der Fak. Flugzeugbau); 1962 Flucht des Bruders nach West-Berlin; 1962 Werkzeugmacher im VEB Schreibfedernfabrik Berlin; gleichz. als Schauspieler im Arbeitertheater der Gesell. für…

Wer war wer in der DDR

Schneider, Max

* 23.1.1915 – ✝ 8.1.1987

Geb. in Röthenbach (a. d. Pegnitz, Bayern); Vater Arbeiter; Volksschule; Gymn.; Lehre u. Arbeit als Bankkaufmann; Wehrmacht (Oberltn.); 1943 sowj. Kriegsgef., NKFD. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Neulehrer; 1946 SED; 1948 Mitbegr. der NDPD; 1948 / 49 Chefred. sowie Verlagsdir. der »National-Zeitung« (Nachf. von Albrecht Albert) u. Dir. der NDPD-Parteischule in Buckow; 1949 polit. Geschäftsf., ab 1950 stellv. Vors. des NDPD-LV Groß-Berlin, 1952 – 60 stellv. Vors. des NDPD-BV Berlin; 1950 – 60 Stellv.…

Wer war wer in der DDR

Schnell, Emil

* 10.11.1953

Geb. in Packebusch (Krs. Stendal); 1960 – 68 POS in Bismark (Altmark); 1968 – 72 EOS Seehausen, Abitur; 1972 – 75 NVA; 1975 – 80 Studium der Physik an der TH »Otto von Guericke« in Magdeburg, Dipl.-Phys.; 1980 – 83 wiss. Ass. an der TH Magdeburg; 1983 – 90 wiss. Mitarb. u. 1988 – 90 Abt.-Ltr. der AdW-Forschungsstelle für Hochdruckforsch. in Potsdam; 1984 Prom. an der TU Magdeburg mit einer Arbeit über die Kinetik der Einkomponenten-Magnetbürstenentw.; Okt. 1989 SDP, dann SPD, Geschäftsf. der SPD…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schnichels, Hubert

* 27.9.1892 – ✝ 1938

Geboren am 27. September 1892 in Wussem/ Eifel; wurde Bergarbeiter. Er trat 1916 der SPD bei, war ab 1921 KPD-Funktionär in Brühl bei Köln, dort von 1924 bis 1933 Stadtverordneter und seit 1925 Kreistagsabgeordneter. Funktionär der BL Mittelrhein, war u. a. im AM-Apparat, ab Ende der zwanziger Jahre Angestellter, dann Redakteur beim KPD-Organ »Sozialistische Republik« in Köln. Im April 1933 flüchtete Schnichels nach Holland und emigrierte dann im Februar 1934 in die UdSSR, wohin ihm seine Frau mit den beiden Kindern folgte. Dort vom NKWD im November 1937 verhaftet, soll Hubert Schnichels 1938 im Gulag umgekommen sein. Auch seine Frau wurde inhaftiert, die Familie gilt als verschollen.

Wer war wer in der DDR

Schöbel, Heinz

* 14.10.1913 – ✝ 26.4.1980

Geb. in Leipzig; Vater Metallarb.; Volksschule; Fußballer im Arbeiter-Turn-u.-Sport-Bund Leipzig; 1928 – 31 Dt. Buchhändler-Lehranstalt Leipzig u. Lehre bei Grunow; 1931 – 35 Gehilfe bei F. Volckmar KG; ab 1938/39 Abt.-Ltr. u. Prokurist im Paul-List-Verlag Leipzig; 1934 – 39 Reichsbund Dt. Buchhändler; 1939 – 45 Wachtmstr. in einem Artillerieregt. Ab 1945 Treuhänder, Lizenzträger u. Ltr. des Paul-List-Verlags; 1945 SPD; 1946 SED; 1949 Gründer u. danach Ltr. des Fachbuchverlags; 1960 – 78 Ltr.…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schoenlank, Reinhold

* 2.1.1890 – ✝ 6.1.1960

Geboren am 2. Januar 1890 in Nürnberg, Sohn des sozialdemokratischen Journalisten und Reichstagsabgeordneten Bruno Schoenlank (*16. 5. 1859 – † 30. 10. 1901); besuchte die Höhere Bürgerschule in Leipzig und Erfurt und lernte Drogist. 1907 wegen antimilitaristischer Jugendarbeit verhaftet, wanderte dann nach Brasilien aus, gründete dort mit Gleichgesinnten eine »kommunistische Kolonie«, war schließlich Bierbrauer und Apotheker und kehrte wieder nach Deutschland zurück. Als Hotelangestellter 1910 durch einen Unfall erblindet, war er ab 1911 Zögling an der Hallenser Blindenanstalt. Dort 1913 wegen politischer Betätigung entlassen, später Leiter eines Arbeiterjugendheimes in Halle. 1917 Mitglied der USPD, wurde wegen aktiver Antikriegsarbeit festgenommen, kam erst bei Ausbruch der Revolution frei. Seit 1919 Mitglied der KPD, reiste als Wanderredner der Zentrale durch Deutschland, nahm am III., IV. und V. Parteitag 1920 in Karlsruhe, bzw. in Berlin sowie am VII. Parteitag im August 1921 in Jena teil, wo er für den Bezirk Halle-Merseburg in den ZA gewählt wurde. Schoenlank veröffentlichte am 14. Oktober 1925 im Bezirksorgan »Klassenkampf« einen Artikel, der sich u. a. kritisch mit der Taktik der Komintern befaßte. Er wurde deshalb am 20. Oktober 1925 gegen die Stimmen der Ultralinken aus der Partei ausgeschlossen, protestierte zwar dagegen, doch die Komintern bestätigte seinen Ausschluß. Später wieder Mitglied der SPD, er war ein bekannter Schriftsteller und engagierte sich im Zentralverband der Arbeitsinvaliden. Nach 1933 Berufsverbot, aber nicht verhaftet. 1945 wieder Mitglied der SPD, dann der SED, zunächst wurde Schoenlank Oberregierungsrat für Sozialwesen in der Provinzialverwaltung Sachsen-Anhalt, dann Dozent an der Universität Halle. Er geriet 1950 in die stalinistischen Säuberungen, wurde zeitweilig aus der SED ausgeschlossen, später »rehabilitiert« und Arbeiterveteran in Halle. Reinhold Schoenlank starb am 6. Januar 1960 in Berlin. Sein jüngerer Bruder Bruno Schoenlank (* 31. 7. 1891 – † 1. 4. 1965) lernte Buchhändler bei J.H. W. Dietz in Stuttgart, schrieb Artikel für die »Gleichheit«, die »Schwäbische Tagwacht« und den »Vorwärts«. Leistete während des Weltkrieges wie sein Bruder antimilitaristische Arbeit in Berlin und in der Armee. Mitglied der USPD, ab Mitte November 1918 Feuilletonredakteur der »Freiheit«. Während der Januarkämpfe 1919 aktiv auf seiten der Spartakisten an der Besetzung des »Vorwärts«-Gebäudes beteiligt, veröffentlichte in der »Freiheit« am 20. Januar 1919 ein Gedicht auf Rosa Luxemburg. Von 1919 bis 1921 gehörte er der KPD an, trat aber 1921 als Anhänger Paul Levis wieder aus und wurde später Mitglied der SPD. Als Schriftsteller und Redakteur zugleich ein führender Sprechchordichter der sozialdemokratischen Arbeiterkulturbewegung, emigrierte er 1933 in die Schweiz und wohnte bis zu seinem Tod in Zürich.

Wer war wer in der DDR

Scholz, Ernst

* 19.7.1913 – ✝ 12.6.1986

Geb. in Berlin; Vater Angest., Mutter Verkäuferin; Volksschule u. Realgymnasium in Berlin; Mitgl. der Wandervogelbew., Pfadfinder, Arbeitersportbew. »Fichte«; 1932 Zimmerer in Groß Köris; 1932/33 Studium der Bauwirtschaft an der TH Berlin, am Bauhaus Berlin u. der Univ. Rostock; 1933 kurzz. verhaftet; 1933/34 Studium an der École Spéciale d’Architecture in Paris; 1934 SAP Paris; Übertritt zur KPD; 1934 – 37 freischaff. Architekt in Berlin; illeg. pol. Arbeit für die RH; verantw. für die…

Wer war wer in der DDR

Scholz, Paul

* 2.10.1902 – ✝ 23.6.1995

Geb. in Braunau (Krs. Löwenberg, Oberschles. / Wronów, Polen); Vater Kleinbauer; Volksschule; Land- u. Fabrikarb.; 1925 KPD, versch. Funktionen; in der NS-Zeit wegen antifa. Tätigkeit mehrmals inhaftiert, 1936 wegen »Vorber. zum Hochverrat« verurteilt; Gebietsberater der illeg. KPD in Berlin. 1945/46 KPD/SED; FDGB; VdgB; ab Juni 1945 Mitgl. der Red. des KPD-Zentralorgans »Dt. Volksztg.«, nachf. bis Ende 1947 der Ztg. »Neues Dtl.«; ab 1948 stellv. Chefred. der VdgB-Wochenztg. »Der freie Bauer«;…

Wer war wer in der DDR

Schönbeck, Franz

* 15.9.1931

Geb. in Essen; Vater Maurer; Grundschule; 1946 – 49 Lehrling u. Angest. im Landratsamt Ludwigslust (Mecklenb.); 1948 SED; 1949 / 50 ABF; 1950 – 52 Sachbearb. bei der SPK; 1952 – 55 Stud. an der DASR Potsdam, Dipl.-Jurist; 1956 – 60 Ltr. der Org.-Instrukteur-Abt. u. Sekr. des Rats des Krs. Perleberg, 1960 – 62 Ltr. der Org.-Instrukteur-Abt. des Rats des Bez. Schwerin; 1962 – 64 Vors. des Rats des Krs. Gadebusch, 1965 – 69 Vors. des Rats des Krs. Lübz; 1969 – 71 OB von Schwerin (Nachf. von Günter…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schönfeld, Betty

* 26.5.1910 – ✝ 9.6.1999

Geboren am 26. Mai 1910 in Berlin als Betty Wick, Tochter einer Arbeiterfamilie. Bis 1931 Stenotypistin bei verschiedenen Berliner Konfektionsbetrieben. Seit 1927 aktiv im Arbeitersportverein »Fichte« und seit 1929 in der KPD. Im Sommer 1932 reiste sie im Auftrag der KPD in die Sowjetunion, sie hatte noch in Berlin den sowjetischen Kommunisten Dmitri Jegarew kennengelernt, der 1935 in Moskau als Trotzkist verhaftet und ermordet wurde. In Moskau arbeitete sie im Apparat des EKKI, u. a. im Büro von Wilhelm Pieck. Im September 1936 wurde sie wegen »Verbindung mit konterrevolutionären Elementen« aus der KPD ausgeschlossen, im Juni 1937 in Moskau verhaftet, dann »wegen Mitgliedschaft in einer trotzkistischen Gruppe« zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilt. Bis 1945 im Gulag, anschließend wurde eine lebenslängliche Wohnortbeschränkung verfügt, die erst 1954 aufgehoben wurde. Sie erhielt Arbeit als Maschinistin und Stenotypistin, dann als Sanitäterin. Ihr zweiter Mann, mit dem sie seit 1948 verheiratet war, wurde im März 1952 von Banditen ermordet. Im Juli 1957 kam sie mit ihren zwei Töchtern Ludmilla und Swetlana in die DDR und begann in der Direktion der Lufthansa bzw. Interflug zu arbeiten. Betty Schönfeld starb am 9. Juni 1999 in Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schönhaar, Eugen

* 29.10.1898 – ✝ 1.2.1934

Geboren am 29. Oktober 1898 in Eßlingen/ Neckar, Sohn eines Weißgerbers und Kernmachers. Er schloß sich 1912 der sozialistischen Arbeiterjugend an, war während des Weltkrieges Anhänger der Spartakusgruppe, wurde 1916 verhaftet und im Herbst 1917 zum Militärdienst eingezogen. Anfang 1919 Rückkehr nach Eßlingen, Former in der dortigen Maschinenfabrik. KPD-Mitglied und Vorsitzender der Ortsgruppe der FSJ. Schönhaar nahm am 5. Reichskongreß der KJD im Dezember 1920 teil und wurde in die Zentrale gewählt. Bis Mai 1921 war er Redakteur der Zeitschrift »Die junge Garde«. Im Juli 1921 und im Dezember 1922 Delegierter des II. bzw. III. Kongresses der KJI in Moskau, der II. Kongreß berief ihn in das EK der KJI, in dessen Berliner Büro er bis Dezember 1922 arbeitete. Einige Zeit Former in Moskau, kam er Ende 1923 als Referent ins EK der IRH, im Mai 1924 kehrte er nach Berlin zurück, hier Leiter des Mitteleuropäischen Büros (MEB) der IRH. Wegen drohender Verhaftung (er gehörte auch zum AM-Apparat) emigrierte Schönhaar 1927 nach Moskau und arbeitete erneut im EK der IRH. Im Juli 1928 für ein Jahr in den USA, ging im März 1929 legal nach Deutschland zurück, wurde Mitarbeiter im Sekretariat des ZK der KPD und war u. a. für den Druck illegaler Schriften verantwortlich. Im Februar 1933 gehörte er unter den Parteinamen Eugen bzw. Ewald Rackwitz zu den Mitarbeitern der illegalen Inlandsleitung unter John Schehr. Am 11. November 1933 in Berlin verhaftet, Eugen Schönhaar wurde gemeinsam mit John Schehr, Rudolf Schwarz und Erich Steinfurth (als Vergeltung für die Erschießung des Spitzels Alfred Kattner) am 1.Februar 1934 beim Transport nach Wannsee von der Gestapo »auf der Flucht« erschossen. Seine Frau Odette und sein 1925 geborener Sohn Carlo konnten nach Frankreich emigrieren. Nach der deutschen Besetzung schloß sich Carlo Schönhaar der Résistance an, wurde Anfang 1942 verhaftet und am 17.April 1942 in Paris erschossen.

Wer war wer in der DDR

Schorlemmer, Friedrich

* 16.5.1944

Geb. in Wittenberge (Prignitz); Vater Pfarrer; Abitur an der VHS; 1962 Wehrdienstverweigerung; 1962 – 67 Theol.-Studium in Halle; 1968 Vikar in Halle-West u. Studieninspektor in einem Studentenwohnheim; 1970 Ordination; 1971 – 78 Jugend- u. Studentenpfarrer in Merseburg; ab 1976 Mitgl. von Synoden auf Landeskirchen- u. DDR-Ebene; ab 1978 Doz. am Ev. Predigerseminar in Wittenberg u. Prediger an der dortigen Schloßkirche; ab 1980 aktiv in einer opp. Gruppe; ließ 1983 im Lutherhof vor…

Wer war wer in der DDR

Schottlaender, Rudolf

* 5.8.1900 – ✝ 1.4.1988

Geb. in Berlin in einer bürgerl. jüd. Familie; Gymnasium; 1918 – 23 Studium der Philos. u. Philol. in Berlin, Marburg, Freiburg u. Heidelberg; hier 1923 Prom. über die Nikomach. Ethik bei Aristoteles; bis 1933 als Übersetzer u. Publizist tätig; danach Privatgelehrter, blieb durch die Ehe mit einer nichtjüd. Frau vor der Deportation bewahrt; tätig als Krankenpfleger u. Arbeiter in einer Munitionsfabrik. 1947 Prof. für Philos. an der TH Dresden; 1949 nach Konflikten mit der SED Entlassung u.…

Wer war wer in der DDR

Schneider, Petra

* 11.1.1963

Geb. in Karl-Marx-Stadt; Beginn mit dem Schwimmtraining im Alter von sechs Jahren bei der BSG Motor Karl-Marx-Stadt / Schönau; ab 1973 KJS u. Mitgl. des SC Karl-Marx-Stadt (Trainer: Eberhard Mothes); Olymp. Spiele 1980: Siegerin über 400 m Lagen, Zweite über 400 m Freistil; 1981 EM über 400 m Lagen, EM-Zweite über 200 m Lagen; 1982 WM über 200 m u. 400 m Lagen, WM-Zweite über 400 m Freistil; VVO; 1982 – 90 SED; 1984 Beendigung der sportl. Laufbahn u. Aufn. eines Fernstudiums in Staats- u.…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schnellbacher, Friedrich

* 20.3.1884 – ✝ 4.12.1947

(* 1884 – † 1947) Geboren am 20. März 1884 in Hanau, Sohn eines Steinmetzes; lernte Lithograph. Er trat 1906 in die SPD ein und löste 1912 Robert Dißmann als Sekretär der SPD-Kreisorganisation Hanau ab. Von 1915 bis 1922 Abgeordneter der Hanauer Stadtverordnetenversammlung, Schnellbacher stand auf dem äußersten linken Flügel der Partei. 1916 zum Militär einberufen, erkrankte er schwer an Gelenkrheumatismus, kam ins Lazarett und wurde aus der Armee entlassen. Auf der Reichskonferenz der SPD im September 1916 Sprecher der Gruppe Internationale und im April 1917 als Vertreter der Spartakusrichtung Mitglied des USPD-Beirates. Er war 1918/19 Vorsitzender des Hanauer Arbeiter- und Soldatenrates, es gelang ihm, mit dem Arzt 4 Dr. Georg Wagner die große Mehrheit der Hanauer USPD bereits im Frühjahr 1919 in die KPD zu überführen. Er wurde Leiter der KPD-Ortsgruppe Hanau und hauptamtlicher Angestellter in der Konsumgenossenschaft Langenselbold. Auf dem III. Parteitag der KPD im Februar 1920 in Karlsruhe wurde Schnellbacher zum Ersatzmitglied der Zentrale gewählt, er war im April 1920 gemeinsam mit Wilhelm Pieck Vorsitzender des IV. Parteitages, wieder Ersatzmitglied der Zentrale und Vertreter Hessens im ZA. Als es Ende September 1920 unter August Thalheimer zur Bildung eines politischen und eines organisatorischen Büros in der Zentrale der KPD kam, wurde Schnellbacher neben Jacob Walcher, Rosi Wolfstein u. a. einer der politischen Kommissare bzw. Vertrauensleute. Diese sollten die Verbindung der beiden Büros mit den Bezirken sichern und die Kontrolle über die dortige Ausführung der Parteibeschlüsse gewährleisten. Da sich das System nicht bewährte, wurden danach sogenannte Oberbezirkssekretäre eingesetzt. Schnellbachers Parteilaufbahn endete 1921/22, aber es fehlen Anhaltspunkte, ob er aus politischen Gründen abgelöst wurde. Ab Ende 1922 wirkte Schnellbacher als Sekretär des »Internationalen Bundes der Kriegsopfer und Kriegshinterbliebenen« für den Bezirk Hessen in Frankfurt/M., ab 1929 besoldeter Sekretär in dessen Hauptvorstand in Berlin. Deshalb zog er im Februar 1929 von Hanau nach Birkenwerder bei Berlin, wurde rasch Vorsitzender der dortigen KPD-Ortsgruppe und im November 1929 auch Abgeordneter des Brandenburgischen Provinziallandtages. Er arbeitete einige Zeit als Sekretär der märkischen Siedlungsbaugenossenschaft »Die kinderreiche Familie«. Im SPD-Organ »Vorwärts« wurden Schnellbacher im November 1930 Amtsmißbrauch und Korruption während seiner Langenselbolder Zeit als Konsumangestellter vorgeworfen. Im Januar 1933 zog er nach Berlin-Neukölln, um den Beobachtungen durch die Nazis zu entgehen. Er wurde mehrmals polizeilich vernommen, blieb aber außer Verfolgung, war lange Zeit erwerbslos, später Lithograph. 1945 wurde er Leiter der Hauptabteilung der Berufsfürsorge für Schwerbeschädigte in der Landesversicherungsanstalt Berlin. Seit April 1946 Mitglied der SED, jedoch politisch nicht mehr aktiv. Friedrich Schnellbacher starb am 4. Dezember 1947. »Neues Deutschland« druckte am 7. und 9.Dezember 1947 nur zwei kleine private Traueranzeigen.

Wer war wer in der DDR

Schnitzler, Karl-Eduard von

* 28.4.1918 – ✝ 20.9.2001

Geb. in Berlin-Dahlem; Vater königl.-preuß. Legationsrat Eduard v. S.; 1924 – 34 Volksschule, Friedenaue- u. Arndt-Gymnasium; 1932 SAJ, illeg. Arbeit, 1933 kurzzeitig verhaftet; ab 1934 Internatsschule (Dt. Kolleg) in Bad Godesberg, 1937 Abitur am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Köln; anschl. sechs Mon. RAD; 1937 Aufnahme des Studiums der Med. in Freiburg i. Br., abgebrochen (Mitgl. im NS-Studentenbund verweigert); in Freiburg Kontakte zur illeg. KPD, Kurier u. Grenzarbeit; 1938 – 40 Ausbildung…

Wer war wer in der DDR

Schober, Rita

* 13.6.1918 – ✝ 26.12.2012

Geb. in Rumburg (Nordböhmen / Rumburk, Tschechien); Vater Angest., Mutter Schneiderin; 1928 – 36 Realgymnasium; 1936 – 38 u. 1944/45 Studium der klass. Philol. u. Romanistik in Prag; 1940 Aushilfslehrerin in Warnsdorf; März 1945 Prom. zum Dr.phil. an der Dt. Univ. Prag. 1946 – 49 wiss. Assistentin von  Victor Klemperer an der MLU Halle; 1946 SED; 1949 Studentendekan der MLU; 1951 Wahrnehmungsdoz.; 1951/52 Hauptref. für Sprachen im Staatssekr. für HS-Wesen; 1952 Doz. u. Wahrnehmungsprof. mit…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Scholem, Werner

* 29.12.1895 – ✝ 17.7.1940

Geboren am 29. Dezember 1895 in Berlin, Sohn des wohlhabenden jüdischen Druckereibesitzers Arthur Scholem, der Vater bestimmte autoritär in der Familie, war nationalistisch und auf Distanz zur jüdischen Religion. Werner Scholem besuchte das Luisenstädtische und Dorotheenstädtische Gymnasium in Berlin und auf Weisung des Vaters ab 1908 die Samsonschule, ein jüdisches Internat streng deutsch-nationaler Prägung in Wolfenbüttel. Er näherte sich dem Zionismus (Studentenvereinigung des »Jung Juda-Kreises«), wurde 1912 Mitglied der sozialistischen Jugend und 1913 der SPD. Deswegen geriet er in Konflikt mit seinem bürgerlichen Elternhaus und wurde vom Vater nach Hannover »verbannt«, um sich als Externer auf das Abitur vorzubereiten. Zum endgültigen Bruch mit dem Vater kam es, als Werner Scholem am 31. Dezember 1917 in Hamm seine Freundin Emmy Wichelt (* 20. 12. 1896 – † 1. 6. 1970) aus Hannover heiratete, denn das Kind einer ledigen Mutter (Martha Rock, später verehelichte Wichelt) aus proletarischem Hause galt als nicht »standesgemäß«. Nach dem Abitur studierte Werner Scholem Geschichte und Jura in Göttingen und Halle. Im Juni 1915 zum Infanterieregiment nach Quedlinburg einberufen, im Sommer 1916 während des serbischen Feldzuges wurde er schwer am Fuß verwundet, er brachte lange Zeit in einem Lazarett in Halle zu. Seit Gründung der USPD 1917 Mitglied dieser Partei. Wegen Teilnahme an einer Antikriegsdemonstration (er war in Uniform aufgefallen) wurde Scholem verhaftet, wegen »Landesverrats« angeklagt, aber nach einigen Monaten entlassen. Nach der Novemberrevolution übernahm der junge Scholem in der USPD wichtige Funktionen. Anfang 1919 Bürgervorsteher (Stadtverordneter) in Hannover-Linden, Mitte 1919 übersiedelte er nach Halle und wurde Redakteur an der USPD-Zeitung »Volksblatt«. Er war Delegierter der USPD-Parteitage im März und November 1919 sowie des Spaltungsparteitags 1920. Scholem kam mit der linken USPD zur KPD, Delegierter des Vereinigungsparteitags im Dezember 1920. Im Januar 1921 trat er in die Redaktion der »Roten Fahne« ein und wurde im Februar 1921 als (jüngster) Abgeordneter für die KPD in den Preußischen Landtag gewählt. Wegen Aktivitäten bei der März-Aktion 1921 polizeilich gesucht, hob der Landtag seine Immunität auf. Scholem lebte zeitweise illegal und wurde am 24.September 1921 verhaftet. Nach einigen Monaten freigelassen, übernahm er verschiedene Aufgaben in der Partei. Er gehörte zur linken Opposition um Ruth Fischer und wurde Ende 1922 Orgleiter des wichtigen Bezirks Berlin-Brandenburg, Delegierter des VIII. Parteitags 1923, dort in die Beschwerdekommission berufen. Auf dem IX. Parteitag 1924 kam Scholem in die Spitze der Linken, wurde in die Zentrale sowie ins Polbüro gewählt und lenkte als Orgleiter die gesamte Orgarbeit der KPD. Nach der Verhaftung Arkadi Maslows 1924 war er neben Ruth Fischer der wichtigste Führer der Partei. Im Mai 1924 zog er im Wahlkreis Potsdam I als Abgeordneter in den Reichstag ein. Nach Auflösung des Reichstags im Oktober 1924 abermals polizeilich gesucht (Steckbrief: »1,67 groß, schwarzes Haar, dunkle Augen, Adlernase, trägt zeitweise Hornbrille«), jedoch im Dezember 1924 im selben Wahlkreis erneut in den Reichstag gewählt. Er war zudem Leiter der Informationsabteilung und des AM-Apparats. Als sich im Frühjahr 1925 die linke Zentrale spaltete, bildete Scholem mit Arthur Rosenberg und Iwan Katz die ultralinke Opposition. Der geschickte Organisator wollte die ultralinken Kräfte im Reich zusammenfassen, gab Fraktionsrundbriefe heraus, die er mit dem Pseudonym »semper idem« unterzeichnete. Auf dem X. Parteitag 1925 war Scholem der Hauptsprecher der ultralinken Opposition und warnte vor der zunehmenden Abhängigkeit von Moskau. Am Ende des Parteitags kam es zu einer Annäherung von Opposition und Führung, Scholem wurde wieder ins ZK (und ins Polbüro) gewählt. Er war auch Teilnehmer des IV. EKKI-Plenums 1924 und des VI. EKKI-Plenums 1926. Den im September 1925 veröffentlichten »Offenen Brief« des EKKI lehnten die Ultralinken unter seiner Leitung ab, Scholem versuchte nunmehr, die »alte Linke« zu sammeln und gegen die neue Führung Ernst Thälmanns und des EKKI zu mobilisieren. Er hielt auf der Parteikonferenz im Oktober 1925 das Korreferat gegen den Parteivorsitzenden Thälmann und wurde auf dieser Tagung sofort aus dem ZK ausgeschlossen, mußte sich einer Kommission stellen, die die Vorwürfe gegen ihn zu prüfen hatte. Denn angeblich sollte er für die finanziellen Transaktionen des Kassierers Arthur König verantwortlich sein, dabei war längst nachgewiesen, daß er damit nichts zu tun gehabt hatte. Scholem war nun einer der eifrigsten Funktionäre der linken Opposition. Im September 1926 organisierte er die Unterschriftensammlung für den »Brief der 700«, deshalb am 5. November 1926 aus der KPD ausgeschlossen. Er war überzeugt, Stalin würde noch 1926 die Komintern auflösen. Mitbegründer und Organisator des Leninbundes und bis 1928 für die Gruppe Linke Kommunisten MdR. Er trat für den Leninbund noch am 20. April 1928 in einer Wahlversammlung in Würzburg auf, verließ dann aber aus persönlichen Gründen kurz vor der Wahl diese Organisation, blieb jedoch Mitarbeiter der Zeitungen des Leninbundes (»Fahne des Kommunismus« und »Volkswille«) sowie des trotzkistischen Blattes »Permanente Revolution«. Ab Ostern 1927 nahm Werner Scholem seine juristischen Studien wieder auf und bestand am 2. März 1931 seine Referendarprüfung. Während seiner Berliner Referendarzeit zwar weiterhin an der Entwicklung der KPD interessiert, engagierte sich aber nicht mehr in der Politik. Die schwere Weltwirtschaftskrise seit 1929 nährte seinen Glauben an eine unmittelbar bevorstehende proletarische Revolution in Deutschland. Seinem Bruder Gerhard (Gershom) schrieb er: »Entweder kommt die Revolution .... oder die Herrschaft der Barbarei«; die Gefahr, die im Falle der Machtübernahme Hitlers auf ihn persönlich zukommen würde, unterschätzte er aber: »Mir werden sie schließlich nichts tun, denn ich bin Kriegsversehrter.« Werner Scholem wurde in der Nacht zum 28.Februar 1933 verhaftet, zunächst ins Polizeigefängnis am Berliner Alexanderplatz und anschließend ins Untersuchungsgefängnis nach Berlin-Moabit gebracht. Nach Protesten am 5.März 1933 entlassen, arbeitete er weiter in einer Anwaltskanzlei und organisierte seine Emigration in die Schweiz. Er wurde jedoch am 23.April 1933 gemeinsam mit seiner Frau Emmy festgenommen und gegen beide ein Hochverratsverfahren wegen »Zersetzung der Reichswehr« eingeleitet. Sie wurden beschuldigt, als Mitglieder einer gewissen »Hansa-Zelle«, die hauptsächlich aus Intellektuellen bestanden haben sollte, Zersetzungsarbeit in der Reichswehr zur Gewinnung von Reichswehrsoldaten für die »Rote Einheitsfront« zu leisten. Werner und Emmy Scholem gerieten dabei in die Ermittlungen gegen die Töchter des Chefs der Heeresleitung, Generaloberst Freiherr von Hammerstein-Equort, die tatsächlich Verbindungen zum Apparat von Hans Kippenberger hatten. Gegen Auflagen wurde Emmy Scholem Ende November 1933 entlassen und flüchtete Anfang Februar 1934 nach London. Von dort aus bemühte sie sich intensiv um die Freilassung ihres Mannes, es gab eine internationale Kampagne für Werner Scholem. Der 1. Senat des VGH sprach ihn am 9. März 1935 zwar frei, er blieb jedoch in »Schutzhaft«, kam zunächst in das KZ Lichtenburg, wurde im Februar 1937 ins KZ Dachau transportiert und im September 1938 ins KZ Buchenwald. Dort hatte er als Jude und ehemals führender Kommunist durch die SS viel zu erleiden, außerdem von den kommunistisch-stalinistischen Häftlingen als »Parteifeind« und »Renegat« geächtet, war er isoliert. Werner Scholem wurde am 17. Juli 1940 in Buchenwald, von einem SS-Wächter erschossen. Seine Frau Emmy Scholem, Ende 1920 Delegierte der USPD auf dem Vereinigungsparteitag mit der KPD, war bis zu seinem Ausschluß 1926 Sekretärin im ZK. Sie flüchtete mit beiden Töchtern nach London und betrieb ein Inseratenbüro, kam nach 1945 aus England in die Bundesrepublik, lebte zunächst in Bad Wimpfen, ab 1963 in Hannover, wo sie als Nichtjüdin auf dem jüdischen Friedhof begraben liegt. Die Töchter blieben in England. Scholems berühmter jüngster Bruder Gershom (Gerhard) war seit 1923 in Palästina und wurde Professor für Religionsgeschichte in Jerusalem, wo er am 21. Februar 1982 starb.

Wer war wer in der DDR

Scholz, Gerhard

* 1.10.1903 – ✝ 31.8.1989

Geb. in Liegnitz (Niederschl. / Legnica, Polen); Vater Lehrer; Studium der Germanistik, Lit.-Geschichte u. Allg. Geschichte in Tübingen, Heidelberg u. Berlin; 1926 soz. Studentengr.; SPD; 1931 SAP; wiss. Assistent; 1932 Referendar im höheren Schuldienst, Mai 1933 entfernt; 1936 Verfolgung wegen »Vorber. zum Hochverrat«; 1936 Emigr. nach Prag; Mitarb. u. Berater im tschech. Kultusmin.; Hrsg. einer Briefschule; Mitarb. an der Zürcher Ztschr. »Mass u. Wert« bzw. in der Thomas-Mann-Ges. dt. Emigr.…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Scholze, Paul

* 13.4.1886 – ✝ 11.5.1938

Geboren am 13. April 1886 in Dresden, Sohn eines Arbeiters; lernte Werkzeugschlosser. Er war Revisor des sozialdemokratischen Zentralwahlvereins Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg, stand während des Weltkrieges in Opposition zur offiziellen Parteipolitik und schied aus der SPD aus. In einem Bericht schrieb der Berliner Polizeipräsident, Scholze gehöre »zu den radikalsten Elementen der sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft. Er versucht überall, wo es ihm nur möglich ist, Unzufriedenheit zu schaffen und eine umstürzlerische Tätigkeit zu entwickeln.« Scholze organisierte 1917 den ersten Munitionsarbeiterstreik in Berlin, war dort ab April 1917 Mitglied der Leitung der Revolutionären Obleute sowie des Arbeiterrates und in den Revolutionsmonaten 1918/19 einer der führenden Funktionäre des Spartakusbundes. Am 11.Dezember 1918 übernahm er die Leitung des Pressedienstes des Vollzugsrates. Paul Scholzes Name stand neben denen von Karl Liebknecht und von Georg Ledebour unter dem Aufruf des »Revolutions-Ausschusses« vom 6. Januar 1919 zur »Absetzung« der Ebert-Regierung. Er blieb zunächst in der USPD und kam mit deren linkem Flügel Ende 1920 zur KPD, war Delegierter des USPD-Spaltungsparteitages 1920. In den Jahren der Weimarer Republik war er führend in der IAH, zeitweise deren Leiter und verantwortlicher Redakteur ihrer Zeitung »Sichel und Hammer«. Von 1929 bis 1932 saß er in der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Bereits im April 1933 verließ Scholze Deutschland, ging zunächst nach Paris und war dort im Umfeld Willi Münzenbergs, bei der IAH aktiv. Zusammen mit Paul Scholze hatten seine Ehefrau und beider Sohn Frank Deutschland verlassen, kehrten jedoch nach einiger Zeit nach Berlin zurück. Ab 1935 lebte Scholze in Moskau, wo ihn die Gestapo noch 1941 vermutete. Als er 1938 von den deutschen Behörden ausgebürgert wurde, hieß es in einem Gestapobericht, Scholze sei seit 1921 in zweiter Ehe verheiratet und habe zwei Kinder; die Ehefrau, die zusammen mit den Kindern in Berlin-Prenzlauer Berg lebte, wurde so charakterisiert: »In staatspolizeilich und krimineller Hinsicht ist Nachteiliges über sie nichts zu ermitteln. Sie gibt an, mit ihrem Ehemann nicht mehr in Verbindung zu stehen und seinen Aufenthaltsort nicht zu kennen.« Dies entsprach, wie Sohn Frank Scholze später berichtete, nicht den Tatsachen. Vielmehr hatte seine Mutter inzwischen erfahren, daß Paul Scholze aus Moskau deportiert und als ein Opfer der stalinistischen Säuberungen umgekommen war. Trotz vieler Versuche gelang es der Familie nicht, irgendwelche Einzelheiten über das Schicksal Paul Scholzes in Erfahrung zu bringen. Erst seit der Öffnung der NKWD-Archive war sein Lebensweg in der UdSSR zu rekonstruieren. Scholze kam 1935 in die Sowjetunion, wurde nach eigener Überprüfung selbst Mitarbeiter der Kommission zur Übernahme der KPD-Mitglieder in die KPdSU(B). Er geriet ein Jahr später in die Parteisäuberungen, wurde am 4. November 1936 vom NKWD verhaftet und zusammen mit Hans Rogalla und Josef Schneider beschuldigt, »Mitglied einer konterrevolutionären faschistisch-trotzkistischen Gruppe zu sein«. Nach dem Prinzip der Kontaktschuld wurde ihnen vorgeworfen, daß sie bei Besuchen des einstigen RFB-Führers Willy Leow in Moskau mit ihm in Hotelzimmern und Kneipen Gespräche »trotzkistischen Inhalts« geführt hätten. Deshalb wurde Scholze zusammen mit Rogalla und Schneider vom NKWD-Sondertribunal am 10.Juli 1937 zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilt, anschließend in ein Lager nach Magadan verbannt. Dort wegen »Schädlingsarbeit« und »faschistischer Agitation« zum Tode verurteilt und am 11. Mai 1938 erschossen. Nach Stalins Tod insgeheim »rehabilitiert«, aber erst am 18.Oktober 1991 durch die Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation öffentlich rehabilitiert. Sein Sohn Frank Scholze (* 1928), lange Zeit Schauspieler u. a. am Theater in Karlsruhe, bemühte sich intensiv, das Schicksal seines Vaters aufzuklären.

Wer war wer in der DDR

Schöne, Gerhard

* 10.1.1952

Geb. in Coswig; Vater Pfarrer; 1958 – 68 POS; 1968 – 70 Lehre als Korpusgürtler; 1970 – 73 kirchl. Mitarb.; 1973 – 78 Briefträger; 1974 – 78 Fernstudium Unterhaltungsmusik / Gesang an der HS für Musik »Carl M. v. Weber« Dresden; 1978/79 Bausoldat; seit 1979 freischaff.; trat anfangs vorw. im kirchl. Rahmen auf, dann zunehmend auch in öffentl. Veranstaltungen u. in den Massenmedien; 1980 – 88 Auftritte beim Berliner Festival des pol. Liedes; 1981 erste LP, 1982 große Popularität der zweiten LP…

Schönfeld, Friedhelm

* 13.5.1938

Geb. in Zehrendorf (Krs. Teltow); 1950 – 58 Studium in Berlin (Klarinette, Klavier, Komposition); 1957/58 im Tanzorchester Heinz Igel, 1958/59 im Harry-Seeger-Quintett u. a. namhaften Tanz-, Theater- u. Sinfonieorchestern; 1960 – 70 1. Alt- u. Solo-Saxophonist im Rundfunk-Tanzorchester Berlin; 1959 Soloschallplatte mit dem Orchester Alfons Wonneberg bei »Melodija« in Moskau; 1960 eigenes Quartett, dann bis 1965 eigenes Quintett (u. a. mit Hubert Katzenbeier u. Joachim Kühn); Gründung des F. S.…

Wer war wer in der DDR

Schönherr, Albrecht

* 11.9.1911 – ✝ 9.3.2009

Geb. in Katscher (Krs. Leobschütz, Oberschles./Kietrz, Polen); Vater Katasteramtsdir., 1918 gefallen; 1929 Abitur in Neuruppin; 1929 – 33 Studium der Theol. in Tübingen u. Berlin; anschl. bis 1934 Vikar in Potsdam; seit 1934 Mitarb. in der Bekennenden Kirche; 1935 Teiln. an Dietrich Bonhoeffers Predigerseminar in Finkenwalde; 1936 Ordination in Berlin; anschl. Pfarrer in Greifswald; ab 1937 in Brüssow (Uckermark); 1940 – 45 Kriegsteiln.; anschl. brit. Gefangenschaft, dort Lagerpfarrer. 1946…

Wer war wer in der DDR

Schorn, Christine

* 1.2.1944

Geb. in Prag; Eltern Schauspieler; Übersiedl. der Fam. von Kiel nach Ost-Berlin; 1961 – 64 Studium an der Staatl. Schauspielschule Berlin; seit 1964 Mitgl. des Ensembles des Dt. Theaters Berlin; Debüt in Wiktor Rosows »Unterwegs« (R:  Friedo Solter); wichtige Bühnenrollen in Gotthold E. Lessings »Nathan der Weise«,  Peter Hacks’ »Amphitrion«, Friedrich Schillers »Kabale u. Liebe«, Anton Tschechows »Onkel Wanja« u. »Der Kirschgarten«, Federico García Lorcas »Doña Rosita bleibt ledig«, Bernard…

Wer war wer in der DDR

Schöttler, Gabriele

* 27.9.1953

Geb. in Zehdenick (Krs. Gransee); POS; 1970 – 74 Ausbildung an der Med. FS Berlin-Buch, Krankenschwester; 1974 – 77 Krankenschwester an der Neurolog. Klinik Berlin-Buch; 1977 – 79 stellv. Stationsschwester; 1979 – 83 Sachgebietsltr. für Aus- u. Weiterbildung im VEB Elektromontage Oranienburg; 1980 – 84 Fernstudium der Betriebswirtschaft. an der FS für Betriebswirtschaft Dippoldiswalde, Ing.-Ök.; 1984 – 91 tätig in der Berufsausb. im VEB Elektromontage; 1989 Mitgl. der SDP, dann SPD; Mai – Dez.…

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Schneider, Rolf

* 17.4.1932

Geb. in Chemnitz, aufgew. in Wernigerode; Vater Former, Werkmeister; Mutter Textilarbeiterin; OS; 1952 – 55 Studium der Pädagogik u. Germanistik in Halle; 1955 – 58 Red. der Ztschr. »Aufbau« Berlin; dann freischaff.; 1962 Lessing-Preis; 1972 Kunstpreis des FDGB; im Nov. 1976 Mitunterz. der Protestresolution gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns; vom MfS im OV »Germanist« überwacht; Juni 1979 mit acht weiteren Schriftst. Ausschl. aus dem SV (1989 Aufhebung des Ausschl. u. im Dez. Austritt aus…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schneller, Ernst

* 8.11.1890 – ✝ 11.10.1944

Geboren am 8. November 1890 in Leipzig, sechstes Kind eines Eisenbahnassistenten, der vorher zwölf Jahre bei der königlich-sächsischen Armee gedient hatte und 1895 starb. Ernst Schneller besuchte das Lehrerseminar in Grimma, bestand 1911 die Schulamtskandidaten-Prüfung und war bis 1913 Hilfslehrer in der kleinen Stadt Kirchberg im Erzgebirge. Nach der Abschlußprüfung 1913 Lehrer an der vierten höheren Bürgerschule in Leipzig. Er meldete sich 1914 freiwillig, kam an die Front und wurde 1916 nach einem Ausbildungskurs für Offiziere Leutnant, später Oberleutnant, schließlich 1917/18 Bataillonsadjutant an der Ostfront. Bei Ausbruch der Revolution in den Soldatenrat gewählt, kam Schneller im Januar 1919 nach Sachsen zurück, war ab März 1919 Lehrer in Schwarzenberg/Erzgebirge. Die Linke protestierte im Gemeinderat zunächst gegen die Berufung eines Offiziers, zog den Protest aber zurück, als er der SPD beitrat. Schneller war bis April 1920 Mitglied der SPD und deren Stadtverordneter. Im Erzgebirge wurde dieser unpolitische, kleinbürgerliche Lehrer, der vor dem Kriege Nationalist war, radikalisiert. Während des Kapp-Putsches leitete er in Schwarzenberg die militärische Abwehr gegen die Kapp-Truppen, arbeitete dann eng mit den Kommunisten zusammen und trat zur KPD über, die ihn im November 1920 als Kandidat zur Landtagswahl aufstellte. Zunächst nicht gewählt, rückte er aber im April 1921 anstelle des ausgeschiedenen Abgeordneten Gottfried Weimer für die KPD in den Sächsischen Landtag nach. Bei der März-Aktion 1921 übernahm Schneller wieder militärische Aufgaben und sympathisierte 1921 einige Zeit mit der Levi-Gruppe. Ende 1921 zum UB-Leiter der KPD in Aue-Schwarzenberg gewählt, blieb aber Lehrer. Er lebte asketisch, war Abstinenzler und Anhänger der Brandler-Führung, die ihn 1923 mit der Leitung der Proletarischen Hundertschaften und anderen militärischen Aufgaben betraute. Nach der Niederlage im Oktober 1923 schwenkte er sofort zur Mittelgruppe über, doch kurz vor dem Parteitag 1924 bekannte er sich zur Parteilinken, kam als Delegierter zum IX. Frankfurter Parteitag und wurde dort erstmals in die Parteizentrale gewählt. Im Dezember 1924 zog Schneller auch in den Reichstag ein, dem er ununterbrochen bis 1933 angehörte. In der KPD-Zentrale wurden ihm wichtige militärische und organisatorische Aufgaben übertragen. Im November 1924 aus dem Schuldienst entlassen, kam er als hauptamtlicher Funktionär nach Berlin. Schneller leitete als Anhänger der Ruth-Fischer-Führung sehr bald die theoretische Arbeit und die Agitation der KPD. Nachdem die Ultralinken und mit ihnen Karl Korsch im Frühjahr 1925 in einen Gegensatz zur Zentrale gerieten, wurde Schneller Herausgeber der theoretischen Zeitschrift »Internationale« und Leiter der »Marxistisch-leninistischen Zirkel«. Er machte sich einen Namen als Hauptvertreter des »Kampfes gegen den Trotzkismus und Luxemburgismus«. Auf dem X. Parteitag 1925 erstattete er den Bericht der Zentrale und galt als »Generalsekretär« der Partei, obwohl es diese Funktion offiziell nicht gab. Nach dem »Offenen Brief« 1925 wechselte Schneller sofort zur neuen Thälmann-Führung, aber seine ständigen Schwenkungen riefen viel Kritik hervor. Bucharin soll ihn sogar als das »politisch charakterloseste Subjekt« der KPD bezeichnet haben; die Opposition meinte höhnisch, Schneller spiele nur deshalb eine wichtige Rolle, weil er »klüger als Ernst Thälmann und fleißiger als Philipp Dengel« sei. Auch in der neuen Führung erhielt er eine bedeutende Position, ging im März 1927 als Polleiter in den Bezirk Erzgebirge-Vogtland, um die dortige linke Gruppe um Paul Bertz und Heinrich Wesche zu isolieren. Vom XI. Parteitag 1927 wieder ins ZK und auch wieder ins Polbüro gewählt, kam er im Oktober 1927 als einer der vier Mitglieder des Politsekretariats zurück nach Berlin. Delegierter des VI. Weltkongresses der Komintern 1928, der ihn zum Kandidaten des EKKI berief. Am 26. September 1928 leitete Schneller die ZK-Sitzung, die beschloß, Ernst Thälmann wegen der Wittorf-Affäre als Parteichef abzusetzen. Nachdem Thälmann von Stalin rehabilitiert wurde, mußte Schneller für seine Abweichung büßen, wurde sofort aus dem Polbüro entfernt, 1929 auf dem XII. Parteitag auch nicht mehr ins ZK gewählt und in die Geschäftsabteilung des ZK abgeschoben, dort für Partei-Druckschriften verantwortlich. Seit Jahren wegen seiner militärpolitischen Arbeit in der KPD und im RFB bekannt, gehörte er zu den gefährdeten Funktionären der Partei. Nach der 3. Parteikonferenz im Oktober 1932 erneut zu Führungsaufgaben herangezogen, leitete er die Agitpropabteilung des ZK und wurde wieder in das ZK berufen. Dort übernahm er die Informationsabteilung und kam auch ins Polbüro. Er war Teilnehmer der Funktionärssitzung in Ziegenhals am 7. Februar 1933. Als Schneller in der Nacht des Reichstagsbrandes vom 27. auf den 28. Februar 1933 – entgegen einem Parteibeschluß – bei seiner Familie weilte, wurde er verhaftet und kam ins Gefängnis Alt-Moabit. Die Polizei streute sofort das Gerücht, er sei zur NSDAP übergelaufen und habe Thälmann verraten. Und diese Zwecklüge fand in KPD-Kreisen anfangs sogar Glauben. Schneller wurde ins KZ Sonneburg gebracht, im November 1933 zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt, die er im Zuchthaus Waldheim verbüßte. Danach im Juni 1939 ins KZ Sachsenhausen eingeliefert, gehörte er dort zur Führung der illegalen KPD. Ernst Schneller wurde am 11. Oktober 1944 zusammen mit 26 anderen Häftlingen von der SS erschossen. Sein Bruder Wilhelm Schneller (* 23. 7. 1894 – † 7. 12. 1979) war ebenfalls aktiver KPD-Funktionär, von 1924 bis 1930 Stadtverordneter in Leipzig und einige Zeit Ultralinker, wurde 1933 gemaßregelt und aus dem Schuldienst entlassen. 1945 zunächst Lehrer in Leipzig, ab 1950 Abteilungsleiter im Ministerium für Volksbildung der DDR. Von Juli 1955 bis zu seinem Ausscheiden 1960 leitete er die Pressestelle im Volksbildungsministerium.

Wer war wer in der DDR

Schnur, Wolfgang

* 8.6.1944 – ✝ 16.1.2016

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen), Waisenkind; Ausbildung zum Maurer; nach dem Abitur Studium der Rechtswiss., 1973 Dipl.-Jur.; 1965 –89 vom MfS als IM »Torsten« bzw. »Dr. Ralf Schirmer« erf.; ab 1978 Rechtsanwalt in Binz (Rügen) u. später in Rostock; als Einzelanwalt Rechtsbeistand für Vertreter der Opp., u. a. im Jan. 1988 für Inhaftierte nach der Berliner Karl-Liebknecht-Rosa-Luxemburg-Demonstration; Mitgl. der Synode der Ev. Kirche in Mecklenb.; zeitweise Vizepräses der Synode der Ev. Kirche…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schoenbeck, Willi

* 14.2.1886 – ✝ 12.12.1957

Geboren am 14. Februar 1886 in Berlin, Sohn eines Graveurs; besuchte das Luisenstädtische Realgymnasium, das er nach dem Tod des Vaters verlassen mußte, daraufhin Lehre und Arbeit als Kaufmann. Schoenbeck wurde 1905 Mitglied der SPD, 1907 Unterbezirkskassierer und Vorstandsmitglied des 3. Berliner SPD-Wahlkreises. 1910 besuchte er die Parteischule in Berlin, von 1911 bis 1914 führte er eine selbständige Betriebswerkstatt für Herrenkonfektion in Brüssel, dort aktiv im DAV. Im August 1914 als Schneider wieder in Berlin, hielt er Verbindung zu Julian Borchardt, dem Herausgeber der Zeitschrift »Lichtstrahlen« und Johann Knief in Bremen. 1915/16 Heeresdienst, desertierte im Juni 1916, lebte bis November illegal in Berlin. Mitglied des Spartakusbundes, flüchtete nach Amsterdam und war hier Mitbegründer der Deutschen Sektion der Sozialistischen Partei Hollands sowie Redaktionsmitglied der Wochenschrift »Der Kampf«. Am 20. November 1918 kehrte Schoenbeck nach Berlin zurück, war bis Mitte Januar 1919 Sekretär des Polizeipräsidenten von Neukölln Josef Koering. Schoenbeck war Delegierter des Gründungsparteitags der KPD Ende 1918. Von Januar bis März 1919 Herausgeber und Redakteur der KPD-Zeitung »Spartakus« und Leiter des Bezirksbüros der KPD in Essen, dann bis November 1919 Haft im Zuchthaus Werl (zusammen mit Otto Brass). Während des Kapp-Putsches mit Walter Stoecker im Aktionsausschuß Rheinland/Westfalen in Düsseldorf. Er war Delegierter des II., III. und IV. Parteitags der KPD, auf dem IV. Parteitag in die Mandatsprüfungskommission gewählt. 1921 zog Schoenbeck als Abgeordneter in den Preußischen Landtag ein. Von 1920 bis 1922 Orgleiter für Rheinland/Westfalen-Süd in Düsseldorf, vom 1.Januar 1923 bis Ende 1924 Sekretär in der Gewerkschaftsabteilung der Zentrale der KPD. Ab 1925 Geschäftsführer der »Schlesischen Arbeiter-Zeitung« in Breslau, im Januar 1926 Sekretär im Reichsausschuß zur entschädigungslosen Enteignung der Fürsten, von 1927 bis 1930 Prokurist des Kosmos-Verlages (ein Münzenberg-Unternehmen) und Geschäftsführer der »Welt am Abend«. Dort im Januar 1929 gemaßregelt, weil er sich weigerte, die Rechten zu entlassen. Daraufhin im Februar 1929 aus der KPD ausgeschlossen, bis 1930 aktiv in der KPO, näherte sich dann wieder der KPD. Der durch Schwerhörigkeit behinderte Schoenbeck fand Beschäftigung im »Münzenberg-Konzern« und konnte von 1930 bis 1933 unter Kurt Kersten bei der »Welt am Abend« mitarbeiten. Im März 1933 entzog er sich der Verhaftung durch Flucht und hielt sich längere Zeit in Zeitz und Merseburg auf. Bis 1938 erwerbslos, leistete er gemeinsam mit Jakob Schloer und Karl Baier in Berlin illegale Arbeit und wurde 1945 noch inhaftiert. Seit Juni 1945 in der KPD, übte er nur kleinere Funktionen in der Gewerkschaft aus. Im September 1945 gemeinsam mit Otto Brass Begründer der Verlages Die Freie Gewerkschaft und ab 1948 Hauptabteilungsleiter der Vertriebsleitung des Tribüne-Verlages. Willi Schoenbeck starb am 12. Dezember 1957 in Ost-Berlin.

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Scholz, Gustav Adolf

* 13.1.1890 – ✝ 22.6.1980

Geboren am 13. Januar 1890 in Eibau/Krs. Bautzen, Sohn eines Zimmermanns; Lehre als Holzbildhauer, dann auf Wanderschaft. 1908 Mitglied der SPD, 1910 leistete er seinen Militärdienst in Metz ab, war ab 1912 in einer Pianofabrik in Löbau beschäftigt und zog dann nach Lemgo. 1914 Soldat im Weltkrieg, Verwundung, anschließend Armierungssoldat. Ende 1918 Rückkehr nach Lemgo, hier Anfang 1919 Mitbegründer und 1. Vorsitzender der USPD, ab Mai 1919 Vorsitzender der USPD im Freistaat Lippe-Detmold. Im Dezember 1920 Delegierter zum Vereinigungsparteitag mit der VKPD in Berlin, stand Scholz bis 1933 an der Spitze der KPD in Lippe-Detmold. Auf dem VII. Parteitag in Jena 1921 sowie dem VIII. Parteitag 1923 in Leipzig wurde er zum Mitglied des ZA gewählt, gehörte der erweiterten BL Ruhr an. Von 1921 bis 1933 war er Abgeordneter des Landtags von Lippe-Detmold. Am 6. Dezember 1933 verhaftet, am 7.Dezember 1934 vom OLG Hamm zu zwei Jahren und neun Monaten Zuchthaus verurteilt, danach bis 1938 in »Schutzhaft« im KZ Sachsenhausen. Scholz kehrte dann nach Eibau zurück und arbeitete als Tischler. Von April 1944 bis April 1945 erneut KZ-Haft. Ab Juni 1945 wieder in Eibau, beteiligte er sich am Aufbau der KPD, dann bis August 1947 1. Vorsitzender des SED-KV Löbau. Später Vorsitzender des Kreistages Löbau, er erhielt 1976 den VVO in Gold. Adolf Scholz starb am 22. Juni 1980 in Herrnhut.

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Scholz, Gunther

* 9.10.1944

Geb. in Görlitz; Eltern Angest.; 1951 – 59 Grundschule in Dresden u. Berlin; 1959 – 63 Internatsoberschule Wickersdorf; 1962 SED (bis 1989); 1963 – 65 Lehre als Schriftsetzer; Studium der Theaterwiss. (ohne Abschluß); NVA, 1967 – 71 Studium an der HFF in Potsdam-Babelsberg, Dipl. als Regisseur; 1972 Regieass. im DEFA-Studio für Spielfilme Potsdam-Babelsberg; ab 1978 Spielfilmregisseur, Debütfilm »Ein April hat 30 Tage«; 1979 Kunstpreis des FDGB; Filme: »An einem Februarvormittag« (1981),…

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Schön, Otto

* 9.8.1905 – ✝ 15.9.1968

Geb. in Königsberg (Ostpr./Kaliningrad, Rußland); Stiefvater Töpfer; Volksschule in Königsberg, Realschule in Berlin; 1920 – 23 Ausbildung zum Versicherungs- u. Bankangest.; 1923 – 28 Bankangest. in Berlin; 1921 ZdA u. 1922/23 ZA von dessen Jugendorg.; 1922 KJVD; 1923 – 27 Funktionen in Berlin-Friedrichshain u. Berlin-Brandenb.; ab 1925 Mitgl. der KJVD-Revisionskommission; KPD u. RHD; 1927/28 Mitgl. u. 1928 Sekr. der KPD-UBL Berlin-Kreuzberg; 1928/29 Mitgl. der BL Ostsachsen; 1929/30 Ltr. des UB…

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Schöne-Ehrig, Andrea

* 1.12.1960

Geb. in Dresden; 1968/69 Paarläuferin im Eiskunstlaufen; Mitgl. des SC Einheit Dresden; ab 1969 Eisschnellauf (späterer Trainer:  Rainer Mundt); 1976 Olymp. Spiele: 2. Platz (3.000 m); bei Europa- u. Weltmeisterschaften zwischen 1983 u. 1988: fünfmal EM u. zweimal WM (im Mehrkampf); 1984 Olymp. Spiele: Siegerin (3.000 m), 2. Platz (1.000 m u. 1.500 m); 1988 Olymp. Spiele: 2. Platz (3.000 m u. 5.000 m), 3. Platz (1.500 m); 1988 endete ihre sportl. Laufbahn; VVO; Verdienter Mstr. des Sports;…

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Schönfelder, Andreas

* 5.3.1958

Geb. in Oberschlema (Erzgeb.); Vater Lehrmeister, Mutter Telefonistin; POS bis 1974 in Aue u. Gera; 1974 – 77 Lehre als Baufacharbeiter mit Abitur bei der SDAG Wismut in Gera; ab 1977 Mitarbeiter am ev. »Katharinenhof« in Großhennersdorf, 1981 Ausbildung zum Krankenpfleger; 1979 Begründer einer Wehrdienstverweigererberatung; 1982 Erwerb eines Hauses in Großhennersdorf, das zum Anlaufpunkt krit. Oppositioneller aus der ganzen DDR wurde; 1982 Mitbegr. des »Offenen Friedenskreises Großhennersdorf«,…

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Schönherr, Alfred

* 1.10.1909 – ✝ 9.4.1986

Geb. in Chemnitz; Vater Arbeiter; Volksschule; 1924 – 33 Ausbildung u. Arbeit als Elektriker; 1931 KPD; 1933 – 35 arbeitslos; 1935 – 41 Zuchthaus Waldheim wegen »Vorber. zum Hochverrat«; 1942 – 44 Elektromonteur; 1944/ 45 Zuchthaus Waldheim. 1945/46 KPD/SED; 1945 Einstellung bei der VP, Ltr. der Kripo, Polizeipräs. Berlin; 1948/ 49 Ltr. der Abt. Kriminalpolizei der DVdI; 1950/51 Besuch der PHS; 1951 Einstellung beim Inst. für wirtschaftswiss. Forschung (Auslands-Spionagedienst, später MfS, HA…

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Schorn, Friedrich

* 16.9.1914 – ✝ 1988

Geb. in Mittelsinn (Unterfranken); Vater Postangest.; sieben Jahre Volksschule; 1929 – 32 Gärtnerlehre in Bayern, anschl. arbeitslos; 1933 – 35 Gärtner beim Rat der Stadt Leipzig; 1933 – 35 NSDAP; 1935 – 44 Luftwaffe, zuletzt Ofw., Kriegsteiln. in Polen, Belgien u. Frankreich; 1944/45 Hauptscharführer »Division Hitlerjugend« der Waffen SS, schwerverletzt; sechs Wochen engl. Kriegsgefangenschaft in Hamburg. Juni 1945 Flucht nach Merseburg; Aug. bis Nov. Hilfswerker in den Chem. Werken Buna; Dez.…

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Schottstädt, Bruno

* 14.4.1927 – ✝ 25.4.2000

Geb. in Dierberg (Krs. Gransee); Vater Landwirt; 1941 – 44 Besuch der Lehrerbildungsanstalt in Dahme u. in Brandenb./Havel; 1944 RAD, 1945 Kriegsdienst; bis 1948 in brit. u. belg. Gefangenschaft. Nach der Rückkehr nach Dtl. Ausbildung u. Dienst in der Goßner-Mission; Studium der Theol. am Seminar für Kirchl. Dienst in Berlin (West) u. am Paulinum in Berlin (Ost), geprägt durch Dietrich-Bonhoeffer- u. Karl-Barth-Schüler, u. a.  Günter Jacob; 1953 Vikar in der Erlöser-Gemeinde in…