DDR von A-Z, Band 1956

Krankenstand (1956)

 

 

Siehe auch die Jahre 1958 1959 1960 1962 1963 1965 1966 1969 1975 1979 1985


 

Der K. ist der prozentuale Anteil der wegen Krankheiten, Unfällen usw. von der Arbeit Fernbleibenden an der Gesamtzahl der Beschäftigten. Infolge des niedrigen Lebensstandards, der Vernachlässigung des Arbeitsschutzes und der einseitig auf Erhöhung der Arbeitsproduktivität gerichteten Arbeitspolitik, insbesondere der Wettbewerbs- und Aktivistenbewegung, ist der K. ungewöhnlich hoch. Er betrug z. B. im Febr. 1955 über 8 v. H. Die Ausgaben für Krankengeld und den Lohnausgleich sowie der Ausfall an Produktion sind so groß, daß seit 1952 eine planmäßige Aktion zur Senkung des K. betrieben wird. Hierzu gehören der Druck auf Arbeiter, sich nur in den nötigsten Fällen krank zu melden, der Druck auf Ärzte, bei der Ausstellung von Zeugnissen über Arbeitsbefreiung den schärfsten Maßstab anzuwenden, die Anprangerung angeblich Scheinkranker als Bummelanten in Betriebszeitungen und Anschlägen in den Betrieben, Besuche der Kranken durch die Bevollmächtigten für Sozialversicherung (Sozialversicherungs- und Versorgungswesen) sowie Reihenuntersuchungen der Arbeiter und Angestellten durch Betriebsärzte.

 

Literaturangaben

  • Leutwein, Alfred: Die sozialen Leistungen in der sowjetischen Besatzungszone. 3., erw. Aufl. (BB) 1956. 296 S. m. 65 Anlagen.

 

Fundstelle: SBZ von A bis Z. Dritte, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1956: S. 143


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

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