DDR von A-Z, Band 1959

Gesellschaftswissenschaften (1959)

 

 

Siehe auch die Jahre 1958 1960 1962 1963 1965 1966 1969 1975 1979 1985


 

Im Marxismus-Leninismus all diejenigen Wissenschaften, die vom Menschen und der menschlichen Gesellschaft handeln. Gegensatz: Naturwissenschaften. Die G. sind mithin wesentlich weiter gefaßt als der im Westen gebräuchliche Begriff, wonach G. soviel wie Soziologie bedeutet, und decken sich in etwa umfangmäßig mit dem, was im Westen als Geisteswissenschaften bezeichnet wird: Philosophie, Geschichte, philologische und ästhetische Wissenschaften, soziale und ökonomische Wissenschaften, Rechts- und Staatswissenschaften. Doch spielt dabei das Dogma eine entscheidende Rolle, daß Mensch und Gesellschaft entscheidend von den Produktionsverhältnissen bestimmt sind. Die meisten G. sind demzufolge Wissenschaften vom „ideologischen Überbau“. (Marxismus-Leninismus, Historischer Materialismus)

 

Diese Einschätzung der G. hat zur Folge, daß die bolschewistischen Parteien ihnen und ihren Vertretern gegenüber politisch besonders unnachsichtig sind, ihre strenge „Parteilichkeit“ fordern und alle Auffassungen und Darlegungen im Bereich der G., die der Parteilinie zuwiderlaufen, grundsätzlich als „feindliche“ Äußerungen bekämpfen. (Objektivismus)


 

Fundstelle: SBZ von A bis Z. Fünfte, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1959: S. 126


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

Ausführliche Informationen zu den Handbüchern finden Sie hier.