DDR von A-Z, Band 1959

Lohnsystem (1959)

 

 

Siehe auch:


 

Das L. trägt folgende typische, und zwar rückschrittliche Merkmale; 1. Die Entlohnung ist der tarifvertraglichen Regelung entzogen, sie wird durch staatliche Norm (Gesetz oder Verordnung) bestimmt. Nicht nur jede Abweichung nach unten, sondern auch nach oben ist verboten. Das Günstigkeitsprinzip gilt also nicht. 2. Die Entlohnung weist große Differenzen zwischen den Lohngruppen auf, so daß die Arbeiter in der höchsten Lohngruppe zuweilen mehr als das Dreifache der Arbeiter in der untersten Lohngruppe erhalten. 3. An Stelle des Zeitlohnes ist in großem Umfang der Stücklohn getreten. Die Gestaltung des L. dient nur dem Zweck, die Leistungen der Arbeitnehmer zu steigern (Leistungsprinzip). Seine Schwächen führten im Jahre 1958 zu einer gewissen Revision der Lohnpolitik. So wurden die unteren Arbeitseinkommen erhöht und damit die Differenzierung innerhalb der Lohngruppen gemildert. Durch Einbeziehung von Zuschlägen (Teuerungszuschläge nach Abschaffung der Lebensmittelkarten) soll der Anteil des Tariflohnes am Effektivlohn erhöht werden. Die Anwendung des Stücklohns soll nur noch dort erfolgen, wo sie sinnvoll ist. Die Differenz zwischen Zeitlohn und Leistungsgrundlohn soll verringert werden. An Stelle der Regelung durch Verordnung sind die Lohnerhöhungen der jüngsten Zeit durch Kollektivvertrag zwischen Gewerkschaften und Wirtschaftsverwaltungen vorgenommen worden. Jedoch tragen diese Abkommen wegen der Abhängigkeit des FDGB von der SED und damit seiner Unterordnung unter die Staatsziele nicht den Charakter freier Vereinbarungen. (Rahmenkollektivvertrag)

 

Literaturangaben

  • Haas, Gerhard, und Alfred Leutwein: Die rechtliche und soziale Lage der Arbeitnehmer in der sowjetischen Besatzungszone. 5., erw. Aufl. (BB) 1959. Teil I (Text) 264 S., Teil II (Anlagen) 162 S.

 

Fundstelle: SBZ von A bis Z. Fünfte, überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 1959: S. 217


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

Ausführliche Informationen zu den Handbüchern finden Sie hier.