DDR von A-Z, Band 1975

Bürokratismus (1975)

 

 

Siehe auch die Jahre 1958 1959 1960 1962 1963 1965 1966 1969 1979 1985


 

Bezeichnung für jene Einstellungen und Handlungsweisen vornehmlich in der staatlichen Verwaltung und in der Wirtschaftsführung, deren charakteristisches Merkmal das Reglementieren und das Administrieren, die engstirnig formale Auslegung von Rechtsvorschriften, die Überbetonung von Kompetenzgesichtspunkten und ein praxisfernes, die Interessen der Bevölkerung mißachtendes Denken und Handeln sind.

 

Historisch wird die Entstehung der den B. kennzeichnenden gesellschaftlichen Denk- und Handlungsweisen im Zusammenhang mit der Herausbildung und Entwicklung des Verwaltungsapparates vor allem des bürgerlichen Staates gesehen. Der B. gilt als eine der Bürokratie in der antagonistischen Klassengesellschaft entsprechende Erscheinungsform repressiver staatlicher Machtausübung. Vermittels der Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse durch die sozialistische Revolution soll der B. seine soziale Basis verlieren. Allerdings wird festgestellt, daß Erscheinungen des B. durchaus auch im sozialistischen Staat auftreten, jedoch für den Verwaltungsapparat im Sozialismus nicht mehr typisch, sondern überwindbare Überreste der alten Gesellschaftsordnung sind. Arbeitsstil, operativer; Demokratischer Zentralismus.


 

Fundstelle: DDR Handbuch. Köln 1975: S. 180


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

Ausführliche Informationen zu den Handbüchern finden Sie hier.