Jüdische Gemeinden (1975)
Siehe auch die Jahre 1979 1985
Die Zahl der Mitglieder der JG. in der DDR hat kontinuierlich abgenommen. 1946 wurden in der damaligen SBZ und in Ost-Berlin 3.100 Mitglieder der jüdischen Religionsgemeinschaft gezählt, 1952 2.600, im Februar 1974 noch etwa 800. Ursachen sind die Abwanderung und die Überalterung der Gemeinden.
Die größte JG. besteht in Ost-Berlin mit 450 Mitgliedern. Nur hier finden noch regelmäßig freitags und samstags Gottesdienste statt. Zum Verband der JG. in der DDR gehören außerdem die Gemeinden in Dresden, Erfurt, Halle, Karl-Marx-Stadt, Leipzig, Magdeburg und Schwerin. Präsident des Verbandes ist der Vorsitzende der Dresdener Gemeinde, Helmut Aris. Seit 1969 sind die JG. in der DDR ohne einen Rabbiner. Eine Synagoge in Ost-Berlin sowie in Magdeburg und Leipzig sind mit staatlicher Hilfe wiederaufgebaut worden. Neue jüdische Gotteshäuser entstanden in Dresden und Erfurt. Die Berliner Gemeinde unterhält ein Altenheim und eine koschere Schlachterei. Mit staatlicher Unterstützung pflegen die Gemeinden im Gesamtgebiet der DDR 130 jüdische Friedhöfe. Der größte jüdische Friedhof Europas liegt im Ost-Berliner Bezirk Weißensee mit mehr als 114.000 Grabstätten.
Nach Angaben des Vorsitzenden der Ost-Berliner JG., Dr. Peter Kirchner, ist die Zahl der DDR-Bürger, die vor 1945 aus rassischen Gründen verfolgt wurden, etwa zehnmal so hoch wie die Mitgliederzahl der jüdischen Religionsgemeinschaft.
Die DDR hat politisch gegen den Zionismus und die Politik des Staates Israel Stellung genommen und hat mehrfach auch entsprechende Äußerungen von Repräsentanten der JG. publiziert. Es wird jedoch darauf geachtet, daß keine antisemitischen Tendenzen laut werden. Religionsgemeinschaften und Kirchenpolitik.
Fundstelle: DDR Handbuch. Köln 1975: S. 440