Jugendweihe (1975)
Siehe auch die Jahre 1956 1958 1959 1960 1962 1963 1965 1966 1969 1979 1985
Alle Maßnahmen der Jugendpolitik sind eng verknüpft mit dem Hauptziel der „Entwicklung und Festigung des sozialistischen Bewußtseins“. Diesem Ziel dienen auch zwei spezielle Formen politisch-moralischer Erziehung: die J. und die Arbeiterweihe.
Die J. ist „eine gesellschaftliche Einrichtung zur Unterstützung der politisch-ideologischen Bildung im 8. Schuljahr“. In ihrem Mittelpunkt steht das Gelöbnis, das die Jugendlichen in einer J.-Feier öffentlich ablegen. Es enthält ein Bekenntnis zur DDR, zur Freundschaft mit der UdSSR, zum Sozialismus und zum schulischen und beruflichen Fleiß. Zur Vorbereitung dienen die (10) Jugendstunden. Träger sind die „Ausschüsse für J.“, die mit den Schulen, den Eltern, der FDJ und den örtlichen Betrieben zusammenarbeiten. Die Jugendstunden sind auf den Lehrplan der Schule und die Pionier- und FDJ-Schulung abgestimmt; SED-Funktionäre und Veteranen, Wissenschaftler, Künstler, Arbeiter aus den Patenbetrieben (Patenschaften) tragen den Unterricht, der gewöhnlich mit einer Klassenfahrt (z. B. Besuch der Gedenkstätte Buchenwald) verbunden ist. J. wurden erstmals im Frühjahr 1955 durchgeführt. Die Teilnahme gilt als freiwillig und soll mit den Kirchenpflichten (Konfirmation, Kommunion) vereinbar sein. Indessen bestimmt die atheistische „Weltanschauung der Arbeiterklasse“ die J., wie sich etwa aus dem den „Weihlingen“ alljährlich überreichten Buch „Weltall, Erde, Mensch“ ablesen läßt. Die Abwehr der Kirchen und des christlichen Bevölkerungsteils gegen die J. war jedoch vergeblich. 1974 sollen ca. 95 v. H. der 14jährigen an der J. teilgenommen haben. Jugend.
Fundstelle: DDR Handbuch. Köln 1975: S. 449