DDR von A-Z, Band 1975

Junker (1975)

 

 

Bezeichnung der marxistisch-leninistischen Geschichtswissenschaft sowie der Publizistik in der DDR für eine Gruppe von Großgrundbesitzern, die einen besonders retardierenden Einfluß auf die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland ausgeübt haben sollen. Ursprünglich wurde unter J. der junge Adelige im allgemeinen verstanden; seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts jedoch benutzten Politiker und Publizisten vor allem der Arbeiterbewegung die Bezeichnungen J. bzw. „Junkertum“, um das konservative Denken und Handeln der Großagrarier, namentlich der ostelbischen („Kraut-J.“), zu charakterisieren. Die Geschichtswissenschaft der DDR sieht es als eines der grundlegenden Verhängnisse der deutschen Geschichte an, daß die Revolution von 1848/1849 eine Enteignung der J. und eine demokratische Bodenreform versäumte, so daß ein Bündnis mit der Bourgeoisie gegen das aufstrebende Proletariat dem Junkertum seine Macht erhielt. Ergebnis dieser Entwicklung sei jener spezifisch deutsche junkerlich-bourgeoise Imperialismus gewesen, dessen Stütze, der junkerliche Großgrundbesitz, auf dem Territorium der DDR 1945 durch die Bodenreform beseitigt wurde.


 

Fundstelle: DDR Handbuch. Köln 1975: S. 449


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

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