Plastindustrie (1975)
Siehe auch:
- Plasteindustrie: 1969
Entsprechend der DDR-Industriezweigsystematik ein Zweig der Chemischen Industrie, der die Gesamtheit der Betriebe zur Herstellung von Plasten, Plasthalbzeugen und Plastfertigungserzeugnissen umfaßt. Zur P. wird auch die Herstellung von Elasten (synthetischer Kautschuk usw.), nicht jedoch die Herstellung von Chemiefasern gerechnet. Zu den Erzeugnissen der P. gehören insbesondere Polymerisationsprodukte (zum Beispiel Polyvenylchlorid) und Kondensationsprodukte (Pheno- und Amino-Plaste). Die P. wurde auf der Verwendung von Inhaltsstoffen der Braunkohle aufgebaut, da eigene Erdölvorkommen fehlen. Ausgangsstoff ist das aus Braunkohle gewonnene Kalciumkarbid. In den letzten Jahren ist aber ein bedeutender Strukturwandel im Rohstoffeinsatz von der Braunkohlen- zur Mineralölverarbeitung festzustellen.
Während die Bruttoproduktion der Chemischen Industrie von 1960 bis 1973 um nahezu das 2,64fache stieg, nahm die P. mit einer nahezu 3,7fachen Erhöhung ihrer Bruttoproduktion einen weitaus stärkeren Aufschwung. Der Anteil der P. an der Warenproduktion der Chemischen Industrie erhöhte sich von 12 v. H. 1965 auf 16 v. H. 1972. Seit 1965 hat sich die Produktion von Plasten um jährlich ca. 11 v. H. erhöht. In diesen Zahlen dokumentiert sich der bedeutende Strukturwandel innerhalb der Chemischen Industrie zugunsten der P. in den letzten Jahren.
Zwar ist die Produktion von Plasten und synthetischen Harzen von 115.000 t 1960 auf 489.000 t 1973 gestiegen; jedoch reicht diese Erhöhung nicht aus, um den Bedarf zu decken.
In der Erzeugung von Plasten hat die DDR gegenüber den hochentwickelten westlichen Ländern einen erheblichen Nachholbedarf. So betrug die Produktion von Plasten und synthetischen Harzen 1972 pro Kopf der Bevölkerung in der DDR 26,9 kg, in der Bundesrepublik Deutschland 89,4 kg. Um die Kunststoffproduktion zu erhöhen, bemüht sich die DDR zunehmend um Gemeinschaftsprojekte mit anderen sozialistischen Staaten. Mit der ČSSR leitete sie das größte bilaterale Integrationsvorhaben ein, das bisher im RGW-Bereich in Angriff genommen wurde. Bis 1975 soll die Kunststoffproduktion 700.000 bis 750.000 t im Jahr, d. h. eine Pro-Kopf-Produktion von etwa 42 kg, erreichen.
Fundstelle: DDR Handbuch. Köln 1975: S. 649