DDR von A-Z, Band 1975

Weltraumforschung (1975)

 

 

Siehe auch die Jahre 1979 1985


 

[S. 934]Die DDR betreibt bisher keine eigene W. Mit anderen Ostblockländern ist sie aber seit November 1965 in das Satellitenprogramm der UdSSR mit einbezogen. Für die gemeinsame Erforschung und Nutzung des kosmischen Raumes wurde im April 1967 ein Arbeitsprogramm vereinbart und nach dem Koordinationsorgan, dem Rat Interkosmos bei der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, Interkosmos benannt. Erster Gemeinschaftssatellit war Kosmos 261 (Start: 20. 12. 1968), der von der UdSSR gebaut worden war. Die anderen Ostblockländer arbeiteten am Meßprogramm mit und beteiligten sich am Auswerten der Beobachtungsergebnisse.

 

An den mit Interkosmos und Rakete Vertikal bezeichneten Forschungsobjekten für Untersuchungen der kurzwelligen solaren Strahlung, der Hochatmosphäre und der interplanetaren Materie ist die DDR vielfach direkt beteiligt, und zwar mit Bordgeräten (z. B. Sender, Stromversorgungsgeräte, Fotometer, Elektronikblocks, Hochfrequenzsonden), die in der DDR hergestellt werden. Der wissenschaftliche Gerätebau, den die Kosmostechnik erfordert, wird zugleich für weitere Spezialgebiete, wie Meteorologie, Wehrtechnik, Industrieprozeßsteuerung, genutzt.

 

Bisher sind zehn Interkosmos-Flugkörper gestartet worden. An ihrer Konzeption und Entwicklung waren das Institut für Elektronik der Akademie der Wissenschaften der DDR sowie das Zentralinstitut für solar-terrestrische Physik (Heinrich-Hertz-Institut) der Akademie der Wissenschaften der DDR, das auch die Empfangsanlage für Wettersatellitenbilder entwickelt hat, beteiligt.

 

Der Meteorologische Dienst der DDR nutzt die Ergebnisse der W. für seine Aufgaben.

 

Die DDR ist dem internationalen „Vertrag über die Prinzipien für die Tätigkeit der Staaten bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper“ vom 17. 1. 1967 sowie der „Konvention über die internationale Verantwortlichkeit für Schäden, die durch Weltraumobjekte verursacht werden“, vom 29. 3. 1972, beigetreten.

 

Das von den Ostblockländern geschlossene Abkommen über die Schaffung des internationalen Systems und der Organisation für kosmische Fernmeldeverbindungen Intersputnik hat auch die DDR unterzeichnet. Intersputnik ist eine internationale, auch anderen Ländern offenstehende Organisation (Sitz in Moskau), die ein internationales Fernmeldesystem über künstliche Erdsatelliten errichten soll.


 

Fundstelle: DDR Handbuch. Köln 1975: S. 934


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

Ausführliche Informationen zu den Handbüchern finden Sie hier.