DDR von A-Z, Band 1979

Agnostizismus (1979)

 

 

Siehe auch die Jahre 1975 1985


 

Wesentlich von D. Hume und I. Kant entwickelte erkenntnistheoretische Lehre, die die Fähigkeit des Menschen zur Erkenntnis der objektiven Realität bezweifelt oder leugnet. Hume nahm an, daß das menschliche Erkennen stets lediglich mit Wahrnehmungen zu tun habe; nur die Gewohnheit führe zu der Überzeugung, daß auch außerhalb des Verstandes materielle Gegenstände existieren. Kant bestritt, im Unterschied zu Hume, nicht die Existenz der objektiven Realität; sie war für ihn allerdings das „Ding an sich“; lediglich mit dessen Erscheinungsformen habe der Mensch, aufgrund der ihm a priori gegebenen Formen der Sinnlichkeit und des Verstandes, zu tun.

 

Aufbauend auf Hume und Kant entwickelte sich im 19. Jahrhundert in der Naturphilosophie (E. DuBois-Reymond u. a.) der philosophische A. weiter (J. St. Mill, H. Spencer) und ist bis in die gegenwärtigen Strömungen des Neo-Positivismus hinein einflußreich geblieben. Die Vertreter des Histori[S. 1191]schen und Dialektischen Materialismus seit Engels und Lenin kritisieren am philosophischen A. vor allem seine angebliche „Perspektivlosigkeit“ und seinen „weltanschaulichen Skeptizismus“.

 

In der DDR wird der A. auch gegenwärtig mit den Argumenten Engels' und Lenins bekämpft. Dabei wird einmal auf den Fortschritt der (Natur-)Wissenschaften verwiesen, der seit Ende des 19. Jh. das Weltbild verändert hat. Deshalb sei es heute erkenntnistheoretisch naiv, den A. weiterhin vertreten zu wollen. Darüber [S. 10]hinaus betont man in der DDR jedoch immer wieder, daß dem A. auf erkenntnistheoretischem Gebiet allein „nicht beizukommen“ sei; vielmehr sei auf die „Praxis“ als das im Marxismus-Leninismus allein entscheidende Kriterium der Wahrheit zur Bekämpfung des auch in der DDR z. T. nicht einflußlosen A. zu rekurrieren. Positivismus.


 

Fundstelle: DDR Handbuch. 2., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, Köln 1979: S. 1190–10


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

Ausführliche Informationen zu den Handbüchern finden Sie hier.