DDR von A-Z, Band 1979

Anarchismus (1979)

 

 

Siehe auch die Jahre 1975 1985


 

Im Verständnis des Marxismus-Leninismus der DDR eine „utopisch-kleinbürgerliche, pseudorevolutionäre Ideologie und Bewegung, die im Gegensatz zum wissenschaftlichen Sozialismus den organisierten politischen Klassenkampf wie überhaupt jede politische Organisation, Disziplin und Autorität ablehnt und die Realisierung der ‚absoluten Freiheit‘, der Gerechtigkeit, Gleichheit und Brüderlichkeit in der Gesellschaft von der Abschaffung aller staatlichen Machtorgane und Zwangsmittel erwartet“ (Philosophisches Wörterbuch, Hrsg. G. Klaus und M. Buhr. 11. Aufl., Berlin [Ost] 1977, Bd. I, S. 72).

 

Als philosophische Grundlage des A. werden Subjektivismus und Voluntarismus angesehen. Als Hauptvertreter des A. gelten: W. Godwin, M. Stirner. P.-J. Proudhon sowie vor allem M. Bakunin. Als besondere Form des A. wird der Anarcho-Kommunismus (Hauptvertreter: Kropotkin) erachtet. Die anarchistische Gesellschaftstheorie Kropotkins arbeitet vor allem mit moralischen Kategorien. Eine weitere Unterform des A. stelle der Anarcho-Syndikalismus (R. Friedberg) dar, der sich Ende des 19. Jh. und Anfang des 20. Jh. in Deutschland, vor allem jedoch in Frankreich. Spanien und Südamerika gegen die Gewerkschaftsbürokratie richtete (Syndikalismus).

 

Die anarchistische Revolte der Jugend in den westlichen Industrieländern seit 1967/68 wird in der DDR zwar als „antiimperialistisch“, „objektiv“, jedoch als antikommunistisch bewertet. Mit Hilfe einer „linken“ Kritik am wissenschaftlichen Sozialismus sollte, unterstützt vom Maoismus, die internationale Arbeiterbewegung gespalten werden. Andererseits wird in der DDR immer wieder betont, daß es darauf ankäme, die Jugend in den westlichen Industrieländern in ihrem antiimperialistischen Kampf zu mobilisieren und zu unterstützen. In diesem Zusammenhang gelte es, den A. zu nutzen.


 

Fundstelle: DDR Handbuch. 2., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, Köln 1979: S. 43


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

Ausführliche Informationen zu den Handbüchern finden Sie hier.