DDR von A-Z, Band 1979

Antisemitismus (1979)

 

 

Siehe auch die Jahre 1960 1962 1963 1965 1966 1969 1975 1985


 

Mit der Beseitigung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wurzeln des Faschismus gilt offiziell auch der A. in der DDR als überwunden. Berichte über antisemitische Äußerungen und Handlungen in der DDR erscheinen nicht in der Presse. Die Zahl der Juden in der DDR ist recht gering; sie dürfte etwa 750 betragen, wovon etwa 300 in Berlin (Ost) leben. Die Friedhöfe und Synagogen der Jüdischen Gemeinden werden zwar mit staatlicher Hilfe erhalten; die DDR erkennt jedoch keine Folgeverantwortung für deutsche Verbrechen an Juden während des Dritten Reiches für außerhalb ihres Staatsgebietes lebende Personen an und leistet auch keine Wiedergutmachung an Israel oder internationale jüdische Organisationen. Eine angeblich im November 1976 einem Dachverband amerikanischer Juden angebotene Wiedergutmachungsleistung von 1 Mill. Dollar wurde von Nahum Goldman, dem damaligen Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses, als nicht angemessen zurückgewiesen. Die DDR verfolgt eine „antizionistische Politik“. In den Auseinandersetzungen im Nahen Osten nimmt sie eindeutig Partei für die sog. palästinensischen Befreiungsorganisationen und gegen Israel. Sog. zionistische Veröffentlichungen können in der DDR nicht erscheinen; auch Sprecher der jüdischen Gemeinden der DDR haben distanzierende Erklärungen zu Problemen des Zionismus abgegeben.

 

Der Verurteilung des Zionismus als Rassismus durch die Mehrheit der UNO-Vollversammlung, der auch die DDR zustimmte, hat im November 1975 nur der Konvent der evangelischen Bischöfe in der DDR in einer öffentlichen Erklärung widersprochen.


 

Fundstelle: DDR Handbuch. 2., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, Köln 1979: S. 46


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

Ausführliche Informationen zu den Handbüchern finden Sie hier.