Klassenbewußtsein (1979)
Siehe auch die Jahre 1975 1985
„Weltanschaulich-ideologische Grundauffassungen und Grundüberzeugungen der einer gesellschaftlichen Klasse zugehörigen Persönlichkeit, durch die ihre politischen Haltungen und Handlungen einen festen Bezugsort, den Klassenstandpunkt, erhalten“ (Wörterbuch der Psychologie, Hrsg. G. Clauß u. a., Leipzig 1976, S. 274). Das K. setzt sich in der Auffassung des Marxismus-Leninismus aus verschiedenen Dimensionen zusammen. Dazu gehören das Erlebnis der Zugehörigkeit zur Arbeiterklasse, bewußte Identifikation mit der Klassenideologie („Klassenmoral“) wie auch die feste Überzeugung von der „historischen Mission der Arbeiterklasse“. Die politische Ausdeutung des K. steht in der DDR jedoch im Vordergrund. Jede Klasse entwickelt, gemäß ihrer Stellung im gesellschaftlichen Produktionsprozeß, ein eigenes K. Insofern kann das K. als „besondere Seite“ des Gesellschaftlichen ➝Bewußtseins, in dem sich eine Klasse vor allem ihre Interessen und ihre Existenzbedingungen bewußt macht, aufgefaßt werden. Gemäß dem Marxismus-Leninismus besteht ein grundlegender Unterschied zwischen dem K. der Arbeiterklasse und dem anderer Klassen: „Das Klassenbewußtsein der Arbeiterklasse besitzt eine neue Qualität. Sein theoretisch-wissenschaftlicher Ausdruck ist der Marxismus-Leninismus“ (Kleines Pol. Wörterbuch. Berlin [Ost] 1973, S. 406). Wie jedes K. durchläuft das K. der Arbeiterklasse verschiedene Entwicklungsstufen („Klasseninstinkt“, „spontanes“ K., voll entwickeltes K. in der Form des Marxismus-Leninismus).
Für die Ausbildung des K. wird in der DDR eine planmäßige und permanente Schulung als Voraussetzung angesehen. Mit der Eroberung der politischen und ideologischen Macht wird das K. der Arbeiterklasse zum herrschenden Bewußtsein in einer Gesellschaftsordnung. Träger des K. der Arbeiterklasse ist die marxistisch-leninistische Partei (SED).
Fundstelle: DDR Handbuch. 2., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, Köln 1979: S. 597