DDR von A-Z, Band 1979

Politologie (1979)

 

 

Siehe auch das Jahr 1985


 

Seit Anfang der 70er Jahre auch im DDR-Schrifttum gebrauchter Begriff, meistens als „Lehre von der Politik“ bezeichnet. Obwohl Staatsrechtler wie Wolfgang Weichelt, Kritiker des „bürgerlichen“ Demokratieverständnisses wie Karl-Heinz Röder u. a. sich seit Beginn der 70er Jahre mit politologischen Theorien des Staates, der Demokratie, jedoch auch mit politikwissenschaftlichen Einzelbegriffen wie „Macht“, „politisches System“, „Herrschaft“, „politisches Handeln“ „politische Ideologie“ u. a. m., ferner mit der sozial- und politikwissenschaftlich orientierten Friedens- und Konfliktforschung in verstärktem Maße auseinandersetzen, besteht P. oder Politische Wissenschaft als akademische Disziplin in der DDR bisher nicht. Es gibt auch keine nationale Politologenvereinigung wie z. B. in der UdSSR.

 

Dennoch wird besonders einer effizienten Politikberatung, der politischen Prognose, der politischen Psychologie und der politischen Entscheidungstheorie in der DDR seit Mitte der 70er Jahre erhebliche Aufmerksamkeit geschenkt. In diesem Zusammenhang wird mitunter auch ein pragmatisches Theoriebedürfnis artikuliert, obwohl sich Soziologen, Gesellschaftswissenschaftler und Ideologiekritiker in der DDR bisher überwiegend darauf beschränken, die P., wie sie im Westen, vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika sowie in der Bundesrepublik Deutschland betrieben wird, als scheinwissenschaftliche und theoretisch wie methodisch eklektische Entscheidungshilfe der „staatsmonopolistischen Führungszentren“ zu entlarven.

 

[S. 840]Im übrigen wird die „wissenschaftlich begründete Politik“ in der DDR als Teilgebiet des Marxismus-Leninismus begriffen.


 

Fundstelle: DDR Handbuch. 2., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, Köln 1979: S. 839–840


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

Ausführliche Informationen zu den Handbüchern finden Sie hier.